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Island 2017

 
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Hätte man mich noch vor einem Jahr gefragt, was es in Island zu sehen gibt, hätte ich wohl Lava, Geysire und heiße Quellen gesagt. Nicht unbedingt eine aufregende Fotodestination also. Trotzdem hatten wir das am dünnsten besiedelte Land Europas jedes Jahr auf unserer Liste, aus der wir die nächste Reise wählten.

 

Diese Ansicht hat sich in den letzten Monaten gewaltig geändert. Schuld daran ist Andreas, dessen Seite reisewut.com ich seit geraumer Zeit auf Facebook verfolge und der in den letzten zwei Jahren vier Mal Island besuchte.

Seine Reiseberichte waren die alleinige Grundlage für meine Planung, die bereits Ende letzten Jahres begann.

 

Damit wir einerseits noch viel Tageslicht haben und andererseits mit viel Glück aber auch schon Nordlichter sehen können, habe ich mich für Ende August/Anfang September entschieden.

 

Ein erster zaghafter Blick auf die Mietwagenpreise haben die geplanten drei Wochen schnell auf zwei Wochen schrumpfen lassen - bei 4000 Euro setzt sogar bei mir Schnappatmung ein!

 

Ähnlich erging es mir bei der Suche nach passenden Unterkünften - das war kein genüssliches Suchen nach dem schönsten Bed & Breakfast, hier war rasches Handeln angesagt. In der Praxis schaute das dann so aus, dass ich alle verfügbaren Zimmer im Umkreis unter 200 Euro sofort gebucht und erst danach geschaut habe, ob die Location überhaupt auf der Reiseroute liegt!

In Anbetracht, dass die meisten Zimmer sehr schlicht eingerichtet sind und außerdem über kein eigenes Badezimmer verfügen, tun 150 Euro pro Nacht schon ein bissl weh.

 

Schon seit längerem beschäftigte mich der Wunsch nach einer Drohne. Die Aufnahmen aus der Luft begeistern mich und gerade Island ist noch ein Paradies für diese Fluggeräte.

Kasten war diesem Thema immer zögerlich zugetan, doch an einem schönen Sonntag konnte ich ihn für eine Phantom Pro begeistern und eine Woche später war der Quad-Kopter Teil unserer Ausrüstung.

 

Nach einem Fotokurs am Großglockner hat Karsten unser Filterprogramm komplett ausgetauscht und ich musste mir deshalb eine neue Fototasche zulegen. Die ist nun doppelt so groß wie mein alter Pistolenköcher und klatscht mir gewöhnungsbedürftig beim Gehen auf den Oberschenkel.

 

Die letzten Wochen vor der Abreise beschäftigte ich mich noch mit dem Roadbook und der POI Datei für das Navi.

Damit nicht alles am letzten Drücker passiert, wollte ich die POI Datei zwei Wochen vor Abflug auf unseren TomTom laden und musste entsetzt feststellen, dass wir die Karten der ganzen Welt auf dem Navi haben - nur Island nicht.

Wie sich herausgestellt hat, kann man auf unser Gerät die Karte von Island gar nicht mehr drauf laden -  jetzt war guter Rat teuer!

Google Maps kam nicht in Frage, weil man die einzelnen Punkte (point of interest = POI) nur online  aufrufen  kann.  Wir  brauchen  aber  eine  Lösung,  die  auch  ohne  Internetverbindung funktioniert.

Zu guter Letzt haben wir unsere POI Datei auf ein Android Handy mit der TomTom App speichern können und am Tag des Abfluges ist dann auch noch ein längeres Ladekabel für das Auto geliefert worden.

Jetzt sollte aber alles bereit sein!

Tag 1 - Dienstag, 22.8.17 - Ankunft

 

Warum einen Urlaubstag verschenken, wenn der Flug erst um 21:45 ist?

Also arbeite ich noch bis halb fünf, wasche mir noch zu Hause die Haare und packe gemütlich die letzten Sachen in den Koffer.

Mit dem RailJet fahren wir kurz vor acht zum Flughafen und essen in der Diners-Lounge ein kleines Nachtmahl.

 

Nach der Aufregung um die Air Berlin in den letzten Tagen sind wir ganz froh, dass unser Niki Flug pünktlich und überhaupt stattfindet.

Trotz der späten Stunde ist der Flieger knackvoll und die Luft zum Schneiden. Essen und Trinken gibt es nur gegen Einwurf einer Münze. Karsten richtet trotzdem 6 Euro für zwei Flaschen Wasser her, die ich unwissentlich beim Aufklappen meines Tisches unter unsere Sitze verteile. Das war’s dann, denn das Geld ist nicht mehr auffindbar.

 

Kurz nach Mitternacht setzt die Maschine in Keflavik auf.

 

Obwohl vorgewarnt hat es mich doch erstaunt, was um Mitternacht am Flughafen Keflavik noch los ist. In Schwechat waren um halb zehn bereits die Gehsteige hochgeklappt und in Island steppt der Bär!

 

Wir suchen uns unseren Weg zur Station von Enterprise, mit uns steigen nur noch zwei Petras aus Oberösterreich aus dem Bus. Petra 1 sagt, sie braucht ein Automatikgetriebe, denn sie hat verlernt, wie man schaltet. Und raunt Petra 2 zu: „Des is eh a Schand!“.

Nach den üblichen Formalitäten führt uns der Angestellte zu unserem SUV - ein rot/schwarzer Suzuki. Schaut schick aus, doch der Kofferraum ist lächerlich klein. Ich bitte um ein anderes Auto, mit dem hätten wir keinen Spaß.

Er springt zwar nicht gerade vor Freude, holt uns aber einen silberfarbenen Kia Sportage mit einem wesentlich größeren Kofferraum.

unser Kia Sportage für die nächsten zwei Wochen

Wir halten uns nicht lange mit der Erkundung des Autos auf, schließlich ist es bereits nach eins und nach ein paar Kilometern treffen wir im Raven`s Bed&Breakfast ein, wo man uns bereits erwartet.

In der Aufregung vergesse ich gleich, dass man in Island die Schuhe beim Betreten des Hauses auszieht und wundere mich, warum mich der Hausherr so zögerlich in unser Zimmer lassen will.

 

Das B&B ist sehr gemütlich eingerichtet, unser Zimmer ist sehr klein, das Bett schmal. Trotz der vorgerückten Stunde sind beide Badezimmer belegt, das kann ja heiter werden!

Mehr als die Hälfte unserer isländischen Unterkünfte haben shared bathrooms.

Auch, dass das WiFi Signal vor unserer Tür endet und die 3G Verbindung des Netzanbieters extrem lahmarschig ist, macht uns Kummer.

 

Nichtsdestotrotz schlafen wir sehr gut in unserem kuscheligen Bett und stehen um halb acht auf. In der Küche machen wir uns aus allem, was wir so finden ein gutes Frühstück und freuen uns, dass der Urlaub so sonnig beginnt.

 

Die Bridge between Continents ist kein großartiger Foto-Spot, maximal die Tatsache, dass hier die Nordamerikanische und die Eurasische Platte zusammenstößt, ist ganz witzig. Wobei das auch ein sehr dehnbarer Begriff ist - im wahrsten Sinne des Wortes!

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Die Bridge between Continents verbindet die Nordamerikanische und die Eurasische Platte.

Das Meer ist ja in Island nie sehr weit entfernt und wenn es noch dazu so tolle Steinformationen wie den Wizard’s Hat bietet, sind wir schon mit den Stativen auf wackeligen Steinen unterwegs. Jetzt  kommen  auch  das  erste Mal unsere neuen Filter zum Einsatz.

Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, wer hätte gedacht, dass wir in Island nur im T-Shirt herumlaufen werden!

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Wizard’s Hat

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Gunnuhver

Bei der Blauen Lagune packen wir dann das erste Mal den Kopter aus. Gleich haben wir ein paar technisch interessierte Pensionisten bei uns, die die Phantom viel spannender finden als die Erzählungen ihres Reiseführers.

Dann lassen wir die weiße Drohe in den blauen Himmel aufsteigen und bekommen ein paar tolle Aufnahmen aus 120 Metern Höhe von der senkrecht nach unten gerichteten Kamera.

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die Blaue Lagune

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Grænavatn, ein mit Wasser gefülltes Maar, das seine leuchtende Farbe der im Wasser enthaltenen Kieselgur verdankt.

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blubbernder Schlamm in Krýsuvík-Seltun Hot Springs

Mir klebt schon die Zunge am Gaumen vor lauter Durst, doch irgendwie läuft uns kein Geschäft über den Weg. Erst um 3 Uhr kommen wir in Hveragerði zu einem Supermarkt.

 

Früher als gedacht treffen wir beim White House Inn ein, die Besitzerin kommt uns im Flur entgegen.

„Hi, I’m Martina“ stelle ich mich vor. „Martina Muth from Vienna?“ fragt sie und bevor ich mich noch über so viel Ehre freuen kann, sagt sie, dass ich eigentlich gestern erwartet wurde.

Ich falle aus allen Wolken!

Tatsächlich hat sie recht, ich habe ursprünglich für 22. und 23. gebucht und nach einer Änderung vergessen, umzubuchen. Ein klassischer No Show!

 

Zum Glück gibt es noch genügend freie Unterkünfte in der Umgebung, wir nehmen gleich das Aska Guesthouse daneben für die morgige Nacht.

Abgesehen vom Geld tut es uns wegen dem White House Inn leid, denn das Zimmer mit privatem Bad ist wirklich zu schön, um es nur für eine Nacht zu nutzen!

 

Wir nutzen das freundliche Wetter und  fahren  zum  Brúarhlöð. Die  Steinsäule,  die  so dekorativ  im  Wasser  steht, sehen  wir  aber  nicht. Deshalb  setzen  wir  unsere Aufklärungsdrohne ein und tatsächlich ist der Spot gute 100 Meter den Fluss entlang entfernt.

Karsten  fliegt  den  Fluss entlang  weiter: „Wemma schon dabei sind…“ als plötzlich das Display  anzeigt, dass  der Akkustand niedrig ist. Jetzt wird  er  hektisch,  die Drohne ist zu dem Zeitpunkt  nicht  mehr sichtbar  und hat hart gegen den Wind zu kämpfen. Er stellt sofort die automatische Rückkehr ein: „Hoffentlich geht sich das noch aus!“ Ah, da ist sie schon als winziger Punkt am Himmel zu erkennen!

Alles gut, bei der Landung hat der Akku noch 22% Kapazität. Beim nächsten Mal werden wir gelassener sein.

Brúarhlöð

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Es ist kurz vor 7 Uhr und es stellt sich die Frage, ob wir zuerst zum Geysir fahren und danach Nachtmahl essen oder umgekehrt. Die Restaurants machen nämlich durch die Bank um 21 Uhr zu und genauso lange ist es hell genug zum Fotografieren.

 

Das Problem löst sich von selbst, als wir am Weg nach Reykholt am Geysir vorbeifahren. Gerade schießt zischend eine Fontäne gegen den Himmel und erstrahlt dekorativ in der untergehenden Sonne. Ein herrlicher Anblick!

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Strokkur Geysir

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Beim Geysir sehen wir das erste Drohnenflugverbot, was allerdings einen Ignoranten nicht davon abhält, sein Fluggerät minutenlang über der Eruptionsquelle schweben zu lassen.

Mich  juckt  es  in  den  Fingern,  dem  Typ  meine Meinung  zu  sagen,  allerdings  bin  ich  hier,  um noch  ein  paar  gute  Bilder  zu  schießen  und möchte  die  letzten  Sonnenstrahlen  noch ausnutzen.

 

Gleich  mein  zweiter  Schuss  hat  die  Blase,  die sich Sekundenbruchteile vor der Eruption bildet, fast perfekt eingefangen. Ein paar Bilder noch von der  Fontäne,  zum  Glück  bricht  der  Geysir  alle paar Minuten aus!

Zum Nachtmahl gibt es eine kleine Pizza im „Mika“, hat gereicht und uns nicht arm gemacht.

 

Im White House Inn nutzen wir noch die futuristische Dusche und fallen um 23 Uhr ins Bett. Morgen heißt es früh raus…

 

Um den Bruarfoss zu erreichen gibt es zwei Möglichkeiten: eine offizielle und eine, sagen wir etwas unkonventionelle Methode.

Da der Wasserfall direkt an einer Wohnsiedlung liegt, kann man von einem der drei vorhandenen Parkplätze weggehen und erreicht das Ziel nach ein paar Minuten.

Alternativ möchten die Anrainer natürlich, dass die Besucher auf der Ringstraße parken und 3 km zu Fuß zum Wasserfall gehen.

Deshalb stehen wir um 6 Uhr auf, damit wir noch einen Parkplatz ergattern und bestenfalls keinem Bewohner über den Weg laufen.

 

Die „Wohnsiedlung“ besteht aus einem Wald mit lose verteilten Häusern, durch die ein holpriger Feldweg führt.

Der Parkplatz gehört uns alleine, die Suche nach dem richtigen Weg ist schon etwas kniffliger.

Ein  lautes  Rauschen  weist  uns  aber  die  Richtung,  jetzt  trennt  uns  nur  noch  ein  doppelter Stacheldraht von der access bridge, von der ich weiss, dass sie zu den Fällen führt.

Man  erkennt, dass  hier schon viele Menschen drübergekraxelt sind, doch auch ohne das zerfledderte „Private Property“-Schild im Gatsch schrecken wir davor zurück.

Wir wandern ein wenig den Zaun entlang, bis wir eine Stelle finden, wo wir etwas einfacher drunter durchkriechen können.

Den restlichen Weg kann man nicht verfehlen, 200 Besucher pro Tag hinterlassen ihre Spuren.

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Bruarfoss

Durch diese frühe Aktion haben wir den Bruarfoss auch für uns allein. Nach einer Dreiviertelstunde machen wir uns auf den Rückweg und finden auch ein Loch durch den Stacheldrahtzaun gleich bei der access bridge.

So kommen wir noch gemütlich zum ausgezeichneten Frühstück ins White House Inn.

 

Ein paar Gäste erzählen, dass sie gestern in der Nacht ein schwaches Nordlicht gesehen haben. Wir  haben  ja  gut  geschlafen,  weil  Karsten  aus  dem  Internet  herausgelesen  hat,  dass  die Wahrscheinlichkeit einer Sichtung unter 50% liegt.

Nun ja, wir haben ja noch ein paar Tage vor uns - mit etwas Glück sehen wir auch einmal dieses faszinierende Phänomen.

 

Wir bringen unsere Koffer ins Aska Guesthouse und fahren zum Gullfoss.

Dem sonnigen Wetter von gestern ist ein bedeckter Himmel gewichen. Der Parkplatz beim Geysir ist gerammelt voll, wir müssen beim Vorbeifahren direkt ein paar Minuten vor dem Zebrastreifen warten, bis die Scharen über die Straße gewandert sind.

 

Auch beim Gullfoss ist der Parkplatz voll, wir finden trotzdem noch einen freien Platz.

Für den Weg zur Abbruchkante brauche ich das erste Mal die warme Softshell-Jacke, denn der Wind treibt die Gischt wie feinen Nieselregen über den Weg.

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Gullfoss

Beim Faxi meint es der Wind heute besser mit uns. Jetzt können wir direkt neben der Lachstreppe unsere Fotos schießen, nicht ein Tropfen landet auf den Filtern. Gestern konnten wir nicht einmal in die Nähe der Treppe, ohne eingenäßt zu werden.

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Faxi

Am Nachmittag schauen wir uns mit dem Þjófafoss und den Hjalparfoss zwei weitere Wasserfälle an. Die Straßen dorthin sind mitunter echte Hardcore-Offroads mit tiefen Löchern und großen Steinen. Es schüttelt uns ordentlich durch, wo wir doch beide schon so dringend auf’s Klo müssen. Aber da gibt's ja nichts in der Pampa!

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Þjófafoss

Beim Hjalparfoss möchte ich mich in meiner Verzweiflung schon in die Büsche schlagen und hab auch schon den einzigen Busch am Gelände ins Auge gefasst. Da taucht plötzlich eine Unmenge Leute auf, einige kraxeln sogar auf die Basaltsäulen - da ist es vorbei mit der Abgeschiedenheit und ich kann die Buschaktion vorerst vergessen!


Endlich, die Massen haben sich wieder verlaufen - jetzt aber!
Da stakst plötzlich ein Fischer in Wathosen direkt vor mir durchs Wasser. Himmel, hat sich denn das ganzen Universum gegen mich verschworen? Auf Karsten, wir fahren weiter!

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Hjalparfoss

Wenigstens hat die Sonne den Himmel wieder erobert. Sie wirft ihr goldenes Licht auf das Tal Gjain, das mit zahlreichen kleinen Wasserfällen wie die Heimat der Hobbits ausschaut.
Auf gewundenen Pfaden und über kleine Holzbrücken durchstreifen wir dieses idyllische Tal. Wir lassen auch den Kopter einmal mit der Sonne in Rücken das ganze Tal in 10 Metern Höhe abfliegen, schaut super aus!

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Gjain

Unsere letzte Station ist der Háifoss. Die Anfahrt ist wieder abenteuerlich, da ist man direkt froh, wenn man wieder auf eine normale gravel road kommt.

Vom Parkplatz gehen wir ein Stück zur Abbruchkante. Hui, da geht es aber tief hinunter! 122 m stürzt der dritthöchste Wasserfall Islands in die Tiefe.

Karsten fühlt sich gar nicht wohl so nah am Tod!

 

Am Heimweg bleiben wir in Fludir stehen und essen Fish & Chips. Plus zwei Apfelsaft und Mineralwasser um knapp 70 Euro. Fett werden wir bei den Preisen wahrscheinlich nicht!

 

Ein ziehender Schmerz quält meine rechte Ferse, die meiste Zeit humple ich durch die Gegend. Am Abend schaue ich im Internet nach, wahrscheinlich grüßt Archilles.

 

Ach ja, und dann wurde mein Facebook-Account gesperrt, weil sich jemand aus Purkersdorf bei mir einloggen wollte. Ich hab das Passwort geändert und alles wieder da. Pfuh!

Háifoss

 

Unsere Vermieterin muss anders gepolt sein. Das ist uns schon aufgefallen, als wir an ihre Haustür geklopft und um ein Zimmer gefragt haben. Sie war sowas von verwirrt, offenbar passiert ihr das nicht allzu oft.

Als wir dann gestern Abend angekommen sind, war sie nur körperlich anwesend, der Geist war irgendwo im Nirwana. Und plötzlich war sie weg. Wir wußten weder wann es Frühstück gibt, noch das Passwort für das WiFi. Das Badezimmer haben wir auch nur gefunden, weil es gleich neben unserem Zimmer liegt.

Das ganze Haus wirkt leer, aus zwei Zimmern scheint ein Lichtstreifen durch die Tür.

Ich schreibe am Reisebericht, immer ein Ohr an der Tür, damit ich die Hausfrau erwische. Bei jedem Geräusch schau ich raus - niemand da. Ein bissl spooky ist das schon!

Letztlich hab ich sie doch erwischt - ein Herr möchte um 8 Uhr Frühstück, ob uns das eh nicht zu früh ist. Ich hätte eher an 7 Uhr gedacht, will aber nicht so sein.

 

Wir stehen um 10 vor 8 Uhr auf und haben wieder eine rechte Freude mit dem shared bathroom. Jemand duscht und das dauert. So kommen wir schon etwas später zum Frühstück.

Wir unterhalten uns mit dem netten Herrn aus Bournemouth und als wir endlich fertig sind und zahlen wollen, lassen sich zwei Mädchen lang und breit den Weg nach Vik erklären und ob es dazwischen noch ein paar Sehenswürdigkeiten gibt…

Immerhin gibt sie uns das Zimmer etwas billiger, weil wir nicht über booking.com gebucht haben.

Es ist längst 9 Uhr vorbei, als wir endlich losfahren. Etwas spät, wir haben heute viele Punkte auf der Liste.

 

Gleich zu Beginn das ultimative Erlebnis am Seljalandsfoss. Um 10:30 bekommen wir fast keinen Parkplatz  mehr,  erst  als  wir  uns  bei  einem wegfahrenden Auto anstellen, klappt es.

Andere Autofahren haben da keine Genierer, sie  stellen  ihr  Auto  an  Parkverboten  und später einfach in der Mitte des Parkplatzes ab.

Dementsprechend  wälzen  sich  die  Massen zum Wasserfall.

Hier kann man auch hinter das herabdonnernde Wasser gehen und wir wollen ein Foto schießen.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Wohlweislich haben wir in unsere Regenhosen und -jacken übergezogen, denn die Gischt ist gewaltig.
Hinter den Fällen ist es zwar etwas trockener, doch bis ein Foto zustande kommt ist dauerndes Wischen angesagt. Dass dauernd Leute vor unseren Linsen vorbeilaufen macht nix, bei einer Belichtungszeit von 2 Minuten sieht man die nicht mehr.
Nur wenn sie stehen bleiben wollen, treib ich sie weiter: „Go, go, go!“ Meistens Asiaten.

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Seljalandsfoss

So richtig nass werden wir dann im Gljufrabui. Dieser Wasserfall verbirgt sich teilweise in einer halboffenen Höhle. Um dort hinein zu kommen, muss an auf Steinen über das Wasser balancieren. Ich überlege grad, ob wir es mit unseren Schuhen wagen können, da kommt uns eine Gruppe deutscher Pensionisten entgegen. Na dann!

In der Höhle ist die Gischt extrem. Beim Versuch, ein Bild zu machen, werde ich leicht unrund. Wir hätten wirklich einen Regenschirm mitnehmen sollen.

Jetzt sind wir so richtig eingesaut, die Regenhose ist gatschig, die Schuhe haben eine neue Farbe und beim Jacken wechseln gehe ich immer ein paar Schritte vom Auto weg, sonst hab ich den Sand von den gravel roads drauf.

Der Skogafoss ist wohl der bekannteste Wasserfall in Island. Wir sind froh, dass wir sofort einen Parkplatz finden und merken gleich drauf, dass wir eigentlich viel näher zum Wasserfall hätten parken können. Durch seine Breite verlaufen sich die Massen und das Fotografieren ist einfacher.
Ich erklimme ein paar trockene Steine mitten im Fluss damit ich eine freie Schussbahn habe und trotzdem gibt es immer wieder Leute, die sich genau dorthin stellen müssen, damit sie vor dem Wasserfall fotografiert werden. Als wär nicht rechts davon genauso viel Platz. Und alle in Neonfarben gekleidet, fällt ja kaum am Foto kaum auf!

Der Kvernufoss ist noch ein bissl ein Geheimtipp, obwohl er fast direkt neben dem Skogafoss liegt.
Man muss ein paar Minuten in ein Tal gehen, das auch schon sehr idyllisch ist. Auch hier kann man hinter den Wasserfall gehen und tolle Bilder machen!

Ein Mann stellt sich als der Besitzer vor und fragt Karsten, wie wir diesen Wasserfall gefunden haben. Er merkt nur, dass der Touristenstrom merklich zugenommen hat. Hier funktioniert die Internet Community halt sehr gut.
Es wär halt schön, wenn es noch viele Jahre ein Geheimtipp bliebe und nicht so viele Touristen dieses herrliche Tal überschwemmen.

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Gljufrabui

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Skogafoss

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Kvernufoss

Loftsalahellir

Jetzt liegen wir in unserem Zeitplan schon weit zurück und lassen deshalb das Solheimasandur Plane Wreck aus. Das liegt 4 km vom Parkplatz entfernt. Beim Vorbeifahren sehen wir ca. 50 Autos Parkplatz, da sind sowieso viel zu viele Leute am Flugzeugwrack.

 

Kurz  vor  Vik  ist  der  Kirkjufjara Beach. Beim Aussteigen nieselt es  bereits  leicht  und  ich  sehe eine kleine Menschenmenge bei den  Klippen  stehen  und fotografieren.

Tatsächlich, hier ist eine Kolonie Papageientaucher,  englisch Puffins, direkt neben dem Weg. Zum Glück hat sich Karsten vor dem  Urlaub  noch  ein  600er Objektiv  gekauft,  sodass  ich sein  altes  400er  verwenden kann.

In der Aufregung vergesse ich die  Faustregel  Brennweite  = doppelte  Belichtungszeit  in Millisekunden. Ich müsste also mit  1/800  fotografieren,  also die  ISO  dementsprechend hochschrauben. Ich denke aber, dass mir trotzdem ganz gute Aufnahmen  gelungen  sind.  Die  putzigen  Vögel  sind aber auch sehr neugierig und kommen wirklich sehr nahe an die Menschen. Mit dem großen Objektiv ist es leider fast unmöglich die Vögel beim Fliegen oder Landen zu fotografieren, dabei sieht das sehr lustig aus.

Dyrhólaey Arch

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unsere ersten Papageientaucher am Kirkjufjara Beach

Zufrieden fahren wir zu unserer Unterkunft kurz vor Vik. Martina und Jón sind auch eine Empfehlung von Andreas und er hat nicht übertrieben. Die beiden sind sehr herzlich und vor allem Jón ist sehr lustig.

Wir bekommen ein Zimmer im unteren Bereich des Hauses und haben - fast - ein eigenes Badezimmer.

 

Frühstücken wie es sein soll: alle Gäste gleichzeitig am Tisch und die Gastgeber unterhalten uns.

Besonders Jón ist sehr witzig. Er erzählt, dass wildes Campen in Island in den letzten Jahren geduldet wurde und die Isländer das ziemlich gelassen nehmen.

Vorige Woche wollte man für ein Begräbnis ein Grab ausheben und da stand ein Zelt genau auf dem vorgesehen Platz!

Wenn  der  Bauer  sein  Heu  einholen  will,  muss  er  zuerst  schauen,  dass  er  keinen  Camper niedermäht...

Später kommen wir auf das Wetter zu sprechen. Heute regnet es, doch der Wind hält sich in Grenzen. Jón sagt, dass bei Windgeschwindigkeiten von 60 m/s der Sand die Lackierung vom Auto schmiergelt. Ich deute auf seinen etwas kahlen Kopf. "Ja", sagt er "einmal ohne Mütze rausgegangen - schon ist es passiert!"

Das Wetter treibt uns heute nicht aus dem Haus und wir bleiben noch sitzen, als sich die anderen Gäste bereits verabschieden. Ich muss eh noch den Bericht fertig schreiben, komm aber nicht gut weiter, weil wir ständig mit Jón etwas zu lachen haben.

So ist es bereits lange nach 10 Uhr, als wir uns auf den Weg machen.
Am Black Beach merken wir schnell, dass wettermäßig nichts geht, zu stark treibt der Wind den Regen vor sich her. Vielleicht heute Abend, es ist ja ganz in der Nähe der Farm.

 

Wir entscheiden uns, nach Þakgil zu fahren. Die 14 km lange Straße besteht aus Löchern, die hie und da mit Schotter zusammengehalten werden. Das ist abenteuerlich, heißt aber auch, dass ich eine halbe Stunde voll konzentriert auf die Fahrbahn vor mir achten muss, da darf man keine Sekunde wegschauen!

Etwas durchgerüttelt erreichen wir unser Ziel und - man glaubt es kaum - wir sind die einzigen Besucher! Die Landschaft schaut sehr mystisch aus, grüne Spitzen ragen in die Höhe, dazwischen rauscht ein Bach kaskadenförmig nach unten.

Wir ziehen uns wetterfest an und wandern ein bisschen in das Tal hinein. Durch den Regen fängt plötzlich meine Jacke zu schäumen an. Möglicherweise hat Bri sie mit einem Shampoo gewaschen. Schaut auf jeden Fall lustig aus!

Am Rückweg sehen wir zwei Schafe im Schutz eines Felsen stehen. Paul aus dem Off: "Es gibt Schafe, die ham's nicht so mit dem Wasser. Ich bin ja auch nicht so der Wassertyp."

Und nach einer kurzen Pause: "Island verlangt einem Alles ab!"

In Anbetracht des anhaltenden Regens beschließen wir, zum Stjornafoss zu fahren. Die Stunde Fahrzeit brauchen wir auch, um die Kameras und Regenkleider wieder einigermaßen trocken zu bekommen.

Þakgil

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Stjornafoss bei strömendem Regen

Nach diesem Wasserfall reicht es uns aber, die Wassersäule unserer Kleidung inklusive der Schuhe ist erreicht. Wir fahren zurück auf Farm, wo trockene Kleidung auf uns wartet.

Dort nutze ich die gewonnen Stunden um Fotos bei Facebook einzustellen und Karsten sichtet seine Bilder. Über 700 hat er schon gemacht, davon allerdings 150 allein von den Puffins.
Dabei unterhalten wir uns mit Martina über Airbnb, meine Familie und Gott und die Welt.

Gegen halb sieben hört der Regen auf und wir wagen noch einen Besuch am Black Beach. Dort pfeift der Wind und peitscht die Gischt fast waagrecht vor sich her. Die Strände in dieser Gegend sind berüchtigt für ihre gefährlichen Monsterwellen, es sind in den letzten Jahren mehrere Touristen ins Meer gezogen worden und manche sogar ertrunken.

Auch jetzt rollen enorme Wellen an den Strand. Beim Versuch, eine Langzeitbelichtung von den Steinspitzen vor der Küste zu machen, beobachten wir zwangsläufig eine Familie, die uns minutenlang vor der Kamera herumhampelt.

Herrschafts, wie viele Bilder von der Frau mit dem Kind vor den Basaltsäulen kann man noch machen?

Und jetzt der Mann mit dem Kind, dann muss Mann natürlich auf die Basaltsäulen hinaufkraxeln. Währenddessen läuft das Kleinkind um die fotografierende Mutter herum, die plötzlich bis zu den Knöcheln im Wasser steht!
Nicht, dass ihr das zu denken gibt, die Brandung war vorhin noch gute 5 Meter entfernt, da wird eifrig weiter das Handy traktiert, das Kind hüpft um sie herum und von hinten donnert die nächste Welle heran.

Endlich sind sie fertig und sie ziehen ab. Als er an mir vorbeigeht, kann ich mir ein herzhaftes "Trottl" nicht verkneifen. Er hat's wohl eh nicht verstanden, aber mir hat's gutgetan!

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Black Sand Beach Reynisfjara

 

Nach dem Aufwachen gilt der erste Blick auf den Wetterbericht. Es ist für den ganzen Tag Regen angesagt. Die Freude hält sich in Grenzen!
Aber heute werfe ich mir den Poncho über, gestern abend war die Jacke immer noch feucht und klamm.

Heute haben wir zwei Mädels aus Deutschland am Frühstückstisch und ein Paar aus Indien. Der Inder ist uns gestern schon aufgefallen, weil er in Martinas Küche das Geschirr abgewaschen hat. Selbst, nachdem Martina gesagt hat, dass er das nicht braucht. Ihrem Gesichtsausdruck nach interpretierte ich das als "nicht soll".

Das Frühstück ist wieder ausgezeichnet, heute koste ich auch eine von den Blumen, die als Dekoration am Wurstteller liegen. Jón hat uns gestern dazu schon aufgefordert. Sie schmeckt ein bissl scharf wie Kresse und dann kommt noch ein Geschmack wie ein Tropfen Honig mit ins Spiel.

Jón erzählt von einem Nachbarn, der einige Zeit von Zuhause weg war. Als er wiederkam, hatte sich eine chinesische Familie eingenistet!
Er hat daraufhin ein Bed & Breakfast eröffnet - aber das ist nur eine Vermutung von mir....

Die Inder fahren heute noch zum Jökulsarlon und danach nach Reykjavik. Das sind ca. 7 Stunden Autofahrt, na dann viel Spaß! Und er steht schon wieder am Spülbecken!


Dann heißt es Abschied nehmen von Martina und Jón. Wenn wir wieder nach Island kommen, sie die beiden auf jeden Fall auf unserem Plan!

Der Regen legt gerade eine Pause ein und im Westen zeigt sich sogar ein heller Streifen. Vielleicht ist der Tag doch nicht so verregnet wie gestern.

Zunächst fahren wir zur Vík í Mýrdal Church Víkurkirkja hinauf. Der Nebel hat sich gehoben und man sieht im Hintergrund die Spitzen von Reynisfjara.

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Vík í Mýrdal

Danach holen wir einige Punkte nach, die uns gestern im Regen keinen Spaß mehr gemacht haben.

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Heute ist es auf jeden Fall etwas beständiger, hie und da lacht sogar die Sonne durch die dichte Wolkendecke. Beim Fossalar erwischt uns ein Regenschauer und obwohl das Auto nur ein paar Meter weit steht, bin ich schon wieder ordentlich eingenäßt. Es dauert halt ein bissl, bis die Kamera wieder halbwegs trocken verstaut ist.

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Fossalar

Jetzt besuchen wir Núpsstaður, einen Bauernhof der bis 2004 von zwei alten Brüdern bewirtschaftet wurde. Es ist also ein sehr authentischer Ort. Natürlich gibt es auch hier wieder eine Geschichte zu erzählen. Die beiden Brüder sollen jahrzehntelang kein Wort miteinander gesprochen haben, obwohl sie zusammen auf dem Hof lebten. Der älteste Bruder, geboren 1907, verstarb 2004. Der jüngere Bruder, geboren 1909, wurde 2010 begraben. Zusammen liegen beide auf dem Friedhof der Torfkirche.

Die ältesten Teile der Torfkirche auf dem Gehöft Núpsstaður stammen aus dem 17. Jahrhundert und stehen seit 1972 unter Denkmalschutz des isländischen Nationalmuseums.

In früheren Jahrhunderten hielten Reisende an diesem Ort inne, bevor sie ihren gefährlichen Weg durch die Sandwüste und Gletscherflüsse des Skeiðarársandur fortsetzten.

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Núpsstaður

Zum Svartifoss müssen wir 1,4 km gehen. Fast nur bergauf. Zum Glück ist es gerade wieder trocken und nach ein paar Minuten ziehe ich die Regenjacke aus und gehe im kurzärmeligen T- Shirt weiter. Ich ernte ein paar seltsame Blicke von entgegenkommenden Wanderern, die mit dicken Jacken und Wollmützen unterwegs sind.

Am Rückweg beginnt es wieder zu regnen und ich werfe das erste Mal den Poncho über.
Jetzt geht es stetig bergab, was wiederum ordentlich in die Knie geht. Wir sind wirklich nix gewohnt!

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Svartifoss

Dann kommt der erste Gletscher. Die haben ja alle unaussprechliche Namen. Jón hat uns in der Früh alle drei Namen aufgezählt - kann man sich nicht merken. "If it's white and cold, then it's a glacier." hat er uns erklärt.

Dieser erste - Svinafellsjökull - ist noch nicht so recht überwältigend und wir schenken uns den langen Weg bis zum Eis.
Es fliegen schon wieder zwei Drohnen herum, obwohl im gesamten Nationalpark Flugverbot herrscht.

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Svinafellsjökull

Die Hofskirkja ist die letzte Torfkirche und ist umgeben von grünen Hügeln, die wie weiche Pölster aussehen. Es handelt sich wahrscheinlich um alte Grabhügeln.

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Hofskirkja 

Am Fjällsarlon, ein Gletschersee, liegen bereits kleine und mittelgroße Eisbrocken am Strand. Ein Vorgeschmack auf den Jökulsarlon. Hier laufen unsere Kameras schon warm.
Ich ärgere mich über Besucher - Kinder und Asiaten - die Eisbrocken zertreten, ins Wasser werfen oder sich mit einem großen Eisstück in der Hand fotografieren lassen.

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Fjällsarlon

Aber dann endlich der Jökulsárlón! Der Diamond Beach ist sicherlich eines der Höhepunkte dieser Reise. Umso mehr sind wir enttäuscht, dass wir nur kleine Eisbrocken am Rand des Gletschersees vorfinden. Kann es sein, dass durch die vergangenen warmen Tage das Eis so drastisch geschmolzen ist?

Wir laufen den Strand ab und entdecken drei Seelöwen im Wasser aber nirgends die erwarteten Eistrümmer. Es lassen sich aber auch mit den kindskopfgroßen Eisbrocken sehr gute Bilder mache, besonders als die Sonne durch die Wolken lugt.

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Karsten sagt, dass er bei den Bildern im Internet eigentlich nie den Gletscher im Hintergrund gesehen hat und ob die nicht am Strand zum Meer gemacht wurden. Also fahren wir die paar Meter zum Meeresstrand und sehen schon von Weitem, dass wir hier genau richtig sind. Hier liegen sie in allen Größen am Strand und die ganz großen Eisberge treiben in der gewaltigen Brandung! Paul tief aus Karstens Westentasche: "Was rauscht da so - simma am Klo?"

Es haben sich eine Menge Fotografen mit Stativen am schwarzen Strand verteilt. Ich versuche eine Langzeitbelichtung, immer auf der Hut vor dem schnell hereinströmenden Wasser, da ist man schnell Land unter!

Jetzt hat die untergehende Sonne ein Einsehen und bricht golden durch die Wolken. Da geht's ab, die Kameras surren was das Zeug hält. Deppert könnt man sich fotografieren!

Da brauchen wir morgen zum Sonnenaufgang nicht in der Nacht aus den Federn, besser kann das auch nicht sein!

Wir gehen zum Auto und staunen: über eine Stunde haben wir hier verbracht, wo ist die Zeit geblieben? Jetzt wird's Zeit, dass wir noch rechtzeitig ins Restaurant kommen, die sperren ja alle um 21 Uhr zu.

Jökulsárlón Diamond Beach

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Karsten ist unleidlich, weil er seine Fotosachen neu arrangiert und nichts so funktioniert, wie er es gerne hätte. 15 kg am Buckel mitschleppen gehen auf die Substanz.
Nach 5 Tagen sind wir beide schon etwas bedient - soviel zu "Schönen Urlaub und gute Erholung!" (Erholung wird überbewertet)

Ich habe an die Island Community in Facebook die Frage gestellt, ob man hier irgendwo Bargeld braucht. Wir haben bislang noch keinen Cent gewechselt und alles mit Kreditkarte bezahlt.
Die Antworten sind alle ziemlich eindeutig: wir werden kein Geld brauchen.

Das Frühstück im Kálfafellsstaður B&B ist zwar vielseitig, doch bei der deutschen Gesprächskulisse vergeht einem der Appetit. Noch dazu hat man den Eindruck, im Vorzimmer zur Küche zu essen. Dieses B&B hat so gar nichts gemütliches an sich.

Es regnet nun schon den dritten Tag, was ein wenig auf die Stimmung drückt. Mit dem Regen kommt der Nebel und es ist total schade, dass wir gerade heute fast gar nichts von der tollen Landschaft sehen.

Nach ein paar Kilometern bleiben wir bei einem verfallenen Haus stehen, das fotogen in der Landschaft steht.
Ich ziehe mir sicherheitshalber die Gummistiefeln an, Karsten stapft in seinen säurebeständigen weltkriegsüberlebenden Kampfstiefeln durch die saure Wiese und flucht, als er plötzlich ein paar Zentimeter ins Moor einsinkt.

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ein verlassenes Haus an der Ringstraße

Stokksness fällt dem Nebel zum Opfer. Wir fahren noch bis zum Viking Cafe und ich fragen den Wirten, ob man etwas sieht. Doch für den halben Berg und den Strand zahlen wir nicht 800 Kronen Eintritt und das Wikingerdorf, wo Games Of Thrones gedreht wurde, interessiert uns nicht. Somit verbringen wir viel Zeit im Auto, wir haben über 200 km bis zum Tagesziel zurückzulegen.

Der Skutafoss liegt unweit der Straße, wir können noch ein paar hundert Meter mit dem Auto auf einer ganz schlechten gravel road fahren, dann versperren große Steine den Weg. Offenbar will man nicht, dass man hier weiterfährt.
Also aus dem Auto und rein ins Regengewand. Ich binde mir die Jacke um die Hüfte und werfe gleich den Poncho über.

Wir sehen den Wasserfall schon von Weitem, doch als wir näher kommen, wird der viel größere Skutafoss erst sichtbar.

Auch hier können wir hinter den Wasserfall gehen, die Höhle ist trocken nur hie und tropft es von der Decke. Deshalb können wir ganz entspannt ein paar Bilder aus verschiedenen Perspektiven machen.

Am Rückweg sehen wir zwei Autos mit Monster-Rädern gleich neben dem Wasserfall stehen. Ein Horde Pensionisten entsteigt einem Wagen. Da haben wir aber Glück gehabt!
Der Fahrer grüßt uns. "You drove a bit more than me" sage ich zu ihm. Er lacht, stellt sich als Besitzer vor und erklärt, dass sie den Weg abgesperrt haben, damit nicht so viele Autos bis zum Wasserfall kommen.

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Skutafoss

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The Eggs of Merry Bay
Diese vergrößerten Ei-Skulpturen stellen die einheimischen Vögel Islands dar.

Sveinsstekksfoss

Es ist gut, dass wir so lange Fahrzeiten haben, dann können die Schuhe und die Jacken wieder trocknen. Denn der Regen hört heute gar nicht auf. Manchmal haben wir Glück und es ist kurz regenfrei. So wie beim Sveinsstekksfoss. Doch kaum habe ich mein Stativ aufgestellt, fängt es schon wieder zu nieseln an.

In Höfn haben wir heute einen Regenschirm gekauft, den geht Karsten jetzt holen.
Gegenseitig halten wir uns so unsere Kamera und die Linsen trocken. Viel weniger Stress beim Fotografieren!

 

Der kürzeste Weg nach Egilsstaðir ist die 939 und führt über den Berg Öxi. Unsere Vermieterin hat uns gewarnt, dass diese Straße sehr schlecht ist und uns die viel längere Umfahrung empfohlen. Da aber der nächste Wasserfall auf der 939 liegt, versuchen wir es trotzdem. Außerdem kann es nicht schlimmer sein als die Straße nach Þakgil.

Wider Erwarten ist das eine der besten gravel roads, die wir bisher gefahren sind. Keine Löcher und minimale Waschbrettpiste. Noch dazu ist die Landschaft grandios. Hier könnte man einen ganze Tag fotografierend verbringen.

Den besagten Wasserfall - Folaldafoss - haben wir übrigens ausgelassen, ebenso die Wanderung zum Hengifoss. Im Regen zu Fuß unterwegs, das muss nicht sein!

Somit erreichen wir bereits um halb fünf unser Quartier am Lögurinn. Elsa zeigt uns unser hübsches großes Zimmer - elchgerecht mit einem Divan ausgestattet.

Zum Nachtmahl gönnen wir uns heute Spareribs und Steak. Karsten hat Pech, er hat als Beilage einen Erdäpfel mit Sauerrahm und im Salat Tofu, das mag er gar nicht!

Als Entschädigung gibt es ausnahmsweise auch eine Nachspeise und deshalb kostet uns der ganze Spaß über 100 Euro.

Jetzt muss ich noch den Reisebericht schreiben und Karsten stellt ein paar Sachen bei Ebay ein. Dazu setzen wir uns in den Gemeinschaftsraum. Bald darauf gesellen sich zwei sympathische Mädels aus Washington State zu uns und wir kommen ins Gespräch, was unsere beiden Reiserouten angeht. In Folge zeigen wir ihnen, wie Google Maps/My Maps funktioniert und sie holen sich Tipps, wo es tolle Wasserfälle gibt.

 

Heute sind wir beim Frühstück Selbstversorger, können aber die kleine Küche benützen. So kommen wir zwangsläufig mit den beiden Deutschen ins Gespräch, die wir gestern schon vom Wegschauen kennen. Sie kommen aus Dresden. Sachsen auf großer Reise, was soll man da noch dazu sagen? Natürlich sind sie gestern mit ihrem 4WD die ganze Küste entlang gefahren, weil es nicht empfohlen wurde, über den Berg Öxi zu fahren.

Wettermäßig es heute etwas besser angesagt, bei der Abfahrt regnet es trotzdem.
Wir hängen unserem Reiseplan schon eineinhalb Stunden hinterher und beschließen, am Nachmittag eine der Wanderungen ausfallen zu lassen. Der Asbyrgi Canyon wär eh etwas für ein Bild aus der Luft gewesen, doch dort sind Drohnen nicht erlaubt.

Der Rjúkandi ist ein gewaltiger Wasserfall, auf dem Parkplatz stehen zwei Fernbusse aus Deutschland. Zum Glück sind die schon am Abziehen und wir haben Ausblick für uns allein. Und es regnet ausnahmsweise nicht.
Am Himmel zeigen sich sogar einige blaue Flecken, das gibt Hoffnung!

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Rjúkandi

Zum Museum Sænautasel führt eine 11 km lange gravel road mit vielen Löchern und Waschbrettpiste. Als wir ankommen, ist die Zufahrt gesperrt und möglicherweise das Museum gesperrt. Super!
Also wieder zurück, bzw. weiter auf der gravel road zu unserem nächsten Ziel.

Nach 18 km sagt TomTom "nach 900 m bitte wenden". Das darf nicht wahr sein! Das Miststück hat uns die ganze Zeit in die Wallachei geführt.
Unser Navi zu Hause schreit wenigstens die ganze Zeit "bei nächster Gelegenheit wenden" wenn man vom rechten Weg abgekommen ist. Das TomTom App hat seine eigene Logik: wenn man einmal falsch abbiegt sucht es die nächste Möglichkeit zum Wenden, ohne eine Meldung abzugeben. Auch wenn das 18 km gravel road bedeutet...

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Möðrudalur

Der unfreiwilliger Ausflug hat auch unsere Treibstoffkalkulation durcheinander gebracht. Fakt ist, dass wir nur mehr für 104 km Diesel im Tank haben, die Tankstelle bei unserer Unterkunft aber 114 km entfernt ist.
Die nächste Tankstelle ist in Reykjahlith, dazu müssen wir unsere Route verlassen und 60 km Umweg fahren.

Dafür kommen wir unerwartet am eisblauen Blue Lake vorbei, der seinem Namen alle Ehre macht.

Tags darauf lesen wir, dass ein amerikanisches Paar hat es geschafft hat, seinen Wagen den 100 Grad heißen Blue Lake rollen zu lassen, weil sie die Automatik nicht auf P gestellt haben.

Der Mietwagen wurde rausgezogen und nachdem alles wieder trocken war, konnten sie ihre Fahrt fortsetzen.

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Der Blue Lake hat an die 100 Grad

Mit vollem Tank fahren wir zum Dettifoss. Dort pfeift uns der Wind um die Ohren und es ist bitter kalt. Es hat 7°, durch den Wind scheint es viel kälter. Wir ziehen die Regenhosen an, das hält den Wind ab und uns wärmer.

Vom Parkplatz gehen wir 800 m bis zum Wasserfall. Gewaltige Wassermassen stürzen hier in die Tiefe, die Gischt und der einsetzende Nieselregen sind eine Herausforderung. Mit dem Schirm kämpfe ich gegen den Wind an, damit Karstens Kamera halbwegs trocken bleibt. Dann bin ich an der Reihe, aber mehr als zwei Bilder sind nicht möglich.

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Dettifoss

Zum Selfoss sind es 600 m, wir bleiben ziemlich weit vom Wasserfall, damit wir den ganzen Canyon mit drauf haben. Dann geht es wieder zum Parkplatz zurück. Etwas mehr als eine Stunde haben wir für den Rundweg plus zwei Fotostopps benötigt.

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Selfoss

Jetzt fahren wir aber zügig zu unserer Unterkunft, dem Dettifoss Guesthouse.
Dachten wir, denn gleich danach weicht die asphaltierte Straße einer gravel road der übelsten Sorte: mehr Löcher als Straße, Querrippen und tiefe Lacken über die gesamte Fahrbahn. 24 Kilometer rumpeln wir so dahin. Manchmal ist es das beste, mit 60 kmh über die kleinen Löcher drüberzubrettern, doch hie und da ist ein Loch tiefer und dann geht ein grauslicher Ruck durch das Auto, dass man Angst haben muss, dass etwas bricht. Das fehlt uns gerade noch, ein Reifenschaden in the Middle of Nowhere!

Nach überstandener Fahrt bleiben wir bei der einzigen Tankstelle im Umkreis stehen und bekommen überraschenderweise ein sehr gutes Nachtmahl. Zu einem Drittel des Preises von gestern abend.Dort können wir auch gleich unsere Vorräte für's morgige Frühstück aufstocken.

auf der 862 nach dem Dettifoss

Das Dettifoss Guesthouse ist erfreulicherweise weit besser als befürchtet. Besonders die Badezimmer sind super! Offensichtlich ganz neu mit einer Fußbodenheizung und einer tollen Dusche. Da fühlt man sich gleich wie neugeboren!!

Ich habe einen aufblasbaren Polster mit, damit ich im Bett halbwegs aufrecht liegen und lesen kann. Wenn ich ihn aufblase, quietscht es ein bissl. "Kannst du auch Strangers In The Night?" fragt Nikki.

 

Die Wettervorhersage sagt Schönwetter voraus. Noch schaut es nicht so aus.

Das Frühstück fällt mager aus, ab morgen werden wir wieder verköstigt.

Die Schmerzen im Brustwirbelbereich, die mich die letzten Tage verfolgen und normalerweise erst am späten Nachmittag auftreten, fangen heute schon in der Früh an. Bei bestimmten Bewegungen verkrampft sich der ganze Brustkorb. Nicht so gut!
Den geplanten zweiten Ausflug zum Dettifos - diesmal von der Ostseite - verschieben wir auf's nächste Mal und umrunden die Tjörnes Halbinsel. Ich habe hier zwei Punkte, wo man Puffins beobachten kann. Beim ersten Aussichtspunkt fliegen nur ein paar Möwen herum, keine Spur von den Papageientauchern. Da der zweite Punkt nur ein paar Kilometer weiter liegt, fahren wir gleich daran vorbei. Wir hatten unseren Puffin-Moment ja eh schon!

Dafür treffen wir aber auf eine Herde Islandpferde, die auch gleich neugierig an den Zaun kommen. Als sie merken, dass wir nur fotografieren, widmen sie sich wieder lieber ihrem Gras.

Inzwischen ist der Himmel blau, herrlich nach den langen Regentagen!
Mein nächster POI führt uns mitten ins Nirgendwo. Eine Stück gravel road und in einen Wiesenweg - dann sind wir am Ziel.
Ich gehe das letzte Stück bis zum Strand, denn wir sind auf der Suche nach Gatanof, eine Steinformation, die wie ein Elefant aussieht.

Am Strand ist nichts dergleichen zu sehen. Ich ziehe meine Google Map zu Rate und sehe, dass wir ein Stück vom angepeilten Punkt entfernt sind. Also versuchen wir mit dem Auto etwas näher heran zu kommen. Dazu fahren wir teilweise tief ausgefurchte Wege, dass ich Angst haben muss, mit dem Autoboden zu schleifen.

Dann stehen wir hoch oben auf einer Klippe und sehen alle Richtung ein - wieder nichts. Also schicken wir die Drohne auf Aufklärungsflug und siehe da: sie wird fündig!
Letztlich fahren wir wieder zum Strand und lassen diese Fahrt von der Drohne verfolgen.

Isländer mit Pony

Dort hanteln wir uns auf großen runden Steinen und verrottenden Schlingpflanzen um die nächste Biegung. Es riecht sehr fischig und bei der Unmenge von Fliegen halte ich ständig Ausschau, damit ich nicht in eine verwesende Möwe trete.

Da steht er endlich und schaut super aus mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Der mühevolle Weg hat sich gelohnt!

Zurück wollen wir nicht nochmal über den Strand und kraxeln einen sehr steilen Abhang hinauf. Von dort führt ein Weg bis zu unserem Auto am Strand.

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Gatanof

Die Grjótagjá war auch eine Location für "Game of Thrones".

Die Grjótagjá ist eine Höhle mit einem kleinen See, der durch geothermale Aktivitäten erwärmt wird.
Es herrscht eine eigene Atmosphäre in der Höhle, obwohl ca. 10 Menschen drin sind, ist es sehr still. Ein paar Fotografen hocken am Ufer und machen Bilder. Wir klettern in die Höhle und zwängen uns an den Felsen durch bis zum Ufer. Der See ist - obwohl nur wenig Licht in die Höhle dringt - dunkelblau und durchsichtig.

Bei einer Belichtungszeit von einer Minute werden das auch sehr passable Bilder. Eine tolle Location!

Wieder an der Oberfläche bleiben wir noch einmal kurz am Blue Lake stehen und besuchen dann das Thermalgebiet Namaskard. Horden von Touristen, die man so weit vom Golden Circle entfernt gar nicht mehr vermutet. Aber hier wird ja Hinz und Kunz hergekarrt. Wir sehen Busladungen voller Pensionisten mit blauen Plastiksackerln um die Schuhe, damit kein Dreck in den Bus kommt. Eine ältere Frau ist sogar mit dem Rollator zwischen den blubbernden Schlammlöchern und zischenden Dampfsäulen unterwegs.

Apropos Dampf: Paul erinnert uns ja jeden Tag gegen 12 Uhr, dass "Middach" ist, in der Hoffnung, dass er etwas zu futtern kriegt.

Heute fahren wir um diese Zeit gerade an dampfenden Hot Pots vorbei. "Die machen sicher grad gross zu Essen" seufzt er, "die haben's gut!"

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die Straße nach Reykjahlíð

das Thermalgebiet Namaskard

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Im grauen Schlamm blubbert es unermüdlich vor sich hin.

Gleich gegenüber dem Geothermalgebiet liegt der Vulkan Krafla. Auf dem Weg hinauf kommen wir an der Dusche vorbei, die irgendjemand dort mitten in der Landschaft aufgestellt hat. Sie läuft auch ständig mit warmen Wasser. Das Klo wurde inzwischen entfernt doch steht ein Waschbecken daneben.

Der See Viti ist unser Ziel am Krafla. Die dichten weißen Dampfwolken, die mit lautem Brüllen aus dem Boden schießen, spiegeln sich perfekt im blauen Wasser.

Kaum haben wir unsere Bilder geschossen, kommt ein leichter Wind auf und der Zauber ist vorbei.

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Eine warme Dusche gefällig?

Der See Viti am Krafla

Bei der Zufahrt zum Hverfjall wechseln wir auf eine gravel road und ich ziehe scharf die Luft ein, weil ein scharfer Schmerz durch meinen Brustkorb fährt. Ich muss sogar anhalten, damit das Auto vor mir etwas Vorsprung erhält und ich mit etwas mehr Geschwindigkeit über die Löcher schieße.

Wenn das so weitergeht, dann gute Nacht mit den unbefestigten Straßen.

Den Hverfjall fotografieren wir nur vom Fuß aus, wir haben keinerlei Ambitionen hinaufzusteigen. Karsten drapiert die Kumpels davor und macht ein Bild beim Sonnenbaden.
Und dann passiert es: zum x-ten Mal fällt ihm sein iPhone aus der Westentasche, doch diesmal knallt die Frontseite auf das scharfe Lavagestein und das Glas zerbricht auf einer Ecke.

Er rechnet nach, wie lange er auf das neueste iPhone warten muss, das erst in den nächsten Tagen vorgestellt wird.

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der Hverfjall ist ein Tuffring

Es ist knapp 16 Uhr und wir haben unser Tagesprogramm erfüllt. Es wär aber eine Schande, wenn wir den wunderschönen Tag nicht ausnutzen würden. Also greifen wir auf die morgigen Punkte in der Umgebung zurück.

Das wäre einmal Dimmuborgir, ein Lavafeld mit bizarren Steingebilden. Ein kleiner Rundweg führt zwischen kleinen Bäumen und eigenartigen Gebilden hindurch. Sehr nett zum Wandern.

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Dimmuborgir

Jetzt ist es aber Zeit, dass wir unser Quartier aufsuchen. Die Hlid Cottages haben wir gestern beim Tanken schon entdeckt.

Wir bekommen den Schlüssel zu unserem Cottage mit der Nummer 3D. "Super, unser Zimmer ist in 3D!" sagt Paul.

Unser Cottage ist etwas größer als ein Container und sauheiß. Kein Wunder, ist ja auch die Heizung voll aufgedreht!
Wir reißen einmal alle Fenster auf und drehen die Heizung ab. Für die Koffer ist kaum Platz, aber dafür haben wir ein eigenes Badezimmer.

Für mehr als das Bett ist auch nicht Platz, deshalb setze ich mich zum Schreiben vor die Tür. Hier stehen Tische und Sesseln. Die Sonne scheint zwar warm herunter, doch der kalte Wind macht das Rennen. Das halte ich nicht lang aus und wir fahren zu Daddi's Pizza.

Zum Sonnenuntergang nehmen wir noch einen Punkt von morgen vorweg und wandern einmal um Höfdi herum. Hübsche Birkenwäldchen und Steinformationen im Wasser sind tolle Fotomotive. Nur die Sonne macht und einen Strich durch die Rechnung, weil sie kurz vor dem Verschwinden in einer Wolkenwand versinkt.

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Höfði am Mývatn

 

Das Wasser im Cottage riecht stark nach Schwefel. Das macht nicht gerade Lust auf eine Dusche. Lassen wir also ausfallen, weil eh schon wurscht.

Beim Anziehen, Waschen und Koffer packen brauchen wir eine Choreografie, damit wir uns nicht gegenseitig im Weg stehen.
Dann machen wir uns auf die Suche nach dem Frühstücksraum. Im Hostel werden wir fündig, doch nicht ganz das, was wir erwarten. Zerrupfte Hostelgäste, die sich in der Selbstversorgerküche ihr Frühstück bereiten. Wo bitte sollen wir essen?

Da niemand vor Ort ist, den wir fragen können, gehen wir zurück zum Auto, um zur Rezeption zu fahren. Da entdecken wir einen zweiten Frühstücksraum, gleich neben unserem Cottage.
Hier war dann auch alles so, wie es sei soll. Eine überreiche Auswahl an Gebäck, Schinken, Käse, geräucherte Forelle, harte Eier, Joghurt, Müsli, Marmeladen und sogar Pancakes gibt es.

Wir haben heute keine Eile, da wir ja gestern schon Vieles vom heutigen Programm gesehen haben. Sicherheitshalber tanken wir den Wagen noch voll und dann schrubbe ich das Auto einmal rundherum mit Wasser und Bürste ab, ist schon notwendig.

Es dauert immer ein bissl, bis sich das Wetter entscheidet, ob es schön wird oder doch wieder regnet. Beim Godafoss zeigt sich ein wenig Blau am Himmel, es soll ja heute Nachmittag auch wieder sonnig werden.
Wir fotografieren den gewaltigen Godafoss von rechts oben und links unten. Eine beeindruckende Kulisse!

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Godafoss

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Der Antichrist vor dem Weltuntergang! 

Als nächstes stünde der Aldeyarfoss auf der Liste. Ich möchte meinen Bandscheiben aber die 2 x 40 km gravel road zumuten und lassen diesen Wasserfall ins Wasser fallen. Dadurch haben wir jede Menge Zeit und können überall stehenbleiben, wo es uns gefällt.
Doch erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.

In Akureyri blinkt plötzlich die Motorwarnleuchte auf. Ich fahre zur nächsten Tankstelle und wir zücken unsere Handys. Hat unser Autovermieter Enterprise einen Sitz in Akureyri? Das Internet ist dermaßen lahmarschig, dass ich einfach mal zum Flughafen fahre. Wenn es Autovermietstationen gibt, dann dort.
Gibt es auch, allerdings keine von Enterprise und außerdem haben die nur offen, wenn ein Flugzeug landet. Was jetzt offensichtlich nicht der Fall ist. Dafür ist vis-a-vis eine Hertz Station, die offenbar besetzt ist.
Fragen kostet ja nix, denk ich mir. Das Büro ist offen und verwaist, auch auf unser Rufen reagiert niemand. Ich überlege eine Sekunde, ob wir uns einfach einen der vorbereiteten Schlüssel und draußen ein neues Auto nehmen.


Wir finden einen Angestellten beim Autowaschen. Ob er allein ist, frage ich ihn. Er bejaht und wäscht weiter. Weil wir aber nicht weggehen, fragt er, was los ist. Wir haben ein Problem mit unserem Mietwagen, ist aber nicht von Hertz. Er schaut durchs Fenster unser Auto an und nickt. Und wäscht weiter. Wir warten gut sichtbar weiter. Nachdem er einmal ums Auto herum ist und noch immer keine Anstalten macht, uns irgendwie helfen zu wollen, gehen wir zurück zum Auto. Jetzt hat er aufgehört zu waschen, steht beim Eingang der Garage und schaut uns dumm an. Wir fahren und er schaut uns nach.

Nach so viel Hilfsbereitschaft suchen wir uns eine KIA Werkstatt, damit uns die sagen können, ob das Warnlicht etwas Schlimmes zu bedeuten hat.
Bei der ersten Werkstatt setzt sich der Mechaniker in den Wagen, dreht den Motor auf, sieht die Warnleuchte und sagt, dass es etwas mit dem Motor zu tun hat. Wir sollen die Autovermietung anrufen. Vielen Dank, das hätt mir ein Depperter auch gesagt!

Karsten ruft bei Enterprise an und hängt einmal gute 15 Minuten in der Warteschleife. In der Zwischenzeit habe ich das Budget-Büro in der Stadt gefunden, eventuell arbeiten die mit Enterprise zusammen.


Endlich hebt jemand ab und in Folge schickt man uns zu einer Werkstatt. Zu unserer Beruhigung, denn kurz vor unserer Anmietung wurde das Auto gecheckt, wahrscheinlich aber die Wartung nicht berücksichtigt, was zu dieser Warnung führt.

Bei CarX treffen wir auf einen sehr netten Mechaniker, der aus äußerst kompetent wirkt. Er checkt den Wagen kurz durch und ruft auch bei Enterprise an. Nach dem Check fragt er uns, ob wir eventuell Benzin statt Diesel getankt hätten, das können wir aber vehement verneinen.

Ob wir das vielleicht mittels einer Quittung beweisen können? Nein, denn bei den automatischen Tankstellen kommt kein Beleg. Karsten checkt sogar sein Bankkonto, ob bei der Kreditkartenabrechnung etwas dabei steht.


Der Mechaniker glaubt uns aber eh, es ist nur des öfteren vorgekommen, dass Kunden falsch getankt haben, was zu dieser Warnung führte.

Lustigerweise hat er selbst die Warnleuchte gar nicht aufleuchten gesehen und sie ist auch weg, als wir unseren Weg fortsetzen.
Die Angelegenheit hat uns zwei Stunden gekostet und hätte an keinen anderen Tag fallen dürfen.

Nach einer Stunde Fahrzeit sind wir bei unserem Tagesziel angekommen. Wir fahren zur Víðimýrarkirkja und landen wieder einmal im Nirgendwo. Ein Blick auf meine Google Map zeigt, dass hier der Reykjafoss sein soll. Der ist eigentlich erst morgen dran, doch wenn wir schon hier sind....

Doch auch davon ist weit und breit nichts zu sehen. Karsten befragt Google und wird fündig. Wir müssen ca. 500 m querfeldein gehen und kommen auf der falschen Seite des Húseyjarkvísl an den Wasserfall, der noch dazu gegen die Sonne liegt. Wir machen trotzdem Bilder, damit der Weg nicht umsonst war.

Bevor wir auf Hermann's Farm einchecken, besuchen wir noch die Víðimýrarkirkja und das Museumsdorf Glaumbær, das wir - angesichts der vorgerückten Stunde - nur noch von außen besichtigen können.

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Víðimýrarkirkja

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das Museumsdorf Glaumbær

Auf der Farm haben wir ein supergroßes Zimmer und freien Zugang nach draußen auf die Terrasse. Nachtmahl gibt es heute im Hard Wok Cafe in Sauðárkrókur. Den geplanten Besuch des Hot Pots lassen wir auch ausfallen, als wir hören, dass er eine halbe Stunde Fahrt auf einer gravel road entfernt liegt.

Noch dazu, wo Karsten auf Facebook liest, dass heute Abend die Aurora Borealis mit Stufe 7 angekündigt ist. Vielleicht haben wir ja Glück und sehen die Nordlichter am Himmel.

Auf der Farm lernen wir Amy aus New York kennen und plaudern in der Küche. Ab und zu schauen wir auf die Terrasse, ob man was am Himmel sieht.
Gerade als im Badezimmer war, klopft Karsten an die Tür: "Schnell, der Himmel ist grün!"

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Wir schnappen unsere Kameraausrüstung - die Stative haben in weiser Voraussicht mit ins Zimmer genommen - ziehen uns schnell die Jacken und Schuhe an und stürzen auf die Terrasse. Zuerst noch zaghaft grün, wird es immer heller und wir kommen aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus. Gerade als Karsten schon aufhört, weil es bitterkalt ist, züngelt es giftgrün über den Himmel. Also wieder raus mit der Kamera und weiter.

Eineinhalb Stunden schießen wir ein Bild nach dem anderen, immer wieder von begeisternden Ausrufen begleitet. Es ist nach zwei Uhr früh, als wir endlich ins Bett fallen.

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Aurora Borealis

 

Wir erscheinen wie angekündigt um halb acht zum Frühstück - und außer Amy ist niemand zu sehen. Sie hat einen dicken Block Käse vor sich, mit einem Hobel schneidet sie dünne Scheiben ab. Angeblich ist der Käse selbstgemacht, für mich schaut der aber sehr gekauft aus.

Dazu gibt es Toastbrot, Butter und zwei Sorten Marmelade. Tee und Kaffee zum Selbermachen. Das ist also das angebotene Breakfast. Mager. Irgendwann schaut Hermann herein und verabschiedet sich zur Arbeit.
Ami geht zum Raften und wir verschwinden, ohne noch jemanden angetroffen zu haben.

Heute fahren wir bis auf die Halbinsel Snæfellsnes, das sind gute 380 km.
Bei der Þingeyraklausturskirkja sind wir noch allein und können die schwarze Kirche in Ruhe umrunden.

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Þingeyraklausturskirkja

Zum Hvitserkur führt eine 29 km lange gravel road. 100 km/h und beten, das ist die Devise. Wir fliegen über die zahlreichen Löcher und ich überhole so manchen Schleicher.

Der Hvitserkur ist sehr bekannt und das merkt man auch an den vielen Autos, die am Parkplatz stehen.   Man muss ein Stück laufen und einen steilen Hang zum Strand hinunterklettern, dann hat man den Basaltfelsen vor sich.


Karsten und ich verzweifeln fast an der Aufgabe, eine Aufnahme ohne Leute zu erhaschen. Immer wieder geht ein Dolm hin und macht einen auf Captain Morgan. Das schaut so vertrottelt aus! Und ein Depp löst quasi den nächsten ab, es ist zum Haare raufen.
Ich warte schon seit ein paar Minuten, dass ein junger Mann, der sich im Windschatten des Felsens eine Zigarette dreht und raucht, endlich von dort verschwindet.

Dann reicht es mir und schrei mal kurz rüber, ob er seinen Facebook-Account checkt oder bitte endlich gehen kann. Macht er, doch zuerst muss er seinen Grossvater einsammelt, der schon die zweite Runde um den Felsen dreht und offenbar nicht mehr nach Hause findet.

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Hvitserkur

Beim Kolugljúfur, einem sehr breiten Wasserfall, geht es Karsten noch schlimmer. Er hockt eine gute halbe Stunde unter einer Brücke und möchte den Wasserfall ohne Leute davor machen. Aber offenbar ist es sehr beliebt, so nah wie möglich an die Fälle zu gehen. Als er endlich freie Schussbahn hat, dreht der Wind und treibt die Gischt auf ihn zu. Er ist ziemlich geladen, als wir endlich wieder zum Auto zurückkehren: "Erschießen müsst ma die alle!"

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Kolugljúfur

Bevor wir uns auf das letzte lange Teilstück machen, tanken wir noch einmal den Wagen voll. Sicher ist sicher!
187 km sagt das Navi bis zum nächsten Ziel und gleich darauf wechselt die Straße in eine gravel road.

Jippie!

Positiv zu vermerken ist, dass die meisten Autos, auf die ich aufschließe, sofort an den Rand fahren und sich überholen lassen. Trotzdem ist es sehr anstrengend auf den unbefestigten Straßen zu fahren.

Das Wetter hat sich inzwischen auch komplett gedreht und es beginnt sogar leicht zu nieseln. Kurz vor Selvallavatn zieht plötzlich so dichter Nebel auf, dass ich schon überlege, gar nicht hinzu fahren. In der Sekunde wird es vor mir hell und der Nebel zerreisst schneller, als er gekommen ist.
Beim Öffnen reißt mir der Wind fast die Autotür aus der Hand. Alter Schwede, da pfeift der Wind aber ganz schön!


Also mummen wir uns ordentlich ein und marschieren den Abhang hinunter auf der Suche nach dem hübschen Wasserfall. Plötzlich ein Aufschrei und Karsten fällt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Boden! Er ist bei einem Grasbüschel abgerutscht und ist mit dem Fuß umgeknickt. Er braucht ein paar Minuten, bis er sich wieder humpelnd fortbewegen kann. Aber nur noch bergauf. Ich lenke unsere Schritte auf die andere Seite des Abhanges und so finden wir auch den kleinen Wasserfall, der sehr idyllisch von grünen Hügeln umgeben plätschert. Doch der Wind ist sowieso zu stark und Karsten ist auch gar nicht zum Fotografieren aufgelegt. Also notieren wir uns die Stelle für einen anderen Zeitpunkt, wir sind ja zwei Tage in der Gegend.

Jetzt fahren wir aber zu unserer heutigen Unterkunft. Ich habe für die nächsten zwei Nächte eine moderne Blockhütte am Fuße des Kirkjufell. Bei unserer Ankunft werden wir von drei Hunden begrüßt, die begeistert hinter vor und neben unserem Auto herlaufen. Die drei Border Collies der Farm heissen Kolli, Loppa und Mia und sind Vater, Mutter und Tochter.

Die drei sind sehr lieb und Loppa bringt immer irgendein Stück zerkautes Holz zum Werfen. Als wir mit dem Gepäck einziehen, sitzen alle drei vor der Tür und warten.

Die quadratische Hütte ist auf einer Ecke ganz aus Glas und bietet einen weiten Blick.
Ich schmeiß mich gleich unter die Dusche und Karsten ruht seinen Fuß im Bett liegend aus.

Nach Grundarfjörður ist es nicht weit und wir essen gut und teuer im Bjargarsteinn.
Wir kommen daher wie zwei alte Knacker: Karsten humpelnd und stöhnend und mich krampft es bei jeder zweiten Bewegung den Brustkorb zu arg zusammen, dass ich scharf die Luft einziehe. Höchste Zeit für's Bett, damit sich unsere gequälten Körper wieder einigermaßen erholen können!

 

Um sieben ziehe ich die Rollos hoch - alles grau in grau. Die Wettervorhersage macht auch kaum Hoffnung: 70 - 90% Regen den ganzen Tag. Dafür waren die Panoramafenster nicht gedacht!

 

Wir bleiben erst einmal faul im Bett und facebooken. Später machen wir uns ein Frühstück, die Zutaten haben wir gestern im Supermarkt gekauft.
Dann planen wir, was wir an einem so verregneten Tag machen können. Ein paar Punkte fallen gleich unter den Tisch, denn längere Gehzeiten sind bei Karstens Verstauchung sowieso nicht drin. Und es macht auch keinen Spaß im Regen herumzulaufen.

So machen wir uns erst gegen halb elf auf den Weg. Unsere Nachbarn haben offenbar auch wenig Lust auf einen Ausflug. Ich bin kurz versucht anzuklopfen und "Auf geht's, irgendwann muss es ja doch sein!" zu sagen, denn ich glaube gestern einen österreichischen Dialekt erkannt zu haben.

Die Ingjaldshólskirkja liegt am Ende einer langen Straße sehr dekorativ auf einem Hügel. Grad in dem Moment, wo wir ankommen, öffnet sich hinter der Kirche ein heller Fleck am Himmel.

Ich zieh mir die Regenhose an und werfe mein Regenzelt über mich, obwohl es momentan nur nieselt. Die Hose lass ich beim Fahren gleich an, schaut so aus, als bräuchte ich sie heute öfter.

Die Snæfellsnes Halbinsel ist wirklich ein hübscher Fleck mit bizarren Felsformationen. Es ist aber wirklich nicht sehr motivierend, wenn es

nicht einmal einen Himmel als Hintergrund gibt. Nicht einmal den Snæfellsjökull haben wir gesehen. Der mächtige Berg ist völlig im Nebel verschwunden.
Da bleiben auch die geplanten Kliff- und Strandfotos aus, zumal wir schon beim Versuch sehr nass werden. Und da meine ich nur die paar Sekunden, die ich benötige, um meinen Poncho auszuziehen und vom Kofferraum auf den Fahrersitz zu hirschen. Im Auto lassen wir uns dann von der Air Condition trocken blasen.

In Hellnar steigen wir zur Höhle Baðstofa hinunter. Wir haben durch die einsetzende Flut nicht allzuviel Zeit, denn dann ist der Strand davor unter Wasser. Ich scheuche ein Paar aus meinem Bild, denn ich muss ziemlich weit ans Wasser gehen, damit ich die ganze grottenförmige Höhle vor die Linse bekomme und möchte auch nicht auf die tote Möwe hinter mir steigen.

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Ingjaldshólskirkja

Baðstofa

Die letzte Station für heute ist Gatklettur, ein mächtiger Felsbogen mit einem kreisrunden Loch.
Da es morgen wettermäßig nur besser sein kann, macht es auch keinen Sinn, etwas vom morgigen Programm vorzuziehen und somit fahren wir bereits gegen 14 Uhr nach Grundarfjörður
 zurück.
Im Supermarkt kaufen wir eine Art Linzertorte, die wir in unserer Hütte mit einer Tasse heißem Kakao jausnen.

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Gatklettur

Meine Schuhe gehen aus dem Leim. Gestern habe ich deswegen schon einen superstarken Uhu gekauft. Blöderweise sollte der 24 Stunden aushärten und ich habe ja nur die Nacht dafür Zeit. Heute kann ich mit den Gummistiefeln essen gehen, dann sind es wenigstens 18 Stunden.

Zum Essen fahren wir in die 59 Bistro Bar nach Grundarfjörður. Es steht kein Auto vor der Tür und Karsten schaut, ob die überhaupt offen haben.

Haben sie und wir sind die einzigen Gäste. Ich bestelle mir u.a. die Tagessuppe. Die Entnahme ist self service und in den 2 Litern Suppe fürchten sich 10 Champignons. Ich sage der Frau hinter der Bar, dass keine Schwammerln mehr in der Suppe sind. Sie schaut mir über die Schulter und meint "Na ja, es ist ja auch eine Schwammerlsuppe und keine Schwammerlsauce." Auch sehr nett!

Das 'fresh made bread' stellt sich als aufgebackene Semmel heraus, die mir der Kellner zum Suppentopf stellt, sodass ich jetzt mit einem Teller Suppe und einem Teller Semmel zu unserem Tisch jonglieren und aufpassen muss, dass mir die eine nicht überschwappt und die andere nicht vom Teller flutscht.

Als zweiten Gang habe ich ein Hühnertaco bestellt. Das lieblos draufgeklatschte Fleisch ist kaum gewürzt. Als warte ich auf den Kellner. Der macht wohl gerade Pause also schaue ich die Frau hinter der Bar an, damit sie mich bemerkt. Die ist aber sehr damit beschäftigt, die Zapfhähne zu reinigen, wahrscheinlich steht eine Inspektion an.

Man muss auch sagen, dass wir nicht mehr die einigen Gäste sind. Ein Mann sitzt seit geraumer Zeit vor einer Dose Bier und rührt sich nicht. Karsten ist er noch gar nicht aufgefallen.
Die Bardame putzt auf Teufel komm raus.
Sie geht und kommt wieder und endlich schaut sie einmal kurz her! Ich lasse sie den weiten Weg zu unserem Tisch kommen und verlange Salz und Pfeffer. "Of course" flötet sie und geht zurück. Sie bringt einen Salzstreuer und einen Pfefferstreuer, wo man den Verschluss drehen muss.

Der Pfefferstreuer ist vollkommen leer. Aber die Orangenlimonade war ganz gut!

 

Es ist schon etwas deprimierend, wenn man zwei Tage neben dem schönsten Fotospot wohnt und es regnet in einem durch.
Aber da wir doch nicht ohne ein Bild abreisen wollen, fahren wir trotz Nieselregen zum Kirkjufell. Grad dass wir noch einen Parkplatz ergattern, so ein Andrang herrscht hier.

Der Wettergott hat kurz ein Einsehen und schickt etwas Helle in den bleiernen Himmel.

Danach entscheiden wir, dass wir es noch einmal mit dem Selvallavatn aka Hobbit Hole aka Sheep's Waterfall versuchen, wo sich Karsten am Freitag den Fuß verstaucht hat. Dafür fallen drei Punkte im Süden der Halbinsel durch den Rost.

Der Parkplatz ist ziemlich voll, das ist ja wohl kein Geheimtipp mehr! Da wir jetzt genau wissen, wo wir hin müssen, sind wir auch relativ allein am Wasserfall. Und es regnet nicht! Es ist so herrlich, wenn man in Ruhe alles herrichten kann und nicht ständig am Abdecken und Schirm drüberhalten ist. Ich mache ein paar Bilder mit verschiedenen Ansichten und bin wieder zufrieden!

Oberhalb unseres Standplatzes steht eine Menschenschlage, alle mit Stativ. Ein Fotokurs, wir erkennen den Kursleiter, der von Schüler zu Schüler geht und die Einstellungen erklärt.

Vom Parkplatz, auf dem mittlerweile u.a. drei Busse stehen, kommt uns eine Menschenmasse entgegen. Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt!

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Kirkjufell mit Kirkjufellfoss

Selvallavatn oder Hobbit Hole oder Sheep's Waterfall

Jetzt haben wir eine längere Strecke zu fahren, zügig geht es dahin. Am Himmel zeigen sich zögerlich blaue Flecke, es ist auf jeden Fall heute schöner als die letzten beiden Tage.

Die Gerduberg Basalt Cliffs wirken wir eine uneinnehmbare Festung. Es ist schon fantastisch, was die Natur für seltsame Formationen erschaffen hat. Es nieselt zur Abwechslung wieder einmal.

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Gerduberg Basalt Cliffs

Nach weiteren 100 Kilometern erreichen wir die Hraunfossar, eine Reihe von kleinen Wasserfällen. Ihr Name leitet sich davon ab, dass sie direkt aus der Lava (isl. hraun) zu entspringen scheinen. Und tatsächlich scheint die Uferböschung zu weinen, überall treten Wasserfälle aus der Erde.

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Hraunfossar

Gleich daneben ist der Barnafoss. Hier schießt das Wasser mit bemerkenswerter Geschwindigkeit durch ein Loch. Es bilden sich beachtlich tosende Stromschnellen. Eine Gruppe Abenteuerlustige lassen sich von unterhalb der kleinen Brücke mit den Stromschnellen abwärts treiben, beobachtet von vielen Schaulustigen am Ufer.

Jetzt hat die Sonne den Himmel erobert und ich ziehe meine Jacke aus, es ist direkt heiß geworden!

Über lange gravel roads geht es zum Þingvellir National Park, weil es ja so sonnig ist. Während der Fahrt zieht der Himmel immer mehr zu und als wir ankommen, beginnt es zu regnen. Wir machen uns trotzdem zum Öxarárfoss auf den Weg, doch als wir realisieren, dass er noch ein ganz schönes Stück entfernt ist, drehen wir wieder um.

Barnafoss

Gute Wahl, denn kurz darauf beginnt es heftiger zu regnen und wir wären ohne Regenkleidung ziemlich nass geworden. Die hübschen Häuser neben der Þingvallakirkja schauen auch nur gut aus, wenn sie sich bei Windstille im Wasser spiegeln. Und bei der Silfra, einer spaltenförmige, kilometerlangen Verwerfung auf der Nahtstelle zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa, darf man nicht einmal parken. Der Parkplatz ist offenbar für Tauschschulen reserviert. Na dann eben nicht, es wär eh wahrscheinlich kein gutes Bild bei bedecktem Himmel rausgekommen.

Jetzt ist es nicht mehr weit nach Reykjavík, wir kommen um 17 Uhr bei unserer letzten Unterkunft an. Þórunn ist nicht zu Hause, ich rufe sie am Handy an. Ich habe uns ja auch erst für 20 Uhr angekündigt.


Worauf ich beim Buchen nicht geachtet habe: die Wohnung liegt im dritten Stock ohne Aufzug. Karsten schleppt seinen schweren Koffer rauf, das wird sicher lustig am Dienstag, wenn wir beide die vollen Koffer hinunterbringen müssen!

Wir wohnen am Dachboden und nachdem ich mir zwei Mal den Kopf an der schrägen Decke gestossen habe, rangiere ich den offenen Koffer um.
Unsere Gastgeberin spricht nicht viel mit uns, wahrscheinlich weil sie im Englischen nicht so daheim ist.

Wir halten uns nicht lange auf und gehen zu Fuss in die Innenstadt, das dauert nur 10 Minuten. Gleich neben unserem Haus sind viele großflächige Wandmalereien in schwarzweiss. Schaut interessant aus!

Wandmalereien in Reykjavik

Reykjavík ist eine beschauliche kleine Stadt mit vielen kleinen bunten Häusern. Die neuen modernen Bauten, die im Hintergrund entstehen, stören ziemlich. Es ist Sonntag und trotzdem haben viele Geschäfte noch offen. Wir schauen in ein paar Souvenirläden, finden aber nicht wirklich etwas, das zum Kauf reizt.

 

Im Dirty Burgers & Ribs essen wir sehr gut - eines der billigsten Abendessen in Island!

Zurück in der Wohnung gehe ich erst einmal unter die Dusche. Das Badezimmer ist ein wenig grindig, die Dusche mißt einen Quadratmeter mit Vorhang. In weiser Voraussicht, wahrscheinlich aber aus bitterer Erfahrung, liegen Handtücher drumherum.

Beim anschließenden Schreiben des Reiseberichts fallen mir die Augen zu - mach ich halt morgen früh weiter.

 

Auch heute hör ich beim Aufwachen die Regentropfen an die Fensterscheibe klatschen. Hätten wir nur nicht 8 Uhr für's Frühstück ausgemacht!
Dasselbige ist ganz ok, es gibt viel Auswahl aber Þórunn ist sparsam mit dem Auflegen. So muss sie nach uns Toast und Wurst nachfüllen. Sie ist immer noch keine Plaudertasche und nach einer Begrüßungsfloskel macht sie stumm am Herd ein paar Pancakes. Danach setzt sie sich an ihren PC.

Und ich dachte, ich nehm das iPad heute einmal nicht mit, weil das unhöflich ist. Das andere Paar kommt wohl später, somit frühstücken Karsten und ich allein.

Heute haben wir es nicht eilig, immerhin hat es zu regnen aufgehört, als wir das Haus verlassen. Zunächst fotografieren wir die Wandgemälde auf den Gebäuden in der Umgebung. Anschießend nehmen wir die Harpa, das Konzert- und Opernhaus von Reykjavík, in Augenschein. Das auffällige Gebäude ist erst 6 Jahre alt und von einer Glasfassade umgeben, die je nach Sonneneinstrahlung seine Farben ändert.

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Die Harpa gilt als neues Wahrzeichen Reykjavíks.

Ein paar Minuten Fussweg weiter steht die Skulptur "Sun Voyager". Sie ist aus Edelstahl und stellt ein Wikingerschiff dar. Es sind viele Leute zum Fotografieren da und wir müssen geduldig warten, bis wir unsere Bilder im Kasten haben.

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Sun Voyager

Dann fahren wir zur Hallgrímskirkja, die zu guter Recht als das Wahrzeichen Reykjavíks bezeichnet werden kann. Es dauert ein paar Runden, bis wir einen Parkplatz finden. Die auffällige Kirche ist eines der höchsten Gebäude Islands und überragt die Innenstadt. Die Form erinnert an Basaltsäulen.

Vor der Kirche steht eine Statue von Leif Eriksson und hier lassen wir auch Nikki fliegen. Das Bild klappt gleich beim zweiten Versuch.

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die Hallgrímskirkja mit der Statue von Leif Eriksson

Ein ebenso auffallendes Gebäude ist Perlan. Unter einer riesigen Glaskuppel sind die Heißwasserspeicher der Stadt, von hier werden auch die Gehwege Reyklavis beheizt. Außerdem hat man neben der Glaskuppel einen schönen Weitblick über die Stadt. Statt dem Eintritt geben wir unsere Emailadressen bekannt, wieder etwas gespart.

Die spiegelnde Glaskuppel reizt natürlich für Selbstportraits und es benötigt ein paar Versuche, bis Karsten mit dem Ergebnis zufrieden ist. "Die hauen sich sicher schon die ganze Zeit über uns ab da drin" sagt er und tatsächlich, hinter der Glaswand ist das Restaurant. Doch zum Glück sind diese Plätze gerade leer.

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Im Perlan gibt es neben einem künstlichen Gletscher samt Eishöhle auch einen künstlichen Geysir.

Wir machen einen Sprung zur Kópavogskirka, deren Form ein bissl an eine Nonne oder die Oper in  Sydney erinnert.

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Kópavogskirka

Dann geht es hinaus in die Natur nach Rauðhólar. Als wir ankommen, beginnt es wieder heftig zu regnen und wir bleiben im Auto sitzen. Karsten schläft und ich spiele am Handy. Es dauert fast eine Stunde, bis der Regen und seine Nachwehen aufhört.
Ich steige aus und bis sofort von einem Schwarm Gelsen umgeben. Grauslich!

Aber wenn wir schon einmal da sind, dann schau ich mir das auch an. Karsten bevorzugt es, im Auto zu bleiben, also ziehe ich allen los.

Der keine Park trägt seinen Namen (dt. „rote Hügel“) zu Recht: durch den hohen Eisengehalt ist die Erde dunkelrot und das schaut zu den vielen Grüntönen wunderbar aus!


Auf Schritt und Tritt tun sich neue Fotomotive auf, ich kann mich gar nicht satt fotografieren. Dann sehe ich auch schon Karsten antraben, er wird sich wohl gedacht haben, dass es sich lohnt, wenn ich so lange wegbleibe...

Wir wandern eine ganze Stunde durch die herrliche Natur und schießen unzählige Bilder.

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Rauðhólar vor den Toren Reykjavíks

Im Viking Village und dem Fishermans Village bannen wir noch ein paar typische Island-Motive auf die Speicherkarten, dann beginnt es schon wieder zu regnen und wir fahren zurück nach Reykjavík.

Nach dem Essen kaufen wir noch ein paar Souvenirs. Der erhoffte Sonnenuntergang fällt wetterbedingt aus

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Viking Village

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Fishermans Village in Hlið

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Die Skulptur Thor & Goats von Haukur Halldórsson, der auch den Arctic Henge erschaffen hat. 

 

Der letzte Tag wird es sehr langer und er beginnt mit Sonnenschein.
Wir lassen uns viel Zeit, Frühstück ist für 9 Uhr angekündigt. Diesmal nehme das iPad mit, doch ich schreibe keinen Buchstaben. Wir führen eine angeregte Unterhaltung mit den anderen Gästen, einem älteren Paar aus Adelaide. Die sind - wie alle Australier - sehr aufgeschlossen und unterhaltsam. Þórunn sitzt wieder an ihrem PC.

Erst als wir unsere Koffer packen steht sie schon Habt Acht mit der neuen Bettwäsche vor unserer Tür, grad dass sie uns nicht rausschmeisst. Immerhin trägt sie Karsten sein iPhone nach, das sich im Bett versteckt hat.

Um halb elf verlassen wir Reykjavík und fahren Richtung Keflavík. Unser erster Stopp ist bei einem Golfplatz. Dahinter verbirgt sich die Green Bolder Beach.
Es ist nicht einfach, zu den grünen kugelförmigen Steinen zu gelangen. Wir müssen über viele Steine balancieren, was meinen ausgelatschten Tretern gar nicht guttut. Ich hab schon das Gefühl, neben der Sohle zu gehen. Eines meiner Freundschaftsbänder bleibt im Stativ hängen und reisst ab. Aber wir finden jede Menge Golfbälle und nehmen einen als Andenken mit.

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Green Bolder Beach

Es ist sonnig und relativ windstill, beste Voraussetzungen für Spiegelungen. Das funktioniert bei Straumur und der Kálfatjarnarkirkja sehr gut.
Dann sind wir schon fast in Keflavík und es ist gerade mal zwei Uhr. Unser Flug geht um 00:45, was sollen wir nur in den verbleibenden 11 Stunden machen?

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Straumur

Kálfatjarnarkirkja

Also fahren wir einmal um die Halbinsel Reykjanesskagi herum. An einer Pferdekoppel halten wir. Die sechs Islandpferde kommen gleich neugierig zum Zaun und wir bekommen eine nette Serie von Bildern.

An der Spitze der Halbinsel machen wir beim Garður Old Lighthouse eine Stunde Pause. Karsten schläft und ich spiele am Handy. Wie ich so schaue, gefällt mir der Ausblick auf den Leuchtturm ganz gut. Für ein Foto muss ich mir aber die Jacke anziehen, es bläst ein bitterkalter Wind.

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Garður Old Lighthouse

Eigentlich ist es ganz gemütlich, so durch die Gegend zu gondeln und stehen zu bleiben, wo es etwas zu fotografieren gibt. Nur, dass es an dieser Küste nicht viel gibt. So peilen wir noch die geplante Hvalsneskirkja an. Hier gibt es jede Menge Fotomotive, Karsten schmeißt sich vor einigen Gräbern fast auf die Erde.

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Hvalsneskirkja

Der orange Stafnesviti Leuchtturm ist auch ein lohnendes Ziel. Am Parkplatz neben uns packt ein Paar gerade alles für ein Picknick aus. Ich höre den Akzent und frage: "Na, müsst ihr auch die Zeit bis zum Abflug rumkriegen?" "Ja", lacht sie, "aber das geht schon!"

Beim Leuchtturm suchen wir die ideale Lacke, in der sich der Turm spiegelt. Anfangs sind wir noch allein, nach ein paar Minuten wimmelt es schon von Leuten.

Jetzt sind wir aber mit der Halbinsel durch und fahren zurück nach Keflavik. Vielleicht ist dort ja noch etwas zu tun. Das isländische Rock'n Roll Museum zum Beispiel - leider sperrt das schon in einer halben Stunde zu. Sonst finden wir gar nichts, auch die Geschäfte sperren um 18 Uhr zu. Also gehen wir essen.

Unser Wahl fällt auf das Kaffi Duus. Das liegt recht malerisch am Hafen und soll laut Internet eine sehr gute Lobstersuppe haben.
Also bestelle ich mir eine und danach eine Seafood Pasta. Karsten nimmt Lachs als Vorspeise und Fish & Chips als Hauptgang. Das kostet zwar wieder ein kleines Vermögen, aber es ist der letzte Tag.

Die Suppe ist wirklich ausgezeichnet doch mit den Nudeln kann ich mich nicht anfreunden. Außer Schrimps sind auch noch seltsam panierte Fischstücke drauf und in der Käsesoße sind Paprikastreifen - too much!

Ich lasse mehr als die Hälfte übrig, was den Kellner sehr bekümmert. Beim Bezahlen bekommen wir deswegen 25% Rabatt auf die gesamte Rechnung. Das finden wir schwer in Ordnung!

Jetzt aber zum Flughafen. Den Enterprise Car Return finden wir relativ rasch doch dann funktioniert keine unserer Karten am Tankautomat. Also zurück in die Stadt zum Auftanken.


Auf der Fahrt dorthin kommt mir ein Polizeiauto entgegen, dass sofort hinter mir zu blinken beginnt. Mist! Natürlich war ich zu schnell. Im Rückspiegel sehe ich, wie der Streifenwagen umdreht und hinter mir herfährt.

Stafnesviti Leuchtturm

Ich durfte dann im Polizeiauto Platz nehmen und bei zwei netten Polizisten mit Rabatt bei Sofortzahlung ISK 30.000,00 bezahlen. Das sind rund 240 Euro. Ist OK, ich bin die ganzen beiden Wochen zu schnell gefahren, hat's mich halt auf den letzten Kilometern erwischt.
Beim Aussteigen verabschiedet man mich mit: "Auf Wiedersehen!"

War sicher nicht wörtlich gemeint!

Vollgetankt parken wir uns endlich bei Enterprise ein und müssen mit der Abnahme noch etwas warten, weil der Angestellte gerade einen Kunden am Telefon hat, der offenbar im Nirvana einen Reifen wechseln muss und irgendein Teil dazu nicht finden kann. Letztlich rät ihm der Angestellte, die Notfallsnummer 112 zu wählen, das ist die Pannenhilfe. Was dem Kunden am anderen Ende der Leitung gar nicht gefällt.

Unser Wagen war in Ordnung und mit dem Bus werden wir zum Abflughalle gebracht.
Vor dem Klo werden jetzt die Koffer final gepackt und ich ziehe mich um. Leider habe ich keine anderen Schuhe mit, mit den Rossis zu gehen ist wirklich kein Vergnügen mehr. Beide Absätze sind total schief, ich latsche mehr als ich gehe und der rechte Schuh macht seltsame Quietsgeräusche. An der linken Ferse bildet sich langsam aber sicher eine Blase - nach 9 Jahren werden die geliebten australischen Arbeitsschuhe ausgemustert.

Der Flughagen von Keflavik ist sehr viel größer als wir erwarten, bis wir unser Gate erfahren, setzen wir uns in den allgemeinen Wartebereich. Zum Unterschied von Paris gibt es hier mehr als genug Sitzgelegenheiten mit Stromanschluss.
Ich schreibe meinen Bericht, Karsten sortiert seine Fotos. So vergeht die Zeit rechts schnell und kurze Zeit nach Bekanntgabe des Abfluggates sind wir auch schon im Flugzeug.

Wir haben in der letzte Reihe Gang- und Fensterplatz reserviert, in der Hoffnung, dass sich keiner zwischen uns setzt.
Die Rechnung geht auf und auch die letzte Reihe rechts bleibt leer. Ich setz mich gleich einmal dort hin, bis "Boarding completed" ausgerufen wird. Neben mir steht eine Frau, die offensichtlich auch auf eine leere Reihe gewartet hat und sich jetzt partout neben mich setzen möchte. "Nicht so gern", sag ich ihr, "ich möchte mich hinlegen."

Jetzt versteht sie kein Deutsch mehr und frech behauptet, dass dies ihr Sitz sei. Letztlich tausche ich mit Karsten die Reihe, weil er sowieso nicht liegen möchte und die Nervensäge ans Fenster läßt. So schlafe ich mehr oder weniger die verbleibenden 3 Stunden durch.


Um 6:34 setzt die Maschine in Wien Schwechat auf und wir erwischen noch den Rail Jet um 7:03. Kurz vor halb acht sind wir zu Hause und fallen nach einer kurzen Dusche ins Bett.

Fazit: Die zwei Wochen Island waren geprägt durch wechselhaftes Wetter, viel Regen und körperliche Unzulänglichkeiten. Wir hatten enormes Glück, die Nordlichter zu erleben und großartige Wasserfälle zu sehen. Für zukünftige Expeditionen merke ich mir vor, ein zweites Paar Schuhe oder zumindest bequemere Gummistiefel mitzunehmen. Für Regenwälder packe ich beim nächsten Mal gleich einen Regenschirm und ein Baseballcap ein und nehme eine Dose unserer zahlreich erworbenen Insektensprays mit.

Wir haben keine einzige isländische Krone gewechselt und alles per Kreditkarte bezahlt.

Die geliehene Softshelljacke hat sehr gute Dienste geleistet und steht schon auf meiner Einkaufsliste, ebenso wie ein neues Paar Blundstone Boots.
Wir hatten weniger Kontakt zu Isländern als erhofft, was aber nicht an uns gelegen ist.

Fakt ist: Island muss man öfter bereisen.

 

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