DJI_0294.jpg

Island 2021

 
Bildschirmfoto 2021-10-24 um 22.49.04.png
 

Schon wieder Island?
Ist denn die Insel so groß, dass man da so oft hin muss?

Mit diesen und ähnlichen Reaktionen muss man rechnen, wenn sich das Urlaubsziel vom Vorjahr wiederholt. Noch dazu, wo sogar auch eine Woche im Winter geplant war. Aber dazu später.

 

Eigentlich wollte ich ja in diesem etwas schwierigem Reisejahr auf Nummer sicher gehen und hatte schon mehr als die Hälfte einer Route rund um den italienischen Stiefel geplant. Damit wir im Notfall schnell wieder zu Hause sein können.
Denn die coronabedingten Reisebeschränkungen und der etwas zähe Start der Impfungen machten Anfang des Jahres keine großen Hoffnungen auf einen stressfreien Aufenthalt im Ausland. Wer möchte schon seine wertvollen Urlaubstage in Quarantäne verbringen? 


Trotzdem war Island auch hier ein Vorreiter und - bedingt durch sehr niedrige Infektionszahlen - eines der ersten Länder, die für Geimpfte und Genesende Reiseerleichterungen hatten. 

Doch davon waren wir beide noch weit entfernt und so plante ich mit steigender Begeisterung unseren Italien-Trip weiter.

 

Am 19. März ließ eine Nachricht die Welt aufhorchen: auf der Reykjanes-Halbinsel brach der lang erwartete Vulkan aus, der nach dem flachen Berg in der Nähe Fagradalsfjall genannt wurde.

 

Durch die Nähe zum Flughafen Keflavík und der Blauen Lagune kam es in den Tagen darauf zu einem regelrechten Besucheransturm, ein Vulkanologe bezeichnete ihn sogar als „echten Touristenausbruch“. 

Jeden Tag überschlug sich das Internet mit neuen atemberaubenden Bildern und spektakulären  Drohnenaufnahmen und ich buchte für Anfang Juni ein Zimmer im 10 km entfernten Grindavík. Sicher ist sicher…

 

Ein paar Tage später steckte sich Karsten bei einem seiner Kunden mit dem Coronavirus an und mein positiver Test folgte nicht lange danach. Für uns war das wirklich ein Grund zum Jubeln, sofort begann ich mit der Planung unseres Island-Trips.

 

Zum Glück hatten wir beide einen sehr milden Verlauf, die 14tägige Quarantäne konnten wir dank Homeoffice und Lieferservice sehr gut aussitzen. 

Die geplante Fotoreise im März wurde auf nächstes Jahr verschoben.

 

Neben dem Vulkanausbruch wurde diesmal auch das Hochland eingeplant, wenngleich auch nur die „Light Variante“ ohne große Furten. Für die richtig argen Strecken traue ich mich allein nicht hin, die würde ich lieber mit zwei Autos wagen. 

 

Die Hochlandpisten kann man nur von Ende Juni bis Mitte September befahren, in der übrigen Zeit sind die Straßen gesperrt. In diesem kleinen Zeitfenster sind die Mietwagenpreise saisonbedingt immer etwas höher, doch was heuer mit den Preisen abging, war grotesk!

 

Ich musste schon schlucken, als ich im April für einen Toyota RAV4 für 21 Tage über 2.800 Euro bezahlen mußte - und ich bekomme bei Sunny Cars einen ordentlichen Agent Rabatt!
Im Nachhinein gesehen hatte ich Glück, dass ich so früh gebucht hatte, denn bereits Anfang Juni war der Preis schon auf 3.650 Euro angestiegen und im Juli musste man für die gleiche Leistung an die 7.000 Euro hinlegen.
Ich bereits mich auf jeden Fall auf einen Kampf am Hertz-Schalter vor, denn in einem kleineren Auto als den RAV4 bringe ich unser Gepäck nicht unter. Voriges Jahr wollte man uns eine Qashqai geben, da hätte ich einen Koffer auf der Rückbank transportieren müssen. Aber diesen Platz beanspruchen schon unsere Kumpels, das geht gar nicht!

Vulkanausbruch gepaart mit horrenden Mietwagenpreisen hätte uns Ende Juni noch fast einen Mitreisenden beschert, doch das ist eine andere Geschichte, die hoffentlich nächstes Jahr erzählt wird.

Tag 1 - Dienstag, 20.7.21 - Ankunft - Fagradalsfjall - Grindavík

 

Unser Abflug ist um 13:35, das ist eine angenehme Zeit, auch wenn man wegen der verschärften Kontrollen am Flughafen früher als gewohnt dort sein sollte. 

Am Sonntag haben wir uns für die Einreise nach Island registriert, zusammen mit der Genesungsbestätigung und dem Boardingpass sind wir am Check In  gut aufgestellt.  Wir sind bereits kurz nach 11 Uhr am Flughafen,  mit dem RailJet benötigen wir für die Anreise nur eine Viertelstunde.

 

Leider sind nicht alle Reisenden so gut vorbereitet und selbst beim  Priority Check In bildet sich schnell eine lange Schlange, zum Glück hinter uns. 

Am Schalter wird die Registrierung und der Grüne Pass kontrolliert, dann bekommen wir einen Zettel, der die Kontrolle für das Boarding bestätigt. 

Ich bin froh, meinen störrischen Koffer loszuwerden, der beim Rollen immer nach rechts ausbrechen will. Den Trolley und den kleinen Handkoffer nehme ich wegen der Elektronik mit an Bord. Anhand meines Gepäckes könnte man glauben, wir wandern aus, aber der Trolley ist mit meiner Kamera, der Drohne und meinem Nackenknochen gut gefüllt. In einer Ecke kauert noch meine Softshelljacke und wartet auf ihren Einsatz. 

 

Mit der Sicherheitskontrolle haben wir die letzte Hürde hinter uns und noch viel Zeit. Da kommt uns Jamie*s Italian grad recht, wo es doch heute Abend eher mau mit dem Nachtmahl

 werden wird. Die Tagliatelle Bolognese mit gerösteten Haselnüssen sind eine ausgezeichnete Wahl, ich hab's ja gern, wenn es etwas knirscht beim Beißen. 

 

Leider drücken meine neuen Trekkingschuhe etwas, dabei habe ich sie sogar eine Nummer größer gekauft. Ich hoffe mal, dass sich das mit der Zeit einläuft und heute Abend keine Probleme macht. 

 

Jetzt dürfen wir aber schon in die Maschine, beim Boarden wird noch einmal kontrolliert, ob alle Voraussetzungen für die Einreisen nach Island gegeben sind, keine Airline hat ein Interesse daran, dass Passagiere in das Ankunftsland nicht einreisen dürfen und vielleicht gleich wieder zurückgeschickt werden. 

Eine gute Viertelstunde müssen wir noch im Fluggaststeig ausharren, das Boarden wurde offenbar zu früh angesetzt. Wir sehen die Crews wechseln und dann dürfen wir endlich in der ersten Reihe Platz nehmen. Der Mittelplatz bleibt coronabedingt immer noch frei, das ist fein. 

 

Über Island reißt plötzlich die Wolkendecke auf und gibt atemberaubende Blicke auf das Hochland und die Gletscher des Vatnajökull-Nationalparks frei. 

Vom Vulkanausbruch ist von oben leider gar nichts zu erkennen. 

Vatnajökull Nationalpark
Der Tungnaá windet sich neben dem Vatnið í Bjöllunum durch das Hochland.

Vatnajökull Nationalpark

Der Tungnaá windet sich neben dem Vatnið í Bjöllunum durch das Hochland.

Wir sind die Ersten, die das Flugzeug verlassen, beim Gepäckband bildet sich ein lange Schlange für den Exit. Wir haben allerdings ganz andere Sorgen, denn schon wieder lassen sich die beiden Koffer nicht mehr öffnen, weil sich das Zahlenschloss verkeilt hat. Das hatten wir schon einmal vor  fünf Jahren in Paris, damals haben wir sämtliche Zahlenkombinationen durchprobiert, bis das Schloss ein Einsehen hatte. 

Jetzt sind wir schon schlauer und haben uns die Nummernfolge notiert, doch trotzdem gibt der Schnapper nicht nach. Dabei habe ich es zu Hause extra noch getestet. Das war definitiv das letzte Mal, dass ich den Koffer so abschließe, ab jetzt kommt ein Vorhängeschloss dran. Ich hatte einen Riecher und eines zu Hause eingepackt. 

 

Um dieses Problem werden wir uns später kümmern, jetzt geht es erst einmal zum Hertz Schalter, um den Mietwagen abzuholen. Ich habe mich akribisch darauf vorbereitet, falls man uns wieder einen Qashqai unterjubeln will, doch vergesse ich alle guten Vorsätze, als ich nach der Kreditkarte gefragt werde und ich die VISA Karte nicht finde. 

Das gibt es ja nicht, WO IST DIE SCHEISS KARTE?!!

 

Ich drehe mein Geldbörsel auf links, nichts. Die Hertz Mitarbeiterin nimmt für die Kaution zum Glück auch meine Mastercard, doch ich habe alle Hotels mit der VISA gebucht und das könnte problematisch werden. 

Ich bin völlig aus dem Konzept gebracht und wühle hektisch meinen Handkoffer durch. 

DENK NACH! Wo hast du sie das letzte Mal benutzt? 

Ich komme zum Entschluss, dass ich sie wohl zu Hause am Schreibtisch vergessen habe, als ich den Flughafentransfer gebucht habe.

 

Die Dame am Schalter nimmt von meiner Unruhe kaum Notiz und füllt stoisch die Buchungsformulare aus. Ich kenne das Prozedere und höre nur mit einem Ohr hin. Bis sie zum Auto kommt. "It's a Qashqai." 

"No, that's not an option, our luggage doesn't fit in a Qashqai."

Zum Beweis lege ich ihr gleich unser Foto vom Vorjahr hin, da stehen die Koffer 10 cm aus dem Kofferraum. 

Wir bekommen einen Kia Sorento, der hat 450 mm Watttiefe, der RAV4 nur 400 mm. Der Kofferraum paßt auch, wir sind sehr zufrieden. Der Kia ist auch eine höhere Klasse aus der RAV4, aber das soll uns auch egal sein. 

 

Karsten hat inzwischen mit den Koffern auf der Seite gewartet und zieht mit einem Griff meine VISA Karte aus dem ausgeweidetem Geldbörsel!

 

Jetzt kümmern wir uns um die Kofferschlösser. Karsten hat seinen Koffer schon offen, er hat ihn mit einem Schlüssel einfach aufgehebelt. Weil mein Koffer ein TSA Schloss hat, versuchen wir dazu einen Schlüssel zu finden. Wir werden eifrig hin und her geschickt, doch ohne Erfolg. Also kommt hier der schweizer Universalschlüssel vulgo Taschenmesser zum Einsatz. 

KIA Sorento

unser KIA Sorento

Bei der Inspektion des Wagens mache ich jede Menge Fotos, damit man uns bei der Rückgabe nicht alte Beschädigungen anrechnen kann. So letztes Jahr fast passiert.

Neben uns nimmt ein Paar aus Bayern ihren Landrover ins Visier. Er ist ziemlich rostig, das gefällt ihnen weniger. Doch dann läßt sich auch die Hecktür nicht abschließen, das geht gar nicht. 

Mich würde interessieren, wie das ausgegangen ist, denn das ist der einzige Geländewagen am Parkplatz. 

 

Ich bin gleich mit dem Auto vertraut und ganz stolz, dass ich schon nach wenigen Kilometern die Cruise Control einstellen kann. Wenn sich jetzt auch die höhere Watttiefe beim Fahren auszahlt, ist der Kia eine Option für zukünftige Reisen.

In Grindavik besorgen wir im Nettó Shampoo, Balsam (beides mit Bananenduft, hmm!), ein Duschgel und ein paar Snacks für unseren Ausflug heute Abend.

 

Dann checken wir ins Guesthouse Borg ein, die Besitzerin steht für die Wanderung zum Vulkan hilfreich zur Seite, am Fernseher ist die Live Kamera zu sehen. Es zieht leichter Nebel auf. 

Im Zimmer packen wir in die Rucksäcke unsere Regensachen, die Drohne und die Snacks. Karsten trägt unsere beiden Wasserflaschen und seine Kamerausrüstung. Mein Fotoapparat hängt mir gewohnt quer über der Schulter. Die beiden Stative tragen wir in der Hand. 

Die Parkplatzgebühr bezahle ich per App in der Unterkunft, sie gilt für den ganzen Tag. 

 

Der 2. Parkplatz liegt nur ein paar Minuten von Grindavik entfernt, es parken ca. 40 Autos da.

Vollgepackt machen wir uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Es ist 19:30.

Die Richtung ist durch die vielen Wanderer vorgegeben, da kann man sich nicht verlaufen. Nach einer halben Stunde kommen wir an eine Weggabelung ohne Wegweiser. Aber es kommen ja immer wieder Leute entgegen, die man fragen kann. Die beiden jungen Männer schicken uns auf den rechten Pfad, der linke Weg führt zu den Lavafeldern. Diesen nehmen auch die meisten Leute und plötzlich sind wir ziemlich alleine unterwegs. 

 

Jetzt sollte aber bald der Aufstieg kommen, wir haben sicher schon mehr als die Hälfte des Weges zurückgelegt. Da kommen uns zwei junge Frauen entgegen, die uns in einiger Entfernung den Bergrücken zeigen, auf dem man silhouettenhaft ameisengroße Menschen erkennen kann. Hier geht es noch eine gute Stunde bis zu den rot glühenden Lavafeldern weiter.  Na super, dann sind wir gut 20 Minuten in die falsche Richtung gegangen!

Am Weg zurück nehmen wir noch eine Gruppe US Amerikaner und zwei weitere Frauen mit. Aber auch nur, weil die uns gefragt haben, ob wir etwas vom Vulkan gesehen haben. 

Fagradalsfjall

Fagradalsfjall Vulkan - hier beginnt der Aufstieg zum Aussichtspunkt, der hinter dem Hügel und noch etwas weiter ist.

Mit den Kaliforniern quatschen wir noch ein bissl, doch dann wird der Aufstieg sehr steil und ich japse nach Luft. Sehr langsam steigen wir den Bergrücken hinauf, links von uns hat die schwarze Lava den Talboden komplett bedeckt. 

 

Es wird sehr mühsam, ich mache immer 20 Schritte und schnaufe 10 Atemzüge verkehrt zum Hang. Wenigstens ist es vom Wetter recht angenehm, wenngleich auch ein rauer Wind weht. 

Die Amerikaner haben ihre 80jährige Mutter mit, die unbedingt auf den Berg will. Das motiviert mich, wenn die das schafft, werde ich es wohl auch auf den verdammten Berg schaffen!

 

Es wird immer nebeliger, die Sicht vom Berg ins Tal ist gleich null. So auch am Ende unserer Qual beim Funkmasten, an dem auch die Live Kamera hängt. Nicht ein roter Schimmer dringt durch den dichten Nebel, es ist sehr enttäuschend! Doch wir sind körperlich und mental so geschwächt, dass wir uns nur peripher darüber ärgern können. 

 

Dafür bläst hier oben ein sehr starker Wind, der uns schnell frieren läßt. Wir ziehen unsere Wetterponchos über und Handschuhe an. So suchen wir uns einen Stein zum Sitzen und verdrücken ein Sandwich. Zu mehr haben wir keine Lust, denn es wird nun noch etwas dunkler und wir sind hier oben ganz allein. Der Rückweg wird noch einmal so anstrengend und was wir gar nicht brauchen ist ein Unfall in dieser abgelegenen Gegend. 

 

Jetzt tauchen doch wieder ein paar Menschen aus dem Nebel auf und wir packen uns zusammen und machen uns auf den Weg.

IMG_4497L.jpg

Am Gipfel wurde ein später Snack eingenommen,

die Aussicht war gleich null.

Es ist eine Qual! Wir hanteln uns den steilen Weg hinunter, ich verwende mein Stativ zum Abstützen. Eine große Steinansammlung dient als Sitzgelegenheit. Es gibt deren nicht viele, das sandige Gelände ist von kleinen Steinen überhäuft, immer wieder rutschen wir etwas ab. 

Die kurze Rast gibt uns wieder etwas Kraft und endlich erreichen wir den flachen Teil, jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer zum Auto. 

 

Doch ich bin so ziemlich am Ende meiner Kräfte, mein Blick ist auf die eineinhalb Meter Weg vor mir fixiert. Stoisch setze ich einen Fuß vor den anderen und zähle bei  jedem zweiten Schritt mit: 20, 40, 60... Nach 100 schaue auf und hoffe, dass man schon den Parkplatz sieht. 

 

Dann haben wir es endlich geschafft, die letzte Meter torkle ich wie ein Betrunkener und nur mit einem ausladenden Schwung kann ich mein Bein in den Wagen hieven. Über 16 Kilometer haben wir heute zurückgelegt und 61 Stockwerke bezwungen! Es ist 23:48.

 

Zurück in der Unterkunft schreibe ich noch ein wenig am Reisebericht und gerade als ich mich nicht mehr ausgehfähig angezogen im Gemeinschaftsbad bettfertig mache, zieht eine Gruppe Franzosen ein. Ach ja, wir sind ja in Island, wo die Flugzeuge schon mal um Mitternacht ankommen!

 

Es ist bereits halb zwei Uhr morgens als ich endlich ins Bett falle. 

Tag 2 - Mittwoch, 21.7.21 - Krísuvíkurberg Cliffs - Krýsuvíkurkirkja - Kleifarvatn - Hveragerði

 

Mich fröstelt unter der Decke und das artet in einen leichten Schüttelfrost aus. 

Irgendwann wache ich auf, mir ist kotzübel und mein Körper wird im 5 Sekunden Takt vom Schüttelfrost durchzogen. Im Magen liegt ein großer Stein und ich bin kurz vorm Speiben.

Durch die regelmäßigen Schauer, die durch meinen Körper jagen und das darauffolgende Zähneklappern wird auch Karsten munter und fragt, ob ich etwas Heißes zu trinke möchte. "Mir ist total schlecht" erwidere ich, zu mehr Aktionen bin ich zu schwach. 

Gleich darauf merke ich am den gleichmäßigen Atemzügen, dass er wieder eingeschlafen ist. 

Die Uhr zeigt 2:34.

 

Um 4 Uhr wache ich wieder auf, jetzt muss ich aber schnellstens zum Klo, sonst passiert ein Unglück! Doch mehr als einmal aufstoßen ist nicht, zur Sicherheit nehme ich das große Wandl aus dem Badezimmer mit, das dort auf der Abwasch liegt. Außerdem werfe ich ein Rennie ein. 

 

Danach schlafe ich aber bis 8 Uhr durch und wache ohne jegliche Symptome auf. Sogar der Muskelkater hält sich in Grenzen, ich schaffe die Stiegen hinunter, ohne mich ans Geländer anzuklammern. 

 

Alle anderen Gäste sind schon wieder ausgezogen und wir machen uns gemütlich in der Küche unser Frühstück. 

 

Beim Einpacken dann das nächste Problem: mein grüner Koffer hat zwischen Griff und Reißverschluss einen Riss, man kann ihn nicht mehr hochkant am Griff tragen. 

Toll, wenn das gleich am Beginn der Reise passiert. Seine Tage sind sowieso gezählt, hoffentlich hält er noch bis nach Hause aus. 

Der Plan ist, dass ich die Sachen, die ich täglich brauche, in den Trolley umpacke und der Koffer bleibt mit dem Rest im Wagen. 

 

Um 11 Uhr verlassen wir das Guesthouse Borg. Für den heutigen Tag haben wir ein paar POIs am Weg geplant und machen die 14:30 Tour "Inside the Volcano". Die haben wir allerdings nicht vorgebucht sondern treffen den Guide beim Treffpunkt der Tour. 

 

Dadurch wir aber doch ziemlich fußmarod sind, hält sich die Freude über eine 7 km Wanderung aber in Grenzen. Auf der anderen Seite sollten wir heute aber schon ein tolles Erlebnis haben, der Urlaub hat etwas holprig begonnen. 

IMG_0217L.jpg

Die Krísuvíkurberg Cliffs waren eher unspektakulär.

Krýsuvíkurkirkja

Krýsuvíkurkirkja

Schaf

Die Schafe ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. 

Nach den unspektakulären Krísuvíkurberg Cliffs und der schwarzen Krýsuvíkurkirkja lassen wir am Kleifarvatn das erste Mal die Drohne steigen. Das während des Fluges die Verbindung abreißt, regt uns jetzt nicht mehr auf. Neu ist allerdings, dass sich gleich das iPad komplett abmeldet. 

Kleifarvatn

Drohnenflug über den Kleifarvatn

Kleifarvatn

Kleifarvatn

Grænavatn

Der Grænavatn hat eine türkise Farbe.

Wir beschließen, zum Treffpunkt der Tour zu fahren und dort zu schauen, ob uns der Aufstieg zu mühevoll ist. 

Dann entscheidet das Schicksal, denn die Zufahrtsstraße 417 ist nach 6 km gesperrt und auf anderen Wegen schaffen wir es niemals rechtzeitig zum Treffpunkt.  

Das ist unerwartet, denn selbst auf der offiziellen isländischen Straßenseite ist die 417 frei befahrbar. 

Also gondeln wir gemütlich den Weg zurück und fahren aus dem Süden kommend nach Hveragerði ein. 

Die Tour können wir ggfs. auch am Ende des Urlaubes machen und unsere Körper werden es uns heute danken!

 

Im Bónus ziehen wir den für morgen geplanten Großeinkauf vor und bringen auf der Suche nach einer Haltbarmilch etliche Verkäufer durcheinander. 

Die isländischen Supermärkte haben ja keine Kühlfächer sondern Kühlräume. Das sind abgetrennte Bereiche für Obst und Gemüse bzw. Fleisch und Milchwaren. Da greifst du dir schnell was du brauchst und schaust, dass du wieder rauskommst. Brr! 

 

Siggas Home liegt in einem etwas abgelegenen Wohngebiet in Hveragerði. Hier stehen viele Reihen ebenerdiger Häuser nebeneinander, eines davon ist unsere heutige Unterkunft. 

Sigga ist eine nette Mittsechzigerin, wir kommen gleich ins Plaudern. 

Für heute Abend habe ich einen Tisch im Ingólfsskáli Viking Restaurant reserviert, weil mir das Ambiente gutgefallen hat. Das Restaurant ist einem Langhaus der Wikinger nachempfunden und ist innen sehr urig. 

Wir treffen um Punkt sieben ein und nehmen einen Eingang, der mit Entry gekennzeichnet ist. Dann stehen in einem großen kargen Raum voller gedeckter Tische. Kein Mensch weit und breit. Entfernt hören wir Geschirr klappern. 

Sind wir zu früh oder hat das Restaurant heute gar nicht offen? Und überhaupt: schön ist anders!

 

Wir folgen den Geräuschen und finden die Küche. Ich mache mich bemerkbar und wir werden weitergeschickt. Offenbar haben wir den falschen Eingang genommen, denn hinter der Tür erwartet uns eine Art spärlich beleuchtete Wikingerhalle. Die Kellner sind traditionell gekleidet und einer führt uns zu mit einem Schmunzeln unserem Tisch: "Wrong door?"

 

Am Tisch liegt ein Tierfell, das Besteck ist grob geschmiedet und ein paar Trinkhörner vervollständigten die Dekoration. 

Die Speisekarte ist klein aber fein, wir nehmen beide den gebratenen Kabeljau mit geröstetem Karfiol und Kartoffelauflauf. 

Bei der Getränkeauswahl verwechsle ich Apelsin mit Apfelsaft und erhalten gespritztes Fanta, auch ok. 

Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen Schokokuchen und ein Skyrmus. Alles hat ausgezeichnet geschmeckt. 

 

In der Unterkunft plaudere ich noch eine ganze Weile mit Sigga, sie erzählt mir, wo Rúrik Gíslason herkommt und kennt die Großmutter von Daði Freyr. Island ist ein Dorf. 

Das Ingólfsskáli Viking Restaurant

Das Ingólfsskáli Viking Restaurant ist einem Langhaus der Wikinger nachempfunden.

 

Tag 3 - Donnerstag, 22.7.21 - Frakkavatn - div. Aeral Shots

Ich wache mit Kopfschmerzen auf, ich trinke zurzeit viel zu wenig. Also leere ich gleich meine Wasserflasche neben dem Bett und gehe später ins Badezimmer nebenan und schlürfe noch ein paar Handvoll Wasser. 

 

Frühstück gibt es um 9 Uhr, Sigga ist heute eher wortkarg und sitzt strickend am Sofa. Sie hat auch Kopfweh und Heuschnupfen. Nach dem Essen sind meine Kopfschmerzen weg, jetzt tut mir nur das Kreuz weh. Ach ja..

 

Das Wetter ist heute suboptimal, es ist bedeckt und es nieselt leicht. Aber solange sich der Wind in Grenzen hält, können wir mit der Drohne fliegen. 

 

Wir fahren 25 km auf der 34 bis wir zur Brücke kommen, die an der Mündung es Ölfusá liegt. Hier habe ich zwei Aerial Shots für die Drohne markiert, die vom selben Standpunkt aufgenommen werden. Dieser Punkt liegt nach der Brücke gleich links, doch wir finden keinen Weg hinunter. Erst ein Blick auf Google Maps zeigt uns den Weg, wir müssen nur ein Stückerl weiter fahren. 

Ein sandiger Weg führt neben der Straße wieder zurück unterhalb der Brücke. 

 

Der Flug klappt bestens, zuerst die Brücke mit ein wenig von den Mäandern und dann den Golden River, ein gelber Fluss, der spektakulär in ins Meer mündet. Also spektakulär schaut er jetzt noch nicht aus, aber das krieg ich schon hin!

die Brücke über die Mündung des Ölfusá

die Brücke über die Mündung des Ölfusá

Flói Nature Reserve

Gleich daneben konnten wir diesen großartigen Fluss fotografieren.

Der Weg ist zu schmal, um den Wagen zu wenden, deswegen fahre ich ein Stück rückwärts, bis wir zu einem flacheren Teil kommen. Da komme ich gut rückwärts hinauf und dann kann ich den Wagen wenden. 

Plötzlich steckt der Wagen fest, offenbar geht sich das vorne doch nicht ganz aus. 

Zurück geht aber auch nicht, da frisst sich der Reifen in den weichen Sand. 

Karsten steigt aus und schaut sich das Ganze an. Schaut nicht gut aus: wir sitzen vorne auf und hinten hängt der rechte Reifen in der Luft. Der Linke klebt bedenklich zusammengedrückt am Grasrand. 

 

Wir sammeln ein paar Steine zusammen und legen sie hinter den Vorderreifen, damit der Grip bekommt. Das funktioniert gar nicht, also lege ich die Fußmatte hin. Null Rückwärtsbewegung. 

 

Dann gehen wir das Begleitbuch zum Auto durch, ob wir eine Differentialsperre haben, weil der hintere Reifen in der Luft hängt und die ganze Energie abbekommt. Das hat der Kia Sorento leider nicht.

 

Na super, da bleibt uns nur noch, die Barrikade vorne zu entfernen. Der Wagen steckt bis unter die Schürze in der Erde. 

 

Das einzige, was mir zum Graben einfällt, ist unser langer Schuhlöffel. Damit und mit viel Handarbeit von Karsten schaffen wir es, einen Radius aus der lockeren Grasnarbe zu entfernen. Jetzt kann der Wagen nach links wegfahren. 

Ich schicke beim Einsteigen ein kurzes Stoßgebet zum Himmel und versuche es erneut. 

Der Wagen bewegt sich keinen Zentimeter, aber der Reifen schrammt gefährlich an den Steinen, dass fast die Funken sprühen. 

 

Wir müssen den Wagen aufbocken, um die Erde vorne unter der Motorhaube wegzubekommen. Gerade als ich auf der Fußmatte kniend unter den Wagen schaue, wo ich den Wagenheber ansetzen kann, ruft Karsten: "Da kommt jemand!"

 

Dieser Jemand ist ein Geschenk des Himmels in Form eines Isländers mit seinem SUV und einem Abschleppseil. In ein paar Minuten hat er unseren Wagen am Gurt und zusammen bringen wir das Auto rückwärts auf die Wiese. Halleluja!

IMG_4516L.jpg

Hier steckten wir über eine Stunde mit dem Wagen fest.

Ich überlege kurz, ob ich ihm die Megapackung Mannerschnitten geben soll, die ich für einen anderen Zweck mitgebracht habe, belasse es dann aber doch dabei, mich auf's allerherzlichste zu bedanken. 

 

Wir gehen einmal um den Wagen, der der ganzen Aktion keine Schramme abbekommen hat. Noch ein Halleluja! 

Mehr als einer Stunde haben wir uns abgerackert, Karsten ärgert sich beim Weiterfahren bereits, dass seine Apple Watch das nicht als Training akzeptiert hat. 

Danach können wir darüber lachen, währenddessen traue ich mich nicht einmal ein Foto zu machen. Das holt Karsten vor dem Weiterfahren nach. 

 

Unser nächstes Ziel ist ein weiterer oranger Fluss, der 23 km weiter östlich ins Meer fließt. Unser Navi leitet uns zielsicher auf einen Bauernhof und dort endet der Weg. Die Hausfrau schaut schon aus dem Fenster, als ich auf ihrem Grund eine Wendung mache. 

 

Etwas weiter finde ich eine Abzweigung und wir kommen direkt an dem Bächlein zu stehen. Das Wasser sieht sogar schon von hier unten orangefarbig aus, die Luftaufnahme zeigt ein noch viel eindrucksvolleres Bild. 

Drone Iceland

In der Nähe gibt es noch einen goldenen Fluss, hier haben wir kurzfristig unsere Drohne verloren.

Karsten fliegt mit der Drohne den Bach entlang und soll dann ein Bild vom der Mündung machen. Die Drohen meldet, dass sie den automatischen Rückflug einleitet, weil die Akkuleistung zu Ende geht. Karsten bricht den Rückflug ab, es ist noch genug Saft für 5 Minuten da. 

 

Kurze Zeit später erzwingt die Drohne den Rückflug, den Karsten noch steuern kann. Plötzlich reißt die Verbindung ab, die Drohne geht irgendwo zu Boden. 

Irgendwo heißt in ca. 600 m Entfernung, Karsten konnte gerade noch soviel steuern, dass sie am Strand nieder gegangen ist. 

 

Wir ziehen unsere Gummistiefeln an, ich stelle den Wagen auf der Seite ab und folge Karsten, der schon ziemlich nervös allein losgelaufen ist. 

Zum Strand geht es durch weiches Moos und hohe Gräser, was das Gehen etwas anstrengend macht. Außerdem kreischen die Vögel aufgeregt über unseren Köpfen, keine Sorge, wir gehen eh nicht in die Lupinen, wo ich deren Nester vermute. 

 

Karsten quert am Strand den Bach, ich bleibe auf der rechten Seite. Nach ein paar Minuten die erlösende Meldung: "Ich hab sie, da vorne wartet sie schon auf uns!" 

Die Drohne ist vorbildlich am Strand gelandet, somit hat dieses Abenteuer auch ein gutes Ende genommen. 

IMG_4517L.jpg

Karsten findet die notgelandete Drohne wieder.

Jetzt reicht es Karsten aber, für heute hat er genug! 

Wir fahren noch im Hella den Wagen volltanken und einkaufen, dann sind wir um 15 Uhr bei unserer heutigen Unterkunft. 

 

Das Hotel Kaldbakur liegt schon etwas verlassen auf der 268, weswegen wir die nächsten beiden Tage für Frühstück und Nachtmahl Selbstversorger sind. 

Wir parken vor dem langgestreckten roten Gebäude und ich sehe, wie ein schwarz-weißer Hund. begeistert auf uns zuläuft. Er ist völlig aus dem Häuschen und hört gar nicht mehr auf, vor lauter Freude an uns hochzuspringen.  

 

Außer dem Hund ist keine Menschenseele zu sehen. Ich habe vorgestern per Mail allerdings die Zimmer und den Code für das Schlüsselfach erhalten und wir können unser Zimmer alleine übernehmen. 

 

Es hat sich schon recht viel Gepäck angesammelt, die Lebensmittel allein benötigen zwei große Säcke. Schnell in den Kühlschrank gebracht und dann nichts wie unter die Dusche! 

Etwas später - ich sitze gerade im Aufenthaltsraum und schreibe an meinem Bericht - kommt ein amerikanisches Pärchen an. Leider haben sie aber kein Mail mit dem Zugangscode erhalten, sodass sie nun etwas ratlos herumstehen. Ein Anruf bei den Besitzern hilft auch nicht, weil niemand abhebt. 

Eine Viertelstunde später kommen aber die Besitzer an und dann können sie in das Zimmer neben uns einziehen. 

Ich inspiziere die Küche, ob die nötige Gerätschaft für Eiernockerln vorhanden ist. 

 

Die Amis fahren 17 km nach Hella ins Restaurant, ich hätte sie auch zu Eiernockerln eingeladen. 

Dann stell ich mich in die Küche, außer uns ist jetzt keiner mehr da. 

 

Die ersten paar Nockerln werden zu weich, das Wasser kocht auch viel zu stark. Das ist halt ein E-Herd, ich bin meinen Gasofen gewohnt. Wir retten ein paar Nockerln und gießen das Wasser mit den Flankerln in ein Sieb, damit sie artgerecht entsorgt werden können. 

 

Dann setze ich den Topf mit frischem Wasser an und kippe noch einen Schöpflöffel Mehl in den Teig. Diese Charge wird viel besser, am Ende schmecken sie fast wie daheim. 

Eiernockerln in Island

Heute sind wir Selbstversorger. Eiernockerln in Island.

 

Der Wetterbericht für die nächsten zwei Tag schaut nicht gerade rosig aus: 90% Regen. Wir haben heute und morgen nur weite Wanderungen am Plan. 

 

In der Früh regnet es schon. Karsten steht um halb sechs auf und setzt ich in den Aufenthaltsraum. Er hat Rückenschmerzen und kann nicht mehr liegen. Ich stehe um 7 Uhr auf und mache in der Küche unser Frühstück. Wir haben Brot, Butter, Wurst und Marmelade. Dazu gibt es Tee und Kaffee. Und extra für Eugen eine Gurke. 

 

Seit Beginn habe ich Probleme mit meinen neuen Trekkingschuhen. Obwohl ich sie zu Hause schon auf einem Spaziergang getestet hatte, drücken sie mich jetzt nach einer Weile.

Gestern Abend habe ich zur Dehnung lange Verschlussclips in die Schuhe gesteckt.  Die haben die richtige Länge, dass die Schuhe vorne etwas ausgedehnt werden. Hoffentlich!

 

Neuerdings habe ich am rechten Fuß einen leichten Hallux, da versuche ich seit Tagen verschiedene Methoden aus. Gestern habe ich mir feste Gummihaarbänder gekauft, daraus mache ich einen Ring, den ich mit Hansaplast fixiere. Das hilft leider auch gar nicht und tut noch mehr weh. 

In meinen Waschsachen finde ich ein paar Wattepads, die ich seit Jahren mitnehme, ohne sie zu brauchen. Man weiß ja nie.... Jetzt bin ich froh darüber, denn zwei Stück über die schmerzende Stelle mit Hansaplast fixiert wirken Wunder! Endlich kann ich wieder schmerzfrei gehen!

 

Die Amis schlafen noch, als wir um halb neun die Unterkunft verlassen. 

Nach zwei Kilometern frage ich Karsten, ob er seine Bürste und die Handschuhe aus dem  Badezimmer eh mitgenommen hat. Ich hab ihn beim Weggehen darauf aufmerksam gemacht. 

 

Die Bürste ja, aber die Handschuhe.....die hat er jetzt wahrscheinlich doch hängen lassen.

Kurze Überlegung, ob wir die in zwei Tagen am Rückweg mitnehmen und doch umgedreht. Nach einem Kilometer greift er nach hinten: sie sind eh da!

Zum Glück haben wir es heute nicht eilig. 

 

Es regnet auf dem Weg nach Landmannalauga, doch die F208 ist wunderbar befahrbar. Überhaupt bin ich mit dem Kia Sorento sehr zufrieden, es fährt sich wie auf Schienen. 

 

Kurz vor Camp in Landmannalauga muss man entweder zweimal furten oder über eine Brücke zu Fuß das letzte Stück gehen. 

Am Parkplatz vor der Furt steht eine Handvoll Autos, fast nur Dacia Duster. Das war auch die Marke, die wir bei der Herfahrt am öftesten überholt haben. 

Am Parkplatz vom Camp sehen wir sehr viel mehr Autos stehen, können aber aus der Entfernung keine Marken erkennen. 

Ich schau mir den Fluss einmal an. Schaut am Anfang sehr flach aus, weiter hinten kann ich nicht klar erkennen, wie tief es ist. 

Wir steigen auf eine kleine Anhöhe und sehen, dass es noch eine zweite Wasserquerung gibt, die viel länger ist. Karsten würde sogar mit den Gummistiefeln vorangehen, um die Tiefe zu testen.

 

Da kommt von der gegenüberliegenden Seite grad ein etwas größerer Wagen und schiebt eine gewaltige Wassermenge vor sich her. 

Bist du deppat, da fahr ich sicher nicht durch!

 

Dann also wagen wir es. Ich lasse den Wagen im 1. Gang langsam zu Wasser. Karsten lehnt sich aus dem Fenster und schaut, wie hoch das Wasser auf der Seite reicht. 

Ganz langsam und stetig schiebe ich mich durch beide Flussbetten und freue mich, als ich es geschafft habe. Es ist auch ein bissl ein Austesten auf das, was vielleicht noch folgt. 

das war dann bei der Rückfahrt

Landmannalauga

Landmannalauga, am Beginn des Trails

IMG_4530L.jpg
Landmannalaugar

... und los geht's!

Wir wollen den 3-4stündigen Rundweg zum Brennisteinsalda machen und es geht hinter den Gebäuden am Gelände gleich steil los. Ich schnaufe schon auf der halben Höhe und muss kurz stehenbleiben. Die Gruppe junger Wanderer rauscht an mir vorbei und ich mache ein Bild vom Camp, damit es nicht so peinlich ist.

Das Camp in Landmannalaugar

Das Camp in Landmannalaugar

Dann geht es eher gemütlich eine lange Strecke flach dahin und wir sehen schon die ersten bunten Berge, für die Landmannalauga berühmt ist. 

Leider beginnen jetzt meine Schuhe wieder zu drücken, diesmal an den beiden kleinen Zehen. Es ist aber zum Aushalten. 

 

Dann geht es mäßig bergauf, trotzdem kommen wir ganz schön ins Schwitzen. An der Temperatur kann es nicht liegen, denn es ist ziemlich kalt, der Wind tut sein Übriges dazu. An machen Stellen liegt sogar noch Schnee. Auch nicht an den schwefeligen Rauchschwaden, die uns an einer Stelle feuchtwarm ins Gesicht geblasen werden. 

Landmannalaugar

Landmannalaugar ist für seine bunten Berge berühmt.

Landmannalaugar

eine herrliche Gegend!

Nach 2,4 km erreichen wir Grænagil und entschließen uns, den Rundweg zurück nach Landmannalauga zu nehmen.

Die Landschaft schaut großartig aus, dennoch habe ich mir mehr erwartet. Vielleicht liegt es am nicht vorhandenen Sonnenschein? Oder an meinen körperlichen Unzulänglichkeiten. 

Meine Zehen drücken schon so schmerzhaft, dass jeder Schritt eine Qual ist. 

 

Jetzt geht es dazu noch die meiste Zeit bergab, worüber sich meine Knie sehr freuen. Ich möchte auch keinen Fehltritt riskieren, der Weg durch die Lavafelder ist zu anstrengend, um ihn humpelnd zu bewältigen. 

Noch dazu beginnt es jetzt leicht zu regnen, die Steine werden rutschig. Jetzt hätte ich gerne einen Stock zum Abstützen. 

 

Es kommt uns eine große Gruppe entgegen. "Wetten, das sind Deutsche?" sage ich zu Karsten.

Beim Näherkommen erkenne ich aber schnell, dass es sich um Österreicher handelt. Genauer aus Oberösterreich, Raum Schärding, wie wir im Vorbeigehen lachend erfahren. 

Die weiter hinten Kommenden staunen nicht schlecht, als ich sie mit "Griaß eich!" begrüße. 

Als Letzter kommt der "Lumpensammler" oder "Eselstreiber", wie er sich selbst bezeichnet. 

 

An einer Stelle bieten sich zwei große Steine zum Hinsetzen an und wir machen mit zwei Proteinriegeln "Middach". 

Landmannalaugar

Es gibt schlechtere Plätze für eine Mittagspause.

Endlich haben wir das Tal erreicht und es geht noch ein gutes Stück am Fluss entlang. 

Nach fast zweieinhalb Stunden erreichen wir wieder das Camp.

 

Die Flussquerung filmt Karsten aus dem Auto mit, blöderweise vergesse ich, von der Stelle ein Bild zu machen. 

 

Ein paar Kilometer weiter packt Karsten die Drohne aus und überfliegt den Stútur Volcano, der nur aus der Luft spektakulär aussieht. Gleich daneben ist der Frostaðavatn, der durch den erstarrten Lavafluss sehr beeindruckt. 

Stútur Volcano,

Ein paar Kilometer weiter packt Karsten die Drohne aus und überfliegt den Stútur Volcano, der aus der Luft spektakulär aussieht.

Frostaðavatn

Gleich daneben ist der Frostaðavatn, der durch den erstarrten Lavafluss sehr beeindruckt.

Die Straße zum Ljotipollur und Blautaver endet 700 m vor dem Ziel in einem kleinen Parkplatz. Der Ljotipollur liegt aber gleich nach dem Hügel vor uns und Karsten macht schöne Bilder mit der Drohne. 

Ljotipollur

Den Ljotipollur haben wir nur aus der Luft gesehen, weil die Zufahrt gesperrt war. 

An der Abzweigung zum Bláhylur steht ein "Einfahrt verboten" Schild. Auch sehr strange so mitten im Nirgendwo. Aber ich erkenne schnell, dass es sich um einen Rundweg handelt, der von der anderen Seite befahrbar ist. 

Auf dem Hügel angekommen, kann ich fast die Autotür nicht öffnen, weil der Wind so stark bläst.

Der türkise See schaut sehr gewaltig aus, wir stehen mit dem Auto direkt an der Bruchkante. Nur mit dem Weitwinkel am iPhone krieg ich den ganzen See auf ein Bild. 

Bláhylur

Am Bláhylur hat's gewaltig gewindet. 

Brr, jetzt müssen wir aber ein wenig den Wagen heizen, so kalt ist es geworden. 13 Grad und das Ende Juli!

 

Beim Hrauneyjar Highland Center bleiben wir kurz stehen und holen uns eine Nachspeise für heute Abend. Um zu den Snacks zu gelangen, müssen wir aber vorher Plastiküberzieher über unsere Schuhe ziehen. Damit es drinnen nicht zu dreckig wird. 

 

Heute übernachten wir in Rjúpnavellir und haben eine Hütte ganz für uns allein. 

Für's Nachtmahl versuche ich mich heute an Palatschinken, die sehr gut gelingen. Ich kann die Dinger sogar nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der hohen Pfanne in der Luft umdrehen. 

Ein Teil wird mit Schinken, Salami, Käse und Gurke gefüllt und ein Stück bekommt jeder mit unserem süßen Proteinaufstrich, weiße Schokolade mit Haselnuss. 

Die vorhin gekaufte Nachspeise wandert bis zum Frühstück in den Eiskasten.

so geht das!

 

Der Plan war, dass wir heute um 7 Uhr schon losfahren. Karsten und ich haben am Abend noch diskutiert und uns entschlossen, dass wir einen oder zwei Punkte stanzen und dafür erst später starten. 

Vor dem Einschlafen ist mir eingefallen, dass wir ja noch zahlen müssen und das Büro wird auch nicht um 7 Uhr schon offen haben. 

Karsten macht in der Früh einen Hupfer zum Büro, die öffnen um 8 Uhr. 

 

Nach dem Aufstehen bemerke ich eine Blase auf meinem kleinen linken Zeh. Kein Wunder, dass die beim Gehen geschmerzt hat. Die schneide ich auf und umwickle sie mit einen halben Wattepad. Auf den rechten Fuß werden zwei Wattepads festgeklebt und so hoffe ich, dass ich heute halbwegs schmerzfrei gehen kann. 

 

Um kurz nach acht gehe ich zahlen und dann sind wir auch schon unterwegs. 

Unser ersten Ziel ist der Rauðufossar, der rote Wasserfall. Vor einem Jahr war die Straße dorthin Ende Juni noch gesperrt. Die Hochlandstraße Landmannaleið ist etwas ruppiger als die bisherigen  Gravelroads. Nach einiger Zeit beginnt ein gelbes Symbol auf meiner Anzeige zu blinken. Karsten schaut im Handbuch nach, es ist nichts Schlimmes und zeigt nur, dass die automatische Start- und Stoppfunktion ausgeschalten ist. 

 

Wir treffen auf ein paar Radfahrer vor uns und beim Überholen merke ich, dass ich im händischen zweiten Gang nicht beschleunigen kann. Die automatische Drive-Funktion dürfte aber in Ordnung sein. Weil das Blinken nervt, bleibe ich einmal kurz stehen und schalte den Motor aus. Dann ist es weg. 

 

Offenbar sind wir heute die einzigen Besucher, denn am Parkplatz zum Rauðufossar steht kein einziges Auto. Bei der Anfahrt haben wir schon einen Blick auf den mächtigen Wasserfall werfen können. 

 

Kurz nach neun Uhr gehen wir los. Der Weg windet sich in einer leichten Steigung den Hügel hinauf. Winzige weiße Schmetterlinge umflattern unsere Beine und begleiten uns immer ein paar Schritte. Ich bin gut zu Fuß, fast schmerzfrei. 

Am Weg zum Rauðufossar.

Am Weg zum Rauðufossar. Das Moos hat eine fast neongrüne Farbe.

Nach einer Kurve kommt der rote Wasserfall in unser Blickfeld. Er ist eigentlich gar nicht mehr so weit weg. Doch dann sehen wir, dass zwischen uns und dem Wasserfall ein tiefer Graben ist. Da geht es zwar moderat hinunter aber auf der anderen Seite sehr steil wieder hinauf. Im Tal liegen ein paar Schafe in einem extrem hellgrünem Moos, das fast künstlich ausschaut. 

 

Mit einigen Ausschaufpausen sind wir endlich am Fuße des Rauðufossars, wo wir uns erst einmal auf eine Steinbank setzen und die verschwitzen Jacken vom Körper ziehen. 

Nach ein paar Bildern fliegt Karsten noch mit der Drohne über die Abbruchkante. Zur Quelle ist es leider viel zu weit, die schaut sensationell aus. Dorthin wären es bei unserem Tempo noch einmal gute zwei Stunden zu gehen. 

Rauðufossar

am Fuß des Rauðufossars

Rauðufossar aus der Luft

uns so schaut das aus der Luft aus

Rauðufossar

Ein Blick in die andere Richtung.

Am Rückweg beginnt es zu regnen, grad so wenig, dass wir unsere Regenkleidung im Rucksack lassen. Aber nass werden wir trotzdem, vor allem die Jacken müssen im Auto zum Trocknen aufgehängt werden. 

 

Als ich den Wagen starte, erscheint am Display einen Meldung, dass der Batterieladestand zu gering ist. Wie kann das denn sein? Wir haben doch nichts an, was beim Parken Strom verbraucht. Noch dazu blinkt wieder das gelbe Symbol und läßt sich nicht abstellen. Nervig!

 

Dann kommt es wieder zu einem kurzen Leistungsabfall während der Fahrt. Jössas, das brauchen wir noch, dass jetzt der Wagen verreckt! Da leuchten die Batterie- und Öl-Warnleuchten auf  und gleich darauf verliert der Wagen jegliche Leistung und ich kann gerade noch auf einer etwas breiteren Stelle auf die Seite lenken. 

 

Beim Versuch zu starten erscheint wieder die Meldung mit dem Batterieladestand. Na super, mitten im Nirgendwo und das Auto ist hin. 

Wir checken den Ölstand, der scheint aber in Ordnung zu sein. Zum Glück ist es eine beliebte Strecke und bald darauf bleibt eine deutsche Familie stehen und der Mann schaut, ob er uns helfen kann. 

Es scheint aber ein technisches Problem zu sein und wir bedanken uns und werden erst einmal den Hertz anrufen. Der Deutsche wünscht uns alles Gute und geht zurück zu seinem Gefährt. 

 

Ich mache noch einen Startversuch und prompt springt die Karre an! Wir schieben uns langsam am Allrad des Deutschen vorbei, er hebt den Daumen und wir winken.

Ich fahre mit der Automatik und merke, dass ich auch hier nicht beschleunigen kann. Aber ich komme ganz gut weiter. 

 

Immer wieder kommen uns Radfahrer in die Quere, da ich nicht gut überholen kann, muss ich oft  lange hinterherfahren. Das macht mich nervös, denn ich will so schnell wie möglich auf eine asphaltierte Straße und in eine Werkstatt. 

 

Bei der Kreuzung der asphaltierten 26 und der Gravelroad 268 bleiben wir stehen und rufen das erste Mal bei der Hertz Notfallsnummer an. Unsere Route würde uns über die 268 führen, doch die nächste große Stadt ist Sellfoss und die liegt auf der 26. 

 

Ich schildere dem Hertz Mitarbeiter unser Problem und nach langem Hin- und Her sagt er, dass ich nach Sellfoss fahren soll, er kümmert sich in der Zwischenzeit um eine offene Werkstatt. Warum passieren uns solche Sachen immer an einem Samstag Vormittag?  

Ich soll in 10 Minuten wieder anrufen. Ich frage explizit nach, ich muss anrufen, nicht er ruft mich an. Auch ein seltsamer Kundenservice.

Zum Glück springt der Motor gleich an und gemächlich setzt sich der Wagen in Gang. Solange wir gerade oder bergab fahren, haben wir kein Problem doch wenn es länger bergauf geht, müssen wir uns etwas Schwung holen, damit wir es bis obenhin schaffen. 

 

Karsten hält es nicht mehr aus, ich muss am Straßenrand halten und er verschwindet kurz im Straßengraben. Ich versuche in der Zwischenzeit, den Hertz Mitarbeiter wieder zu erreichen. Doch jetzt ist die Nummer entweder besetzt oder es läutet so lange, bis eine Meldung in isländisch kommt. Karsten versucht seinerseits die Hertz Station am Flughafen in Keflavik zu erreichen. Er wird doch ein langes Menü geführt und am Ende aus der Leitung geschmissen. 

Ich versuche zum 8. Mal die Hertz Notfallsnummer zu erreichen - welche Ironie!

 

Halleluja, es hebt jemand ab! Es ist wieder der gleiche Mann, wahrscheinlich gibt es heute nur den, eh gut! Ja, ich soll nach Sellfoss fahren, er sucht noch nach einer offenen Werkstätte. 

Würde ich ja gerne, doch jetzt ist offenbar die Batterie am Ende, denn ich kann wieder nicht starten. 

Ich hab den Mitarbeiter noch am Apparat und will es ihm gerade sagen, da überlegt es sich der Kübel und startet. Alter Schwede, der macht mich fertig!

Ich soll ja nicht den Motor abstellen, rät mir noch der Mensch am andere Ende der Leitung.

Mach ich eh nicht! Er ruft mich an, sagt er. 

 

Weiter geht die unsichere Fahrt, ausgerechnet jetzt zuckelt eine lange Schlange an Autos hinter einem Wohnmobil her. Ich lasse mich bei der Bergabfahrt etwas zurückfallen um gegebenenfalls bei der nächsten Steigung wieder Schwung holen zu können. 

Wär ja ganz lustig, wenn's nicht so traurig wär! Mir ist vor Aufregung schon ganz kalt. 

 

Wir schaffen tatsächlich die 55 km bis Sellfoss, kein Anruf von Hertz. Weil ich keine Adresse habe, fahre ich bei der nächsten Tankstelle rein und rufe bei laufendem Motor zum 10. Mal die Notfallsnummer an. 

Er ist gleich dran, ja er gibt mir jetzt eine Adresse. Mir entfleucht leise ein böses Wort, soviel zu "er ruft mich an". 

Er buchstabiert uns eine Adresse in Sellfoss, dort wird uns geholfen. Es fehlt nur noch: "Schön, dass sie bei Hertz gebucht haben!"

 

Bei der angegebenen Adresse schaut sich der Meister den Batteriestand an: 95%. Auch die Anschlüsse passen. Da er keinen Computer hat, der die Elektronik des Wagens überprüfen kann, ist er am Ende seiner Weisheit.

Wir brauchen ein neues Auto!

 

Der Hertz Mitarbeiter bitte den Meister um eine Probefahrt und erst danach sagt er uns einen neuen Wagen zu. Er meldet sich. Der Meister und sein Gehilfe verlassen die Szene und wir sitzen im Auto am Hof der Autowerkstatt. 

 

Ich richte mich gerade so ein, dass ich den Reisebericht schreiben kann, da läutet es tatsächlich auf meinem Handy!

Er hat jetzt einen RAV4 für uns, ob unser Kia noch fahrbar ist. Nun ja, mehr oder weniger, solange er anspringt und nicht lange bergauf fahren muss. 

Wir sollen ihm entgegenkommen und ihn bei der Þingvellir Tourist Information treffen. 

Das ist eine gute Stunde von hier. Ist zwar auch nicht gerade kundenfreundlich, aber ich bin froh, dass wir bald ein neues Auto haben.

 

Um 15 Uhr dann geht der Autotausch über die Bühne. Unser Neuer ist ein dunkelroter Hybrid, vielleicht hab ich mich aber auch nur damit verschaut. 

Auf jeden Fall sitze ich in diesem Wagen viel höher und komme mir sehr erhaben vor. Jetzt muss ich mich wieder schnell an ein anderes Automatikauto gewöhnen, die Cruise Control habe ich bald im Griff. Die kann auch viel mehr Sachen als der Kia. Der war allerdings im Innenraum und beim Kofferraum etwas geräumiger. 

IMG_4561L.jpg

der Autotausch

So geht es wieder zurück, wir fahren an der Hütte von Martina & Jón vorbei, wo wir letztes Jahr die ersten drei Tage verbracht haben. 

In Sellfoss stauen wir uns durch die Stadt und kaufen uns bei einer Tankstelle einen Snack. 

 

Heute übernachten wir in der Nähe des Seljalandsfosses. Durch die Umstände haben wir drei POIs ausgelassen, die aber nicht wirklich wichtig sind.

 

Den letzten Point of Interest machen wir aber schon noch. Nachdem wir unser nettes Zimmer in Stóra-Mörk III übernommen haben, fahren wir zum nahe gelegenen Nauthúsagil. Diesen Wasserfall haben wir voriges Jahr schon besucht, sind aber aus Unwissenheit nicht bis zum Wasserfall gelangt. Da holen wir nun nach.

 

Am Parkplatz quetsche ich mich in meine Gummistiefel, Karsten brächte noch dicke Socken in den Stiefeln unter. Mit unserer Fotoausrüstung und den Stativen wandern wir also in den Canyon hinein. Dann geht es über Stock und Stein (manchmal auch direkt durchs Wasser), bis wir an der Stelle stehen, wo wir voriges Jahr umgedreht haben. 

An der Wand ist eine Eisenkette gespannt, an der muss man sich entlanghanteln, oft ist das die einzige Stütze auf der fast senkrecht abfallenden Steinwand am Ufer des Baches. Karsten muss dabei mein Stativ auf seinen Rucksack packen, sonst schaffe ich es nicht. 

 

Dann stehen wir vor dem Wasserfall, der fast in einer Höhle herabstürzt , so eng ist der Canyon am Ende. Kaum, dass noch Licht von oben auf den Boden fällt. Es ist ein mystischer Ort, den nur wenige besuchen. Oder die Masse schreckt vor den nassen Füßen zurück, die alle unweigerlich mit zurück bringen. Nur wir haben Gummistiefel an und dadurch auch trockene Füße. 

Nauthúsagil
Nauthúsagil

Der Nauthúsagil liegt verborgen am Ende einer Schlucht, ein magischer Ort. 

Zum Essen gibt es heute Spaghetti mit Sugo, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob das nicht schon mal gegessen wurde. So ein weicher geschmackloser Brei, grauslich! Wir schütten uns jede Menge Parmesan drüber, wir ham's ja!

 

Ein feines Bett und wir haben gut geschlafen! 

Beim Frühstück treffen wir wieder auf die beiden jungen Deutschen, mit denen wir gestern kurz gesprochen haben. 

Heute sitzen sie zwei Tische neben uns und sind nur mit sich selbst und ihrem Handy beschäftigt. Außer uns ist niemand im Raum. Ich verstehe nicht, warum man da nicht miteinander plaudert und vielleicht Erfahrungen austauscht. 

Als sie fertig sind, verlassen sie grußlos den Raum. Unkommunikative Geschöpfe!

 

Dann machen wir uns auf den Weg nach Þórsmörk. Die F249 ist wieder etwas ruppiger und hat viele Querrillen. Wir furten vier oder fünf kleinere und mittlere Flüsse, die kaum Probleme machen. Wir bleiben zwar immer vorher stehen und schauen, wo wir am besten rüberkommen, aber bis auf einmal werden nur die Reifen nass. 

F249 Richtung Þórsmörk

F249 Richtung Þórsmörk

Dann kommen wir aber an einen breiteren Flusslauf, hier sehen wir den hinteren Teil nicht gut ein. Es schaut eher tief aus und Karsten zieht sich die Gummistiefel an und geht testen. Er kommt nur bis zur Mitte - die Strömung ist recht heftig - dann schwappt ihm schon das Wasser in die Stiefel und er springt zurück ans Ufer. Nein, das lassen wir dann doch lieber bleiben!

 

Gleich darauf kommt ein großer SUV mit Schnorchel und ich unterhalte mich kurz mit dem Fahrer. Das ist noch die kleinste Furt, es folgt noch eine viel Tiefere und dann die Krossa. Es hat in den letzten Tagen viel geregnet, deshalb sind die Wasserläufe ziemlich hoch.

Karsten testet die Furt am Weg nach Þórsmörk.

Der Bus schafft es ohne Prbleme.

Also drehen wir wieder um. Die F249 teilt sich hier auf zwei Fahrwege auf, wir versuchen den zweiten Weg. Diese Straße ist noch viel steiniger, der Wagen schwankt wie betrunken hin und her. Wir kommen wieder an den Fluss, diesmal steige ich auch und überprüfe mit eine paar großen Steinen die Tiefe. Aber das läßt sich auch so schwer abschätzen und außerdem...

Also lassen wir es gut sein und machen uns auf den Rückweg. 

 

Da überholt uns ein Superjeep mit Reifen, die so hoch wie unser RAV4 sind. Der Fahrer hat eine affenartige Geschwindigkeit drauf und weiter vorne sehen ich nur noch eine riesige Wasserfontäne: jetzt hat er einen der tieferen Flüsse durchquert.

 

Wir parken in einem trockenen Flussbett und packen die Drohne aus. Der Stigafoss ist weit weg, liegt aber malerisch in einem grünen Berghang. Mit der Drohne kommt Karsten nahe heran und kann schöne Bilder machen. 

Stigafoss

Der Stigafoss liegt malerisch in einem grünen Berghang. 

Auf der Weiterfahrt beginnt es wieder zu regnen, weshalb wir den Gljúfrabúi vorziehen, dieser Wasserfall schießt in einer Höhle herab. Im Auto warten wir noch den stärksten Regenguss ab und dann machen wir uns auf den kurzen Weg. 

Als wir sehen, wie nass die Leute aus der Höhle herauskommen, gehen wir zum Auto zurück und ziehen unsere Regenhosen an. Bei der Gelegenheit nehme ich auch gleich den kleinen Regenschirm mit. 

 

Vorsichtig steigen wir über die trockenen Steine, die aus dem Wasser herausragen, in die Höhle ein. In einer etwas geschützteren Ecke stellen wir die Stative auf, kommen aber gleich überein, dass wir nur eines benutzen und der andere den Regenschirm hält.

Jetzt müssen wir nur noch abwarten, bis der markante Felsen vor dem Wasserfall entweder leer ist oder zumindest mit einem attraktiven Menschen verstellt ist. 

Mal schauen, ob der Output besser wird als vor vier Jahren. 

Gljúfrabúi

Gljúfrabúi - Gljúfur ist das isländische Wort für Schlucht und ein búi ist ein Bewohner.

Anschließend fahre ich noch auf die steile Hamragarðarheiði und fotografiere den Arpáfoss. Karsten zieht es vor, im warmen Auto zu bleiben. 

IMG_0300L.jpg

Den Arpáfoss habe ich alleine besucht, Karsten war es zu nass.

Jetzt haben wir unser Tagesprogramm absolviert und würden um 14 Uhr bei Martina und Jón eintreffen. Das wäre mir unangenehm, man kommt nicht so viel zu früh an. 

Also schleifen wir uns beim Parkplatz zum Solheimasandur Plane Wreck ein. Der ist gut gefüllt, obwohl das Wetter nicht gerade einladend ist. Wir warten auf den Shuttlebus, damit wir sehen, wo der hält. Nur, der kommt nicht und auf der Webseite kann man frühestens für September buchen. Seltsam, angesichts der Massen, die sich auf den Weg zum Flugzeugwrack machen. 

 

Kurz nach 2 Uhr fahren wir weiter und nehmen als Pausenfüller noch den Reynisfjara Black Sand Beach mit. Auch dort reihen sich die Autos dicht aneinander, immerhin finden wir noch einen freien Platz. Es kostet uns Überwindung, das warme Auto zu verlassen. 

Auf der halben Strecke zum Strand drehen wir wieder um, der Regen und die peitschende Gischt würden uns in Sekundenschnelle völlig durchweichen. Muss ja nicht...

 

Jetzt können wir aber endlich unsere Lieblingsunterkunft in Island aufsuchen. Jón schaut ganz erstaunt, als er uns im Vorbeifahren erkennt. Wir steigen aus, um ihn zu begrüßen und er fragt, ob wir uns nicht mit dem Datum geirrt hätten. Wir würden doch erst nächste Woche kommen, oder?

Natürlich macht er nur Spaß, denke ich, doch er meint das wirklich ernst. Martina kommt auch um uns zu begrüßen und sie klärt alle auf: Nachdem sie am Morgen nur auf der Airbnb-Seite geschaut hat, war sie der Meinung, dass heute keine Gäste kommen. Irgendwie hatte sie aber im Hinterkopf, dass doch heute jemand eintrifft. Alles gut, wir haben unser Zimmer wie gebucht, pfff!

 

Wir werden wie alte Freunde begrüßt und sitzen erstmal eine Stunde bei einer Tasse Kaffee, erzählen und lachen viel!

Heute schlafen wir im Keller, die beiden darauffolgenden Nächte im großen Zimmer oben. Da ist jetzt noch eine schweizer Familie drin, die wir kurz treffen. 

 

Am Abend kommt die Sonne raus, mit einem Schlag ist es total warm im Wohnzimmer. Aber ebenso schnell ist es wieder bedeckt und es nieselt. So ist das Wetter in Island!

Zum Nachtmahl fahren wir nach Vik ins Smiðjan Brugghús. Hier müssen wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft wieder eine Maske aufsetzen. 

Zu meinen Spareribs bestelle ich ein Getränk, das Mango/Passionsfrucht Skyr Sour heißt. Die Enttäuschung ist groß, als ich bemerke, dass es sich dabei um ein Bier handelt. Nach dazu ein extrem teures Bier, das ich fast unberührt am Tisch stehen lasse. 

 

Nach diesem Erlebnis suchen wir den einzigen Bankomat in Vik und heben die einzigen Isländischen Kronen ab, die wir im Urlaub benötigen, um damit die Unterkunft bei Martina & Jón zu bezahlen. Alles andere wird wie immer mit der Kreditkarte erledigt. 

Tag 7 - Montag, 26.7.21 - Reynisfjara - Leirarfoss - Yoda Cave - Þakgil

 

Um drei Uhr morgens hat das gestrige Nachtmahl wieder Party gefeiert. Zum Glück hat Karsten die Rennie am Nachtkastl deponiert, da konnte ich Schlimmeres verhindern. 

 

Um neun gehen wir hinauf frühstücken. Das ist ja legendär bei Martina und Jón und auch heute werden wir nicht enttäuscht. Wir bekommen selbst gebackenes Brot, viele Käsesorten, Lammfleisch und auch wieder geräucherten Lachs. Alles ganz wunderbar!

 

Die anderen Gäste aus der italienischen Schweiz kommen erst nach halb zehn und sind nicht besonders kommunikativ. Aber wir sind eh auch schon fertig und überlassen sie ihrem Schicksal. 

 

Das Wetter ist unerwartet schön, wir entschließen uns spontan, noch einmal zum Black Sand Beach zu fahren. Ich habe in der Früh auf Facebook ein Foto von dort gesehen, das aus einer Höhle gemacht wurde. 

Wir finden die Location auch gleich, als wir um die Ecke bei den Basaltsäulen biegen und bauen unsere Stative auf. 

 

Wir machen Langzeitbelichtungen, auf denen die vorbeigehenden Leute verschwinden. Wenn jemand allerdings lange genug auf einer Stelle stehen bleibt, sieht man es. 

Da tun sich plötzlich am Strand vor unseren Linsen ganz wundersame schwarze Steine auf, die jetzt begutachtet und fotografiert werden müssen. Ein Pärchen steht ewig umschlungen und genießt die Aussicht. Warum nicht ein paar Schritte weiter links oder rechts? 

Es ist manchmal zum aus der Haut fahren!

Black Sand beach  Reynisfjara Beach

Dieses Motiv vom Black Sand Beach musste ich nachfotografieren. 

Der Reynisfjara Beach ist für seine gefährlichen Wellen berüchtigt. Beim Eingang zum Strand wird auf die Gefahr hingewiesen, trotzdem sieht man immer wieder Leute, die sich viel zu nahe am Wasser aufhalten und plötzlich bis zum den Knöcheln im Wasser stehen. 

Es hat in den letzten Jahren immer wieder tödliche Unfälle gegeben, bei denen Leute in den kalten Atlantik gezogen wurden und ertrunken sind. 

Auch heute können wir wieder ein paar Unvorsichtige oder sogar Leichtsinnige sehen, die ganz schnell werden, wenn das Wasser sehr schnell kommt. 

Reynisfjara Beach Basaltsäulen

Die Basaltsäulen am Reynisfjara Beach sind ein beliebtes Fotomotiv. 

Irgendwann haben wir unsere Bilder im Kasten und fahren ein gutes Stück nach Osten. Auf der 209 biegen wir ab und erreichen nach ein paar Kilometern den Leirarfoss. 

Ausgerechnet jetzt entscheidet sich die Sonne auf Dauerbeleuchtung, das Licht ist viel zu grell für eine Langzeitbelichtung. Wir warten also ab, bis sich wieder ein paar Wolken vor die Sonne schieben.     

Leirarfoss

Der Leirarfoss liegt bequem neben der Straße - so gefällt uns das!

Leirarfoss Glaskugel
RAV 4

Am Leirarfoss packe ich auch das erste Mal meine Glaskugel aus. 

unser RAV 4 - immer zuverlässig!

Dann geht es wieder zurück Richtung Vík. 

Ein paar Kilometer vor der Stadt ist die Hjörleifshöfði Cave, besser bekannt als Yoda Cave. Warum das so ist, ist schnell klar, wenn man aus der Höhle schaut. Der Eingang und das Loch darüber erinnert frappant an den Meister Yoda aus Star Wars. 

Die Sonne steht gut, ich kann einen Sonnenstern in der linken oberen Ecke erzeugen. 

Die Hjörleifshöfði Cave, auch Yoda Cave genannt.
IMG_4600L.jpg

Während Karsten fliegt, schau ich mich in der Umgebung um.

Die Hjörleifshöfði Cave, auch Yoda Cave genannt.

Gleich daneben ist die Felsformation Arnardrangur, die isoliert am Strand steht. Karsten fliegt mit der Drohne einmal rundherum.

DJI_0326L.jpg

Rund die Felsformation Arnardrangur haben sich viele Reifenspuren dekorativ in den schwarzen Sand gegraben. 

Das Wetter ist immer noch freundlich, wir fahren nach Þakgil. Hier waren wir 2017, doch damals hat es geschüttet. 

Die Anfahrt ist wieder traumhaft, es geht zwischen den bizarren Felsnadeln auf schwarzem Sand bergauf und bergab. An der höchsten Stelle haben wir einen grandiosen Blick über den Fluss Mulakvesi tief unter uns! 

Þakgil  Blick über den Fluss Mulakvesi

Am Weg nach Þakgil bietet sich uns ein herrlicher Blick über den Fluss Mulakvesi.

Beim Campingplatz stellen wir das Auto ab und wandern ein Stück in die fast unwirklich erscheinende Landschaft. Der Weg endet bei einem kleinen Wasserfall. Wir versuchen noch, über den extrem steilen Hügel weiterzukommen, doch da geht es nicht wirklich weiter. 

Für die geplante Tour haben wir leider den Startpunkt nicht gefunden. 

Þakgil

Þakgil - immer ein bißchen wie Mordor.

Þakgil

in Richtung Campingplatz zurück

Jetzt haben wir aber ein kleines Hüngerchen und stoppen in Vík bei der Lava Bakery. Mit den gekauften Sachen setzten wir uns ins Wohnzimmer, wo ich vergeblich versuche, den Reisebericht weiterzubringen. Das funktioniert aber nicht, wenn Martina oder Jón anwesend sind. Da wird gequatscht und gelacht. 

 

Da wir im Restaurant Suður-Vík nicht reservieren konnten, fahren wir um halb acht hin und sehen uns einer endlosen Schlange an Wartenden gegenüber. Die Wartezeit beträgt 45 Minuten, das ist uns zu lang.

 

Wir fahren ins Halldórskaffi, doch auch dort gibt es bereits eine Warteliste. Es ist heiß und vor allem sehr laut in dem kleinen Restaurant. Außerdem haben die meisten Gäste gerade erst bestellt, das kann dauern.

Also lasse ich uns wieder von der Liste streichen und wir fahren weiter ins Ströndin. Dort bekommen wir rasch einen Tisch und bestellen einen Saibling, der hier frisch gefangen wird. 

Karsten beendet gerade ein YouTube Video das zeigt, wie man einen Fisch zerlegt, da wird er auch schon serviert. Seine Sorge war umsonst und der Fisch schmeckt grandios, ebenso das Erdäpfelpüree und der Krautsalat. 

Zum Trinken lassen wir uns einen Apfelsaft mit Soda zusammenmixen. 

Wir sind die Missionare des Obi g'spritzt in Island. 

Voyage Vik / Voyages Friendship Statue

Die Voyages Friendship Statue in Vik hat ein Pendant in Hull, England.

Tag 8 - Dienstag, 27.7.21 - Fimmvorduhals Trailhead - Skóga Museum

 

Wir sind in das große Schlafzimmer im Erdgeschoss gezogen. Jetzt müssen wir nicht mehr durch die Privaträume unserer Gastgeber gehen, um ins Wohnzimmer zu kommen. Und das war auch schon eine Ausnahme, denn andere Gäste vom Keller müssen außen herum gehen. 

 

Im Keller ist jetzt eine junges Paar aus New York. Die beiden sitzen schon eine Weile beim Frühstück, als wir dazu stoßen. Soll jeder seine Zeit mit Jón haben, da sind wir gönnerhaft. Wir unterhalten uns noch ein bisschen, dann haben wir Jón für uns allein. Martina skyped mit ihrer Tochter, die zurzeit in Deutschland auf Urlaub ist.

Gegen halb zehn fahren wir zum Skógafoss und quälen uns wieder die Stufen zur Abbruchkante hoch. Wenigstens haben wir diesmal nicht die Regenhosen an, mühsam ist es trotzdem. 

Oben beginnt der Fimmvorduhals Trailhead. Es geht moderat am Skóga entlang, hie und da gibt es einen Wasserfall. 

Ich fühl' mich so beobachtet!

Fosstorfufoss am Fimmvörðuháls Trail

Fosstorfufoss am Fimmvörðuháls Trail

Der Weg ist gut zu gehen, die Landschaft ein Traum, wenn es nur nicht stetig regnen würde. Grad so wenig, dass wir keine Regenkleidung brauchen, mit der Zeit werden die Rucksäcke und meine Fototasche trotzdem sehr nass. 

Auch der Boden wird mit der Zeit immer rutschiger, nach zwei Stunden drehen wir nach dem Fremri-Fellsfoss wieder um

Fremri-Fellsfoss am Fimmvörðuháls Trail
Fremri-Fellsfoss am Fimmvörðuháls Trail

Nach dem Fremri-Fellsfoss ging es wieder zurück zum Skógafoss.

Nach drei Stunden sind wir wieder bei unserem Auto und von innen und außen nass. Und ziemlich streichfähig. 

Ich habe wenigstens noch mein trockenes Hemd, Kasten sitzt im T-Shirt und mag die nasse Jacke auch nicht mehr anziehen. 

 

Deshalb fahren wir einmal ums Eck und gehen ins Skóga Museum. Das hat uns heute Morgen Martina ans Herz gelegt. 

Dort setzen wir uns in die Cafeteria, ich nehme eine herrliche Schwammerlsuppe mit hausgemachtem Butterbrot und Karsten ein selbstgebackenes Sandwich. 

 

Dann fällt ein Autobus voller Osteuropäer wie die Heuschrecken ein und fressen die ganze Cafeteria leer. Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt!

 

So gestärkt schauen wir uns zuerst den technischen Teil des Museums an. Hier sind von alten Werkzeugen über Telefone und Autos bis zu Baufahrzeugen alles, was technisch interessant ist, ausgestellt. 

Es hat inzwischen aufgehört zu regnen, nur mehr ein ganz feiner Nieselregen feuchtet unsere Haare an. Jetzt schauen wir uns auch den Außenbereich des Museums an. Hier wurde eine Kirche, zwei alte Wohnhäuser, eine Schule und alte Grassodenhäuser wieder aufgebaut. 

Da ist das Schlafzimmer schon einmal über dem Schafstall untergebracht, die alten Isländer wußten die natürliche Wärme zu nutzen!

 

Gegen 16 Uhr sind wir wieder bei Martina. Jón ist nicht mehr da, er ist unerwartet nach Reykjavik gefahren. Schon wieder! Es täte ihm auch sehr leid, dass er sich nicht mehr von uns verabschiedet hat. Martina sagt, sie wird morgen früh eine Liveschaltung für uns machen. 

 

Sie erzählt eine Geschichte: Vor ein paar Jahren war die Straße zwischen Höfn und dem Gletscher wegen einer Überschwemmung kurzfristig gesperrt. An diesem Tag sollten neue Gäste aus dem Osten kommend anreisen. Gegen ein Uhr mittags haben sie bei Martina angerufen, sie könnten nicht weiter, die Straße ist gesperrt. 

Ja, sagte sie, wie machen wir das nun?

Wir kommen trotzdem, sagten die jungen Leute aus Israel, wir fahren einfach rundherum. 

Rundherum bedeutet, sie fuhren die ganze Ringstraße in die Gegenrichtung, das sind rund 1500 Kilometer und 12 Stunden Fahrzeit!

Sie sind irgendwann weit nach Mitternacht angekommen und als sie am nächsten Morgen zum Frühstück erschienen, waren sie so enttäuscht, dass Jón nicht da war. Sie hätten im Internet gelesen, dass er so lustig ist. 

 

Martina entdeckt plötzlich zwei Wanderer, die an ihrem Elektrozaun entlanggehen. Sie schaut mit dem Fernstecher und wartet darauf, dass einer von den beiden den Zaun berührt. Da ist nämlich ordentlich Saft drauf. Aber die beiden drehen wieder um, als sie merken, dass es nicht weitergeht. 

Der Mann sieht Martina mit dem Feldstecher und zieht grüßend die Kappe vom Kopf. 

Daraufhin geht sie hinaus und läßt die beiden durch ihren Grund zur Straße nach Vík gehen. 

 

Nach neun kommen die neuen Gäste an. Drei junge Amerikaner aus New Jersey, die wir aber erst morgen beim Frühstück kennenlernen werden. 

Tag 9 - Mittwoch, 28.7.21 - Múlagljúfur Canyon - Höfn

 

Die Matratzen in unserem Zimmer sind super weich, man fällt wie in ein Nest und wacht trotzdem ohne Rückenschmerzen auf. 

 

Die neuen Amerikaner sind nicht sehr kommunikativ, da uns beide Mädels buchstäblich die kalte Schulter zeigen, kommt auch kein Gespräch zustande. 

Stattdessen plaudern wir mit Martina auf deutsch, das haben sie nun davon!

 

Die drei Amis vertschüssen sich und Jón ruft an. Martina stellt ihn auf Lautsprecher und ich begründe seinen Abgang mit der Vermutung , dass ihm wohl die Sprüche ausgegangen sind. 

"Oh nein" sagt er lachend, "die gehen mir wochenlang nicht aus!"

Heute morgen haben wir es ganz und gar nicht eilig, erst gegen 11 Uhr verabschieden wir uns von Martina, wir sehen uns ja nächstes Jahr wieder!

 

Bevor wir fahren, kleben wir noch meinen großen Koffer, der zwischen Griff und Auszug aufgerissen ist. Grad, dass er noch die Heimreise überlebt, dann kommt er in den Mist. 

Ob ich mir danach wieder einen Hauptstadtkoffer kaufe, hängt davon ab, ob ich auch woanders einen in Grün bekomme.

 

In Vík wird der Wagen vollgetankt. Da man bei den Selbstbedienungstankstellen immer einen Wert  eingeben muss, muss ich überlegen, wieviel so ein voller Tank kosten könnte. Ich nehme 10.000 Kronen und die ZVA schnappt bei 9.673 Kronen ab. 

IMG_0386l.jpg

unterwegs in den Osten

Dann geht es 177 km nach Osten zum Múlagljúfur Canyon, ein Geheimtipp von Andreas, der aber gar nicht mehr so geheim ist, angesichts der vier oder fünf Autos am etwas entlegenen Parkplatz. 

 

Auf der Herfahrt war es ziemlich neblig, an und für sich ist heute ein sonniger Tag. Am Parkplatz ist der Nebel verschwunden, trotzdem ziehe ich meine Softshelljacke an. 

Ui, die Ärmel sind noch von gestern ganz nass, grauslich!

 

Wir kraxeln zum Beginn des Pfades eine steile Böschung hinauf. Oben angekommen ruft Paul erfreut: "Und da simma schon!" Da macht sich wohl eine gewisse Müdigkeit gegenüber längeren Wanderung breit...

 

Nach einem steileren Aufstieg geht es moderat aber immer leicht bergauf einen moosbewachsenen Hügel hinauf. Rechter Hand breitet sich der Ausläufer eines Gletschers aus und man sieht kilometerweit ins Land. 

Múlagljúfur Canyon

Beim Aufstieg sieht man weit ins Land und über die Abbruchkante des Gletschers beim Fjällsarlón.

Die Sonne wärmt ganz schön, ich ziehe meine Jacke aus und binde sie mir um die Hüfte. 

Der Weg wird hie und da beschwerlicher und kurz vor dem letzten Anstieg muss noch ein Tal durchquert werden. 

An dieser Stelle sind wir am Überlegen, ob wir wirklich weitergehen sollen. Schließlich müssen wir alles auch wieder zurückgehen. Aber wenn wir nächstes Jahr mit einem etwas fitteren Andreas mithalten wollen, müssen wir unbedingt unsere Kondition verbessern. 

Also weiter geht's!

Kurz vor Ende kommen uns zwei Amerikaner entgegen: "It's worth it!" Das motiviert!

Múlagljúfur Canyon

Múlagljúfur Canyon - kurz vor dem Ziel

Dann sind wir am Ende des Trails und blicken in den grandiosen Canyon. Gleich drei Wasserfälle stürzen hier ins Tal. Neben uns macht ein spanisch sprechendes Influenzerpärchen seine Fotos, anschließend sitzen sie halbnackt und engumschlungen und genießen die Aussicht. 

Ich stell ungeniert einen Meter daneben mein Stativ auf. 

 

Leider ist die starke Sonneneinstrahlung Gift für tolle Bilder, mal sehen, was wir in der post production daraus zaubern können. 

Múlagljúfur Canyon

Múlagljúfur Canyon, der erste von drei Wasserfällen.

Múlagljúfur Canyon

Durch die starke Sonneneinstrahlung sind die Farben etwas flach geworden. Deswegen die B/W Variante.

Der Abstieg dauert eine Dreiviertelstunde und kostet wieder Kraft in den Beinen. Trotzdem geht es mir heute wesentlich besser als gestern, wo ich nach der Wanderung die Stufen beim Skógafoss nur am Kettengeländer rückwärts abgeseilt bewältigen konnte. 

 

Bei der Weiterfahrt reißt der Hochnebel etwas auf und gibt wie durch ein Fenster im Himmel den Blick auf die schneebedeckten Berge frei. Ein fast unwirklicher Anblick! 

Wir beschließen, in Höfn (wird Höp ausgesprochen) Nachmahl zu essen und erst danach im Viking Café einzuchecken. 

Unsere Wahl fällt auf das Otto Matur & Drykkur.

Wir bekommen in dem hübschen Restaurant auch sofort einen Platz und bestellen beide das Tagesspezial, Oberkeule vom Huhn mit Gemüse. Dazu einen gepflegten Cranberrysaft. 

 

Das Gericht schmeckt hervorragend, besonders das gegrillte Gemüse ist ein Hochgenuss. Doch das dazu gereichte Brot mit Butter und Salz ist zum Morden gut! 

 

Karsten studiert inzwischen das Roadbook und bemerkt, dass die Check In Zeit beim Viking Café bis 18 Uhr angegeben ist. Es ist 18:18. 

Ich rufe etwas verunsichert an und ein netter Herr am anderen Ende versichert mir, dass es kein Problem ist, wenn wir etwas später kommen. Da bin ich aber erleichtert!

 

Beim Bezahlen lasse ich uns noch einen Laib Brot mit einpacken und auch ein Sackerl mit Mandeln in weißer Schokolade geht noch mit. Unsere Vorräte sind eh schon ziemlich aufgebraucht. 

 

Im Viking Café, die auch den Eintritt für die Landzunge Stokksnes verwalten, bekommen wir das gleiche Zimmer wie vor einem Jahr. 

Wir schneiden das Brot auf, Butter haben wir noch in den Vorräten. Dazu gibt es einen stark gesüßten, weil sonst ungenießbaren Kaffee vom Zimmer. Herrlich!

 

Nachdem ich den heutigen Reisebericht fertig habe, öffne ich das Fenster hinter mir und tanke etwas Frischluft. Es ist neblig, etwas entfernt grasen zwei Isländerpferde und bis auf ein paar vereinzelte Vogelrufe ist es absolut still. 

Das ist wieder so ein Moment, der sich ewig in die Erinnerungen einbrennt!

das Mörder-Brot

Tag 10 - Donnerstag, 29.7.21 - Stokksnes - Skútafoss - Red Chair - Stapavík / Stapinn - Öxipass - Egilsstaðir

 

Wie gut man schläft, erkennt man wahrscheinlich daran, wie lange man schläft. Ich bin heute das erste Mal erst nach sieben Uhr aufgewacht. Sonst war es immer zwischen 5 und 6 Uhr. 

Es ist ein herrlicher Tag, der sonnig zu bleiben verspricht. 

 

Das Viking Café ist zwar etwas teuer, aber das Frühstück ist immer hervorragend! Heute gibt es  unter anderem einen ganz vorzüglichen Eier/Shrimps-Salat.

Ich erkundige mich nach Linda, die uns voriges Jahr so positiv aufgefallen ist. Sie hat heute ihren freien Tag. Ihren Job erledigen heute vier Angestellte. 

Aber so wie letztes Jahr, bekommen wir eine Waffel serviert, wenngleich auch nicht so liebevoll verziert wie von Linda!

Durch die vielen Köstlichkeiten bleibt etwas Wurst und Schinken auf unserem Teller übrig. Deshalb machen wir heute auf Deutschmann und machen ein Sandwich daraus, das wir für später mitnehmen. 

 

Ich habe unlängst ein Luftbild vom Vikingerdorf gesehen, dem wir bislang nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. Weil wir nicht ganz sicher sind, ob man hier mit der Drohne fliegen darf, regieren wir auf jedes Auto, das sich dem Parkplatz nähert, etwas nervös.

Doch die Franzosen im Wohnmobil haben selbst eine Mavic Air mit und erkundigen sich, welches Modell wir haben. Na dann!

Vikingerdorf Stokksnes

Das Vikingerdorf in Stokksnes war unter anderem auch in Games Of Thrones zu sehen. 

Nach den Luftbildern gehen wir ein paar Schritte ins Watt, dort gibt es wieder eine wunderschöne Spiegelung. Ich überlege, ob ich unser zweites Ticket (wir bekommen mit der Unterkunft mindestens zwei Tickets für den Strand) dem nächsten Besucher schenken soll, doch dann lasse ich es doch, vielleicht brauchen wir es ja demnächst selbst. 

Vestrahorn Stokksnes

Im seichten Wasser gibt es eine wunderschöne Spiegelung vom Vestrahorn.

Vestrahorn Stokksnes

Karsten schaut nicht nur so aus, er kann auch wie Jesus auf dem Wasser gehen. 

Auf der Weiterfahrt drückt eine Windböe unser Auto direkt ein Stück zur Seite, es weht wohl eine steife Brise. So kommt uns auch ein Motorradfahrer in einer sehr ungewöhnlichen Schräglage entgegen, das ist wohl kein Spaß heute.

 

Unser ersten Ziel liegt nicht weit entfernt. Den Skútafoss haben wir 2017 schon besucht, doch dieser malerische Wasserfall liegt quasi gleich neben der Straße und ist auf jeden Fall einen zweiten Besuch wert. 

Skútafoss

Skútafoss

Skútafoss

Skútafoss frontal

Nur 900 Meter ist der Red Chair, den wir bisher immer übersehen haben. Diesmal leuchtet er so richtig in der Sonne und wir machen ein paar Bilder mit den Kumpels. Das freut eine italienische Familie, die mit uns angekommen ist und die Frau bittet uns, auch ein Bild machen zu dürfen.

Wir klären sie dann noch auf, dass der markante Berggipfel im Hintergrund "Batman Mountain" genannt wird, weil seine Silhouette wie das Batman Logo aussieht.

Dann machen wir noch eine Flying Nikki Session. 

Red Chair vor dem Batman Felsen.

Der überdimensionale Red Chair vor dem Batman Felsen. 

Den nächsten Stopp legen wir beim Stapavík/Stapinn ein, einem Felsmonolithen, der leider im Gegenlicht liegt. Also suchen wir einen Weg hinunter zum Strand, was gar kein leichtes Unterfangen ist. 

Genauso schwer ist es aber, wieder auf den Parkplatz hinauf zu kommen, denn die Abbruchkante ist sehr steil und rutschig. Aber zusammen schaffen wir es schließlich. 

Stapavík/Stapinn

Der Stapavík oder Stapinn ist eine fotogene Felsnadel am Strand. 

Wir fahren eine der schönsten Strecken in Island, die Straße führt um die Ostfjords. Immer wieder entdecken wir Schwäne im Meer, das ist für uns doch unerwartet. 

Den Leuchtturm von Djupivogur lassen wir aus, der Wind ist viel zu stark für einen Drohnenflug. 

 

Ebenso fällt der Folaldafoss aus. Wie letztes Jahr liegt der Wasserfall in der prallen Sonne und zudem weht ein so starker Wind, dass wir keine Langzeitbelichtung zusammenbrächten. 

 

Der Öxipass  ist die schnellste und sicherlich auch schönste Verbindung nach Egilsstaðir. 

Öxipass

Unterwegs am Öxipass.

Die die Ausfälle der beiden letzten Punkte sind wir schon um halb vier in unserer Unterkunft Mjóanes. Hier waren wir schon vor vier Jahren und es hat uns damals auch ganz gut gefallen, zudem ist es recht günstig. 

 

Es gibt einen Hot Pot, den wir sogleich nutzen. Das warme Wasser tut unserer Muskulatur gut, wir bleiben eine gute Stunde im Sprudelwasser mit Aussicht. 

IMG_4696L.jpg

Entspannung im Hot Pot

Zum Nachtmahl gibt es wieder Eiernockerln, die mir heute aber ein bissl zu fest geraten. 

Wir haben eine wenig kommunikative Deutsche und ein Paar aus Dänemark im Haus, die spät zurück kommen und nur kurz Hallo sagen. 

 

Nach dem Essen wollen wir noch eine Partie Pool Billard in den Barn gehen, dort haben sich allerdings die Kinder von der Camp Site breit gemacht. 

Also gehen wir wieder zurück ins Haus und ich mach ein Sudoku. 

Tag 11 - Freitag, 30.7.21 - Vattarnes Sea Cliffs - Fardagafoss - Seyðisfjörður - Skálanes

 

Also eines ist klar: mit dem Frühstück wird Elsa hier nicht berühmt. Nicht nur, dass wir uns alles selbst zubereiten müssen, gibt es nur ihr selbstgebackenes Brot, das etwas fade schmeckt, Butter, Käse und Marmelade. Wurst gibt es nicht, da muss sie immer so viel wegschmeißen. 

 

Wir haben zum Glück noch unser Mörder-Brot aus Höfn und aus den zwei letzten Eiern mache ich zwei flache Omeletts als Brotbelag. 

Als wir in die Küche kommen, sind die Dänen noch am Essen. Außer einem knappen Hallo reden sie nichts. Die junge Deutsche schaut kurz herein und verabschiedet sich. 

Die Dänen verlassen die Unterkunft grußlos wie ein Schaß im Wald. 

 

Der Himmel ist heute wolkenlos blau, das verspricht ein prächtiges Wetter für die nächsten Tage.

Wir fahren den Reyðarfjörður entlang bis zu den Vattarnes Sea Cliffs. Dort lassen wir die Drohne steigen, das gibt tolle Bilder von der Küste!

Zum Leuchtturm kommen wir nicht, die Straße dorthin ist als Privatgrund gekennzeichnet, Einfahrt  verboten.

Vattarnes Sea Cliffs

Vattarnes Sea Cliffs

Vattarnes Sea Cliffs

Die Zufahrt zum Leuchtturm war leider gesperrt.

am Reyðarfjörður

am Reyðarfjörður entlang

Wir sind ein bissl hinter dem Plan und lassen den nächsten Abstecher nach Neskaupstaður aus. Stattdessen fahren wir gleich zum Fardagafoss. Vom Parkplatz geht es 30 Minuten mäßig aber stetig bergauf. Leider liegt der Wasserfall halb im Schatten und halb in der gleißenden Sonne, keine guten Voraussetzungen für ein Foto. 

Karsten macht das beste aus der Situation und macht statt der Bilder ein Video.

Fardagafoss

leider lag der Fardagafoss fast komplett in der Sonne

am Reyðarfjörður

hübsches Motiv am Reyðarfjörður

Seyðisfjörður

Weil es mir letztes Jahr in Seyðisfjörður so gut gefallen hat, besuchen wir das nette Städtchen am gleichnamigen Fjord heuer wieder. Wir laben uns auch diesmal wieder im Kaffi Lára, direkt neben dem bunten Zebrastreifen vor der Kirche. Heute ist aber das Wetter wesentlich besser, statt heißer Schokolade trinke ich heute eine Flasche Appelsin, das isländische Fanta. 

 

Die Fahrt am Fjord entlang bis zum Skálanes Naturschutzgebiet brechen wir vier Kilometer vor dem Ziel an einer Furt ab. Es zahlt sich nicht aus, deswegen die nächste Story zu beginnen. Eigentlich ist ja hier die Reise das Ziel. 

Rechts und links stürzen unzählige namenlose Wasserfälle die Berge herab und schlängeln sich am Fuße durch das satte Grün der bemoosten Täler. 

schöne Wasserfälle entlang der Strecke

das beliebteste Motiv in Seyðisfjörður

Auf der Rückfahrt nach Egilsstaðir parken wir am Straßenrand und fotografieren einen gewaltigen Wasserfall, der in mehreren breiten Kaskaden durch die Felsen schießt. 

Eigentlich könnte man alle paar Kilometer stehen bleiben, so viele schöne Fotomotive gibt es hier!

IMG_0478L.jpg

Ob dieser Wasserfall überhaupt einen Namen hat?

In Egilsstaðir wasche ich das Auto an einer Tankstelle, leider wird die Windschutzscheibe trotzdem nicht ganz sauber. 

Dann gehen wir in den Nettó, hier müssen wir eine Maske tragen. Wir kaufen für morgen einen Schinken und ein Glas Bolognese Sauce. Einen Putzschwamm suchen wir vergebens. 

 

Zum Essen gehen wir ins Salt Café & Bistro. Es hat immer noch 17 Grad und wir setzen uns in den überdachten Außenbereich. Karsten bestellt einen schwarzen Burger und ich eine Pizza. Mit der Zeit wird mir aber etwas frisch und ich hole mir aus dem Auto mein Hemd. 

 

Die letzte Station heute sind die Vök Baths, die von oben mit der Drohne aufgenommen ein tolles Motiv geben. 

Wir fahren an hohen Bäumen vorbei, was ungewöhnlich für Island ist. Erst in den letzten Jahren wurde wieder mit der Aufforstung begonnen, Island ist das am wenigsten bewaldete Land Europas, nur 0,5 Prozent sind mit Wald bedeckt. 

Doch am Ziel angekommen, sind wir erstaunlicherweise vor unserer Unterkunft. Karsten hat das Ziel ins Navi eingegeben und auf die schwimmenden Bäder vergessen. Müssen wir sie halt morgen irgendwie unterbringen. 

 

Im Mjóanes treffen wir auf neue Gäste: Bas und Likke-Rosa, ein junges Paar aus Holland und wir beginnen sofort zu plaudern. Wir haben uns so viel zu erzählen, dass die Stunden nur so verfliegen. Sie machen auch ein Roadbook und benutzen auch eine Art TrackMyTour, um mit ihren Bekannten während der Reise in Kontakt zu bleiben. Wir schenken ihnen auch noch unser übrig gebliebenes Ticket für Stokksnes, weil sie morgen dorthin fahren.

Eigentlich will ich ja den heutigen Bericht schreiben, doch damit kann ich erst ernsthaft beginnen, als sich alle um halb zwölf zum Schlafen begeben. 

 

Von Elsa erbettelte ich noch den alten Schwamm von der Abwasch, sie legt einen Neuen hin. 

Dann schmeißen wir noch die Katze vor die Tür, die sich in unser Zimmer verirrt hat. 

Tag 12 - Samstag, 31.7.21 - Litlanesfoss - Hengifoss - Borgarfjarðarhöfn - Borgarfjörður

 

Um halb zwei macht es einen Plumps und die Katze hat wieder einen Weg durch das gekippte Fenster in unser Zimmer gefunden. Sie ist ja ganz lieb, aber auch nass von draußen und kommt gleich direkt ins Bett. Das brauchen wir jetzt aber nicht so und bugsieren das Tier in die Küche. 

 

Beim Frühstück treffen wir wieder auf unsere Freunde aus Holland und ich lasse ihm meine Telefonnummer und Webseite zukommen, falls sie einmal nach Wien kommen. 

Sie ziehen von dannen und der Schweizer Herbert, genannt Zimmi, erscheint. Er ist beinahe 2 m groß und ist allein unterwegs, weil sein Frau nicht so gerne reist. 

Er ist nicht so unterhaltsam die die beiden Holländer, aber ganz nett. 

 

Elsa erscheint nicht zu unserem Abschied und ich will jetzt auch nicht an die Tür klopfen, sie merkt ja wohl, dass wir das Auto einräumen. Bevor wir abfahren, reinige ich mit dem Küchenschwamm die Windschutzscheibe. Es war schon notwendig. 

 

Am unteren Ende des Lögurinn ist der Parkplatz für den Hengifoss. Diesen Wasserfall haben wir bei unseren ersten beiden Islandreisen etwas vernachlässigt, weil man doch ein gutes Stück gehen muss. Heute wollen wir ihn angehen, die Begeisterung hält sich in Grenzen, denn es geht 2 Kilometer nach oben. 

Man sieht den Wasserfall in weiter Ferne bereits vom Parkplatz aus, der Plan sagt, dass man nach einem Kilometer am Litlanesfoss vorbeikommt und nach einem weiteren Kilometer am Ziel ist. 

Hengifoss

Vom Parkplatz geht es stetig bergauf zum Hengifoss.

Das Wetter ist ideal für eine Wanderung. Auch heute scheint die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und ich muss keine Regenkleidung mitnehmen. Nicht einmal das Hemd ziehe ich an, denn es hat angenehme 17 Grad. 

 

Gleich zu Beginn muss man eine Menge Stiegen steigen und dann geht es gleich ordentlich bergauf. Der Weg wechselt sich zwar immer wieder mit etwas flacheren Stücken ab, aber trotzdem komme ich ordentlich ins Schnaufen. Ich bin und war nie auf Ausdauer ausgerichtet, ich krieg genauso schnell Schnappatmung, ob ich nun langsam oder schnell gehe. Also gehe ich schnell, dann komme ich wenigstens weiter. 

 

Kurz vor der Hälfte des Weges kommen uns doch tatsächlich Bas und Likke-Rosa entgegen. So viel haben wir gestern geschwätzt, aber dass wir heute morgen das gleiche Ziel haben, darauf sind wir nicht gekommen. 

 

Der Litlanesfoss liegt total im Schatten, wir machen zwar Bilder, aber das wird wohl eher nichts. 

Litlanesfoss

Nach ca. 1 Kilometer kommt man am Litlanesfoss vorbei. Im Hintergrund sieht man schon den Hengifoss. 

Ich grüße ja grundsätzlich alle, die uns entgegenkommen, doch nicht alle Zeitgenossen erwidern meinen Gruß. "Muss ja nicht sein" rufe ich dann verhalten hinterher. 

 

Mit vielen Pausen (Karsten geht beständig langsam weiter) schaffe ich es nach einer Stunde zum Hengifoss. Für unsere Bilder gehen wir noch ein wenig weiter, bis wir ein paar Stromschnellen im Vordergrund haben. 

Hengifoss

Am Ziel angekommen, der Hengifoss.

Hengifoss

Zurück geht es bedeutend schneller, nach einer guten halben Stunde sind wir wieder beim Auto. Die letzten Meter tu ich mir schon recht schwer, das ständige Bergabsteigen belastet meine Knie schon sehr. Aber ich bin stolz auf uns, dass wir es wieder geschafft haben. Wir sind ja nicht so die Wanderer und bewegen uns zu Hause viel zu wenig. 

Dafür habe ich dann aber auch keine Schmerzen...

 

Gleich am Parkplatz läßt Karsten die Drohne wieder steigen und fotografiert die Brücke über den Lögurinn und die Mäander des Flusses. 

Hengifoss
Lögurinn

Blick über die Brücke über den Lögurinn

Anschließend fahren wir den ganzen See entlang bis an das andere Ende, das sind immerhin 35 Kilometer. Dort befinden sich in der Umgebung die Vök Baths. Vom Parkplatz aus, und immer ein Auge auf etwaige Mitmenschen, die etwas dagegen haben, starten wir die Drohne und machen ein Luftbild der siebeneckigen schwimmenden Becken. 

Vök Baths

Vök Baths – ein neues Geothermalbad

Dann geht es ein gutes Stück die 94 nach Norden. Bei einem Fluss, der enge Schlingen zieht, bleiben wir stehen und schicken die Drohne in die Luft. Solche Motive finde ich oder andere auf Google Maps. 

DJI_0345L.jpg

Solche Motive finde ich auf Google Maps.

Ein paar Kilometer weiter auf der 94 steht einsam ein grünes Häuschen. Es handelt sich dabei um einen Kiosk, der von einem Isländer betrieben wird. Das haben wir vor einiger Zeit in einer Dokumentation gesehen, natürlich müssen wir hier Halt machen. Leider nimmt der Automat nur Bargeld, etwas, das wir in Island nie haben. So bleibt es nur bei einigen Bildern.

Coke-Sjálfsali

Der Coke-Sjálfsali  an der 94 in the middle of nowhere. 

Coke-Sjálfsali
Coke-Sjálfsali

Die 94 führt über den Pass Vatnsskarð eystra, der auf 431 m Seehöhe liegt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf die Bucht Njarðvík. 

 

Recht früh treffen wir im Álfheimar Hotel ein, dass aus mehreren dunkelroten Holzbauten besteht. Wir beziehen unser Zimmer und stellen uns gleich unter die heiße Dusche. Es ist zwar recht warm in der Sonne, doch durch den kalten Wind fröstle ich ein wenig. 

Zuvor schäle ich meine Socken von den Füßen und wasche sie mit Duschgel. Es war auch schon recht notwendig...

Zum Trocknen stellen wir die Heizung im Zimmer an. Unser Blick geht auf eine gelbgrüne Blumenwiese und die Berge im Hintergrund.  

Dann setzten wir uns ins Hotelrestaurant, schreiben und lernen und genießen die kostenlose heiße Schokolade. 

Pass Vatnsskarð eystra

Weit reicht der Blick vom Pass Vatnsskarð eystra.

Um halb sechs fahren wir die sechs Kilometer nach Borgarfjarðarhöfn, wo eine große Papageientaucher-Kolonie zu beobachten ist. 

Es stehen nur wenige Autos am Parkplatz und am Hügel bei den Puffins sind wir anfangs ganz allein. Die Massen, die wir hier voriges Jahr vorgefunden haben, sind nicht mehr da. Nur ein paar vereinzelte Tiere hocken herum, viele sehen wir im Meer schwimmen. 

 

Die wenigen Vögel, die mit ihrer Beute zurück kommen, werden resolut von den Möwen angegriffen und retten sich rasch in ihre Höhlen. Es ist nahezu unmöglich, die Papageientaucher im Flug zu fotografieren, sie sind einfach zu schnell. 

Nach einer halben Stunde packen wir zusammen, wir müssen zurück ins Hotel zum Nachtmahl. 

Borgarfjarðarhöfn

Borgarfjarðarhöfn

Papageientaucher puffin Borgarfjarðarhöfn
Papageientaucher puffin Borgarfjarðarhöfn
Papageientaucher puffin Borgarfjarðarhöfn
Papageientaucher puffin Borgarfjarðarhöfn

Um sieben Uhr gibt es eine Art Buffet mit Lamm, das hat man uns beim Einchecken gesagt und wir haben einen Tisch reserviert. 

Das Hotel ist ausgebucht, das bedeutet, dass ca. 60 Personen im Restaurant sind. 

Unser Tisch steht quasi mitten im Raum und am nächsten zum Buffet, wir sitzen also in der Pole Position. 

 

Wir sind auch die ersten, die die Suppe serviert bekommen, eine göttliche Paprikacremesuppe. Die beste Suppe, die ich je gegessen habe! Dann wird noch Brot und Butter gebracht, mehr würde ich nicht mehr brauchen. 

In der Zwischenzeit ist auch das Buffet fertig aufgebaut und wir werden als erste aufgefordert, uns zu bedienen. Es gibt verschiedene Salate, Lammfleisch, gebratenen Kürbis und junge Kartoffeln. Alles sehr gut!

 

Wir sind beeindruckt, wie professionell das Personal die Massen abfertigt. Die Tische werden nach der Reihe aufgefordert, da gibt es kein Drängen und Warten. Wenn wir hofften, dass der Tisch in der Ecke mit den extrem lauten Isländern leiser wird, wenn sie etwas zwischen die Zähne bekommen, so werden wir enttäuscht. 

Zum Abschluss gibt es ein selbst gemachtes Rhabarbereis auf einem Pancake. 

Ich bedanke mich beim Koch und lobe das Personal, er freut sich und wird es weitersagen. 

 

Zurück im Zimmer überlegen wir noch, wieder zu den Papageientauchern zu fahren, ich bin aber viel zu müde und das Licht würde auch keine Flugfotos mehr zulassen. 

Ich falle ins Bett und sofort in einen komatösen Schlaf. 

Borgarfjörður

auf der Fahrt zurück nach Borgarfjörður

 

Ich bin tot. Gegen 4:30 wache ich das erste Mal auf und habe stechende Kopfschmerzen. Also trinke ich etwas und hoffe, dass des damit getan ist. 

Um 7:15 wache ich das zweite Mal auf, die Kopfschmerzen sind noch da und beim Aufstehen bin ich total steif. Alter Falter, das kann ja noch heiter werden!

 

Ich stakse ins Badezimmer und lasse mich auf die Schüssel plumpsen, geschmeidig war einmal.

Man muss ja froh sein, wenn man noch von alleine wieder hochkommt...

 

Mein linker Fuß ist kaputt, als hätte mir jemand mit dem Hammer draufgehauen. Wenn ich die Schuhe anhabe, spüre ich zum Glück nichts davon. Die sind übrigens jetzt gut eingelaufen, die Qual hat ein Ende. Aber ich bin tot. 

 

Das Frühstück ist bei weitem nicht so erfreulich wie das Nachtmahl. Der Grund ist auch gleich ersichtlich: beinahe jeder schmiert sich seine Sandwiches zum Mitnehmen. Da werden Plastiksackerln und Tupperdosen gefüllt, Karsten beobachtet, wie jemand den Kaffee vom Buffet in seine Thermosflasche füllt. Zum Glück kann er sich vorher noch bedienen. Bestimmt wird hier die doppelte Menge an Lebensmitteln verbraucht.

 

Beim Auschecken bezahle ich das Essen von gestern Abend. Die Kellnerin hat uns zwei Apfelsaft gespritzt gemacht und jetzt will man uns zwei Juices und zwei Wasser in Rechnung stellen. Karsten meint, ich mokiere mich wegen ein paar Euro (es sind ca. 5 Euro), doch mir geht es auch ums Prinzip. Letztlich verrechnet man uns zwei Wasser, die etwas teuerer sind als zwei Säfte. 

Das Buffet schlägt mit stolzen 12.000 Kronen (81,50 Euro) zu Buche!

So verlassen wir das Álfheimar Hotel mit einem bitteren Nachgeschmack. 

 

Das Wetter hat etwas umgeschlagen, der Himmel ist heute stark bewölkt und es herrscht dichter Bodennebel. Das sieht am Pass sehr interessant aus.