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Island 2020

 
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Nach dem Urlaub ist immer vor dem Urlaub und nach unserer Rückkehr aus Namibia ging die Überlegung für die nächste Reise in Richtung USA/Rocky Mountains. Ich fing also Ende des letzten Jahres mit der Planung an, doch irgendwie wollte der Funke nicht so recht überspringen und ich war etwas lustlos bei der Sache. 

Eines Freitagabends blätterte ich in der Fernsehzeitung, als mir die Ankündigung eines Island-Krimis ins Auge stach. Island - das war’s!

 

Wir waren zwar erst 2017 dort, doch damals mussten wir wetterbedingt auf viele Spots verzichten und schworen, dass wir noch einmal wiederkommen werden. 

 

Mein zweiter Gedanke an jenem Abend: werden wir bei Martina und Jón unterkommen?

Besonders Jón hat uns beide so nachhaltig begeistert, dass klar war, dass wir unsere Reisezeit nach deren Verfügbarkeit richten werden. 

Ich hab dann einfach dort angerufen, Jón war am Apparat und war amüsant geschmeichelt, als er das hörte. Ich bat ihn, das Zimmer bis Montag zu reservieren, denn ich hatte ja noch gar keinen Plan, was wir machen wollten.

 

Das komplette Wochenende stellte ich nun eine dreiwöchige Route für Ende Mai zusammen und erfreulicherweise waren die Unterkünfte in Island wesentlich einfacher zu buchen als vor drei Jahren. Die meisten Zimmer hatten nun ein eigenes Bad und waren trotzdem günstiger als bei unserem ersten Aufenthalt. 

 

Am Montag wurden die Hotels gebucht und dann kümmerte ich mich um den Mietwagen und zuletzt um den Flug. Also in genau umgekehrter Reihenfolge als gewohnt. 

Somit waren von der Idee zur kompletten Buchung gerade mal vier Tage vergangen.

 

Und dann kam Corona.

 

Als der Lockdown Mitte März begann, war ich nicht beunruhigt, denn es war ja noch lange hin. Doch es stellte sich bald heraus, dass die Auswirkungen auch unseren Urlaub beeinflussen werden.
Am 6. Mai wurde unser Wizz Air Flug für den 23. Mai gestrichen. Ich verschob auf den 6. Juni und buchte alle Hotels um. Glücklicherweise hatte ich alle auf booking.com gebucht, damit war die Bucherei überschaubar. Und bis auf drei Unterkünfte waren auch alle kostenfrei stornierbar.

Am 12. Mai gab die isländische Regierung bekannt, dass man ab dem 15. Juni mit einem negativen Covid-19 Test einreisen darf. Bis dahin war noch eine 14tägige Quarantäne notwendig.  

Also buchte ich wieder alles auf den 25. Juni um - immer mit Rücksprache von Martina, die mir allerdings für diesen Zeitraum die letzte Nacht nicht mehr garantieren konnte.

Die anderen Hotels waren auch nicht immer verfügbar, so musste ich sehr viel stornieren und neu buchen. 

 

Zum Glück hatte ich den Flug noch gar nicht angegriffen. Hier hatten wir einen positiven Aspekt, denn die neuen Flüge waren sogar in der höchsten Klasse deutlich billiger und wir konnten uns dadurch über 330 Euro ersparen - vorausgesetzt, die Airline zahlt das Geld wie versprochen zurück.

Zum Schluß wollte ich noch den Mietwagen auf das neue Datum ändern, da setzte es mich gleich tiefer in meinen Sessel: statt 1.770,00 Euro sollte er nun satte 2.360,00 Euro kosten! Wie ich herausfand, werden die Preise just am 25. Juni erhöht. 

Also wieder umbuchen!  

 

Der Flug war kein Problem, in unserer Klasse können wir gratis umbuchen. Letztlich wurden es zwei Tage mehr und der Abflug ist am 23. Juni. Die Wizz Air hat später alle Donnerstagsflüge gestrichen, somit hätten sie sowieso nicht mehr am 25. fliegen können. 

 

Mit den Hotels hatte ich ein bisschen zu kämpfen, doch nach einem durchgearbeiteten Samstag hatte ich alles unter Dach und Fach und machte ich im Stillen drei Kreuze drunter!

 

Anfang Juni meldete sich Arnold, ein befreundeter Fotograf bei mir, der eine Woche vor uns nach Island fliegen wollte. Er hatte gerade erfahren, dass ein im Ausland gemachter Covid-19 Test in Island nicht mehr akzeptiert wird und alle in Keflavik einen Test machen müssen. 

 

Wir hatten einen Termin am Flughafen am Tag vor dem Abflug, damit wir die 4 Tage Regel einhalten können. Durch die geänderten Vorschriften war das jetzt hinfällig. Wir wollten aber trotzdem sicherheitshalber in Wien den Test machen, um größeren Schaden bei Stornierungen zu verhindern und machten das ein paar Tage vor Abflug bei labors.at. Dort  kostet der Test nur 140,00 Euro, am Flughafen hätten wir 190,00 Euro bezahlt. 

 

Es war gar nicht so schlimm wie alle sagen, Karsten hat es etwas ärger als ich empfunden. Aber bereits nach ein paar Stunden hatten wir einen negativen Bescheid. Damit war eine große Hürde geschafft und ich wage nach Wochen zwischen Hoffen und Bangen an unseren Urlaub zu glauben. Jetzt muss nur noch in Island alles gutgehen, dann können wir endlich aufatmen.

Tag 1 - Dienstag, 23.6.20 - Ankunft

 

Jetzt geht's los, Abflug ist um 13:20. Feine Zeit!

Am Flughafen ist mäßig was los, wir kommen überall schnell durch. Es wird nur der Terminal 3 bespielt, unser Abflugsgate ist noch nicht bekannt und wir machen uns auf die Suche nach etwas Essbaren. 

Vor dem einzigen offenen Snackstand drängen sich die Leute, man hört viel Italienisch. Die Preise sind unverschämt teuer, ein gefülltes Baguette kostet 7,20 Euro. Vielleicht sind die immer so teuer, vielleicht wird auch nur die momentane Monopolstellung ausgenutzt, man weiß es nicht.

 

Nun, so verzweifelt sind wir nicht und werden am Ende des menschenleeren Ganges bei zwei gut gefüllten Automaten fündig. Für einen geeigneten Platz zum Essen haben wir die Qual der Wahl und fläzen uns auf zwei von diesen gepolsterten Liegen, die es auf dem neuen Terminal gibt. 

Jetzt ist auch unser Gate am Schirm, wir haben Priority  Seating und dürfen mit der ersten Welle ins Flugzeug. Weit haben wir es nicht, denn wir sitzen gleichen der ersten Reihe. Der Sitz zwischen uns bleibt frei, das hat aber eher mit dem Extrapreis für den XL-Sitz zu tun als mit Covid-19 Vorkehrungen, denn die Maschine ist gut gefüllt und die Passagiere sitzen direkt nebeneinander. Die Maske müssen wir während des gesamten Fluges auflassen, ich finde es nicht schlimm, wobei ich die Stoffmaske der aus Zellstoff vorziehe. 

 

Ein Mann mittleren Alters sagt beim Einsteigen, dass dies sein erster Flug sei und er etwas nervös ist. Ob er den Piloten kurz sprechen könnte? 

Tatsächlich nimmt sich der Captain des Mannes an und die beiden plaudern ein paar Minuten vor dem Cockpit über Flugerfahrung, Wetter und Sicherheit. Dann streut die Flugbegleiterin noch ein, dass er sowieso der beste Captain ist und der Mann geht mit dem Ausdruck eines staunenden Kindes zu seinem Sitzplatz. Eine berührende Szene!

 

15 Minuten früher als geplant setzt die Maschine in Keflavik auf und wir sind die ersten draußen. Durch eine Glasscheibe getrennt winkt uns Arnold wie verrückt zur Begrüßung zu. Er und seine Fotogruppe nehmen unseren Flieger zurück nach Wien. 

 

Bevor wir noch unser Gepäck erhalten, werden wir zum Covid-19 Test umgeleitet. Im 5 Minuten Takt werden hier alle ankommenden Passagiere durch einen Mund- und Nasenabstrich getestet. 

Diesmal ist es etwas ungemütlicher. Die gute Frau bohrt mir mit dem Wattestäbchen so tief in die Nase, dass ich befürchte, sie kommt hinten wieder raus. Es brennt leicht. Dann dreht sie es knapp unter meinem Hirn ein paar Mal beherzt herum, dass mir ganz anders wird. Der Mundabstrich geht schneller und wir sind durch. 

 

Unsere Koffer drehen schon eine Ehrenrunde und wir schieben uns vollgepackt zum Hertz Schalter. Beim Unterschreiben lese ich, dass man uns einen Qashqai geben will. Der Toyota RAV 4 ist angeblich eine andere Kategorie. Kann ja gar nicht sein, denn wir haben ja einen RAV 4 (oder ähnlich) gebucht. Die beiden Angestellten beteuern, dass es sich beim Qashqai um ein gleichwertiges Auto handelt. "Und der Kofferraum ist auch gleich groß?" frage ich. Das glaube ich nämlich nicht. "Doch, doch, das geht sich aus" sagt der Hertz Angestellte. 

 

Zähneknirschend nehmen wir den Schlüssel und machen uns auf die Suche nach dem Qashqai. Wie erwartet ist der Kofferraum viel zu klein, da gehen nicht einmal unsere beiden großen Koffer rein, geschweige denn zusätzlich mein Trolley und der Handkoffer. Ich mache noch ein Bild des Versuches und wir gehen zurück zum Schalter. 

Meine Beharrlichkeit zahlt sich aus und plötzlich gibt es doch einen RAV 4 mit einen weitaus größeren Kofferraum.

 

Eigentlich müssten wir jetzt ohne Umweg in unser Quartier fahren und dort bleiben, bis die Testergebnisse da sind. Wir brauchen aber Lebensmittel für die nächsten drei Tage und bei der Hütte am See beim Þingvellir Nationalpark gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten. 

Also auf zum Nettó in Keflavik, wo wir alles fürs Frühstück und noch mehr kaufen. 

Im Supermarkt merkt man nichts von einer Pandemie, weder tragen die Kunden eine Maske noch sind die Verkäufer irgendwie geschützt - direkt ungewohnt heutzutage. 

 

Die Hütte am See ist für die nächsten drei Nächte unsere Unterkunft und gehört Martina und Jón, bei denen wir am Ende unserer Reise wohnen werden. Trotz sehr detaillierter Beschreibung braucht es vier Versuche, bis wir den richtigen Weg zur Hütte finden. 

Der versteckte Schlüssel ist gleich gefunden und wir retten uns vor den mutierten Killergelsen schnell ins Innere. Wahrscheinlich sind die Viecher eh harmlos und stechen nicht, doch sie treten in solchen Schwärmen auf, dass uns die Lust vergeht, die Terrasse zu betreten. 

Der Ausblick auf den See ist toll, malerisch liegt ein weißes Boot am Ufer und von gegenüber spiegelt sich die Úlfljótsvatnskirkja im Wasser. 

 

Es ist bereits kurz vor 20 Uhr, wir bringen nur schnell unsere Koffer hinein, denn die Restaurants haben nur bis 21 Uhr geöffnet und liegen nicht grad ums Eck. 

Bis auf das Borealis Hotel, doch das hat offenbar Corona nicht überlebt. Also sputen wir uns zum Minniborgir Restaurant, die uns aber auch noch um halb neun freundlich aufnehmen. 

Die Sonne steht hoch am Himmel, als wir eine Stunde später zurück an den See fahren. 

 

Damit es etwas gemütlicher wird, entfachen wir im Kamin ein Feuer. Kurz nach zehn Uhr dann das erlösende Mail: "You have not been diagnosed with COVID-19".

Mir fällt ein Stein vom Herzen, jetzt können wir unseren Urlaub endlich genießen!

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Aussicht von unserer Hütte am Úlfljótsvatn

 

Tag 2 - Mittwoch, 24.6.20 - Sigöldugljúfur Canyon

Es war noch hell, als wir gegen Mitternacht schlafen gingen und es ist hell, als ich kurz vor 6 Uhr morgens aufwache. 

Ich nehme die Butter aus dem Eiskasten und lege mich wieder hin. 

Danach habe ich einen etwas strangen Traum: Karsten und ich sitzen in der Hütte und aus einer Ecke höre ich ein seltsames Brizeln. Ich schaue nach und sehe, dass ein defektes Stromkabel zischend Blitze verteilt und dabei eine Wolldecke in Brand gesetzt hat. Ich nehme die Decke, die nur leicht bläulich brennt und trage sie zur Eingangstür. Dort fällt sie mir aus der Hand und beginnt lodernd gelb zu brennen. Ich hebe sie auf und schmeiße sie aus der Hütte in den Regen. 

Da war ich sicherlich von den gestrigen Ereignissen beeinflusst. 

 

Wir stehen erst nach 8 Uhr auf, daran müssen wir in den folgenden Tagen arbeiten. Lange schlafen gibt's nur zuhause, im Urlaub haben wir dafür nicht immer die Zeit.

 

Nach dem Frühstück nehmen wir noch die Sachen aus den Koffern, die wir ab jetzt immer im Kofferraum lassen, wie Stative, Gummistiefeln und Regenhosen. Es regnet schon die ganze Nacht und es hat nicht den Anschein, dass es heute anders wird. 

Obwohl - gerade strahlt die Sonne durch die Regenwolken. Aber das ändert sich in Island sowieso  alle 15 Minuten. 

 

Gestern sind uns bei der Herfahrt schon die Lupinen aufgefallen. Diese violetten Blumen wurden im 20. Jahrhundert eingeführt, um die Bodenerosion zu stoppen. Sie sind definitiv gekommen, um zu bleiben und wachsen nun in riesigen Feldern neben der Straße.  

 

Zum Sigöldugljúfur Canyon fahren wir fast zwei Stunden. Von einem natürlich entstandenem Parkplatz am Straßenrand gehen wir noch einen Kilometer querfeldein, bis wir an der Abbruchkante der Schlucht stehen. Malerisch stürzen mehrere kleine Wasserfälle von der Abbruchkante in die Tiefe. 

 

Wohlweislich habe ich die Regenhose und die Gummistiefeln an, denn es regnet immer wieder einmal. Da ist wieder viel Wischen und der Regenschirm gefragt, damit keine Tropfen auf den Filtern die Langzeitbelichtung versauen. 

Außer uns ist niemand hier, dafür ist der Canyon zu weit vom Golden Circle entfernt. Und in diesen Zeiten sowieso nicht. 

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Sigöldugljúfur Canyon

Beim Sigöldufoss treffen wir wieder auf unsere Freunde, die kleinen äußerst lästigen Fliegen. Zum Glück lassen sie uns beim Fotografieren in Ruhe.

 

Bis vorige Woche war die Straße zum Canyon noch gesperrt, man sieht auch noch ein paar kleine Schneefelder neben der Straße. In weiter Ferne zeichnen sich die schneebedeckten Berge im Hochland ab. 

Die F205 zum Rauðufossar ist laut road.is noch immer gesperrt und wir machen einen kleinen Umweg, um zu sehen, was das genau für die Anfahrt zu dem spektakulären Wasserfall bedeutet. 

Nun, wie sich herausstellt, bedeutet es, dass die Straße mit einem Gatter geschlossen ist. Schade, aber so sparen wir uns morgen die lange Anfahrt. 

Þjóðveldisbær ist der Nachbau eines Hofes aus der Wikingerzeit, der bei einem Ausbruch des Vulkans Hekla im Jahr 1104 unter Asche begraben wurde.

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Sigöldufoss

Schon beim Verlassen des Autos werden wir von einer Million kleiner Fliegen umschwärmt, denen wir uns kaum erwehren können. Nur durch hektisches Wedeln vor dem Gesicht, kriechen sie nicht in alle Öffnungen oder setzten sich beim Fotografieren auf die Linse. 

Bevor wir eine Wagentüre öffnen, wird auch großflächig mit dem Kapperl gewedelt. Trotzdem landet jedesmal eine Handvoll der kleinen Biester im Wageninneren. Die werden dann nach und nach ihrem Endziel zugeführt, nach dem Motto: "Leichen pflastern seine Windschutzscheibe". Dagegen sind die australischen Fliegen ein Lercherlschaß! 

 

Am Weg zurück zum Þingvellir beginnt es wieder zu regnen und wir beschließen, das Nachtmahl vorzuziehen. Fotografieren können wir eh bis Mitternacht, essen jedoch nicht. 

Im Restaurant Þrastalundur müssen wir unsere Mails mit dem negativen Covid Test herzeigen. Da hätten wir gestern schlechte Karten gehabt!

 

Nach dem Essen scheint die Sonne vom Himmel als hätte es nie geregnet. 

In der Nähe unserer Hütte gibt es zwei Punkte, die wir noch anfahren wollen.

 

Der Ýrufoss liegt unterhalb des Wasserkraftwerkes südlich unserer Hütte. Wir fahren mit dem Auto durch hohe Lupinen, die zwischen den Reifenspuren eines abenteuerlichen Weges. Die letzen 70 Meter müssen wir zu Fuß gehen. 

Wir wollen gar nicht aussteigen, denn draußen sammeln sich die kleinen Monster und es werden immer mehr. Ich habe ja den Verdacht, dass die nur dort sind, wo es auch Lupinen gibt, denn bei unserer Hütte gibt es keine. 

Natürlich steigen wir trotzdem aus und merken nach ein paar Schritten, dass wir besser die Gummistiefeln angezogen hätten, denn der Weg durch die Lupinen ist sehr nass und unsere Schuhe sind es auch sehr schnell. 

Auf der Hälfte des Weges sehen wir, dass nur ein trauriges Rinnsal aus dem Wasserkraftwerk kommt, das kann nie und nimmer einen ordentlichen Wasserfall geben. Und für Experimente sind uns die Fliegen und unsere nassen Schuhe den Aufwand nicht wert. 

 

Zum Ende des Tages besuchen wir noch die kleine Kirche, die wir von der Hütte aus am anderen Ufer sehen, die Úlfljótsvatnskirkja. Sie wird von der untergehenden Sonne warm beschienen und gibt ein schönes Fotomotiv ab. 

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Úlfljótsvatnskirkja

Die untergehende Sonne begleitet uns auch noch bis wir um 23 Uhr schlafen gehen, denn tatsächlich wird sie erst kurz vor Mitternacht untergehen, um um kurz vor 3 Uhr morgens wieder aufzugehen. 

Tag 3 - Donnerstag, 25.6.20 - Þingvellir - Öxarárfoss - Strokkur

 

5:15 Karsten taucht verknittert aus der Bettdecke auf: "Ist es schon hell?" 

Selten so gelacht!

 

Der kleine Vogel, der uns gestern schon aufgefallen ist, läuft schon wieder aufgeregt am Geländer vor unserem Wohnzimmerfenster auf und ab. Er beobachtet uns genau, mal vom Seitenfenster oder durch die große Scheibe, die zum See zeigt. Immer ist er irgendwo und schaut mit schrägem Kopf, was wir machen. 

Heute bin ich ihm auf die Schliche gekommen, denn es gibt offenbar ein Nest im Gebälk.

 

Für heute brauchen wir einen neuen Plan. Wir fahren in den Þingvellir Nationalpark, weil er direkt vor unserer Haustür liegt und wir ihn vor drei Jahren nur schnell gestreift haben. 

Das Wetter spielt heute auch mit, der Himmel ist zwar total bedeckt, doch wenigstens regnet es nicht mehr. 

 

Die Silfra-Spalte liegt auf der Nahtstelle zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa, ist 63 m tief und ein Paradies für Taucher. Das kristallklare Wasser hat allerdings nur 2–4 °C. Als wir eintreffen, taucht gerade eine Gruppe zu den Lavafeldformationen ab. 

 

Beim Öxarárfoss toben wir uns noch mit Langzeitbelichtungen aus, nur wenige Touristen stören uns. 

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der Öxarárfoss im Þingvellir Nationalpark

Nun verlassen wir den Nationalpark und fahren zum Strokkur. Hier waren wir 2017 schon, doch der sehr beständig ausbrechende Geysir ist immer einen Besuch wert. 

Alle vier Minuten - man kann fast die Zeit danach messen - steigt aus einer gigantischen blauen Blase eine 25 m hohe kochend heiße Wassersäule in den Himmel. Diese Blase bildlich einzufangen, ist eine Kunst, denn sie existiert nur eine Sekunde.

 

Auch hier sind nur einen Handvoll Touristen, kein Vergleich mit den Menschenmassen bei unserem ersten Besuch!

Bevor wir wieder gehen, entdecken wir noch eine kleines Becken mit einem unglaublich blauen Wasser. Das macht sich sehr gut im Vordergrund, dahinter der ausbrechende Strokkur. In der Zwischenzeit hat sich auch eine dramatische Wolkendecke gebildet - Picture perfect!

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Strokkur

Heute machen wir Frühschluss und fahren in die Hütte. Wir haben schon dringend eine Dusche und Haarwäsche nötig und ich habe genug Zeit, den Bericht zu schreiben. Fast wie im Urlaub....

 

Der Kellner im Restaurant Þrastalundur erkennt uns gleich wieder und macht uns gleich unser Getränk, Wir haben ihm nämlich gestern gezeigt, wie man einen Krug Obi G'spritzt macht.

 

Zurück in der Hütte lassen wir das erste Mal die neue Drohne fliegen. Wir haben uns kurz vor der Abreise eine Mavic Air 2 gekauft, die ist gut die Hälfte kleiner als die Phantom 4 Pro.

Tag 4 - Freitag, 26.6.20 - Fossarétt - Glymur

 

Heute wollen wir etwas früher los, damit wir ein bißchen früher in der Unterkunft ankommen als geplant. Die Besitzer dürften sehr nett und in Plauderlaune sein, das muss man ausnutzen. 

 

Trotzdem wir um 7 Uhr aufstehen ist es 8:30, als wir endlich im Auto sitzen und die ersten 10 Kilometer grübeln, ob wir eh nichts in der Hütte vergessen haben. Andererseits könnten wir Vergessenes in drei Wochen bei Martina und Jón wieder abholen. 

 

Nach einer guten Stunde erreichen wir den Fossarétt. Dieser fotogene Wasserfall liegt gleich neben der Straße in einer kleinen Vertiefung, die mit violett-weißen Lupinen übersäht ist. So schön!

 

Immer wieder finden sich neue Motive und nach einer Stunde packen wir die Stative wieder ein. Gerade rechtzeitig, denn es beginnt zu regnen. 

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Fossarétt

Gleich um die Ecke liegt der Skorhagafoss. Die Zufahrt ist mit einer Kette versperrt, als laufen wir die letzten 450 Meter. Nach ein paar Schritten findet Karsten aber heraus, dass man sehr wohl zum Wasserfall hinfahren kann, nur halt von der anderen Seite.

 

Also zurück ins Auto (ich mache noch einen Fritzelacke über die Kette) und ein paar Meter zurück. Dort ist die Zufahrt zwar auch mit einem Weidezaun versperrt, doch zumindest sehen wir den Wasserfall direkt vor uns. 

 

Leider ist es aber doch die falsche Seite, denn die markanten Stufen sieht man von der Seite gar nicht. Wir fahren dann langsam an der Straße vorbei und schauen genau, aber auch hier sehen wir keine Kaskaden auf der rechten Seite und fahren deshalb weiter. 

Zum zweithöchsten Wasserfall Islands, dem Glymur muss man eine 3 km lange Wanderung machen. Auch gilt es einen Fluss auf einem Baumstamm zu überqueren. Deshalb packe ich meine Gummistiefeln in den Rucksack. Karsten vertraut auf seine Militärstiefeln. 

 

Ich bin ganz schön angepackt, links die Kameratasche, rechts die Stativtasche und hinten den Rucksack. So machen wir uns auf den Weg, der leicht ansteigend und rechts und links von Lupinen gesäumt ist. Nach einer Viertelstunde kommen wir bei einer Höhle an und wissen nicht so recht, wie es weitergeht. Aber halt, da ist ja eine gelbe Markierung, also müssen wir da wohl im Finstern absteigen. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, weil die Höhle am anderen Ende offen ist und es genug Licht gibt, dass wir nicht abstürzen.  

 

Jetzt kommen wir zu besagtem Baumstamm. Ui, da ist aber eine ganz schöne Strömung und bis man den Baumstamm erreicht, muss man auf ein paar Steinen balancieren. Teilweise liegen die aber unter Wasser, dh trockenen Fußes kommt man da nicht rüber. Es gibt ein Stahlseil, an dem man sich anhalten kann. Karsten probiert's und kommt gleich wieder zurück, denn seine Schuhe sind leider nicht mehr wasserdicht und die trockenen Steine viel zu weit auseinander. Ich bin ja auch abenteuerlustig und ziehe mir die Gummler an. Damit kann ich zwar auch direkt im Wasser stehen, doch die Strömung zerrt an den Schuhen, dass ich fürchten muss, dass ich in einem unachtsamen Moment abrutschen könnte. Ich hantle mich am Stahlseil entlang und komme aber auch nicht bis zum Baumstamm. 

Da kommt eine Wanderin mit Hikingschuhen und macht uns vor, wie es geht: Hopp, hopp, rein ins Wasser und schon ist sie am Baumstamm. Nun ja, das hat jetzt gar nicht sooo arg ausgeschaut. 

Trotzdem lassen wir es gut sein, denn es steht sich nicht dafür, dass bei der Übung eine Kamera ins Wasser fällt. 

Am Rückweg mache ich noch ein paar hübsche Aufnahmen mit den Lupinen, damit der Weg nicht ganz umsonst war. 

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am Weg zum Glymur war hier Schluss

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zumindest konnten wir uns an den zahlreichen Lupinen erfreuen

In der Höhle kommt uns eine Gruppe Isländer mittleren Alters entgegen. Wir legen eine Rast ein und beobachten, wie sich die bunten Anoraks Richtung Baumstamm bewegen, den man von unserem erhöhten Aussichtsplatz gut überschauen kann. Mal schauen, ob die es schaffen!

Nach ein paar Minuten sehen wir die Anoraks wieder in unsere Richtung kommen und wir schauen, dass wir weiterkommen!

 

Ein paar Kilometer weiter liegen die beiden Schiffswracks der Hvalur 6 und 7. Wir parken an einer Straßenkreuzung und marschieren durch das hohe Gras Richtung Meer und  versuchen, den Schafskötteln auszuweichen. 

Die beiden rostigen Wracks liegen eng nebeneinander und ihre Größe ruft leichte Beklemmung hervor. Trotzdem steigen wir den steilen Hang ans Ufer hinab und machen ein paar Aufnahmen. Hier profitieren wir wieder von der Kamera, die im iPhone 11 Pro eingebaut ist. Deren Weitwinkelobjektiv übertrifft sogar Karstens Ultraweitwinkel - zumindest an meiner Kamera. 

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die beiden beeindruckenden Schiffswracks Hvalur 6 und 7

Zurück beim Auto sind wir ganz schön erledigt, jetzt fahren wir aber eh nur noch eine Stunde zu unserer Unterkunft. 

Wie erwartet kommen wir mit der Besitzerin Cinzia schnell ins Gespräch. Sie ist unüberhörbar Italienerin und zeigt sich bedauernd, als ich ihr automatisch die Hand geben will. Ach ja, da war ja noch etwas! Man könnte es in Island tatsächlich leicht vergessen. 

 

Wir sind die einzigen Gäste im Guesthouse Milli Vina und bekommen das schönste Zimmer. Eigentlich haben wir das ganze Haus für uns allein. Nicht schlecht für eine Unterkunft mit Gemeinschaftsbad. 

 

Kurz vor sieben fahren wir zum Fossatún Country Hotel, doch das Restaurant ist zurzeit nicht geöffnet. Wir erfahren aber, dass in 10 km das Restaurant Hverinn ist. Dieses hat den Charme einer Lagerhalle, die mit Ikea-Möbeln ausgestattet wurde. Wir essen eine gute Schwammerlsuppe aber mit den Fish and Chips werden sie wohl nicht berühmt. 

 

Wir lungern noch ein bissl im Wohnzimmer herum aber gegen 11 Uhr fallen mir schön langsam die Augen zu. Draußen scheint die Sonne und die Vögel zwitschern.

Tag 5 - Samstag, 27.6.20 - Grábrók Volcano - Grundarfjörður

 

Ich wache erholt auf, draußen scheint die Sonne und die Vögel zwitschern. Es ist 4:30.

Gibt es hier denn überhaupt keine Nacht?

 

Am Frühstückstisch ist schon alles hergerichtet, Tee und Kaffee müssen wir uns selbst machen. Wir bleiben allein, erst als wir mit den Koffern die Stiegen hinunterpoltern  kommen Cinzia und Virginio aus ihrer Wohnung. 

Ob wir gestern den tollen Sonnenuntergang gesehen haben? Haben wir nicht, um Mitternacht haben wir schon geschlafen. Vielleicht sollten wir unsere aktive Zeit hier nochmal überdenken...

Zum Abschied schenkt uns Virginio, der kaum Englisch spricht, eine Packung geräucherte Lachsstreifen und freut sich einen Haxen aus, als ich mich auf italienisch bedanke. 

 

Heute machen wir ein bisschen auf Kultur und fahren nach Reykholt, um den Snorralaug zu besichtigen. Dieser historische Hot Pot (wenngleich auch nicht mehr original) wird Snorri Sturluson, dem Verfasser der Edda zugeschrieben. 

Das runde Becken ist jetzt nicht gerade ein fotografisches Highlight, aber der Ort Reykholt (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ort im Golden Circle) hat zwei hübsche Kirchen, die unterschiedlicher nicht sein können.

Es war direkt ein Massenaufkommen beim Bad, wir haben zwei Touristenpaare gesehen!

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Snorralaug

Der Glanni Wasserfall soll einer Legende nach der Wohnsitz von Elfen und Trollen sein. Wir sehen ihn von einer Aussichtsplattform, somit gibt es nur eine einzige Perspektive und wir sind schnell fertig. 

 

Es ist heute sehr windig, weshalb auch ein Drohnenflug nicht möglich ist. Wir sind gestern an einem Fluß entlang gefahren, der sich in Mäandern durch die Landschaft schlängelt. Das hätte sicher tolle Luftaufnahmen gegeben.

Gleich neben dem Glanni liegt der erloschene Vulkan Grábrók. Wir erklimmen schnaufend die über 500 Stufen und werden am Kraterrand fast umgeweht. Karsten misst Windstärke 6 mit Böen bis zu 73 kmh. Der Aufstieg lohnt sich aber trotzdem, denn der Blick geht weit ins Land hinein und auch der Litla Grábrók schaut fantastisch aus!

Es sind viele Besucher da, alles Isländer.

 

Zum Glück fahren wir jetzt wieder eine Stunde, das ist der Erholung sehr dienlich. Auf der Fahrt zur Halbinsel Snæfellsnes verputzen wir die geschenkten Lachsstreifen, mit ein paar TUC Bacon gibt das ein sättigendes Mittagessen. 

Glanni

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Grábrók

Bei unserem ersten Besuch von Snæfellsnes hat es heftig geregnet und jeder Tag war nebelverhangen. Heute ist der Himmel zwar bedeckt, doch von Nebel keine Spur. 

Beim Sheep's Waterfall (auch Hobbit Hole genannt) machen wir Halt. Es stehen zwei Autos am Parkplatz, allerdings von den Besitzern ist keine Spur zu sehen. 

Gut so, denn heute können wir auch hinter dem Wasserfall fotografieren, ohne andere Leute zu stören. Jetzt fällt Karsten auch wieder die Langzeitbelichtung mit dem iPhone ein, das ist schon eine super Kamera, die da eingebaut wurde!

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Sheep's Waterfall

Für unsere Unterkunft ist es fast noch zu früh zum Einchecken, deshalb fahren wir durch Grundarfjörður durch und gleich weiter zum Kirkjufellsfoss. Hier haben wir 2017 zwei Nächte gewohnt und kein einziges Foto ohne Nebel oder dichten Wolken machen können. Heute zeigt sich der malerische Kirkjufell in seiner ganzen Pracht, wir machen die obligatorischen Bilder mit dem Wasserfall im Vordergrund. Der Wind ist schneidend kalt, Karsten war gescheit und hat Handschuhe mitgenommen. 

 

Nach einer Einkehrrunde beim örtlichen Supermarkt checken wir im Grundarfjörður Bed & Breakfast ein. Ich habe ja vor zwei Tage telefonischen Kontakt hierher gehabt, weil Booking,com mir am Tag der Landung ein paar ominöse Mails geschickt hat, dass   "möglicherweise die Unterkunft uns nicht unterbringen kann", obwohl ich alle Unterkünfte eine Woche vor Abflug noch einmal kontaktiert hatte. 

Es ist eh alles ok, doch in diesen Tagen kann alles möglich sein. 

 

Der Typ an der Rezeption ist ein cooler Hipster mit großen Tunneln in den Ohren und dicken Ringen drin. Das Zimmer ist zwar klein, das Bad aber sehr gut ausgestattet. Ich  genieße gleich eine heiße Dusche und mache aus dem Nest auf meinem Kopf wieder eine  Frisur. Alles in Allem werden wir uns hier in den nächsten zwei Tagen sicher sehr wohlfühlen!

 

Selbst in Zeiten wie diesen bekommt man im Restaurant Bjargarsteinn ohne Reservierung keinen Platz. Wir reservieren für morgen und essen im Laki. Diese Pizzeria gehört zu unserem B&B, der Betreiber und die Köchin kommen aus Italien. Selbsterklärend, dass die Pizza vorzüglich schmeckt!

 

Ich überrede Karsten zu einem kleinen Verdauungsspaziergang mit der Kamera durch Grundarfjörður. Danach zappe ich noch durch die drei oder vier Fernsehprogramme, auch nur, weil wir ein Gerät im Zimmer haben. Aber außer einer trotteligen amerikanischen Kochsendung und zwei isländischen Filmen gibt es nichts zu sehen. 

Wir haben Verdunkelungsrollos, das ist fein!

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Grundarfjörður

Tag 6 - Sonntag, 28.6.20 - Snæfellsnes

 

Ich bin mit leichten Rückenschmerzen aufgewacht. Das Bett ist nicht so meins und ich bin auch kein Fan von Seersucker-Bettwäsche. Aber es gibt Schlimmeres!!

 

Frühstück im B&B ist ganz ok, es gibt Wurst und Käse und sogar harte Eier. Nur der TImer am Toaster läuft die ersten 2 Minuten ohne Sinn, weil der Stecker nicht in der Dose ist und der Toaster deshalb kalt bleibt. 

 

Um 9 Uhr sind wir on the road. Heute haben wir viele Punkte aber keine Zeitvorgabe. 

Noch ist der Himmel bedeckt, aber man sieht schon einen blauen Strich, es verspricht ein schöner Tag zu werden!

 

Den Kirkjufellsfoss lassen wir links liegen, der schaut heute auch nicht besser aus als gestern. Vielleicht gibt es ja heute einen Sonnenuntergang, dann wird er wieder interessant. 

 

Die Zufahrtsstraße zur Ingjaldshólskirkja schaut ganz verändert aus, denn rechts und links blühen verschwenderische Mengen von Lupinen. Wir machen die Bilder aus den Blumen, offenbar kein neuer Gedanke, denn es gibt schon richtige Wege durch die Felder.

Die Drohne darf auch einmal knapp über die violetten Lupinen fliegen und danach die Kirche besuchen. 

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Ingjaldshólskirkja

Zum Skarðsvík Beach nehmen wir die Stative mit und setzen uns gemütlich auf die Lavafelsen. So kann man auch ein bissl die Seele baumeln lassen und einfach nur den Wellen zuschauen. 

Dann probiere ich, ob ich den Felsen noch höher kraxeln kann. Mein Kopf sagt ja, meine Knie sagen nein. Man ist halt doch keine 50 mehr!

 

Dritvik Djúpalónssandur finden wir jetzt nicht so spannend, den Weg zum Strand sparen wir uns. Aber immerhin gibt es eine Toilette, das findet man hier auch nicht so oft. 

 

Beim Londrangar treffen wir das erste Mal auf ein paar Besucher und man sollte es nicht glauben, selbst jetzt finden sich ein paar Deppen, die über die Absperrung kraxeln und nahe an die Abbruchkante gehen. Ich stelle mich neben die vier jungen Männer und bin erstaunt, dass es sich dabei um Isländer handelt. Also sind nicht nur die Touristen so blöd, sondern auch die Einheimischen. 

 

Abgesehen davon herrscht hier ein Heidenlärm, denn in den Felsspalten nisten unzählige Vögel. Papageientaucher sehen wir nicht, aber da kommt sicher noch die eine oder andere Gelegenheit. 

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Londrangar

Die Landschaft ist fantastisch! Grüne Grasfelder sind mit gelben Butterblumen gesprenkelt, die Berghänge haben eine in Falten hängende grünschattierte Decke umgehängt und immer wieder blitzt der schneebedeckte Gipfel des Snæfellsjökull hervor, der der Halbinsel den Namen gibt. Die Straße hinauf ist selbst Ende Juni noch gesperrt. 

Die Sonne lacht von Himmel, ein Traum! 

 

In Arnastapi parken wir beim Hafen und wandern ein kurzes Stück die Küste entlang, das Schild "Miðgjá" weist uns den Weg zu der  bekannten Steinbrücke. Ich lasse mich gleich darauf fotografieren,

Karsten muss nicht so. 

 

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Unzählige Möwen nisten in den Steilwänden, ihre Schreie klingen wie Kindergejammer.

 

Am Weg zurück zum Hafen schmeiße ich mich ins Gras um ein etwas anderes Foto von der Umgebung zu machen. In einem Tümpel schwimmen laut kreischend Möwen, plötzlich steigen sie alle gleichzeitig aus dem Wasser und fliegen davon. Und überall sattgelbe  Butterblumen, Löwenzahn und lila Vergissmeinnicht. Der Inbegriff einer Sommerwiese!

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Arnastapi

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die Steinbrücke Miðgjá bei Arnastapi

Kurz nach drei parken wir unterhalb der Rauðfeldsgjá Gorge. Ein weiterer Wagen steht am Parkplatz, die Leute kommen gerade aus der Schlucht zurück. Die Sonne knallt vom Himmel und wir machen uns an den bissl mühsamen Aufstieg. 

Oben angekommen rätseln wir erst einmal, ob tatsächlich der einzige Weg in die Schlucht über den rauschenden Bach ist, der nur ein paar große Steine trocken zwischen den Stromschnellen läßt. Ist es und ich hantle mich an der Wand entlang. Nur gut, dass der poröse Lavafelsen gute Griffe bietet, ich möchte ungern mit den Schuhe unter Wasser kommen. 

In der Schlucht sinkt die Temperatur um etliche Grad, wir sehen unseren Atemhauch, so feuchtkalt ist es. Hier kommen wir auch nur ein paar Schritte auf trockenem Boden weiter, offensichtlich geht es nur durch den Bach weiter hinein. 

Ein Vater/Sohn Gespann kommt und wir lassen ihnen großzügig den Vortritt. 

Arnastapi

Aber selbst diese beiden sportlichen Typen drehen nach ein paar Metern wieder um. Karsten geht bis zur Stelle, wo man ca. einen Meter hoch steigen muss, um weiterzukommen. Sehr viel weiter wird es aber sowieso nicht gehen, die Schlucht ist schon sehr eng.

Wir machen noch ein paar Fotos, die Stative haben wir nicht mitgenommen, so müssen die Steine als Unterlage dienen. 

 

Als wir wieder ins Sonnenlicht treten, sehen wir am Parkplatz 8 oder 9 Autos stehen und eine Menge Leute sind am Weg zu uns herauf. So schnell kann's gehen mit den Touristenanstürmen. Quatsch, es sind wieder durchwegs Isländer, die den Sonntag für einen Ausflug nutzen.  

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Rauðfeldsgjá Gorge

Unsere letzte Station für heute ist der Bjarnarfoss. Schon ziemlich fußmarod schleppen wir uns den ansteigenden Weg zu einer Holzbrücke. Ich muss mit dem Stativ direkt ans Wasser, sonst krieg ich mit meiner 18 mm Brennweite den Wasserfall und die Kaskaden nicht ins Bild.  Von dort machen wir unzählige Bilder, denn auch hier faszinieren mich wieder die Butterblumen am Uferrand. Auch der einsetzende leichte Regen stört uns nicht. 

Dann möchten wir mit der Drohne die Abbruchkante des Wasserfalls von oben filmen, haben aber nicht mit der enormen Höhe des Wasserfalls von unserem Standpunkt aus gerechnet. Von unten schaut alles nicht so arg aus, aber auf 120 m Höhe ist die Drohne gerade mal bei der Hälfte der Fallhöhe. Also brechen wir ab. 

Der Tag hat uns echt geschlaucht, Knie und Füße tun mir weh und ich bin froh, dass ich zur Heimfahrt etwas länger im Auto sitzen kann. 

 

Um 7 Uhr fahren wir ins Bjargarsteinn, wir sind anfangs die einzigen Gäste. Dass gestern so voll war, liegt wohl am Samstag. Die Preise sind echt astronomisch, für eine Hauptspeise haben wir gestern gemeinsam gegessen und getrunken. Aber das Ambiente ist echt schön und das Essen vorzüglich. Um 8 Uhr verlassen wir um 77 Euro ärmer die Gaststätte. 

 

Im Zimmer schreibe ich meinen Tagesbericht und um halb zehn legen wir uns schlafen. Sekunden später wache ich durch den Wecker wieder auf: es ist halb zwölf - Zeit für den Sonnenuntergang!

Schlaftrunken ziehen wir uns an, an der kühlen Luft werden wir etwas munterer. 

Am Parkplatz beim Kirkjufellsfoss stehen zwei Autos, ein Pärchen steigt grad aus und am Wasserfall sitzt ein weiterer Fotograf. Mehr werden wir auch nicht. Die Sonne verschwindet gerade hinter einer dicken Wolkenwand, noch eine halbe Stunde bis zum Sonnenuntergang. 

Jetzt beginnt der Himmel zu leuchten, die Wolken färben sich orangerot. Ich ärgere mich, weil ich das nicht so fotografieren kann, entweder ist der Himmel zu hell oder der Berg zu finster. Ich mache Belichtungsreihen, das wird ein Fall für die Postproduktion. Dann wechsle ich auf das Weitwinkelobjektiv, da bekomme ich mehr Himmel auf die Linse. 

Die besten Sofortergebnisse liefert wie immer das Handy. Nach einer Stunde packen wir zusammen und verlassen als letzte den Ort des Geschehens. 

 

Zurück im Bett können wir nicht einschlafen, ich aktualisiere den Bericht und Karsten liest. Es ist nach 2 Uhr morgens, als wir endlich die Augen schließen. 

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Bjarnarfoss

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Sonnenuntergang am Kirkjufellsfoss

Tag 7 - Montag, 29.6.20 - Stykkishólmur - Flókalundur 

 

Um 7:45 weckt uns der Wecker des iPads, Zeit zum Aufstehen! Sieben Minuten später sind wir abmarschbereit fürs Frühstück. Dort treffen wir auf ein Paar aus Karlsruhe und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir, dass sie nach der Ankunft, die wie üblich kurz nach Mitternacht war, versucht hatten, im Auto zu übernachten. Was bei der Mitternachtssonne ein schlechter Plan war. Ich frage mich nun, wieviele Reisende sparen sich die erste Nacht und schlafen im Auto? Mir würde das in hundert Jahren nicht einfallen....

 

Es ist ein wundervoller Morgen, die Sonne strahlt vom beinahe wolkenlosen Himmel, sehr ungewöhnlich für Island. Wir singen im Auto lauthals mit Michael Bublé "It's a wonderful  day and I can't stop from myself from smiling".

 

Ein kleiner Abstecher führt uns nach Stykkishólmur und wir machen eine Luftaufnahme von der Stadt mit dem Hafen in Vordergrund. Geplant war diese Aufnahme zum Sonnenuntergang, aber da war mir nicht bewußt, wie spät der momentan ist. 

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Stykkishólmur

Ab Stykkishólmur beginnt dann die erste richtige Gravelroad. Bislang haben wir ja durchgehend asphaltierte Straßen befahren, mit Ausnahme von ein paar Stichstraßen oder Teilstrecken, die repariert wurden. Die 54 führt durch eine ansprechende Landschaft, die grünen spitzen Berge erinnern mich sehr an Neuseeland. Das Fahren erfordert meine ganze Konzentration, auf der unbefestigten Straße trau ich mich nicht mehr mit der Cruise Control zu fahren. Der Himmel hat sich in der Zwischenzeit zugezogen, dunkle Wolken verheißen nicht Gutes. 

 

Ab der 60 wird die Gegend fade, kaum Erhöhungen und nur weite graubraune Flächen. 

Bei der Staðarhólskirkja machen wir Halt, es ist bitter kalt geworden. Erfreulicherweise gibt es ein beheiztes WC neben der Kirche. 

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die Staðarhólskirkja kurz vor den Westfjorden

Nach dem Überqueren des Gilsfjörður erreichen wir die Westfjorde Islands. Jetzt wird die Landschaft sehr spannend, sehr oft fahren wir direkt am Meer entlang, es geht bergauf und bergab, oft mit spektakulären Ausblicken. 

An einer Anhöhe bleibe ich stehen um ein Bild zu schießen. Ich bin auf der windabgewandten Seite des Wagens und kann leicht aussteigen. Dann gehe ich gleich zwei Schritte zurück, so stark bläst der Wind! 

Karsten, auf der windzugewandten Seite, kann die Wagentür kaum öffnen und klemmt sich den Fuß ein. Er bevorzugt es, im Wagen zu bleiben. 

Ich mache eine Panoramaaufnahme und habe Mühe, nicht weggeblasen zu werden.

Dann nichts wie zurück in den warmen Wagen!

 

Der Wind bleibt uns die ganze Fahrt über erhalten, jetzt kann ich auch die Geschichten mit den von Sand und Wind abgeschliffenen Autos verstehen. Zum Fahren geht es ganz gut, immer wieder wechseln wir auf Gravelroads, ich bin ganz froh, als irgendwann wieder der Asphalt beginnt und ich mit dem Tempomat fahren kann. 

Beinahe unglaublich, dass es trotz des stetigen Windes auch hier Lupinen gibt, die arg gebeutelt am Wegesrand wachsen. 

 

Bereits um 14:30 erreichen wir unsere nächste Bleibe, das Hótel Flókalundur. Wir kommen im neuen Teil unter und sind sogar die ersten Gäste, die dieses Zimmer bewohnen! 

Ich weiß gar nicht, ob es sich bei Flókalundur überhaupt um einen Ort handelt, außer dem Hotel, einer Tankstelle, einem Schwimmbad und vielleicht ein paar unsichtbaren Häusern gibt es hier nichts. Außer dem Hellulaug, einem Hot Pot, den besuchen wir aber später.

 

Zunächst schauen wir, was es seit heute morgen im Facebook Neues gibt. Ich stelle untertags den Flugmodus ein, ich kann schlecht einschätzen, wieviel Datenvolumen ich hier verbrauche und nutze so oft es geht, das WLAN der Hotels. 

 

Ehe wir uns versehen, ist es bereits fast fünf. Wir ziehen unsere Badesachen an und fahren zum Hellulaug, der gleich um die Ecke ist. Im Hot Pot sitzen bereits zwei junge Paare als wir genüsslich in die 38 Grad heiße Quelle eintauchen. Ein Paar ist aus Tschechien und  die anderen beiden sind Yogalehrer und leben in Island. Die vier quatschen nur über Business, wie man zu vielen Followern kommt, usw. Das wird mit der Zeit ein bissl langweilig. 

Als zwei ältere Paare kommen, vertschüssen sich die Vier. Mit den Isländern kommen wir ins Gespräch, sie geben uns viele Tipps, doch ich kann mir die isländischen Namen sowieso nicht merken. Dann kommt ein junges asiatisches Paar. Er ist aus China und lebt in Reykjavik, sie ist aus Taiwan und studiert in Holland. Mit denen quatschen wir auch noch endlos und nach zwei Stunden verlassen wir ziemlich schrumpelig das warme Bad. 

 

Zum Nachtmahl gibt es heute Pizza für mich und Karsten verdrückt einen Burger. 

Aus unserem Zimmerfenster überblicken wir den Vatnsfjörður, Karsten macht vom Fensterbrett mit der DJI Action Camera seit drei Stunden eine Zeitrafferaufnahme. 

Bin gespannt, wie das wird! (Anmerkung: das Ergebnis könnt ihr in meinem Film sehen).

Tag 8 - Dienstag, 30.6.20 - Rauðisandur Beach - Látrabjarg

 

In der Früh genießen wir ein wirklich tolles Frühstück im Hótel Flókalundur: frisches Brot, eingelegter Hering, harte Eier mit Eierschneider (gut mitgedacht), Porridge, um nur einige Extras zu nennen. 

Weil ich auch immer die Berichte und die Fotos beim Frühstück verschicke, brauchen wir immer eine Stunde.

 

Der Wetter ist noch schöner als gestern. Strahlend blau präsentiert sich Island von seiner besten Seite. Bestens gelaunt fahren wir los!

 

Wir sind schon eine Viertelstunde unterwegs, da fällt mir ein, dass ich ganz vergessen habe, in der Früh zu tanken. Es ist noch nicht kritisch, aber mir ist nicht wohl dabei, wenn wir mit einem Vierteltank bis Látrabjarg fahren. 

Zum Glück zeigt das Navi in ein paar Kilometern eine Tankstelle an!

Wir fahren an ein paar Häusern vorbei - keine Tankstelle. Also müssen wir nach Patreksfjörður, aber das ist kein weiter Umweg. Hier werden wir heute abend übernachten, aber noch ist es nicht so weit.

 

Doch zunächst halten wir auf der Anhöhe Kleifaheiði, von wo der Blick weit ins Tal geht. Dort steht eine Steinfigur, Kleifakarl. Leider kann ich die isländische Beschriftung nicht verstehen, also keine Ahnung, warum der da steht. Aber der Blick ist schön!

 

Vollgetankt nehmen wir heute den untersten Zipfel der Westfjorde genauer unter die Lupe. 

Ersten Stopp ist das Wrack der Garðar BA 64. Das älteste Stahlschiff Islands wurde 1912 gebaut (das Jahr, in dem die Titanic sank) und liegt seit 1981 als Attraktion am Strand.

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 das Wrack der Garðar BA 64

Dann wird es abenteuerlich! Die Gravelroad zum Rauðisandur Beach windet sich bergauf und bergab, viele Spitzkehren ohne irgendeine Sicherung, neben der engen Straße geht es sehr tief hinunter! Der RAV4 steigt leicht wie eine Gämse die steile Straße hoch, ich bin begeistert! Ich habe keine Ahnung, ob man den Allradantrieb zuschalten kann/muss, ich finde auf jeden Fall keinen diesbezüglichen Schalter oder Knopf.

 

Am Rauðisandur Beach besuchen wir zunächst die schwarze Saurbæjarkirkja. Die Pusteblumen im Garten vor der Kirche geben als Vordergrund ein tolles Motiv ab! 

Ich ziehe mir die Gummistiefeln an und wir gehen ein bisschen den Strand entlang. Es ist Ebbe und von dem Rot, wofür der Strand berühmt ist, können wir nicht viel erkennen. Außer aus der Luft, weshalb wir die Drohne einsetzen. 

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die schwarze Saurbæjarkirkja beim Rauðisandur Beach

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Rauðisandur Beach

In Island gibt es einige Flugzeugwracks, eines liegt in Hnjótur. Eigentlich ist dort ein Luftfahrtmuseum, doch wir schauen uns nur das Wrack genauer an.

Dann ist Beeilung angesagt, dass ja kein Auto vor uns losfährt. Die Straße ist nämlich sehr trocken und ich habe keine Lust, hinter einer Staubwolke herzufahren. 

Nun zu einem der Highlights dieser Reise, dem Látrabjarg. Hier soll man den Puffins bis auf einen Meter herankommen. 

Keine Wolke ist am Himmel, als wir um 14 Uhr ankommen. Es ist recht warm, trotzdem nehmen wir die Jacken mit, bestenfalls zum Drauflegen. 

 

Doch ganz so leicht bekommt man die possierlichen Vögel nicht zu sehen. Wir wandern zwei, drei Kilometer die Küste entlang, immer wieder luge ich vorsichtig über den Klippenrand, doch bis auf zwei Exemplare, die etwas entfernt im Felsen sitzen, sehen wir nur jede Menge Möwen. 

Endlich werden wir fündig: in einer Felsnische sitzen fünf oder sechs Exemplare, daneben  in der Wiese entdecken wir noch einen Papageientaucher. 

Mit dem Fotografieren der sitzenden Tiere sind wir aber unterfordert, die hohe Kunst ist, sie beim Fliegen zu erwischen. Doch die wollen und wollen nicht fliegen - bis man die Kamera kurz absetzt, dann fliegt mit Sicherheit einer weg!

 

Am Rückweg kommen wir zu einer Stelle, an der schon an die zehn Fotografen platziert sind und hier wird endlich das wahr, was behauptet wird: ich robbe mich vorsichtig zur Kante vor und habe nun drei Puffins direkt  vor mir, die mich interessiert aus einem Meter Entfernung anschauen. Immer wieder fliegt einer weg und andere kommen zurück. Ein Fotograf im Bilderrausch!

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Papageientaucher auf den Klippen von Látrabjarg

Nach zwei Stunden kehren wir glücklich und mit einem leichten Sonnenbrand zum Auto zurück. 

Bei der Abfahrt schwindle ich mich noch schnell vor ein kleines Auto, ich bin sowieso flotter unterwegs.

Unsere heutige Unterkunft ist das Fosshotel Westfjords, ein recht modernes Hotel mit schönen Zimmern. Nur für die beiden Koffer ist kaum Platz am Boden.

Ich rufe im Stúkuhúsið an und reserviere einen Tisch. "Besser ist es", sagt die Dame am Telefon. 

Das Restaurant liegt am anderen Ende von Patreksfjörður und wir fahren mit dem Auto hin. Es ist zwar immer noch wolkenlos und sonnig, aber durch den Wind ist es auch ziemlich kalt. 

Im Stúkuhúsið essen wir einen herrlichen Kabeljau (Cod) mit Süßkartoffelpürree.

 

Heute steht ein weiteres Highlight am Programm: der Dynjandi, der Wasserfall in den Westfjorden. Ich bin gespannt, wie viele Leute in Corona-Zeiten dort sind. 

 

Doch zunächst fahren wir zum Fossa Waterfall. Das Wetter ist wie in den letzten Tagen fast zu schön, um wahr zu sein. Hoffentlich kehrt sich das nicht in Folge ins Gegenteil und wir haben im Osten wieder nur Nebel und Regen. 

 

Die 63 schlängelt sich am Ufer des Fjords entlang, anfangs ist die Straße noch asphaltiert. Doch selbst da bringt der Tempomat nichts, ständig gibt es in den Kurven Geschwindigkeitsbegrenzungen und man tut gut daran, sich danach zu richten. Dazu geht es auf und ab, mir kommt dabei "Stairway to Heaven" in den Sinn. Nach beinahe jeder Kurve gibt es großartige Aussichten. Neben der Straße sind Schneefelder, der Sonnenschein gaukelt eine wärmere Außentemperatur vor, als es tatsächlich hat. Durch den Wind ist es doch empfindlich kühl!

Es kommen uns kaum Autos entgegen, nur eine Entenfamilie mit reizenden Küken quert auf ihrem Weg zum Meer vor uns die Fahrbahn. 

 

Der Fossa Wasserfall ist gleich neben der Straße, doch es gibt keinen Parkplatz. Erst ein paar Meter weiter können wir das Auto am Rand abstellen. Kaum aus dem Auto werden wir wieder von den Midges überfallen. Die sind enorm lästig, ich kann mich grad noch so ihrer erwehren, indem ich die Kapuze über den Kopf ziehe und Sonnenbrillen trage. Trotzdem beeilen wir uns am Wasserfall, nach knapp einer halben Stunde sind wir schon wieder im Auto. 

Jetzt kommt wieder ein toller Straßenabschnitt, direkt am Berg, der schräg zum Fjord abfällt. Hier packen wir wieder die Drohne aus, diesmal wollen wir unsere Fahrt verfolgen lassen. Karsten kann aber beim besten Willen keine solche Funktion in der DJI App finden.  So bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Drohne händisch im Auto zu steuern, während ich sehr langsam fahre. Zum Glück kommt uns auf den nächsten Kilometern kein Auto in die Quere. Aber der Drohne fast ein Berg....

Karsten landet die Mavic aber sicher wieder auf unserem Autodach und wird sich am Abend schlau machen. 

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Fossa Wasserfall

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Abandoned Barn Fossfjörður

Um die Mittagszeit kommen wir zum Dynjandi. Erst kurz vor dem Parkplatz sieht dem den gigantischen Wasserfall. Eine Handvoll Autos parkt hier, vielleicht sechs oder sieben, nichts im Vergleich von den Massen, die sich zu regulären Zeiten hier aufhalten sollen. Zumal auch die Passagiere der großen Kreuzfahrtschiffe hierher gekarrt werden. 

Davon ist heute allerdings nichts zu sehen, die Leute verlaufen sich in dem riesigen Areal. 

 

Der Wasserfall allein ist schon äußerst beeindruckend, doch die vielen unzähligen Kaskaden, die unterhalb durch ihre Gischt alles in eine verwunschene Landschaft verwandeln, setzten dem Ganzen die Krone auf! 

 

Der Aufstieg zum Dynjandi ist mühselig und meine Knie jubeln schon ob des Abstieges. 

Karsten schwitzt besonders, denn er muss wegen seines Sonnenbrands auf beiden Armen die Windjacke tragen!

Doch was sein muss, das muss sein und oben am Fuß des Wasserfalls erfrischt uns ein Dauernieseln. Das wird für die Langzeitaufnahmen eine Herausforderung, wir sind nur noch am Wischen. 

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Dynjandi, zu deutsch „der Dröhnende, Tobende“

Beim steilen Abstieg verwende ich mein Stativ als Gehstock. Karsten schimpft über einen Typ, der sein Stativ geschultert trägt - mit der montierten Kamera drauf. Aber wenigstens  hat er feste Slipper an....

 

Irgendwo habe ich im Laufe des Tages die Augenmuschel meiner Kamera verloren. Schon wieder. Aber es geht notfalls auch ohne. 

 

Beim Museum in Hrafnseyri machen wir kurz Halt, die Dame, die vor dem alten Bauernhof strickend in der Sonne sitzt, bittet uns hinein. Wir sind nicht ungesellig und kaufen ihr eine Jause im Café ab.

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das Jón-Sigurðsson-Museum in Hrafnseyri

An der Zufahrtsstraße zum Fossdalur steht ein Schild in isländisch. Wir übersetzen es so recht und schlecht, da steht, dass man wegen der brütenden Vögel nicht durchfahren darf.  Stattdessen fotografieren wir die unzähligen Seeschwalben, die hier scheinbar schwerelos  in der Luft schweben. Eigentlich fliegen sie gegen den starken Wind und kommen deshalb nicht von der Stelle. Auch sehr seltsam!

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Kaum ein Vogel in Europa ist so aggressiv und angriffslustig wie die Küstenseeschwalbe.

Kurz vor unserem heutigen Endziel will ich noch den Sandafell Mountain mit dem Auto erklimmen. Im Vorfeld habe ich schon gelesen, dass die Anfahrt sehr herausfordernd ist. Das knapp 2 km lange Stück hat es wirklich in sich: mit händischem Getriebe fahre ich im 1. Gang über kindskopfgroße Steine. Sehr langsam und uns schüttelt es nach allen Seiten. Rechts und links wachsen wieder sehr üppig die Lupinen, was dem Ganzen einen liebreizenden Anstrich gibt. Doch 500 m vor dem Gipfel gebe ich w.o., hier ist kaum ein Weg mehr zu erkennen, nur noch blanker Felsen und Geröll und das in einer furchteinflößenden Steigung. Neben der "Straße" geht es steil bergab. 

Todesmutig wende ich den Wagen und parke ihn auf einer 15%igen Steigung mit der Schnauze bergab. Ich hoffe, das hält so.

Wir marschieren noch ein Stück hinauf, bis wir auf Þingeyri runterschauen können und machen ein paar Bilder von der überwältigenden Aussicht. 

Dann schauen wir aber, dass wir wieder zum Auto kommen!

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Panoramablick vom Sandafell Mountain auf Þingeyri 

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Sandafell Mountain -

weiter hab ich mich nicht getraut

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Gott sei Dank wurden diese Bilder nicht die Letzten, die uns lebend zeigen und wir schaffen es wohlbehalten ins Hótel Sandafell. 

Unser Zimmer mit Gemeinschaftsbad ist winzig und kahl, für 3000 Kronen (ca. 19 Euro) können wir auf ein Zimmer mit Bad upgraden. Das freut mich, denn das Hotel ist doch relativ gut gebucht. 

 

Der Shop bei der Tankstelle ist die einzige Möglichkeit, um hier Lebensmittel zu kaufen. Wir erwerben die einzige Flasche After Sun Balsam. Dass ich so etwas in Island brauche, hätte ich auch nicht geglaubt. 

 

Unser Hotel hat auch das einzige Restaurant des Ortes, weshalb die Lokalwahl nicht schwer war. Jö, es gibt Spargelsuppe! Die liebe ich und bekomme sie so selten. Die Barbecues-Pizza ist nicht zu empfehlen.

 

Bei der Abrechnung der Unterkunft und des Nachtmahles werden uns nur 108 Euro für das Zimmer verrechnet. Soviel kostet es, wenn man es heute bucht. Als ich die Reservierung gemacht habe, kostete das Zimmer mit Gemeinschaftsbad schon 135 Euro. Ich beschwer mich nicht, vielleicht kommt ja morgen eine Nachzahlung. 

 

Von der Pizza haben wir beide des Nächtens noch etwas gehabt. Ein Rennie eingeworfen und gut ist's! Doch dadurch sehe ich kurz nach ein Uhr das erste Mal Island ohne Sonne. Der Hafen, den wir von unserem Zimmerfenster überblicken, ist in ein diesiges oranges Licht getaucht. Dichter Nebel hat sich über die Stadt gebreitet.  

 

In der Früh ist es noch leicht neblig, doch bei der Abfahrt lacht wieder die Sonne vom Himmel! Ich kann mich gar nicht an der herrlichen Landschaft sattsehen. Ich werde an unseren Urlaub in Kanada und den Banff Nationalpark erinnert, da hatte ich auch schon  das Gefühl, durch eine Postkartenansicht zu fahren. Genauso ergeht es uns hier!

 

Eine Überraschung der Skrudur Botanical Garden auf der 624. In dieser kargen Gegend würde man nicht so eine Fülle an Pflanzen erwarten. Der Eintritt kostet 300 Kronen pro Person. Da wir keine Kronen haben (wir bezahlen in Island alles per Kreditkarte), geben wir 5 Euro in den vorgesehenen Behälter.

Wir sind allein hier und zugegebenermaßen ist der Garten auch sehr überschaubar. Wir wissen nicht so recht, was wir hier fotografieren sollen, viele der Blumen sind schon am Verblühen. Doch dann entdecken wir in den schattigeren Ecken den Morgentau, der wie kleine Diamanten die Blätter eingefasst hat. Das sind doch tolle Motive für Nahaufnahmen!

Am unteren Ende ist noch ein markanter Bogen aus zwei Walrippen, das schaut auch gut aus.

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Skrudur Botanical Garden

Der Ort Flateyri wurde 1995 von einigen Lawinen heimgesucht, dass jetzt Lawinenverbauungen die Abgänge umleiten und weitere Unglücke verhindern sollen. Wir drehen mit dem Auto eine Runde durch den beschaulichen Ort, zum Aussteigen ist er zu unspektakulär. 

 

Kurz nach dem Ort wagt Karsten noch einen Versuch der Drohnen-Verfolgung. Er hat sich gestern ein YouTube Video angeschaut und weiß nun, dass es geht. Am Anfang will es allerdings nicht so recht funktionieren, erst als er die Bildrate auf 30 Bilder/Sekunde runterschraubt und den Sportmodus wählt, macht die Mavic endlich, was wir wollen. 

 

Bei der Einfahrt in den Vestfjarðagöng passiert es: ich komme viel zu weit nach rechts und mit einem lauten Rumms kracht der Beifahrerspiegel gegen ein Hindernis. Der Spiegel hängt nur noch an den Kabeln und Karsten muss die 9 km mit der Hand den Spiegel halten, weil wir befürchten, dass er sonst abfällt. 

Nach dem Verlassen des Tunnels bleiben wir gleich stehen und besehen uns den Schaden. Zum Glück ist der Spiegel nur aus der Verankerung gerutscht und Karsten kann ihn wieder auf seinen Platz drücken. Da hab ich aber noch Schwein gehabt!

 

Der Wasserfall in Tunguskogur scheint keinen offiziellen Namen zu haben, liegt aber ganz reizend inmitten von Blumenfeldern und grünem Gras. Wir haben jede Zeit der Welt und wandern zuerst die rechte Seite und dann - etwas abenteuerlicher - die linke Seite der Kaskaden empor, wo viele Lupinen nach einem Foto schreien.

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der Wasserfall in Tunguskogur

Vom Sommer kommen wir direkt in den Winter, zumindest hat es den Anschein. Die Straße zur Latrar Air Station empfängt uns mit meterhohen Schneewänden. So surreal! Die zwei Kilometer bis zur Station sind auch ziemlich abenteuerlich, wir sind halt gewohnt, dass Bergstraßen seitlich gesichert sind. Hier fährt man auf Schotter und nichts hält dich auf, wenn du einen spektakulären Abgang machen willst. 

Wir wollen nicht und schleichen im 2. Gang die steile Straße hinauf. Oben sind doch relativ viele Autos, sechs oder sieben an der Zahl. 

Der Ausblick von hier oben ist großartig, das Meer tief unter uns dunkelblau und die Berge noch teilweise mit Schnee bedeckt. Ein bissl wie das Ende der Welt.

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Latrar Air Station

Den folgenden Tankstopp nutzen wir, um den Wagen zu waschen. Das kostet nichts und ich gehe mit dem wasserspritzenden Besen einmal um das Auto herum. Es war schon notwendig!  

 

Der letzte Punkt am Tagesplan ist das Ósvör Museum. Doch hier herrscht fast Massenansturm, drei Autos und eine Handvoll Leute stehen herum. Das ist uns zu voll und wir fahren ein paar Meter weiter und toben uns beim Bolungarvik Leuchtturm aus. 

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Bolungarvik Leuchtturm

Bevor wir bei unserer Unterkunft einchecken, fahren wir noch zum Aussichtspunkt Naustahvilft - The Troll Seat. Die 500 m steil bergauf mag Karsten aber nicht mehr gehen, alternativ denken wir daran, die Drohe steigen zu lassen, um eine hübsche Luftaufnahme von Ísafjörður zu machen. Da donnert ein Kleinflugzeug über unsere Köpfe, wir stehen keine hundert Meter neben der Startbahn des örtlichen Flughafens! 

Nun, das wird dann natürlich nix. 

 

Zum dritten Mal fahren wir heute in Ísafjörður ein, diesmal um zu bleiben. Das Hótel Ísafjörður schaut von außen wie ein DDR Wohnsilo aus, doch die Zimmer sind schön groß und bestens ausgestattet, an der Garderobe hängt sogar ein langer Schuhlöffel. Dazu haben wir noch einen tollen Blick über den Fjord und die Berge. Nur das WLAN Signal ist sehr mau. 

 

Nachdem wir wieder viel früher als angenommen im Hotel sind, können wir uns noch den seltenen Luxus leisten, ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Obwohl diese sehr weitläufig ist, ist die "Einkaufsstraße" sehr kurz. Man sieht keine Touristen, zumindest nicht augenscheinlich.  Am Ende der Straße ist das Restaurant Húsið, wo wir am Abend essen wollen. Wir reservieren einen Tisch und erfahren, dass es heute auch ein Konzert dort gibt. Wir sind gespannt!

 

Wir betreten das gemütliche Lokal kurz vor acht, fast alle Tische sind bereits besetzt. Von Corona ist hier nichts zu merken, die Leute drängen sich dicht an dicht. Bei den meisten Sehenswürdigkeiten und auch beim Hot Pot hängen Tafeln, auf denen ein 2 Meter Abstand empfohlen wird. Hier ist Social Distance offensichtlich kein Thema. Irgendwie sehr entspannend!

 

Das Essen dauert ein wenig, ist aber umwerfend gut. Gegen neun Uhr beginnt eine junge isländische Sängerin ihre Lieder vorzutragen. Zu Beginn fragt sie in die Runde, ob es im Publikum Leute gibt, die nicht isländisch sprechen. Von den ca. 40 Gästen heben vielleicht 8 die Hand. 

 

Nach ein paar Liedern verlassen wir das Húsið und machen einen Verdauungsspaziergang zum Hafen, wo normalerweise die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Hier ist alles verwaist. Am Weg zurück zum Hotel diskutieren wir über die aktuelle Situation im isländischen Tourismus und ob man aus der „toten“ Zeit etwas für die Zukunft überlegt hat. Machen Flugregulierungen oder sogar ein Visum Sinn um die Besuchermassen zu steuern?

 

Wie auch immer, zurzeit ist es einfach nur traumhaft in Island! 

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Spaziergang durch Ísafjörður

Tag 11 - Freitag, 3.7.20 - Valagil Wasserfall - Arngerðareyri Kastallin - Hólmavík

 

Beim Frühstück ist die Hölle los, es gibt sie also doch, die Touristen in Island. 

Da wird am Buffet gedrängelt, als gäbe es kein Morgen! Kein Gedanke an einen  Mindestabstand - man könnte ja irgend etwas verpassen...

 

Wir lassen uns Zeit, denn heute haben wir nur zwei Stopps. 

Dafür schauen wir beim Frühstück direkt auf den Fjord. Endlich ein paar Wolken am Himmel - das freut den Fotografen! 

 

Zum Glück funktioniert der Aufzug wieder, gestern Abend war er kaputt und wir mussten schon befürchten, unsere Koffer drei Stockwerke hinunter zu tragen. 

 

Um halb zehn verlassen wir Ísafjörður, hier hat es uns sehr gut gefallen. Ich fahre mit gemütlichen 70 kmh (erlaubt sind. 90 kmh), um den einen oder anderen Fotospot zu entdecken. Bei ein paar sehr licht gebauten Holzhütten bremse ich mich ein, denn ich habe die Fische erspäht, die in diesen Gestellen zum Trocknen aufgehängt sind. 

Bei Aussteigen werden wir von ein paar Seeschwalben ins Visier genommen, die mit lauten Schreien knapp an unseren Köpfen vorbei zischen. 

Wir machen ein paar Bilder von den Trockengestellen und dem Stockfisch. Die Vögel lassen uns in Ruhe und die Schafe schauen gelangweilt.

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Vorrichtung zur Herstellung von Trockenfisch

Zum Valagil Wasserfall müssen wir 2 km über flaches Gelände gehen. Auf halber Strecke leite ich uns irrtümlich vom Weg ab und wir enden in sumpfigem Gras. Meine Schuhe sind in kürzester Zeit durchgeweicht und wir schauen schnellstens, dass wir wieder auf den trockenen Weg zurück finden. 

 

Der Wasserfall, den man bereits vom Parkplatz aus sieht, ist allerdings nicht der Valagil.

Der ist in einer tiefen Schneise rechts vom Weg und deshalb auch viel näher als angenommen. Er ist kein fotografisches Highlight, sehr hoch und dünn, noch dazu liegt er in der prallen Mittagssonne. Gäbe es in der Gegend Alternativen, würde ich mir den Weg vermutlich sparen. 

 

Nach diesem zweistündigen Ausflug fahren wir weitere zwei Stunden den Álftafjörður, den Seyðisfjörður, den Hestfjörður, den Skötufjörður und den Ísafjarðardjúp entlang. 

Am Ende der Fjorde schießen alle paar Meter Miniwasserfälle die Felsen hinab. Große Wasserfälle schneiden tiefe Kerben in den Berg und ergießen sich endlos in das dunkelblaue Wasser des Fjords. Und immer wieder die schneebedeckten Berge im Hintergrund. Eine faszinierende Gegend!

 

Völlig überraschend spiegeln sich in völliger Abgeschiedenheit plötzlich über hundert abgestellte Autos in der Sonne. Ob das ein Autofriedhof ist? Wir können es beim Vorbeifahren nicht feststellen.

Ebenso verblüffend die Feststellung, dass es in den Fjorden Schwäne gibt. Das hätte ich jetzt auch nicht so vermutet.

 

Nach besagten zwei Stunden erreichen wir unseren zweiten Fotostopp: das Arngerðareyri Kastallin. Dieses verlassene Haus verfällt langsam vor sich hin und hat ein bißchen was von einem alten Schloss.  

Wir fahren ein paar Meter einen Weg zum Strand und steigen aus. Nach ein paar Schritten werden wir schon wieder von Seeschwalben attackiert. Aus dem Nichts schießen sie mit einem lauten Schrei zu uns herunter und verfehlen uns nur um Zentimeter. Was ist denn da los? Ich komm mir vor wie im Film "Die Vögel". 

Au, jetzt hat mich so ein aggressiver Vogel doch tatsächlich in den Kopf gepikt!

Das tut richtig weh!

 

Rückzug zum Auto, wahrscheinlich sind wir ihrem Gelege zu nahe gekommen.

Neben der Straße, nah am Auto, machen wir schnell ein paar Bilder, bevor die Viecher wieder angreifen können.

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Arngerðareyri Kastallin

Zum Finna Hotel sind es jetzt nur noch 50 Kilometer, wir sind wieder etwas früh dran. In gemächlichem Tempo fahre ich nach Motiven suchend weiter. Immer wieder lasse ich die Autos hinter mir überholen, normalerweise bin ich diejenige, die überholt. 

 

Gleich neben der Straße gibt es viele kleine Wasserfälle, sogar Mini-Canyons, doch leider fällt das Bankett so steil ab, dass ich nirgendwo halten kann. 

 

Dann checken wir halt um 15 Uhr ein, was soll's? Und gleich unter die Dusche - mit den Schuhen. Also, die hab ich schon vorher ausgezogen. Aber die sind so dreckig und das Waschbecken winzig. Jetzt hängen sie im Handtuchtrockner und bekommen hie und da eine Ladung heiße Luft aus dem Fön. Für den Abend habe ich eh noch ein Ersatzpaar mit.

 

Hólmavík ist ein beschauliches Dorf. Wir spazieren neben der modernen Kirche ins Zentrum hinunter und reservieren im Café Riis eine Tisch für 8 Uhr. Das Restaurant ist bummvoll, ich frag mich, wo die Leute alle herkommen. Es ist aber auch das einzige Lokal im Umkreis von 25 Kilometern. 

 

Das urige Lokal aus dem Jahre 1897 bietet eine grandiose hausgemachte Pizza an. Ungewöhnliche Zusammenstellung (ich hatte Quattro Formaggio mit Feigen und extra Johannisbeermarmelade), aber sehr gut!

Wir haben erfahren, dass man bis zu einer Viertelstunde vor Schließung (und das ist in Island zumeist 21 Uhr) noch etwas zu essen bekommt. 

Die nette Bedienung schenkt uns noch zwei Eisschlecker für den Nachhauseweg. 

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Hólmavík

Tag 12 - Samstag, 4.7.20 - Djúpavík - Húsárfoss - Krossneslaug

 

Das Hotel Finna kann sich bestimmt nicht über eine schlechte Buchungslage beklagen. Beim Frühstück habe ich 15 Gäste gezählt, die sich auf den 5 Tischen oft zusammensetzen mussten. Das ist erstaunlich, denn ich dachte nicht, dass es so viele Leute nach Hólmavík verschlägt. 

 

Das Auto wird aufgetankt und schon sind wir wieder unterwegs. Nicht sehr weit, denn nach ein paar Kilometern bleibe ich wieder stehen, weil ich mich nicht entsinnen kann, dass ich heute meinen Kontaktlinsenbehälter eingepackt habe. Da schau ich lieber noch einmal im Koffer nach. 

 

Zwei Stunden Fahrt bis nach Djúpavík sagt das Navi. Heute zieren ein paar verwischte Wolken den blauen Himmel. Eine Stunde und 15 Minuten später hat sich er Himmel komplett zugezogen und wir parken vor unserer Unterkunft, dem Hotel Djúpavík. 

 

Ich habe im Vorfeld angekündigt, dass wir am Weg Richtung Norden Halt machen und unser Gepäck hier lassen. Der Manager begrüßt uns herzlich und gibt uns ein paar Tipps zu unserer Weiterfahrt. Ich erwähne, dass das letzte Stück der F649 erst seit ca. zwei Wochen offen ist. Er lacht und sagt, die ist seit Mai offen, aber man will offenbar nicht, dass so viele Touristen da hoch fahren. 

Er erkundigt sich nach unserem Auto und meint, dass es kein Problem geben wird, man muss halt langsam fahren. "Was bedeutet langsam - sechzig?" frage ich. "Zwanzig", sagt er. Alles klar!

 

Wir stellen die beiden Schalenkoffer unter und machen uns auf den Weg nach Norden des östlichsten Zipfels der Westfjorde.  

Ich komme sehr gut weiter, die Gravelroad windet sich bergauf und bergab den Fjord entlang. Die letzten 6 Kilometer vor dem Húsárfoss haben es dann in sich. Große Mengen an Schwemmholz rechts und links der "Straße", bei den vielen Steinen auf der Fahrbahn habe ich den Eindruck, die wurden auch von der Flut angeschwemmt. Löcher, in denen man ein Schaf verstecken könnte und ebenso tiefe Querrippen. 20 kmh ist schon Luxus, die meiste Zeit schaukle ich mit 10 kmh durch die Gegend. Und wer meinen Fahrstil kennt weiß, wie übel die Straße ausschauen muss!

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Hie und da kommen uns große SUVs entgegen, die meisten halten 50 oder sogar 100 Meter vor mir und warten, bis wir vorbei sind. Da gibt es kein Hetzen, da muss man Zeit haben. Aber ich muss sagen, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Das liegt aber sicherlich auch am extrem langsamen Tempo. 

 

Dann sind wir am Parkplatz vom Húsárfoss, es stehen zwei weitere Autos da. Uns ist beim Aussteigen richtig kalt, da kommen zwei Schichten über die sonnenverbrannten Arme! 

Der Wasserfall scheint sehr weit entfernt, angeblich soll man in 15 Minuten dort sein. Wir machen uns mit vollem Marschgepäck inklusive Drohne auf den Weg.

Des Rätsels Lösung: man kommt gar nicht bis zum Wasserfall, der Fluss versperrt uns den Weg. Das ist aber auch gar nicht notwendig, denn der breite Wasserfall schaut aus der Entfernung sowieso gewaltiger aus. 

auf der F649 Ófeigsfjarðarvegur zum Húsárfoss

Mit der Drohne machen wir auch noch beeindruckende Aufnahmen, in dem wir die Kamera vertikal nach unten ausrichten. 

Wir sind gerade fertig, da nähern sich von allen Seiten Leute. Wo kommen die denn plötzlich alle her?

Am Parkplatz sind jetzt mehrere Autos, eine Familie veranstaltet sogar mit offenem Kofferraum ein Familienpicknick und filmen sie sich dabei mit einer Phantom. Lauschig! 

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der gewaltige Húsárfoss

Wir sind auf jeden Fall sehr froh, wieder im warmen Auto zu sitzen. Zum Rjúkandafoss und zum Hvalárfoss wollen wir nicht mehr. Weder haben wir Lust auf eine 7 Kilometer Wanderung noch auf weitere 6 Kilometer auf dieser extremen Straße. 

 

Also fahren wir zum Krossneslaug, einem Freibad, das von heißen Quellen gespeist wird. Das Bad befindet sich nur wenige Meter neben dem Nordatlantik. 

Der Eintritt beträgt 700 Kronen pro Person und es herrschen strenge Regeln, was den Besuch eines isländischen Bades betrifft. Beim Eingang entledigt man sich seiner Schuhe  und dann trennen sich Männer und Frauen zum Umziehen. 

Vor dem Baden müssen sich alle ohne Badekleidung mit Seife duschen, es gibt sogar eine Anleitung, wo man sich überall waschen soll. 

 

Die Luft ist kalt, doch das Wasser hat angenehme 30 Grad. Es sind sehr viele Leute im Wasser, aber das Becken ist groß genug, damit man sich nicht allzu nahe kommt. Wir hängen uns an den Rand und genießen den Blick über das stürmische Meer. 

 

Es sind fast nur Isländer da, im Hot Pool (38 Grad) kommen wir mit zwei Männern ins Gespräch. Sie erzählen, dass die Isländer jetzt auch die Gelegenheit wahrnehmen, um im eigenen Land zu reisen. 

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ein Schwimmbad mit Aussicht - Krossneslaug

Zurück im Hotel können wir nun auch unser Zimmer beziehen. Das Hotel wurde 1985 von einem Ehepaar eröffnet, das Haus diente bis 1968 den Arbeiterinnen der Fischfabrik als Unterkunft. Zu diesem Zeitpunkt war der Ort menschenleer. 

Die Zimmer sind klein und es gibt ein Gemeinschaftsbad für Männer und eines für Frauen. Das Hotel ist sehr urig eingerichtet und erinnert ein bißchen an eine Schihütte. 

Mich hat die Geschichte des Ortes sehr fasziniert, weshalb ich mich für dieses abgelegene Hotel entschieden habe. 

 

In Djúpavík wurden Teile des Films Justice League gedreht. Unter anderem die Szene, in der Aquaman (Jason Momoa) ins Meer geht und abtaucht. Im Restaurant hängt ein Bild mit den Autogrammen von Ezra Miller (The Flash), Henry Cavill (Superman), Ray Fisher (Cyborg), Gal Gadot (Wonder Woman), Ben Affleck (Batman) und Jason Momoa (Aquaman). Wir sind große Fans dieser Comicverfilmungen und sind dementsprechend beeindruckt. 

 

Nach dem Nachtmahl quatschen wir noch ein wenig mit der Tochter der Besitzer und  ihrem Mann, dem Manager von heute Vormittag. Sie erzählen von den Dreharbeiten im Oktober 2016. 

Dann schnappen wir unsere Kameras und gehen noch zum rostigen Schiffswrack MS Suðurland. 

Am Weg dorthin werden wir wieder von Seeschwalben attackiert, also gehen wir um die alte Fischfabrik herum. Auf der anderen Seite - die auch die Fotogenere ist - lassen sie uns in Ruhe. 

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Die MS Suðurland diente früher den Arbeitern der Heringsfabrik von Djúpavík als Unterkunft und liegt heute als pittoreskes Wrack am Ufer vor der Fabrik.

Tag 13 - Sonntag, 5.7.20 - Sauðárkrókur

 

Wieder ein ausgezeichnetes Frühstück mit frischem Brot genossen. Bei der reichlichen Auswahl fällt es immer schwer, nicht alles zu kosten. Aber das wäre selbst mir zu viel!

 

Heute haben wir keine Programmpunkte am Plan, es gilt nur Kilometer zu machen.

Das Navi gibt uns fünf Stunden Fahrzeit für die 295 km nach Sauðárkrókur vor. Zeit genug, um sich in Djúpavík noch ein wenig fotografisch zu betätigen.  

Wir schicken die Drohne aus, um ein Luftbild von der Siedlung zu machen und dann nehmen wir uns noch einmal die verrosteten Überreste des Schiffes vor. 

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Djúpavík aus der Luft

Die ersten 150 km sind sehr abwechslungsreich, abgesehen davon, dass wir die Strecke gestern in die andere Richtung schon gefahren sind. Gravelroad wechselt sich mit Asphalt ab. Es kommen uns auch nur eine Handvoll Auto entgegen.

Ganz anders aber der Ringstraße. Hier kommen mir pro Minute 10 Autos entgegen und die Landschaft ist unspektakulär. 

 

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auf der F643

In Blönduós tanken wir und füllen unsere Snacks für unterwegs auf. 

Um 15 Uhr parken wir vor dem Hótel Tindastóll in Sauðárkrókur ein. Aus den fünf Stunden sind nur vier geworden, dabei habe ich mich penibel an die  Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten!

 

Das Hótel Tindastóll aus dem Jahr 1884 gilt als ältestes Hotel Islands und eines der ältesten Holzhäuser der Insel. Ich habe ein Deluxe Zimmer im alten Teil gebucht und wir bekommen das schönste Zimmer des Hotels (Nr.1). Immerhin hat hier auch schon der Präsident von Island hier genächtigt. Marlene Dietrich soll auch schon in diesem Hotel abgestiegen sein. 

 

Wie auch immer, das Zimmer ist toll! Sehr groß mit einer offenen Decke und alten Holzbalken. Obwohl alles antik, ist das Zimmer und das Bad blitzsauber! Ein großes Bett, zwei Einzelbetten (die wir als Kofferablage nutzen) und eine hübsche Sitzecke mit Biedermeier-Sofa und zwei Fauteuils. Wir sind begeistert!

 

Von Karstens Militärstiefeln löst sich langsam aber sicher die Gummisohle. Das dürfen sie auch nach 13 Jahren. In Blönduós haben wir eine Spezialkleber gekauft und nun kleben und pressen wir gemeinsam die Sohle wieder an seinen Platz. Bis morgen benützt Karsten wieder meine Ersatzschuhe, sonst müsste er mit den Gummistiefeln gehen. 

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Im Hótel Tindastóll hatten wir die schönste Übernachtung der Reise. 
Unser Zimmer und der Hot Pot des Hotels. 

Ich schau mir auf Google Maps die Gegend etwas an und finde ein paar Kilometer außerhalb eine fantastische Flussmündung, die sich hervorragend für einen Aerial Shot eignet. 

Wir packen also die Drohe und fahren los. Weil bei der Ausfahrt gerade die Straße erneuert wird, gibt es eine Ampelregelung mit einem Follow Me Car. Wir warten fast 10 Minuten, einigen Autos in der Warteschlange wird es zu lang und sie drehen um. 

 

Wir stellen uns auf einen Parkplatz neben der Flussmündung und merken beim Aussteigen, dass es viel zu windig zum Fliegen ist. Also nix mit Lustig, vielleicht ist es morgen früh besser, wir fahren sowieso wieder vorbei. 

 

Im KK Restaurant reservieren wir noch schnell einen Tisch für acht Uhr. Das ist praktischerweise nur ein paar Schritte von unserem Hotel entfernt. 

 

Im Zimmer schreibe ich meinen Bericht und um sechs duschen wir (jetzt wissen wir ja, wie es geht) und begeben uns danach in den hoteleigenen Hot Pot im Garten. Er ist ein Nachbau des 15 km entfernten Grettislaug. Das Wasser hat 39 Grad. Ich finde es angenehm, Karsten hat das Gefühl, gekocht zu werden und schnauft beim Hineingehen, als hätte er gerade Presswehen.  

So unterschiedlich ist unser Temperaturempfinden. 

 

Wir sind allein im Hot Pot, was ein bissl schade ist, denn hier trifft man sich zum Plaudern. Aber es scheinen nicht viele Gäste hier abgestiegen zu sein, wir sehen nur zwei ältere Paare, die an uns vorbei in den Annex des Hotels gehen. 

 

Im Restaurant hätten wir heute nicht reservieren müssen, es war fast leer. Trotzdem warten wir eine Dreiviertelstunde auf unser Essen. Die Bedienung entschuldigt sich für die lange Wartezeit. Ein paar Tische weiter sitzen vier gestandene Männer, die unüberhörbar aus Tirol sind. 

Später sehen wir sie in der Lobby unseres Hotels wieder. Ich rede absichtlich recht laut in Deutsch, doch die Herren sind sich offenbar Gesellschaft genug und wir gehen in unser Zimmer. 

 

Im Keller des Hotels ist der urige Frühstücksraum, man glaubt sich fast in einer Berghütte. Es gibt frisches Brot, damit ist es für mich schon großartig! Selbst die Butter schaut selbstgemacht aus - definitiv der beste Aufenthalt bislang!

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der Frühstücksraum des Hótels Tindastóll ist ganz nach meinem Geschmack

Wir versuchen es wieder mit dem Aerial Shot nach der Brücke. Heute ist es nahezu windstill aber ziemlich neblig. Bei 120 Meter (die maximal erlaubte Höhe) kann man die Form der Mäander allerdings nur erahnen, für einen besseren Blick müssen wir höher hinauf. Wir versichern uns, dass keine Flugzeuge in der Nähe sind und gehen auf 300 Meter. Die wirklich guten Shots sind wahrscheinlich von noch viel höher aufgenommen, aber uns reicht das Risiko. Karsten macht eine Reihe von Bildern, die wir in der post production zu einem Bild zusammensetzen wollen. Aber es schaut schon recht gut aus!

Dann aber schnell wieder runter mit der Mavic, damit wir keine Probleme bekommen!

Als sie auf dem Autodach sicher landet, ist sie vom Nebel völlig nass.

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Aerial Shot in der Nähe von Sauðárkrókur

Der Himmel ist heute völlig bedeckt und über den angezuckerten Bergspitzen liegt ein weißer Schal ausgebreitet. 

 

Die Grafarkirkja ist die älteste Kirche Islands. Wir müssen ein Gatter öffnen, um auf einen kleinen Parkplatz zu gelangen. Vor dort sind es  230 m durch eine Grasfläche zur Kirche. Wir ziehen unsere Gummistiefel an, denn das Gras ist vom Nebel ganz nass. Ein  schmaler Pfad führt zu einem Holztor in einem Erdwall, der rings um die Kirche verläuft.

Die Kirche ist mit Grassoden bedeckt und abgeschlossen. Wir gehen einmal rundherum, es gibt ein paar Grabsteine. Ein Grab ist besonders berührend, denn hier wurde ein 2 Tage altes Kind beerdigt. 

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Grafarkirkja

Nicht weit davon sind die Basalt Säulen in Hofsós. Wir gehen vom Parkplatz ein Stück den  Abhang hinunter, wo man die Säulen besser fotografieren kann. Es ist nichts Besonderes, wenn man schon einmal Basaltsäulen gesehen hat, aber nett zum Anhalten, wenn man daran vorbeikommt. 

Es gibt auch gleich nebenan ein Schwimmbecken, das einen tollen Blick aufs Meer bietet. 

 

Ganz in Norden des Kaps liegt der Saudanes Leuchtturm. Man kann mit dem Auto direkt hinfahren, allerdings schaut er auch von der Straße hinunter fotografiert gut aus. 

Zwei Schafe kommen ganz aufgeregt zu mir an den Zaun gelaufen, wahrscheinlich haben sie nicht viel Ansprache. 

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Saudanes Leuchtturm

Siglufjördur ist die nördlichste Stadt Islands und bezaubert uns mit seinen bunten Häusern. Auch das hellgrüne Sigló Hótel liegt sehr fotogen am Hafen. Wir packen sogar die Stative aus und machen Langzeitbelichtungen mit den verrotteten Überbleibseln eines Steges im Vordergrund. 

Aber es ist bitterkalt! 7 Grad und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit lassen meine Hände zu Eisklötzen erstarren. Also schau ich, dass ich schnell wieder im warmen Wagen bin.

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Siglufjördur

Den Leyningsfoss müssen wir ein bissl suchen. Bei meinem angefahrenem Punkt geht zwar ein Weg in den Wald, aber ich höre kein Wasserrauschen. Erst ein Blick auf eine Karte, die beim offiziellen Parkplatz steht, zeigt, wo der Wasserfall genau ist. 

Ich war schon richtig, wir müssen nur ein paar Minuten durch den Wald laufen, dann stehen wir auch schon vor dem hübschen Wasserfall. 

Es ist ein netter Spaziergang, neben der Straße geben violette Lupinen und gelbe Butterblumen ein sehr sommerliches Bild ab. 

Hie und da blitzt schon ein Stück blauer Himmel durch die Wolkendecke und als wir durch die drei Tunnel bei Ólafsfjörður herauskommen, werden wir von der Sonne schon direkt geblendet. 

 

Den Mígandi lassen wir links liegen, weil keine Parkmöglichkeit neben der Straße vorhanden ist. 

 

Eigentlich hätte ich heute noch den Goðafoss am Programm, aber das Wetter ist heute ähnlich wie bei unserem Besuch 2017 und lieber schauen wir uns Akureyri genauer an. 

Jetzt hat auch die Sonne die Oberhand gewonnen und wir finden einen Parkplatz direkt vor unserem Hotel im Zentrum. 

Das Hotel Kea by Keahotels wurde uns ja anstelle des gebuchten Hotels Grygur am Mývatn vermittelt, weil das Grygur diesen Sommer gar nicht öffnet. 

Die Umbuchung war aber gar nicht so verkehrt, denn zum Mývatn müssen wir eh nicht noch einmal und so haben wir noch mehr von der Nordküste sehen können.  

 

Unser Hotel liegt direkt unterhalb der imposanten Akureyrarkirkja. Nach dem Einchecken erklimmen wir die Stufen hinauf zur Kirche. Von oben hat man einen schönen Blick auf die Stadt mit den verschneiten Bergen im Hintergrund. 

Wir spazieren ein bißchen durch Akureyri, besuchen die Statue Útlaginn (Der Geächtete) und kaufen uns ein Eis, schließlich ist ja Sommer! 

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das Hotel Kea und die Akureyrarkirkja in Akureyri

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Útlaginn (Der Geächtete)

Im untersten Stock des Hotels ist das Restaurant Hamborgarafabrikkan. Wir haben nach dem Einchecken einen Tisch bestellt. Um acht Uhr werden wir vorstellig und müssen erst einmal warten, weil der junge Kellner mich nicht bemerkt. Vor uns wartet nämlich eine Flodder Familie: die Mutter mit fettigem Haar, ausgeleierter Jogginghose und Badelatschen. Die Kinder wachsen auf wie die Rüben. Die 4jährige läuft - ihren schwarzen Sohlen nach offenbar den ganzen Tag bloßfüßig - durch das ganze Lokal, auf die Bänke, unter die Tische und kugelt am Boden herum. 

Endlich schaut der Kellner auf, sieht mich und weiß sogar noch meinen Namen. Wir werden an einen Tisch am Fenster geführt. Die freien Tische neben uns sind voll mit den Resten der letzten Gästen. 

Die beiden Servierkräfte sind etwas unmotiviert, wahrscheinlich auch überfordert. 

 

Wir warten gute 15 Minuten, bis wir überhaupt eine Bestellung aufgeben können. 

Nach weiteren 10 Minuten kommen dann die beiden Flaschen Tonic, allerdings ohne Gläser. 

Das bestellte Essen wird etwas schneller als angenommen serviert, kurz vor neun Uhr haben wir dann alles am Tisch. Meine Spareribs sind lauwarm, die Pommes Frites beinahe kalt. Ich ertränke die fetten Ripperln mit der Barbeque Soße und stopfe die Pommes Frites so schnell es geht in den Mund, kalt mag ich sie gar nicht mehr!

 

Karsten hat mit seinem Burger zu kämpfen, weil er sehr hoch ist. Aber er schmeckt ihm  wenigstens sehr gut!  

Die Tische neben uns sind immer noch nicht abgeräumt - und wir sind schon eine Stunde da!

 

Ich lasse ein Drittel über, Karsten schielt nach den Milchshakes. Wir machen uns aus, wenn innerhalb der nächsten 10 Minuten ein Kellner kommt, bestellen wir noch einen Shake, sonst lassen wir die Nachspeise aus. Doch Karsten winkt den Kellner heimlich zu uns. 

Also ziehen wir uns noch jeder einen dieser Fantasie-Shakes rein, Karstens mit Schokolade und Lakritze und ich einen Reese-Shake, also mit Erdnüssen. Viel zu süß und fett, da werden wir heute Nacht noch unseren Spaß haben!

 

Beim Zahlen sagt der Kellner, dass wir so lange auf die Shakes haben warten müssen, dass sie aufs Haus gehen. Er verrechnet uns 5.586 Kronen, das ist weniger, als unsere beiden Hauptspeisen gekostet haben. Von den beiden Tonics ganz abgesehen. 

Ein schönes Lokal!

Tag 15 - Dienstag, 7.7.20 - Aldeyjarfoss - Raufarhöfn -  Arctic Henge

 

Es lacht wieder die Sonne vom Himmel und hübsche Schäfchenwolken sind im Blau verteilt. Dazu die schneebedeckten Berge, ein Traum! Mein iPhone hat auch via Autoradio den richtigen Song dazu: Giovanni Zarrella mit "La Vita é Bella".

 

Der brandneue Vaðlaheiðargöng Tunnel kurz nach Akureyri verkürzt die Ringstraße um 16 km und ca. 11 Minuten. Er ist mautpflichtig (1.500 Kronen per Trip). Bezahlt wird via Internet bis zu drei Stunden nach der Durchfahrt.

Wir wollen aber über die alter Route fahren und prompt biege ich im Kreisverkehr zum Tunnel ein. Ist aber kein Beinbruch, es ist genug Platz zum wenden und schon bin ich wieder weg. 

 

Nach einer Dreiviertelstunde biegen wir in die 844 zum Aldeyjarfoss ein. Der Parkplatz des Goðafoss ist verwaist, 5 Autos parken hier.

Den Aldeyjarfoss haben wir 2017 ausgelassen, weil ich Rückenschmerzen hatte und die Rüttelei so gut es ging vermied.

Heute geht es super, gar keine Löcher oder Querrillen, ich komme mit 80 kmh sehr gut voran. Nur die letzten 4 Kilometer sind tough, ganz zum Ende ist ein 4x4 nicht verkehrt.

 

Hier treffen wir auch wieder unsere lieben Freunde, die Midgets. Und schwupp, sind schon ein paar von ihnen im Auto! 

Zum Wasserfall gehen wir noch ein kurzes Stück hinunter, vielleicht 10 Minuten lang. Herrlicher Himmel zum Fotografieren, vielleicht ein bisserl zu hell, da muss der 1000 ND Filter mit dem 8er kombiniert werden. Oder gleich mit dem 64er, da kann ich auch schon mal eine Langzeitbelichtung mit 5 Minuten machen. Dann merkt man auch die Wolkenbewegung. 

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Aldeyjarfoss

Nach einer Stunde steigen wir wieder zum Parkplatz hinauf und schnappen uns die Drohne. Damit machen wir noch schöne Luftaufnahmen vom Aldeyjarfoss und lassen sie wieder am Autodach landen, denn der steinige Boden könnte den Rotoren zu nahe kommen. So der Plan. Karsten unterbricht den automatischen Landeanflug und steuert händisch auf das Auto zu. Doch kurz bevor sie aufsetzt, übernimmt die Landeautomatik aufgrund des niedrigen Akkustands wieder und setzt die Mavic zu weit nach rechts und ein Propeller rotiert über die Dachträger. Auto und Drohe überstehen das Manöver unverletzt, doch Karsten muss sich am Abend wieder schlau machen.

Wär ja noch schöner, wenn der Computer die Kontrolle übernimmt!

 

Bei der Weiterfahrt nehme ich irrtümlich die falsche Richtung, Karsten sieht gerade noch, wie sich im Navi die Ankunftszeit von 14:45 auf 16:11 ändert. Das wär was gewesen, wer weiß, ob ich das gleich bemerkt hätte. 

Das Gleiche ist uns vor drei Jahren auch passiert, wir sind in der Gegend um Sænautasel herumgegurkt und nach gut 18 Kilometern in eine Richtung sagt das Navi: "Bitte drehen Sie bei nächster Gelegenheit um".

 

Durch dieses Missgeschick habe ich nun aber einen Suzuki vor mit, der Fahrer bewegt sein Gefährt sehr zögerlich. Das ist auf den ersten vier Kilometern auch ok, da fahr ich gerne hinterher. Aber sobald der ärgste Teil vorbei ist, überhole ich und ziehe davon. Der Suzuki verschwindet hinter dem Horizont. 

 

Für den Goðafoss haben wir nun doch keine Zeit, das Wetter ist zwar netter als bei unserem ersten Besuch, aber der Wasserfall liegt auch in der prallen Sonne, da tut's nicht weh, wenn wir vorbeifahren. Am Parkplatz stehen jetzt ca. 10 Autos. 

 

In Húsavík wasche ich das Auto, denn ich sehe nur mehr tote Fliegen auf der Windschutzscheibe. Anders als bei uns, gibt es an den Tankstellen keine Putzmittel zum Fensterreinigen, dafür aber an den Größeren einen Druckschlauch mit Besen. Die Benützung ist gratis. 

 

Irgendwo auf der 85 nach Húsavík bleibe ich am Straßenrand stehen. Die Bergkette im Westen ist der Hammer! Es folgt das klassische Straßenfoto von der Mitte der Fahrbahn. Ein Wirtschaftsgebäude mit rotem Dach macht sich auch sehr nett als Motiv. 

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auf der 85 kurz nach Húsavík

Beim Puffin Point Tjörnes ist kein einziger Papageientaucher zu sehen, wir halten uns nicht lange auf. 

 

Die Anfahrt zum Rauðinúpur Cape ist etwas mühsam, die Gravelroad extrem rippig. Uns schüttelt es gehörig durch. Wozu habe ich eigentlich das Auto gewaschen?

Wir sehen schon von Weitem an der Staubfahne, dass wir einen Wagen vor uns haben. 

Bevor man ins Schutzgebiet kommt, muss man ein Gatter öffnen. Dort holen wir den Wagen vor uns ein und sehen, dass der Mann seine Hand über den Kopf hält. Schon wieder die angriffslustigen Seeschwalben, da sind wir froh, dass wir nicht aussteigen müssen.

Doch zu früh gefreut, auch am Parkplatz greifen die Biester gleich an. Ich schütze mich mit dem Cap und dem Hoodie drüber, da kommen die Schnäbel nicht durch. 

 

Dann schauen wir uns erst einmal um, denn von den roten Felsen auf meinem Bild in der Roadmap ist nichts zu sehen. Karsten eruiert, dass das Kap gut 2 Kilometer entfernt ist. Wir treffen auf ein junges deutsches Paar, das hier mit dem Camper wohl übernachtet. Sie erklärt mir, dass man bis zum Leuchtturm 30 bis 45 Minuten gehen muss. 

Das geht sich bei uns heute nicht mehr aus und wir schreiben das zweite Kapitel zu "Der Weg war umsonst". 

 

Durch den Ausfall könnte es sich ausgehen, dass wir vor 17 Uhr in Raufarhöfn eintreffen, was bedeutet, dass wir noch Frühstück für übermorgen einkaufen können. Ich drücke ein bisschen auf die Tube und wir erreichen den Supermarkt eine Viertelstunde vor Schließung. 

Bevor wir zur Unterkunft fahren, wollen wir noch einen Tisch für's Nachtmahl reservieren. Doch im Kaupfélagið sagt mir eine Dame, dass sie ein Café sind und am Abend gar nicht offen haben. Seltsam, denn dieses Lokal habe ich vor dem Urlaub noch extra angeschrieben und mir wurde bestätigt, dass sie bis 20:30 offen haben werden

 

Alternativ werden wir im Nordic Hotel vorstellig, da ist aber eine Reservierung nicht notwendig, weil eh keine Gäste da sind (oder so ähnlich). Trotzdem schreibt man pflichtbewusst meinen Namen auf, man sieht sich!

Das Sólsetur Guesthouse liegt recht nett am Meer. Kein Auto am Parkplatz und bei unserer Ankunft ist auch kein Mensch vor Ort. Alle Zimmer sind offen und haben einen Schlüssel im Schloß stecken. Soweit so gut, aber welches Zimmer ist nun unseres?

Am Eiskasten hängt ein Zettel mit der Telefonnummer, dich ich auch im Roadbook notiert habe. Also rufe ich an und eine Dame sagt, sie ist am Weg.

 

Es ist die Dame aus dem Kaupfélagið, wir nicken uns erkennend zu. Sie ist nicht  besonders freundlich und erklärt uns die Gegebenheiten. Das Frühstück ist morgen von 8-10 im Café. Das ist uns aber zu spät, morgen wird eine langer Tag und wir wollen um 7:30 losfahren. Kein Problem, sie bringt uns eine Box mit unserem Frühstück ins Guesthouse. 

 

Kaum ist sie weg, kommt ein weiteres Paar. Wie sich herausstellt, sind sie auch aus Österreich. 

Ich setzte mich in den Küchenbereich und fange mit dem Reisebericht an. Die Österreicher verschwinden in ihrem Zimmer.

Es kommt ein isländisches Paar mittleren Alters an. Die beiden halten sich lange neben uns auf, essen und machen sich einen Kaffee. Die ganze Zeit über sprechen sie nur isländisch miteinander und ignorieren uns. Ich lächle sie freundlich beim Vorbeigehen an, sie schaut weg. Er vermeidet auch den Augenkontakt. Muss ja nicht! 

 

Zum Nachtmahl gibt es wieder einmal Fish & Chips, diesmal ganz vorzüglich. 

Danach machen wir noch einen Sprung zum Arctic Henge. Der Arctic Henge ist nicht, wie man vermuten könnte, eine alte heidnische Druidenstätte sondern eine neues Kunstwerk, um den Tourismus in Raufarhöfn anzukurbeln. 

 

Mir ist vorwiegend kalt. Immerhin sind wir hier 17 km vom Polarkreis entfernt. Die mächtigen Steintore wären noch beeindruckender, wenn die untergehende Sonne durchscheinen würde. Aber der Himmel ist grau in grau, am Horizont ist noch ein heller Strich zu zu sehen, aber der reißt es auch nicht mehr raus. Vielleicht geht in der Post Production noch etwas. 

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Arctic Henge

Im Guesthouse waschen die schweigsamen Isländer gerade ihre Kühlbox in der Abwasch. Kein Muh, als wir das Haus betreten und kein Mäh, als  sich sich in ihr Zimmer zurückziehen. Seltsame Leute. 

Die Österreicher sind offenbar in ihrem Zimmer, wir sitzen allein in der Küche und wundern uns. 

 

6 Uhr Tagwache! Damit wir heute nicht ins Strudeln geraten, wollen wir um 7:30 losfahren. Die Frühstücksbox ist gut gefüllt, es gibt Toastbrot, Wurst, Schinken, Käse, Paradeiser und harte Eier. Außerdem noch Muffins, Joghurt und Orangensaft.

Karsten freut sich über den Bodum. Er macht so viel Kaffee, dass ich den Rest den wortkargen Isländern anbiete, die nach unserem Frühstück aus dem Zimmer kommen.

Dann brauchen wir sie wenigstens nicht abzuwaschen. 

 

Um 7:45 verlassen wir das schweigsame Guesthouse und fahren los.

Das Wetter mag sich noch nicht recht entscheiden, es ist bedeckt und es fallen sogar ein paar Tropfen. Doch der Regen traut sich nicht so recht. 

Bereits nach einer halben Stunde blitzt es schon hie und da hoffnungsvoll blau durch die Wolken. 

 

Die Gegend ist öde, Asphalt wechselt sich mit Gravelroad ab. 

Von Weitem sehen wir schon das rote Wrack der Douglas R4D-6 41-50187. Doch die Straße endet jäh vor einem Gatter, davor liegt ein Baumstamm quer. Das ist wohl eindeutig ein Zeichen, dass man keine Besucher wünscht. Somit ist auch der kurze Gedanke, mit der Drohne hinzufliegen, keine Option. 

 

Das war wenigstens nur ein kurzer Abstecher, der uns kaum Zeit gekostet hat. 

Nächster Stopp bei der Church of Skeggjastaðir. Der Himmel ist in der Zwischenzeit sehr dramatisch geworden, dicke Wattewolken bevölkern den Himmel, dazwischen ist aber immer noch genug Platz für die Sonne.

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Gleich nach der Kirche ist der Draugafoss. Man sieht ihn von der Straße aus, muss aber 600 m durch die Wiese laufen und mehrere Bäche überqueren. Ein näherer Besuch scheitert an der nicht vorhandenen Parkmöglichkeit. Für extra Kilometer auf der Straße sind wir schlichtweg zu faul. 

 

Umso mehr Zeit haben wir dadurch beim Gljúfursárfoss. Die Abbruchkante liegt quasi neben der Straße. Wir gehen ein paar Meter zu einer natürlichen Plattform, von der wir den netten Wasserfall seitlich einsehen. 

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Ein paar Kilometer weiter besuchen wir den Skjólfjörur (Elephant Rock). Ca. 200 Meter nach einer Parkbucht führt ein markierter Pfad zum Strand. Man hat einen guten Blick von  oben, wir wollen den markanten Stein vom Strand aus fotografieren. 

Am Ende des Weges stehen wir frontal zum Rock und gehen die 200 Meter am Strand wieder zurück, bis wir ungefähr auf der Höhe unseres Autos sind. Der Strand besteht aus  großen Kieselsteinen, was das Gehen etwas mühsam macht. 

 

Der Himmel ist klasse, ich mache eine Langzeitbelichtung mit verschwimmenden Wolken. Karsten macht ein Video und hat das Richtmikro mit Windschutz angesteckt, damit die Wellengeräusche sauberer sind. 

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Wir verlassen die Küste und fahren Richtung Südwesten. Bustarfell ist ein ehemaliger Bauernhof aus dem Jahre 1770 und besteht aus sechs sehr fotogenen Grassodenhäusern. 

Wir bezahlen für das Museum 1.200 Kronen Eintritt pro Person. Die zusammenhängenden Häuser sind erstaunlich geräumig, es gibt viel Interessantes zu sehen. Mit uns sind eine Handvoll Touristen hier.

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Jetzt geht es aber Richtung Studlagil Canyon, ein weiteres Highlight auf unserer Reise. Wir haben direkt neben dem Canyon ein Quartier gebucht, wohl wissend, dass es auf der falschen Seite liegt. Um die bekannte Ansicht zu sehen, muss man 4 km zu Fuß den Fluss entlang laufen. Und wieder zurück natürlich. Doch ich hab da eine Idee...

 

Die 923 ist fein zu fahren, nur an den Stellen, wo sich die Straße sanft Richtung Abgrund lehnt und mit feinem Schotter belegt ist, habe ich etwas Bammel. Ich hab dann immer das Gefühl, der Wagen rutscht seitwärts ab. Es herrscht erstaunlich viel Verkehr auf dieser Gravelroad. 

Unseren Bungalow finden wir leicht, er liegt gleich neben dem Parkplatz, auf dem 5 oder 6 Autos stehen. Es wird gerade gebaut, es stehen jede Menge Bagger und LKWs herum. Wir sind heute Selbstversorger und haben gestern per Mail den Code für die Schlüsselbox erhalten. 

 

Bei Eintreten trifft uns fast der Schlag: es hat gefühlte 40 Grad, zwei Heizungen laufen auf Hochtouren. Der quaderförmige Bungalow ist zur Hälfte verglast, die Fenster kann man aber nicht öffnen. So bleibt uns nur die Tür offenzuhalten und alle Heizungen abzudrehen. 

 

Dann schnappen wir unser Equipment und steigen in den Canyon hinab. Der Weg ist so steil, dass wir uns immer wieder an den seitlich gespannten Seilen festhalten müssen. Es ist auch generell staubtrocken hier, da rutscht man leicht ab. 

 

Wie erwartet sieht man auf dieser Seite des Canyons nicht viel. Am gegenüberliegenden Rand herrscht reger Verkehr. Auf unserer Seite sitzen drei junge Deutsche, auch sichtlich nicht ganz happy.

Wir packen die Drohne aus und die Drei schauen schon interessiert. Ich sage Karsten, dass er sich doch neben sie setzen soll, damit sie am Handy mitschauen können. Das freut sie sichtlich!

Karsten macht super Aufnahmen und fliegt mehrmals und auch ziemlich tief durch den Canyon. Wir sind alle von den Aufnahmen begeistert! 

Zum Schluß schraubt er die Mavic noch in die Höhe und macht ein 48 Megapixel Bild. 

Uns genügt das vollends, die Kameras bleiben heute in der Tasche. 

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In unserem Bungalow fühlen wir uns sehr wohl. Die Innenwände bestehen aus weißen Holzlatten, was dem Ganzen einen maritimen Touch verleiht. Das Schlafzimmer ist nicht groß, aber gemütlich. Im Bad ist eine große Dusche, die ich gleich in Anspruch nehmen werde. Durch den aufgeheizten Boiler ist es auch immer recht warm Im Bad. 

Der Aufenthaltsraum mit der Küchenzeile ist der verglaste Teil, von wo wir die Bauarbeiten rundum und einige verwirrte Touristen beobachten, die auf der Wiese vor unserem Fenster staubaufwirbelnd die Einfahrt zum Parkplatz suchen. 

 

Nach der Dusche mache ich mich ans Nachtmahl. In Ermangelung eines Wasserkochers möchte ich das Wasser am Herd heiß machen. Doch wir scheitern beide an der Bedienung des Cerankochfeldes. Es blinkt zwar ganz lustig, aber die beiden Platten werden nicht warm. Nach 10 Minuten rufe ich die Vermieterin an. Diese schickt mir eine Frau aus dem Haupthaus vorbei. Gerade, als diese mit dem Quad bei uns vorfährt, habe ich den Dreh raus. 

Die Dame kann aber eh kaum englisch, trotzdem versuchen wir ihr klarzumachen, dass das Internet nicht funktioniert. Sie versteht nicht, was wir meinen. Ist ja auch egal, dann geht es halt heute nicht.

Doch die Vermieterin ruft nach ein paar Minuten zurück, sie hat nun mit dem Provider telefoniert und siehe da - jetzt haben wir eine Verbindung!

 

Heute gibt es gemischte Küche. Alles, was wir beim Bonus so gefunden haben: Spaghetti Carbonara und Bolognese, höllisch scharfe Fertignudeln, Baked Beans, Spiegeleier und Butterbrot. So billig haben wir in Island noch nie gegessen!

Nach dem Essen fange ich mit einem Glas und einem Stück Pappendeckel alle Minifliegen  am Fenster und entlasse sie in die Freiheit. Kasten läßt von unserer Terrasse aus die Mavic noch einmal durch den Canyon fliegen. Bei einer Höhe von -35 m verliert er  zweimal die Verbindung. Kein Wunder, ist ja auch eine Menge Fels zwischen der Steuerung und der Drohne. Durch die Einleitung des automatisierten Rückflugs hat er aber bald wieder die Kontrolle. 

 

Ich telefoniere ein paar Mal mit der Vermieterin (die Telefonverbindung reißt immer wieder ab, weil wir "so near to the Highlands" sind). Sie kann meine Zahlung nicht durchführen, weil die Kreditkarte immer abgelehnt wird. Keine Ahnung, was da wieder ist, Geld ist genug am Konto. 

 

Unser Schlafzimmer hat nur ein kleines Fenster, das durch eine Rollo abgedunkelt wird. Heute Nacht haben wir es das erste Mal seit zwei Wochen beinahe finster in der Nacht.

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Aus den restlichen 6 Eiern und einer Packung Schinken mache ich uns Ham and Eggs. Dazu gibt es die restlichen Baked Beans und Butterbrote. 

 

Ich habe wieder kein Telefonnetz und das Internet ist auch wieder tot. Karstens Firmenhandy kann mit beidem dienen und ich versuche die DKB anzurufen, ob es ein Problem mit der Kreditkarte gibt. Doch die Nummer ist entweder falsch oder wir kommen nicht durch. 

Durch Kastens Hot Spot kann ich ins Internet und sehe, dass der Betrag für die Übernachtung abgebucht wurde. Also alles gut! 

Jetzt kann ich auch den Reisebericht und die Bilder posten. 

 

Da es wettermäßig heute nicht so toll ausschaut, entscheiden wir uns gegen den Hengifoss und für die Fahrt nach Borgarfjarðarhöfn.

Die 94 von Egilsstaðir bis Borgarfjarðarhöfn ist fast durchgehende asphaltiert, nur 15 Kilometer zu Beginn und 5 Kilometer kurz vor dem Pass sind unbefestigt. Diese 5 Kilometer haben es aber in sich, denn hier wird zurzeit die Straße erneuert und man fährt streckenweise auf so spitzen Steinen, wie man sie bei uns zwischen den Bahngleisen findet. 

 

Am Himmel zeigen sich ein paar blaue Flecken, die Hoffnung geben. Hie und da tröpfelt es ein bisschen. Die Landschaft ist ab dem Pass wieder sehr ansprechend, ich bin froh, dass die Spitzkehren asphaltiert sind. Es gibt sogar in manchen Kurven Leitplanken, das ist ein ganz anderes Fahrgefühl als sonst, wo es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen gibt. 

 

Bei der Puffin Marina weht ein rauher Wind. Ich ziehe mir die Jacke gleich im Auto an, es schaut draußen nicht grad warm aus! Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, stemmen wir  uns gegen den Wind und marschieren in Richtung des Vogelfelsens Hafnarholmi. Das neu aussehende Gebäude, in dem das WC untergebracht ist, ist verschlossen. Zum Glück gibt es zwei mobile Toiletten, sonst wär ich relativ unentspannt. 

 

Ich weiß nicht, was ich genau erwartet habe, doch bin ich von der Anzahl der Papageientaucher total geplättet. Und so nahe! Wir steigen den Steg hinauf, der an den  Brutstätten vorbeiführt und keine zwei Meter von uns sitzen die Puffins, soweit das Auge reicht. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, die Vögel bringen Fische zu ihren Jungen  in den Nestern. Die Kameras glühen - leider nur im übertragenen Sinn, denn der Wind ist schneidend kalt. Mich stört die Kälte nicht so, denn ich bin im Jagdfieber. Hier ist die Gelegenheit, einen Papageientaucher mit Fisch im Schnabel zu erwischen. Wenn geht im Anflug, aber das bleibt ein frommer Wunsch, denn die  Vögel sind zu schnell. Besonders lustig sind sie beim Landen, da fallen sie quasi vom Himmel und überschlagen sich sogar manchmal! Aber auch diese drolligen Landemanöver kriegen wir nicht auf's Bild. 

Ich könnte ja noch ewig auf den einen Shot warten, doch Karsten bibbert schon neben mir und so kehren wir zurück ins warme Auto.

 

Wenn jemand während der Brütezeit (Ende April bis Mitte August) 100%ig auf Puffins treffen will, ist er in Borgarfjarðarhöfn genau richtig!

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ein kurzer Ausschnitt zu Borgarfjarðarhöfn

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Borgarfjarðarhöfn

Den Fardagafoss lassen wir aus, dazu ist es uns zu windig und kalt. Wir fahren weiter zum Gufufoss, der schmeißt sich wenigstens gleich neben der Straße über die Kante. In den 20 Minuten, die wir dort fotografieren, frieren meine Hände zu Eisklötzen. Karsten war ja gescheit und hat Handschuhe nach Island mitgenommen.  

 

Auf dem Weg dorthin wird es plötzlich winterlich: die Bergkette vor uns ist fast noch zugeschneit, neben der Straße liegen Schneefelder und auf dem Heiðarvatn schwimmen Eisschollen! Ich halte neben der Straße und springe für ein schnelles Foto aus dem Auto. Bist du deppat, ist das kalt! 

 

In Seyðisfjörður gibt es nette Fotomotive und wir wärmen uns im Kaffi Lára mit einer heißen Schokolade auf. 

Auf dem Weg zurück nach Egilsstaðir bleibe ich kurz an einer Pferdekoppel stehen, damit die armen Seelen zuhause ihre Ruhe finden! 

 

Bei der Hinfahrt sind uns auf der Seite ein paar bunte Würfel aufgefallen. Jetzt bleiben wir dort stehen. Es handelt sich um das Kunstwerk Heavier Mountain, das aus besagten Würfeln mit Monitoren drauf besteht. Schaut in der kargen Landschaft auf jeden Fall sehr skurril aus. Und wieder rein in den warmen Wagen! 

 

Einmal bleiben wir noch am View Point stehen, um den tollen Blick auf Egilsstaðir und den Lögurinn einzufangen. 

In der Askur Pizzeria reservieren wir einen Tisch für acht und dann checken wir im Hotel Edda ein. Das Hotel erweckt den Eindruck eines Kurhotels, wenigstens ist das Zimmer groß. 

 

Um acht finden wir vor der Pizzeria fast keinen Parkplatz, hier ist die Hölle los! Wir bekommen trotz Reservierung keinen Platz im netten Teil des Restaurants, sondern sitzen an einem grauslichen Tisch im Nebenraum. Ich bin schon angefressen, bevor wir überhaupt bestellt haben. 

Immer wieder schaue ich in den anderen Raum, ob ein Tisch frei wird, doch der Andrang ist noch groß. Wir warten über eine halbe Stunde auf die Pizzen und merken, dass immer wieder Leute, die vorhin neben uns saßen, nicht mehr da sind. Offensichtlich übersiedeln die auch hinüber.

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Mein dritter Versuch ist dann erfolgreich, wir dürfen an einen netten Zweiertisch, die Pizza aus dem Holzofen kommt und alles ist gut!

Seyðisfjörður

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Gugufoss

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Ist das Kunst oder kann das weg?

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Blondie

 

Ich wache irgendwann frühmorgens auf, es ist schon hell. 😂

Karsten sägt gerade den letzten Wald Islands um. Meine Klickgeräusche bringen nichts, ich kann ihn auch nicht anstupsen, weil unsere Betten zu weit auseinander stehen. Ich habe ja immer Zweibettzimmer gebucht, weil ich sicher gehen wollte, dass wir zwei Decken bekommen.  Das ist in Island aber eh wurscht, denn die haben auch in den Doppelbetten zwei Decken. Ich klatsche in die Hände und Ruhe ist.

 

Das Frühstück im Edda ist besser als die Zimmer vermuten lassen. Viel Auswahl und aufmerksame Kellner. Ich mache uns eine Waffel nach Vorschrift und versaue den ganzen Bereich. 

 

Heute fahren wir Richtung Mjóifjörður, die 953 ist sehr abenteuerlich zu fahren. Die Gravelroad weist ein 15%iges Gefälle auf, es nieselt leicht und die glatte Fahrbahn glänzt rutschig. Mein Vertrauen zum Auto ist extrem niedrig und ich schleiche mit Handschaltung im 2. Gang die Serpentinen hinunter. 

 

Ich habe schon festgestellt, dass vor jedem Ostfjord ein Berg zu überwinden ist. Deshalb sind die Einwohner im Winter oft eingeschlossen, wie wir aus Island-Krimis wie "Trapped" wissen. 

Auch diesmal fahren wir an Schneefeldern vorbei, ehe wir am Endziel der aktuellen TomTom Route anhalten. Mitten in einer Spitzkehre, hier soll angeblich der Klifbrekku Waterfall sein. Dann steig ich mal aus und geh nachschauen. Nach ein paar Schritten kann ich den gewaltigen Wasserfall aus der Höhe betrachten. Seitlich geht der Blick weit bis zum Fjord. Ich parke das Auto so gut es geht in der Kurve und wir holen unsere Stative. 

Nach getaner Arbeit fahren wir weiter bergab und halten noch am Fuß des Wasserfalls.

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Klifbrekkufossar von oben

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Klifbrekkufossar von unten

Am Ende des Tales liegt das Wrack eines WWII US Navy LCM. Viel ist nicht mehr vorhanden, das verrostete Schiff liegt schon seit den 60er Jahren hier. 

 

Dann geht es wieder komplett zurück. In dem grünen Tal gibt es so viele Wasserfälle, da könnte man sich den ganzen Tag aufhalten. Genau wie gestern zwischen Egilsstaðir und Borgarfjördur. 

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 das Wrack eines WWII US Navy LCM am Ufer des Mjóifjörður

Zum Folaldafoss fahren wir zwar, machen aber keine Aufnahmen, weil wir eh schon ein bissl hinter unserem Zeitplan sind und der Wasserfall in der prallen Sonne nicht sonderlich lockt. 

 

Der Barkináfoss liegt ein paar Minuten vom Parkplatz entfernt. Als wir zurückkommen, haben es sich ein paar Camper gemütlich gemacht und fangen gerade an zu kochen. 

Jetzt merken wir schon, dass es mehr Touristen gibt. Auf der Ringstraße kommen uns viele Autos entgegen, in unsere Richtung fahren nicht so viele, bzw. überholen uns keine.  

 

Das Wetter ist heute durchwachsen. Der blaue Himmel ist stark bewölkt, immer wieder regnet es leicht und bald darauf strahlt wieder die Sonne. 

 

Beim Hvalsnes Leuchtturm sitzen wir einen leichten Regenschauer im Wagen aus, ehe wir die Drohne fast einen Kilometer auf's Meer hinausschicken, um eine Luftaufnahme der Landzunge zu machen. Schaut bombastisch aus!

 

Kaum ist die Mavic wieder sicher am Autodach, fängt es wieder zu regnen an. 

Gutes Timing!

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 beim Hvalsnes Leuchtturm

Zwischen Hvalsnes und Stokksnes gibt es noch zwei Aerial Photo Spots. Die Mäander schauen so unglaublich aus der Luft aus und wir haben immer Glück mit dem Regen. Es wär nicht so gut, wenn die Drohne in einen Regenguss käme. Die ist ja nicht wasserdicht. 

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Aerial Spot kurz vor Stokksnes

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Vestrahorn, der Batman Mountain

Um 16 Uhr erreichen wir das Viking Café, wo wir heute übernachten. 

Wir werden ganz herzlich begrüßt und sind überrascht , wie schön die Bungalows eingerichtet sind. Alles schaut sehr neu aus und die Einrichtung ist klug durchdacht. 

An den Fenstern sind Rollläden, das bedeutet, dass es heute richtig finster wird!

 

Dann geht es aber schon wieder los, denn heute ist das Wetter ideal für den Black Beach und das Vestrahorn. 2017 sind wir ja nur bis zum Viking Café gekommen und haben den Strand nicht besucht, weil es total neblig war. 

Wenn man's genau nimmt, war das der Antrieb für diesen Urlaub.

 

Wir werden nicht enttäuscht: die schwarzen Dünen, die Spieglung des Vestrahorns im Meer und an den Wasserflächen beim Wikingerdorf - welches wir ausgelassen haben - wir  sind total begeistert!

 

Den Klassiker mit der Spieglung des kompletten Bergmassives erwischen wir vielleicht morgen in der Früh.

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Stokksnes

Nach einer feinen Dusche setzen wir uns ins Viking Café auf einen Kaffee/Kakao, ich schreibe den Reisebericht und Karsten importiert seine letzten Bilder in Lightroom.

 

Die Kellnerin empfiehlt uns für's Nachtmahl das Kaffi Hornið in Höfn. 

Es stehen viele Leute an, doch wir bekommen sofort einen Tisch. Die Auswahl ist nicht sehr groß, ich nehme die Tagessuppe und einen Salat mit Hühnerfleisch, Karsten bestellt den Monsterburger. Ist beides nicht überragend, jedes andere Lokal hätte es auch getan. 

 

Irgendwann gegen eins reißt Karsten unser Fenster auf - es ist brütend heiß im Zimmer. Ich habe die kleine Elektroheizung am Abend auf 2 gestellt, entweder hab ich mich verschaut oder das Ding heizt so gewaltig! 

 

In der Früh bekomme ich ein Mail von der Wizz Air mit einem Formular im Anhang. Das muss bei der Einreise ausgefüllt werden. Mir springt nur der Satz „Ich verpflichte mich in Österreich unverzüglich einer 14-tägige Heimquarantäne anzutreten“ ins Auge! 

Corona ist hier so in den Hintergrund getreten, dass ich auf so etwas nicht gefasst bin. 

Karsten checkt aber gleich auf der Seite des Außenministeriums, dass man aus Island kommend weder einen Test machen noch in Quarantäne gehen muss. 

 

Linda, die nette Kellnerin von gestern, serviert uns zum normalen Buffet-Frühstück noch eine liebevoll dekorierte Waffel. Ich frage sie, wie alt die Zimmer sind, weil sie so neu ausschauen. Doch schon drei Jahre, alle Achtung. "Das kommt davon, weil ich sie so gut reinige" sagt Linda und lacht. 

 

Wir fahren noch einmal zum Strand. Beim Einchecken haben wir drei Einfahrtickets erhalten. Normalweise kostet die Einfahrt zum Stokksnes 900 Kronen und wird mit einem Schranken geregelt. Im Zimmerpreis sind unbegrenzte Einfahrten inkludiert. 

Diesmal ziehen wir die Gummistiefeln an und stapfen durch den Matsch bis wir eine halbwegs brauchbare Spiegelung der Berge erwischen. 

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Stokksnes, neben dem Wikingerdorf

Heute fahren wir ein paar Gletscherzungen ab. Linda hat uns wieder einen Tipp auf den Weg mitgegeben: den Hoffellsjökull, weil dort keine Touristen sind. Die Anfahrt ist etwas holprig und am Ende der Gravelroad stehen ein paar Autos. Von wegen keine Touristen - man hört nur deutsch inkl. eines plärrenden Kleinkindes. Wir werfen nur einen Blick auf den Gletscher und ersparen uns den Weg hinunter zum Strand. 

Am Weg zurück zur Ringstraße machen wir einen Stopp bei den Hoffell Hot Tubes. Aber auch hier kann ich nur einen kurzen Blick riskieren, denn erstens sind Gäste in den Becken und zweitens muss man Eintritt bezahlen. Also kein Foto.

 

Der zweite Gletscher ist der Flaajökull. Wieder 8 km holprige Anfahrt und am Ende kommen wir gar nicht zum Gletscher, weil die Hängebrücke schlichtweg nicht mehr da ist. Wir sehen nur noch die traurigen Überreste der Betonsäulen. 

 

Also schnappen wir uns die Drohne und Karsten macht grandiose Aufnahmen vom Gletscher. Am iPhone schaut es aus, als würde sie gleich auf's Eis krachen, dabei ist sie  mindestens 10 Meter vom Boden entfernt. 

Uns ist bewußt, dass man im Nationalpark nicht mit der Drohne fliegen darf, doch hier ist kein Verbotsschild und wir sind enttäuscht, dass wir wieder nicht an den Gletscher kommen. 

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Flaajökull

Zum Heinabergslón führen viele Wege, deshalb ist an jeder Kreuzung der Gravelroad ein kleines Hinweisschild. Auch etwas ungewöhnlich, aber hilfreich! Die Anfahrt ist ein wenig abenteuerlicher, es geht zwischen zwei Felsen und über eine schmale rostige Brücke. 

Am Parkplatz sind drei Autos, am Strand etwas weiter unten stehen auch zwei Autos. 

 

Weil uns die Aussicht vom Parkplatz nicht übermäßig beeindruckt, versuche ich den Weg weiterzufahren, obwohl ein Schild darauf hinweist, dass man ein Gewässer furten muss.

Soweit würde ich es aber nicht kommen lassen und vorher umdrehen. 

Ich fahre ein paar hundert Meter den Reifenspuren nach, die quasi die Straße markieren. Irgendwann wird es ziemlich steil und steinig, wir sehen auch schon die Autos am Strand, befinden aber, dass es sich nicht auszahlt, hier etwas zu riskieren und ich drehe wieder um. 

 

Zurück auf der Ringstraße fällt uns eine Verkehrsschild mit einen Rentier auf. Auch sehr spannend!

 

Bei unserer heutigen Unterkunft machen wir einen Einkehrschwung und ich reserviere im Hali Hotel eine Tisch für heute abend. Da im Guesthouse Gerði noch niemand ist (wir müssen uns telefonisch ankündigen) fahren wir gleich weiter zum Diamond Beach.

 

Zuerst machen wir auf der rechten Seite beim Jökulsárlón Glacier halt. Na da ist ja ordentlich was los: der Parkplatz ist ziemlich ausgelastet, was bedeutet, dass hier an die dreißig Autos stehen. 

Man hört fast ausschließlich isländisch, offenbar wird der Samstag für einen Familienausflug genutzt. Es ist immer wieder fantastisch, wenn man die blauen Eisberge des Gletschers sieht, die sich so bizarr in den Himmel recken! Sofort spüren wir die eiskalte Luft, die vom Eis herüber geweht wird.  

Am Strand liegen keine Eisblöcke, das war vor drei Jahren Ende August ganz anders. Alle paar Meter sieht man Kinder Steine ins Wasser werfen. Ein Vater filmt ganz stolz seine beiden Buben, die mit kopfgroßen Brocken das Eis in der Lagune zertrümmern wollen. Man sieht also, Dummheit kommt in jeder Nation vor!

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Jökulsárlón

Nach einer Weile fahren wir an den Diamond Beach. Hier stehen nur fünf Autos und der Grund wird uns schnell klar: es gibt fast keine Eisbrocken am Strand. Und wenn, dann sind sie winzig klein, kaum größer als eine Melone. Wir sind sehr enttäuscht doch dann sehe ich, dass es am gegenüberliegenden Ufer größere Eisstücke gibt.  

 

Also fahren wir über die Brücke zum Breiðamerkursandur. Wir müssen zwar ein gutes Stück den schwarzen Strand entlanglaufen, aber dann finden wir Eisblöcke in allen Größen. Leider auch ein junges Mädchen, dass auf einem Eisbrocken herumturnt. 

 

Beim Fotografieren schwappt mir eine Welle über den linken Fuß und ich bin gebadet. Macht aber nix, das ist eh der letzte Punkt heute. 

Vom Meer zieht ein Nebel über den Strand, die Leute in der Ferne verschwinden fast darin. Ein mystischer Moment! 

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Im Auto melde ich unserer Unterkunft unsere Ankunft, das Guesthouse Gerði liegt 14 km vom Diamond Beach entfernt. Wir sind die ersten Gäste seit der Öffnung der Grenzen. Aber unsere gebuchte Hütte gefällt uns gar nicht. Ein schmuckloses Zimmer mit einem kleinen Fenster, ein Tisch, zwei Sesseln und zwei Betten. Auf der Buchungsseite war ein ganz anderes Zimmer abgebildet.

Wir fahren zurück zur Rezeption. Ich zeige der Dame das Bild: "Ist das ein Zimmer von euch?" Sie bejaht und tatsächlich kann ich ohne Kosten umbuchen - sprich, wir wechseln die Schlüsseln.

Unser neues Zimmer ist im Haupthaus und voilà: es ist genau wie auf dem Foto. 

Breiðamerkursandur

da muss man schnell sein...

Die komplette Seite zum Meer ist verglast und das Zimmer ist auch wesentlich größer. Wie ich etwas später feststelle, ist das wohl das einzige Zimmer mit dieser verglasten Front, somit haben wir jetzt das beste Zimmer im Guesthouse.

 

Leider funktioniert der Fön nicht. Also gehe ich wieder zur Rezeption. Für einen Sekundenbruchteil sehe ich Panik in den Augen der Dame hinter dem Schalter aufblitzen. "The room is great!" versuche ich gleich zu beruhigen, "but the hairdryer doesn't work."

Ich bekomme einen neuen Fön und ziehe zufrieden von dannen. 

 

Neben unserem Zimmer ist ein Aufenthaltsraum mit einem wunderschönen polierten Wurzelholztisch. Hier ist auch die Wand zur Meerseite komplett verglast. Hier schreibe ich meinen Reisebericht, bis es Zeit für's Nachtmahl ist. 

 

Im Hali Restaurant kosten alle Hauptspeisen fast gleich viel und deshalb bestellte ich mir heute Lamm. Da ich bei Lamm immer skeptisch bin und es normalerweise sehr teuer ist, habe ich auf eine Gelegenheit gewartet, wo es erschwinglich und wohl auch gut ist. Das ist heute der Fall und es schmeckt mir sehr gut. Karsten findet zwar die Rhabarbermarmelade dazu sehr grauslich, aber ich mag solche Geschmackskrimis.

 

Um 5:30 aufgewacht und recherchiert, ob ein spontaner Abstecher zum Mælifell machbar ist. Um 7:30 zur Einsicht gekommen: ist er nicht. Mit ziemlicher Sicherheit sind hier einige Gewässer zu furten, da braucht's auch ein g'scheiteres Auto als den RAV4.  

 

In Skeiðarársandur bleiben wir spontan bei den Resten der 1996 zerstörten Brücke stehen. Gleich nach uns kommt eine Familie mit drei Kindern an, die auf das rostigen Ding kraxeln und herunterrutschen. Dann fahren sie weiter und wir können Bilder machen. 

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die zerstörte Brücke in der Skeiðarársandur

Es fängt leicht zu regnen an. Heute wird es wohl nicht mehr sonnig, aber das ist auch ok.

Leider ist es beim Lomagnupur Mountain zu windig, um eine schöne Spiegelung zu sehen.  Der grüne Berg ist aber auch so sehr fotogen.

 

Am Fjaðrárgljúfur sind wir vor drei Jahren im Regen irrtümlich vorbeigefahren. Deshalb ist ein bebildertes Roadbook sehr wichtig, damit ich gegebenenfalls kurzfristig entscheiden kann, ob ein Punkt vernachlässigt werden kann. 

 

Heute nehmen wir uns für diesen grandiosen 100 m tiefen Canyon genug Zeit. Vom Parkplatz wandern wir einen Kilometer bis zum Viewpoint. Von dort lassen wir die Drohne starten und Karsten ist sehr konzentriert, als er sie durch den Canyon fliegen läßt. Von der Plattform aus, schaut es so aus, als würde sie jeden Moment gegen die Wände klatschen, aber am Bildschirm sieht man, dass jede Menge Platz ist. 

 

Karsten bringt die Mavic wie immer sicher zurück, das ist immer eine gewisse Erleichterung für mich. 

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Fjaðrárgljúfur

Am Rückweg treffen wir auf eine Rangerin. Das ist auch neu für uns, dass es Aufpasser bei den Sehenswürdigkeiten gibt. Das hätten die Isländer schon vor Jahren forcieren müssen, wo es so viele ignorante Touristen gibt. 

Sie gibt uns den Tipp, die Drohne von der Brücke neben dem Parkplatz zu starten, dann "rauschen" die Felswände rechts und links an der Kamera vorbei. "That's really amazing!"

 

Beim zweiten Flug läßt Karsten die Mavic knapp drei Meter über dem Wasser entlang fliegen. Das schaut so wahnwitzig aus, wirkt aber extrem gut am Video bei 56:53!

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Fjaðrárgljúfur

Das war's dann auch für heute, jetzt geht es zu Jón und Martina nach Vík. 

Damit wir nicht zu früh dort eintreffen, reservieren wir zuerst einen Tisch im Restaurant Sudur Vík und gehen in den Supermarkt. 

Vor dem Supermarkt treffen wir auf einen alten Bekannten: die Skulptur Thor & Goats, die 2017 noch im Viking Village bei Reykjavik gestanden ist. 

Damals wie heute steht sie etwas unglücklich an einer Wand, ich fände es dramatischer, wenn sie allein auf einer Anhöhe stehen würde. 

 

Kurz vor halb vier kommen wir bei B&B von Jón und Martina an. Martina kommt aus dem neuen Gewächshaus, um uns zu begrüßen. Trotz einsetzenden Nieselregen plaudern wir lange vor dem Auto, ehe wir endlich ins Haus gehen. 

Diesmal wohnen wir im Erdgeschoss (2017 war’s noch der Keller) und außer einem Gast, der morgen für eine Nacht kommt, sind wir die einzigen Besucher. 

 

Wir haben aus Wien eine Riesenpackung Mannerschnitten "Ein Wiener Glückskeks" mitgebracht, das freut vor allem die beiden Kinder, die ferienbedingt diesmal auch hier sind. 

 

Später kommt auch noch Jón aus dem Gewächshaus und es ist wie ein Heimkommen, obwohl wir erst einmal für zwei Nächte hier waren. 

Wir erzählen von unserer Tour und erfahren, dass das Haus, in dem jetzt das Hotel Djúpavík ist, vorher Jóns Großvater gehört hat. Zufälle gibt’s, unglaublich!

Tag 21 - Montag, 13.7.20 - Uxafoss - Mælifell - Dyrhólaey

 

Das herrliche Frühstück von Jón ist legendär. Von der guten Wurst, über x-verschiedene Käsesorten, über Lachs, Lamm und jede Menge Gemüse aus dem eigenen Garten bis zu den herrlichen selbst gemachten Marmeladen und Fruchtsäften. Auch die essbaren Blumen kennen wir noch vom letzten Mal. 

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Frühstück bei Martina und Jón

Für die nächsten zwei Tage haben wir kein fixes Programm. Ich habe einige Punkte notiert, die wir nach Belieben abfahren.  

 

Zunächst fahren wir zum Uxafoss. Für den Weg durch das taufrische Gras ziehe ich mir die Gummistiefel an. Der Wasserfall ist hübsch in ein grünes Tal eingebettet mit einer größeren Kaskade im Vordergrund. 

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Uxafoss

Auf der Straße sehen wir eine Joggerin mit einer Hand über dem Kopf, um die  Seeschwalben abzuwehren. Auch eine Art Motivation! 

 

Der Mælifell geht mir nicht aus dem Kopf. Auf meinen gestrigen Eintrag im Reisebericht habe ich so positive Rückmeldungen erhalten, unter anderem der Hinweis von Kevin, der schreibt: Maelifell ist definitiv machbar mit eurem Auto. 

Also entscheide ich spontan, dass wir das Abenteuer wagen!

 

Von Kevin haben wir eine genaue Anleitung, auf welchen Straßen wir ohne großartige Flussüberquerungen dorthin kommen. Unser Navi will uns über die 209 leiten, Kevins Anleitung sagt aber, dass wir bei der F232 beginnen. Und das ist auch gleich unser ersten Problem: wir finden die 232 nicht. Ich bin nach der 209 und der 208 vorbei und dann am Straßenrand stehengeblieben. Wir suchen auch Google Maps nach der vermaledeiten F232. Erst bei der Apple Map werden wir fündig, zumindest finden wir eine kleine Straße, die zur 210 führt. Das muss sie sein. Blöd ist ist nur, dass die von der 208 abgeht. Also alles wieder zurück. Eine halbe Stunde verloren.

 

Nach ein paar Kilometern auf der 208 biegen wir auf die F232 ein, der Anfang ist ganz gut. Wäre gut, wenn es so bliebe. Doch schon sehr schnell wird es echt ruppig. Vor allem die Steine machen mir Sorgen. So vorsichtig kann ich gar nicht fahren, dass nicht ab und zu ein Stein mit einem satten "Plong" auf den Unterboden knallt. 

Die meiste Zeit fahre ich 20/25 kmh, denn auch bei den Gras- und Steinnarben in der Mitte der Fahrbahn kann ich nicht abschätzen, ob sich das mit meiner Watttiefe ausgeht. Hier und da schramme ich mit dem Boden auf den Steinen, das tut weh!

 

Nach der Hälfte der Strecke kommen wir an eine schwarze Sanderfläche mit vielen Grasnelken und einem grünen Berg im Hintergrund. Hier steigen wir das erste Mal aus dem Wagen und fotografieren. 

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Etwas später kommen wir an einem grünen Tal mit einem Wasserfall vorbei. Auch hier müssen wir aussteigen. An dieser Stelle kommt uns auch das erste Fahrzeug entgegen. 

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auf der F232 zum Mælifell

Bei jeder größeren Wasserdurchquerung fragen wir uns, ob das der "seichte Fluss" ist, den Kevin in seinem Bericht erwähnt hat, der "super harmlos zu durchqueren" ist. Das es keiner davon war, merken wir, als wir gleich darauf um die Ecke biegen. DAS ist ein Fluss und gar nicht mal zu schmal! Aber wagemutig stürze ich mich mit dem Auto in die Fluten und langsam schiebe ich das Wasser im ersten Gang vor mich hin. Am anderen Ufer geht es extrem steil hoch und kurz habe ich die Befürchtung, dass ich es nicht hinauf schaffe. Aber nach einer kurzen Verschnaufpause schiebt sich der Toyota langsam das Ufer hinauf.

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die einzige wirkliche Furt auf der F210 zum Maelifell

Bei der Abzweigung zur 210 stossen wir auf zwei weitere Autos, die von Ihren Fahrern quasi getragen werden. Zum Glück halten sie gerade mitten auf der Kreuzung und ich kann elegant an ihnen vorbeifahren. 

 

Nach weiteren 8 Kilometern sind wir dann endlich am Ziel. Der grüne Mælifell steigt majestätisch vor uns aus der schwarzen Sanderfläche. Gleichzeitig zeigt sich auch der Himmel blitzblau mit weißen Schäfchenwolken. Einfach nur genial!

Nach dem Fotografieren packen wir die Drohne aus und Karsten macht beeindruckende Aufnahmen. 

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Majestätisch ragt der grüne Mælifell aus der schwarzen Sanderfläche auf!

Die Drohne bleibt auch bei der Rückreise immer griffbereit und wir filmen die Autofahrt und die Furt.

 

Am Rückweg bin ich wesentlich flotter unterwegs und bald erreichen wir wieder die Ringstraße. Ich bleibe an einem Parkplatz stehen und gehe einmal ums Auto. Noch alles dran! 

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auf dem Rückweg vom Mælifell

Es ist halb fünf vorbei und wir steuern Reynisfjara an. In Vík springe ich beim Smiðjan Brugghús raus, um einen Tisch zu reservieren. Die reservieren aber nur für Gruppen. 

 

Am Parkplatz bei Reynisfjara ist die Hölle los. Wir finden keinen Platz und wollen eigentlich auch nicht an den Strand, wenn so viele Leute da sind. 

Eventuell am Abend beim Sonnenuntergang. 

 

Also weiter nach Dyrhólaey. Ich wußte gar nicht mehr, dass die Straße hinauf so arg ist. Aber es fahren auch Kleinwägen hinauf, alle Achtung! 

Der Blick ist gewaltig! Karsten ist der Abgrund nicht geheuer, es geht 114 Meter gerade hinunter. 

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Dyrhólaey

Papageientaucher gibt es hier keine, dazu müssen wir weiter zum Kirkjufjara. Dort gibt es wieder leicht aggressive Seeschwalben, die angesichts der Menge an Besuchern nur aufgeregt in der Gegend herumfliegen. 

Hier gibt es ein paar Puffins, doch sie sitzen etwas entfernt im Felsen. Ich probiere noch, ob ich welche mit dem 600er Objekt beim Starten oder Landen erwische und gebe nach ein paar Minuten ernüchtert auf. 

Beim Wegfahren wird jedes Auto von den Seeschwalben auf‘s aggressivste angegriffen. Die Viecher sind nur Zentimeter von unserer Windschutzscheibe entfernt. 

 

Zurück im trauten Heim beginne ich mit dem Reisebericht. Der zweite Gast, eine junge Deutsche trifft ein und bald entspinnt sich eine rege Diskussion. Karsten nimmt sich ihrer Kamera an und korrigiert einige Einstellungen. Ich erkläre ihr, wie man Langzeitbelichtungen macht und gebe ihr Tipps für ihre Route. Sie ist sehr ambitioniert und möchte heute Abend noch zum Fjaðrárgljúfur fahren. „So um neun herum.“ 

Und morgen will sie in der Früh ein paar Sachen in der Gegend anschauen und dann um acht zum Frühstück zurückkommen. Na, das tät mir einfallen! 

 

Jón verabschiedet sich, er muss nach Reykjavík und kommt erst am Mittwoch zurück. 

Ich versuche nebenbei den Reisebericht zu schreiben, zum Glück bin ich multitasking-fähig.

 

Dadurch wird es etwas später und wir müssen uns tummeln, dass wir noch etwas zu essen bekommen. Im Smiðjan Brugghús ist die Küche schon zu (obwohl sie noch bis 22 Uhr offen haben), weil die Bestellzeit schon bei einer Stunde liegt. 

Wir rasen also zum nächsten Restaurant, uns bleiben noch drei Minuten, dann machen alle anderen die Küche dicht. 

Im Halldorskaffi bekommen wir Gott sei Dank noch etwas, damit wir nicht hungrig ins Bett müssen. 

Danach hebe ich bei einem Bankomat zum ersten Mal isländische Kronen ab, um Martina zu bezahlen. Wir haben auch in diesem Urlaub überhaupt kein Bargeld gebraucht. 

 

Da es heute keinen spektakulären Sonnenuntergang gibt, fahren wir nach dem Essen in die Unterkunft, wo wir uns bis nach Mitternacht mit der jungen Deutschen unterhalten. Sie ist doch nicht mehr zum Fjaðrárgljúfur gefahren. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie Ärztin in einem großen Krankenhaus bei Stuttgart ist. 

 

Inas heißt die junge Dame und hat offenbar ein Erzähldefizit. Sie ist sehr nett, aber was die reden kann! Sie hat den morgendlichen Ausflug auch gestanzt und genießt mit uns das Frühstück.

 

Wir fahren zum Nauthúsagil Waterfall und landen erstmal auf einem kleinen Parkplatz an der Ringstraße. Unser Navi möchte uns auf die 249 leiten, doch die ist mit zwei rot/weißen Gittern gesperrt. Hä? Wie sollen wir denn da zum Wasserfall kommen? 

Ich schau auf der isländischen Webseite zur Straßenlage und sehe, dass die 249 grün markiert, also frei befahrbar ist. Also rufe ich einfach dort mal an. Der Mann am anderen Ende versichert mir, dass die Straße offen ist. In dem Moment sagt Karsten, dass man ein wenig weiter auf die 249 abbiegen kann. 

Da haben die einen komplett neuen Parkplatz für den Seljalandsfoss gemacht! Da kann sich ja mein Navi nicht auskennen. 

 

Eigentlich sollte man meinen, dass der Nauthúsagil Waterfall eher ein Geheimtipp ist. Er ist zwar nicht weit vom Seljalandsfoss entfernt, doch muss man ein gutes Stück auf der 249 fahren. Doch es parken erstaunlich viele Autos auf dem kleinen Parkplatz. Es gibt sogar ein Auto mit Dachzelt, die Bewohner dürften noch schlafen, was die Flip Flops am Beginn der Leiter  vermuten lassen. 

 

In den paar Minuten, die wir zum Anziehen der Gummistiefeln brauchen, kommen weitere zwei Autos an. 

Vollgepackt geht es gleich Richtung des enges Tales. Ein Weg geht nach links weg, doch dürfte der eine Sackgasse sein. Der rechte Weg führt einen Hügel hinauf und von dort wird  es abenteuerlich, denn wir müssen uns mit einem Seil die steile Wand hinunterhanteln. 

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der Weg zum Nauthúsagil Waterfall ist abenteuerlich

Unten geht es dann den Flusslauf entlang, gut dass wir unsere Gummler anhaben! Der Weg endet an einem kleinen Wasserfall. Karsten versucht noch, ob es weitergeht, kehrt aber wieder um. Ich sehe am anderen Ufer eine  Kette, doch dazu müssten wir durch das stark fließende Wasser oder auf ein paar großen Steinen hinübersteigen. Und dann wäre der einzige Weg über den kleinen Wasserfall, das kann auch nicht sein. Aber wo ist dann der große Wasserfall auf meinen Bildern im Roadbook? 

Es kommen immer wieder Leute, die alle an dieser Stelle umkehren. 

Also machen wir ein paar Bilder und gehen zurück.

Wir halten uns dabei an den Flusslauf und kommen auf dem linken Weg heraus, man muss also nicht zwangsläufig klettern. 

 

Am Parkplatz ist eine Tafel auf der steht, dass man genau diesen kleinen Wasserfall hochklettern muss. Naja, da haben wir halt für's nächste Mal etwas vor. 

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Nauthúsagil Waterfall: bis hierhin und nicht weiter - diesmal!

Bei Seljalandsfoss fahren wir vorbei. Das Wetter ist heute ähnlich bescheiden wie 2017 und es sind auch schon jede Menge Leute da. 

 

Dafür besuchen wir den Skógafoss noch einmal. Diesmal will ich zur Oberkante hinauf.  Weil die Gischt so stark ist, ziehen wir die Regenhosen an. Das bereuen wir aber spätestens, als wir die 431 Stufen zur Aussichtsplattform hinaufkeuchen. Offenbar sind wir die Einzigen, die die Stufen nicht in einem Rutsch bewältigen. Das Stativ mitzunehmen hätte ich mir auch sparen können, die Plattform vibriert von den vielen Besuchern. 

Runter geht es etwas leichter, die letzten hohen Stufen sind super für die Knie!

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Skógafoss - gar so menschenleer war er dann doch nicht...

Dann fahren wir wieder ein Stück zurück und biegen auf die 242 ab. Nach ein paar Kilometern kommen wir zu einem Parkplatz. Von dort geht es zu Fuß weiter und nach 13 Minuten stehen wir vor dem Seljavellir Geothermal Pool. Das ist eines der ältesten  Schwimmbäder Islands. Ich wollte wegen der einmaligen Lage dorthin. Was die Umkleidekabinen betrifft darf man halt nicht heikel sein. Die nackten Räume mit ein paar Haken an der Wand und einem durchweichten Holzrost am Boden sind schon recht grindig. Aber Augen zu und durch. 

 

Das Wasser ist etwas kühler und der Boden und die Wände sind mit Algen bewachsen. Das ist halt so in der Natur. Es sind viele Touristen hier, ich höre Deutsche, Schweizer, Franzosen und natürlich auch Isländer. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. 

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Plötzlich erscheint eine Gruppe Asiaten, junge Männer, die laut und penetrant sind. Sehr unangenehm!  

Aber es wird eh schon Zeit, dass wir gehen. 

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Der Seljavellir Geothermal Pool liegt etwas abgeschieden, hat aber eine großartige Aussicht!

Am Parkplatz zum Solheimasandur Plane Wreck stehen nun an die 25 Autos, in der Früh waren es nur 3. 

 

Im B&B nehmen wir eine angenehme Dusche, man kommt immer irgendwie dreckiger aus so einem Hot Pool als man reingegangen ist. 

 

Martina kommt mit gut zwei Kilo Erdbeeren aus dem Gewächshaus, dabei ist das schon die zweite Ernte heute. Wir nehmen uns noch ein paar schöne aus der Schüssel, aus dem Rest macht sie anschließend Marmelade. 

Wir quatschen über zwei Stunden bis wir zum Essen nach Vík fahren.

Tag 23 - Mittwoch, 15.7.20 - Hraungerðiskirkja - Reykjavík

 

Es heißt Abschied nehmen von Martina. Ich bin sicher, es ist kein Abschied für immer, denn Island ist sicher noch mindestens eine weitere Reise wert. 

 

Der Himmel weint, doch das kann uns jetzt auch nicht mehr erschüttern. Maximal, dass er der Drohne zu nass ist, aber das werden wir immer spontan entscheiden. 

 

Unser erster Aerial Point ist kurz nach Vík bei einer Brücke über den Klifandi. Es regnet nur leicht, der Wind macht uns mehr Sorgen, aber Karsten will es probieren. 

Die Aufnahmen werden wieder toll und ich frier mir den Allerwertesten ab.