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London und Wales 2016

 
 

Am 24. September 1983 hatte in Wien das Musical Cats Premiere, ein Ereignis, das mein Leben nachhaltig verändern sollte. 
Diese für mich neue Welt mit seinen Stars und Fans hat mich sogleich in den Bann gezogen und so war ich mit meiner Schwester fast täglich beim Theater an der Wien zu finden. Über 350 Vorstellungen haben wir gesehen und viele neue Freunde gefunden, die genauso theaterverrückt waren wie wir.

Als das Musical ins Ronacher übersiedelte wurden neue Mitarbeiter für den Publikumsdienst gesucht und so konnten wir mit unserer Leidenschaft auch noch Geld verdienen!

Es folgten mehrere Reisen nach London, Berlin oder sogar New York, um die neuesten Musicals zu sehen. In den frühen 90er Jahren war eine Woche London auch für Lehrlinge noch leistbar, vor allem, weil wir in Privatpensionen in den Außenbezirken der Stadt um wenig Geld übernachteten. Meistens von unserer Vermieterin wie eine Glucke bewacht. 
Es war eine aufregende Zeit, vor allem für die Jüngeren, von denen manche das erste Mal ohne Eltern verreisten. 
Sieben Jahre nach der Premiere fiel der letzte Vorhang im Ronacher und mit der Zeit verlor man sich allmählich aus den Augen.


Im neuen Jahrtausend begann sich ein neues Phänomen rasant zu verbreiten: Facebook!
Es war 2009 und jeder, der etwas auf sich hielt, hatte einen Facebook-Account und sammelte Freundschaftsanfragen wie wir früher Eintrittskarten. 
Jeder hatte noch mit jemanden von damals Kontakt und so fanden sich nach über 20 Jahren nach und nach viele der damaligen Fans wieder.

Alte Freundschaften wurden neu gefestigt und eines Tages beschlossen wir, der alten Zeiten willen, wieder einmal nach London zu fahren. Wie damals zusammen in einem Apartment - jetzt brauchen wir keine Aufpasser mehr!

2012 fuhren wir noch zu acht und in den kommenden Jahren formierte sich ein harter Kern, die sich alsbald "The London Five" nannte. Ein jährlicher Londonbesuch war obligatorisch und wurde mit einem Mietwagen auch auf die weitere Umgebung ausgedehnt. 

2016 schafften wir es nur zu dritt nach London und hier setzt mein Reisebericht an.

Am Nachmittag vor dem Abflug läutet mein Handy. Der Vermieter des Apartments in Covent Garden ist am Apparat und erklärt mir, dass es eine Überschwemmung in der Wohnung gab und wir deshalb nicht wie geplant morgen dort einziehen können.

 

Unter tausend Entschuldigungen bietet er mir gleich zwei Alternativen an: ein Apartment beim Buckingham Palace und eines an der Themse. Blöderweise sind aber beide Unterkünfte bis Sonntag gebucht und deshalb möchte er uns zusätzlich ein Hotel in der Nähe anbieten, wo wir die erste Nacht verbringen können. 

 

Etwas geplättet bitte ich ihn, mir die Angebote per Mail zu schicken und freue mir einen Haxen aus, denn der Zeitpunkt  ist denkbar ungünstig: zu einem bin ich gerade dabei, einen Brotkranz für heute abend zu backen und gepackt habe ich auch noch nicht. Und in zwei Stunden sollen wir uns auf den Weg zu den Strobls machen, wo wir eine Song Contest Party feiern und dort auch übernachten. 

 

Sonja wird informiert und zusammen wühlen wir uns durch die Angebote, die unser Vermieter Majiid mir geschickt hat. Die beiden Apartments sind schön, doch liegen beide etwas abseits unserer bevorzugten Gegend. 

Nach einer hektischen Stunde und zwei weiteren Anrufen von Majid, der sichtlich bemüht ist, entscheide ich mich für das "Apartment opposite the Queen" und das Grosvenor Hotel für die erste Nacht. Außerdem möchten wir einen Gratistransfer am Mittwoch zum Flughafen. Schließlich wohnen wir nicht mehr an der Piccadilly Line.

 

Noch in der Nacht antwortet Majid, dass das Hotel gebucht und bezahlt ist. Am Montag können wir ab 11:30 in das Apartment, um das Gepäck zu deponieren und die Schlüssel in Empfang zu nehmen. 

Tag 1 - Sonntag, 15.5.16 - Ankunft

 

Der Sonntag beginnt entspannter. Nach einem gemütlichen Frühstück fährt Harry uns zum Flughafen und während wir aufs Boarden warten, ruft Majid schon wieder an: "Welcome to London!". Aber noch ist es nicht so weit, wir melden uns, wenn wir im Hotel gut eingecheckt haben. 

 

Vor der Passkontrolle in Heathrow müssen wir uns in eine elend lange Schlage einreihen, doch dank der reschen "Next please"-Beamten sind wir nach ca. 10 Minuten durch. 

Dass das mitunter trotzdem zu lange ist, merken wir am Gepäckband. Unser Flug ist schon abgefertigt, die Koffer stehen zum Abholen daneben. Unsere sind nicht dabei. 

 

Man schickt uns zum Customer Service, dort ist Mann auch etwas hilflos und als das Band Nr. 10 wieder ein paar Koffer ausspuckt, schickt er uns sichtlich erleichtert hin. 

Leider ist das aber Gepäck von einem anderen Flug. Karsten und Sonja warten am Band und ich geselle mich zu den anderen Fluggästen aus Wien zum Customer Service. Dort werden schon die Formulare für verloren gegangenes Gepäck verteilt und als ich mit unserem Formular fast fertig bin, kommen Karsten und Sonja mit den beiden Koffern und der Stativtasche. Ende gut, alles gut!

 

Kurz nach drei checken wir im Grosvenor Hotel ein, das direkt an der Victoria Station liegt. Das Foyer des 5 Sterne Hotels macht mächtig Eindruck, bei den Zimmern merkt man halt schon, dass man in London ist. Für umgerechnet 200 Euro die Nacht bekommt man im Rest der Welt ein superschönes großes Zimmer und ein ebenso beeindruckendes Badezimmer. Hier halt ein sauberes Zimmer mit Bad. Punkt!

Wir halten uns nicht lange auf, schließlich wollen wir heute noch ins Kino. "I Saw The Light" heißt der Film, in dem Tom Hiddleston den Countrysänger Hank Williams verkörpert. 

The "Three Leftovers" im Grosvenor Hotel

Doch obwohl der Film erst vor einer Woche angelaufen ist, wird er in fast keinem Kino mehr gezeigt. Erschwerend kommt dazu, dass es keine übergeordnete Kinoseite für London gibt. Das bedeutet, wir müssen über die Webseite jeder Kinokette nach dem Film suchen.

Wir finden für morgen 14 Uhr eine Vorstellung in einem relativ nahe gelegenen Kino. 

 

Da wir total planlos sind, entscheiden wir spontan, den aufkommenden Hunger im Pub neben Tom Hiddlestons Wohnhaus zu stillen. Das ist zwar auch nicht grad um die Ecke, aber für ein bissl Stalking nehmen wir gerne einen kleinen Anfahrtsweg in Kauf. 

Im The Sir Richard Steele essen wir sehr gut, Tom hat uns leider nicht die Ehre erwiesen. 

 

Danach wandern wir die Haverstock Hill und Chalk Farm Road über den allmählich schließenden Camden Lock Market bis zur Station Camden Town. 

Am Leicester Square schrecken uns die hohen Kosten von einem weiteren Kinobesuch ab und so marschieren wir in der untergehenden Sonne nach Covent Garden. Dabei kommen wir bei unserem gebuchten Apartment vorbei und ich bin versucht, bei Flat 3 zu läuten. Nur um so schauen, ob jemand statt uns dort wohnt. Ich lasse es aber doch sein. So bemüht Majid ist, glaube ich ihm die Geschichte mit dem Wasserschaden. 

 

Auch in Covent Garden machen langsam alle Läden zu und mit müden Beinen erreichen wir die Station Embankment, wo Karstens und meine Oystercard neu aufgefüllt werden muss. Nach einigen vergeblichen Versuchen mit einer unserer Karten zu bezahlen, schieben wir schlussendlich  eine 20 Pfund Note ein und fahren zurück zum Hotel.

Tag 2 - Montag, 16.5.16 - London - South Bank

 

Wir ändern unsere Pläne, lassen das Gepäck im Hotel, gehen shoppen und übersiedeln ins Apartment nach dem Kinobesuch.

Gefrühstückt wird in einem nahen Pub, ich habe die Hardcore-Variante eines Egg Benedict mit zwei hartgekochten Eiern.

Egg Benedict

Egg Benedict

Sonja muss ihre Oystercard aufladen und wir wenden uns zielstrebig einem Automaten zu. Da bemerkt Sonja, dass es wohl auch eine Queue gibt doch Karsten beruhig sie, denn er hat auf einem Schild entdeckt, dass man sich nicht anstellen muss. Auch irgendwie strange!

Nach uns kommen zwei Engländerinnen und laufen uns hinterher. Dann sehen sie das Schild - und gehen sich anstellen! Sicher ist sicher!

 

Den Vormittag verbringen wir mit shoppen. Sonja holt sich ihre Jahrestrophäe vom Abercrombie & Finch, danach durchforsten wir den Primani. Karsten darf sich in den Plattenläden der Umgebung austoben, letztlich geht sich sowieso nur einer in zwei Stunden aus.

 

Etwas außerhalb der City ist das Odeon Holloway, dort schauen wir uns um zwei Uhr nachmittags "I Saw The Light" an. Der Film zeigt den Werdegang von Hank Williams, der 1953 mit nur 29 Jahren gestorben ist. Trotzdem ist es einer der bekanntesten Countrysänger, brilliant von Tom Hiddleston dargestellt. 

 

Während des Films bekomme ich den nächste Nachricht von Majid: er möchte das Check In eine Stunde später, um 6 Uhr machen, weil es mit irgendeinem Lieferanten ein Problem gibt. 

Jetzt ist aber auch die Sonja leicht genervt. Wir einigen uns auf 5:30, weil früher schaffen wir es eh nicht. 

 

Das Apartment ist sehr schön, auf den Betten liegen Pölsterchen mit Glitzersteinen. Very posh!

Jetzt suchen wir erst einmal ein Lebensmittelgeschäft in der näheren Umgebung. Im Cardinal Place um die Ecke werden wir bei einem Marks & Spencer fündig. Und um fast 50 Pfund ärmer. 

Aber mit dem Einkauf für's Frühstück beginnt der Urlaub erst so richtig!

Apartment opposite the Queen

Apartment opposite the Queen

Heute fühlen wir uns noch fit genug für Nachtaufnahmen. Die Stativtasche geschultert und ab zur South Bank. Auf der Höhe des Big Ben stellen wir zur Blauen Stunde die Stative vor dem Brunnen beim Florence Nightingale Museum auf. 

City of London

City of London

London Eye und Houses Of Parliament mit Big Ben
London Hungerford Bridge

London Eye und Houses Of Parliament mit Big Ben

Hungerford Bridge

London Revolving Torsion

Die Skulptur Revolving Torsion macht sich sehr gut vor der Westminster Bridge und Big Ben.

Es geht langsam auf 10 Uhr abends zu und Karsten befürchtet, dass wir bald nichts mehr zu essen bekommen werden. Also zurück zu den Lokalen auf der South Bank. 

Bei der County Hall machen wir trotzdem noch ein Lichtbild. Das beleuchtete Parlament im Hintergrund malen wir mit unseren Handys MKS in die Luft. Die Buchstaben stehen einfach für unsere Vornamen. 

Ein Versuch und das Bild ist im Kasten!

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Die Buchstaben mit dem Handy geschrieben stehen für unserer Vornamen. 

Jetzt tun mir aber die Füße schon sehr weh, wir sind heute doch über 13 km gegangen und habe  ca. 34 Stockwerke erklommen!

Mit einem seligen Seufzer lassen wir uns daher in die Stühle beim "Strada" fallen, genießen die italienische Küche und erzählen von alten Zeiten.

Tag 3 - Dienstag, 17.5.16 - London - Sherlock Filming Locations

 

Also ich möchte doch keine indische Prinzessin sein. Wem fällt ein, Bettwäsche mit Strassteinen zu machen? Autsch!

 

Nach dem Haare waschen suche ich vergeblich nach einem Spiegel neben einem Stecker - in Grossbritannien sind normale Steckdosen im Badezimmer verboten. 

Also nehme ich mein iPad, dreh die Kamera auf und gehe auf Selfie-Modus. Ein Kleiderbügel für Hosen dient zum Aufhängen an der Wand. Not macht erfinderisch!

Not macht erfinderisch!

Jetzt geht es ans Frühstück machen. Während der Wasserkocher eine leichte Übung ist, stellt der Herd schon eine größere Herausforderung dar. Da gibt es viele Schalter an der Wand, die ein- und ausgeschalten werden, der Herd selbst hat ein Bedienungsfeld - nix geht. Außer einem kurzen Aufflackern der Anzeige zeigt der Herd keinerlei Bestrebungen, die Platten zu erhitzen. 

 

Den Vermieter kann ich telefonisch nicht erreichen und auf mein Mail reagiert er nicht. 

Irgendwann hat der Herd doch Erbarmen mit uns und lässt sich aufdrehen.

 

Das nächste Problem ist der Toaster. Der kann zwar vier Scheiben auf einmal aufnehmen, funktioniert aber auch nicht. Nach drei Versuchen an drei Steckdosen geben wir auf und toasten das Brot im Herd. Der funktioniert ja jetzt...

 

Sehr gut sogar. Sonja sagt: "Jetzt haben wir übrigens Kohlen" und zieht das Gitter mit den schwarzen Broten aus dem Backofen. Dicker Rauch schlägt ihr entgegen und mit einem ohrenbetäubendem Ton geht der Feuermelder über uns an.

Wir reissen hektisch alle Fenster auf und erwarten jeden Moment, dass die Feuerwehr unser Apartment stürmt. Der schrille Ton zerrt an unseren Nerven und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich verstummt.

Wir essen das Brot ungetoastet.

Ich checke meine Mails und sehen, dass Sunny Cars dringend eine Ankunftszeit brauchen, sonst können sie mir die Mietwagenbestätigung für morgen nicht schicken.

Herrschafts, geht denn gar nicht mehr glatt über die Bühne?

 

Es ist fast Mittag, als wir uns auf den Weg machen. Am Leicester Square schauen wir beim Half Price Ticket Booth (der längst seinen Namen nicht mehr gerecht wird), was es so im Angebot gibt. Da werden Tickets mitunter teurer angeboten, als der offizielle Preis im Theater. 

Wir entscheiden uns für Les Miserables und bezahlen 45 Pfund pro Karte. 

 

Mit der North Gower Street und dem St. Barts besuchen wir zwei Drehorte von Sherlock. Im Zuge der vierten Staffel wird übrigens bis morgen in Cardiff gedreht. Wir sind übermorgen in Cardiff...

Sherlock Filming Location - Speedy's Cafe
Sherlock Filming Location - Saint Bartholomew's Hospital

Sherlock Filming Location - Speedy's Cafe

Sherlock Filming Location - Saint Bartholomew's Hospital

Gestern hatte ich noch ein Telefonat mit Majid und wir können uns heute das Apartment in Covent Garden anschauen. Ein bissl wollen wir ja auch herausfinden, ob es das Apartment wirklich gibt, bzw. ob er es wirklich vermietet. 

Außerdem fehlt uns immer noch die Bestätigung für den Transfer morgen früh.

 

Also sind wir gegen 5 Uhr in Covent Garden. Immer noch keine Nachricht. Vielleicht ist auch keiner in Apartment, was weiß man. 

Gerade als ich ein etwas provokantes SMS abschicken will, werde ich von einer unbekannten Nummer aus London angerufen. Es ist Majid, der gestern abend sein Handy gecrasht hat. 

Deswegen kein Kontakt. Er ist jetzt in der Wohnung, muss aber gleich wieder weg. Wir sollen in 15 Minuten kommen, dann machen seine Angestellten noch schnell sauber.

 

Selbstverständlich sind wir 5 Minuten später vor dem Haus, ich will den Mann auch einmal persönlich treffen, so oft wie wir in den letzten Tagen telefoniert haben. 

In der Hektik läute ich peinlicherweise beim falschen Apartment - wo wir doch sogar schriftlich darauf hingewiesen wurden, dass die Nachbarn nicht gerade gut auf die Gäste zu sprechen sind.

 

Dann treffen wir Majid. Er schaut gar nicht so indisch aus, eh sehr sympathisch. Er ist aber am Sprung und verabschiedet sich nach ein paar Minuten. 

Nicht ohne mir zu versichern, dass er danach gleich die Bestätigung für den Transfer schickt.

 

Wir schauen uns in Ruhe das Apartment an, es ist bei weitem nicht so mondän, wie es auf der Internetseite wirkt. Da ist die Wohnung in der Buckingham Road schöner.

Gut, dass wir das live gesehen haben. 

 

Nach einer weiteren Runde in Covent Garden (der Built-a-Bear ist geschlossen!) gehen wir Richtung Queens Theater und kehren dazwischen in Chinatown bei einem Chinesen ein.

Nach dem Theater habe ich immer noch keine Bestätigung erhalten. Zurück im Apartment frage ich per SMS "Did we have a transfer tomorrow or not?" - da sehe ich, dass ich zwei Emails erhalten habe. So schnell kann ich mich gar nicht per SMS entschuldigen, dass nicht schon das Telefon klingelt...

Der Transfer ist bestätigt und bezahlt. Alles wird gut!

Tag 4 - Mittwoch, 18.5.16 - Lacock - Bath - Bristol - Chepstow Castle

 

Um 6 Uhr schallt es aus dem Handy: "Good Morning Beautiful, how was your night..." 

Ich schäle mich aus dem Bett und beginne mit den Frühstücksvorbereitungen. 

Die gestern gekauften Pancakes wärme ich in der Pfanne auf und prompt verbrennen die ersten vier. Jetzt bloß keinen Feueralarm!

Während ich die rauchende Pfanne aus dem Fenster halte, schiele ich zum Backofen, in dem die restlichen Toasts etwas Farbe bekommen. Wo bleibt nur die Sonja? 

 

Um 7:20 erhalte ich ein Mail. Der Fahrer ist schon da und nur die ersten fünf Minuten ab der gebuchten Zeit sind gratis. Jössas, jetzt macht der auch noch Stress!

 

Der Fahrer stellt sich aber als ganz sympathisch heraus und kurz nach 8 Uhr sind wir bereits am Flughafen. 

Beim Enterprise-Schalter in der Ankunftshalle erledige ich den Papierkram und dann werden wir mit dem Shuttle zur Station gebracht. Theoretisch, denn vor uns ist ein junges Paar mit Baby und zwei überquellenden Gepäckwagen. Die müssen ausgewandert sein, so viel Gepäck nimmt man nicht auf Urlaub mit. Es sind mindestens 8 Koffer und Taschen plus ein Kinderwagen. Damit füllen sie den Shuttlebus und alle anderen müssen auf den nächsten Bus warten. 

Dafür werden wir etwas später bei der Station von einem persönlichen Betreuer begrüßt, der uns einen goldenen Golf Sharan übergibt.

unser Sharan für die nächsten drei Tage
(mit freundlicher Genehmigung von Sonja S.)

Als wir losfahren, beginnt es selbstverständlich zu schütten. 

Und selbstverständlich scheint wieder die Sonne, als wir Lacock erreichen. 

Wir machen eine Runde durch das nette Dorf, die meiste Zeit begleitet uns ein älterer Volunteer, der mit einer Greifzange den Schmutz einsammelt. 

Lacock Village, UK
Lacock Village, UK
Lacock Village, UK

Lacock Village

Bei der Einfahrt nach Bath staut sich der Verkehr. Gut, dass ich in weiser Voraussicht ein paar Parkplätze im Navi gespeichert habe. Bei unserem ersten Besuch sind wir ewig im Stau gekreist, bis wir den Wagen abstellen konnten. 

 

Der Himmel ist jetzt wieder verhangen, noch regnet es nicht. Von der Pulteney Bridge aus machen wir einen große Runde durch die alte Stadt, die noch sehr viel aus der viktorianischen Zeit erhalten hat. 

Pulteney Bridge, Bath

die Pulteney Bridge in Bath

In der Union Passage kaufen wir uns Cornish Steak Pastries, die wir auf einer Bank vor dem Roman Bath verdrücken und dabei die vorüberziehenden Passanten kommentieren. 

Zurück am Parkplatz finden wir unser Auto fast vollständig von Mövenscheiße vollgespritzt. 

Da muss ein Schwarm ein Gruppenkacken veranstaltet haben!

Wir fahren abschließend zu The Royal Crescent, finden das Motiv aber nicht recht fototauglich. 

die Pulteney Bridge in Bath

ein Ausflugsschiff bei der Pulteney Bridge in Bath

Gruß aus Bath!

Für Bristol habe ich im Vorfeld auch ein paar Parkplätze rausgesucht, denn angeblich darf man überhaupt nicht in der Stadt parken. 

Umso erfreulicher deshalb, dass wir gleich neben dem Clifton Observatorium einen regulären Parkplatz finden. 

Der Blick von oben auf die Clifton Suspension Bridge ist sehr beeindruckend. Ich mache ein paar Bilder mit dem Ultraweitwinkelobjektiv, damit kommt die Größe der Brücke besser zur Geltung.

Clifton Suspension Bridge in Bristol

Clifton Suspension Bridge in Bristol

Dann wird es aber dringend Zeit für eine Toilette. Ausgerechnet jetzt öffnet der Himmel seine Schleusen und in Ermangelung irgendeines Regenschutzes (beim Aussteigen hat ja die Sonne vom Himmel gelacht) bleibt mir nur die Flucht unter einen besonders dichten Baum. 

 

In Bristol wurden auch einige Szenen aus Sherlock gedreht. Wir besuchen die St.Mary Magdalene Church, wo die Hochzeitsszenen von John und Mary gedreht wurden. 

Ich suche mir noch schnell ein passendes Szenenfoto am iPad und mache eine Bild im Bild Aufnahme. 

St.Mary Magdalene Church, Bristol

Sherlock Filming Location - St.Mary Magdalene Church in Bristol

Mit der Goldney Hall (Hochzeitsfeier) haben wir weniger Glück. Entweder sind wir zu spät dran oder man kann generell nicht direkt hin. Es ist aber eh egal, denn es schüttet zur Abwechslung wieder einmal heftig. 

Wenigstens wird das Auto so nach und nach wieder etwas sauberer...

 

Zwei weitere Sherlock Locations werden aus Zeitmangel gestrichen und kurz nach 5 Uhr überqueren wir die Grenze zu Wales. 

 

Das wuchtige Chepstow Castle liegt leider genau in der untergehenden Sonne, wir machen eine kurzen Spaziergang um die Burg.

Chepstow Castle

Chepstow Castle

Damit haben wir unser Tagesprogramm erledigt und fahren zu unserer Unterkunft, The Granary in Llanhennock, umgeben von Schafen, Kühen, Gänsen und Hennen.

 

Brian, unser Gastgeber, kommt auf meinen Anruf aus dem örtlichen Pub, wo die Familie ein paar Drinks nach dem heutigen Begräbnis nimmt. 

Wir haben den Dachboden für uns allein, zwei abgetrennte Schlafräume und ein Badezimmer. Jetzt müssen wir erst einmal alle Dachluken öffnen, damit es etwas kühler wird. 

 

Brian empfiehlt uns The Red Lion, ein Pub in Caerleon und lässt auch gleich eine Tisch für uns reservieren. 

Mit ein paar Extrarunden finden wir schließlich auch das Pub, einen Parkplatz finden wir zwei Ecken weiter. Very busy!

Aber das Essen ist ausgezeichnet und zum Abschluss genieße ich eine Rasperry Pavlova.

The Granary, Llanhennock

bei unserer Unterkunft The Granary in Llanhennock

Tag 5 - Donnerstag, 19.5.16 - St. Hillary - Cardiff - Caerphilly

 

Normalität ist eingekehrt. Wir frühstücken zusammen mit einem kanadischen Paar, die in Großbritannien ihre verstreuten Verwandten besuchen. 

 

Eine gute Dreiviertelstunde fahren wir bis St. Hilary. Dort ist das Bush Inn, das in Sherlock's "The Hound of Baskerville' als The Cross Keys Pub oft zu sehen ist. Leider sind wir noch zu früh dran, das urige Pub öffnet erst um 11:30.

Daneben ist der Friedhof, der auch als filming location diente. 

Sherlock Filming Location - The Bush Inn in St. Hilary, Wales

Sherlock Filming Location - The Bush Inn in St. Hilary

Sherlock Filming Location - der Friedhof von St. Hilary, Wales
Sherlock Filming Location - der Friedhof von St. Hilary, Wales

Sherlock Filming Location - der Friedhof von St. Hilary

In Cardiff liefern wir Karsten beim weltältesten Plattengeschäft "Spillers Records" ab, Sonja und ich stärken uns für eine Shoppingrunde erst einmal bei Starbucks.

 

In der Royal Arcade findet Sonja neue geblümte Wellies. Meine Gummistiefel sehen einmal im Jahr das Sonnenlicht - wenn wir nach England fahren. Aber Hauptsache cool und bunt!

 

Da die Möglichkeit besteht, dass heute auch noch in Cardiff an der vierten Staffel von Sherlock gedreht wird, fahren wir ein bissl stalken zur Cardiff University Students Union. 

Wir sehen außerhalb des Gebäudes aber keinerlei Fan-Aktivitäten, der Barmann in der Kantine sagt mir auch, dass sie gestern fertig geworden sind.

Notiz an mich: ich muss unbedingt mit den Produzenten reden, dass sie mir die Drehbücher früher schicken!

 

An der Cardiff Bay stärken wir uns bei Nando's, ehe wir zum Caerphilly Castle aufbrechen. 

Hayers Place mit der Cardiff Central Library

Cardiff, Hayers Place mit der Cardiff Central Library

"People Like Us" am Mermaid Quay in Cardiff

The Royal Arcades in Cardiff

"People Like Us" am Mermaid Quay in Cardiff

The Pierhead, Cardiff

The Pierhead. Das denkmalgeschützte Gebäude gilt als Wahrzeichen der Stadt und wird aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Uhrenturm des Palace of Westminster in London auch als „walisischer Big Ben“ bezeichnet.

Wales Millennium Centre in Cardiff

Wales Millennium Centre in Cardiff

Doch zuvor gehe ich noch schnell auf's Klo und Hände waschen. 

Denkste: mit den Händen voll Flüssigseife steh ich wie ein Depp vor dem Wasserhahn, aus dem kein Wasser kommt. Jetzt gibt es ja schon alle möglichen Varianten, dass Wasser fließt. Ich drehe und drücke also herum und suche nach einem versteckten Knopf. Nada!

Also gehe ich mit meinen seifigen Händen auf's Nebenklo, dort funktioniert der Wasserhahn. 

Der Händetrockner allerdings nicht. Der geht wieder am ersten Klo. 

Warum einfach, wenn's doch auch kompliziert geht!

 

Castle Coch fällt aus Zeitgründen durch den Rost und quälend langsam stauen wir aus Cardiff raus. Ein feiner Nieselregen hat eingesetzt, da wären eh keine schönen Bilder entstanden. 

 

In Caerphilly finden wir gleich neben der Burg einen Parkplatz. Das ist fein, denn zusätzlich zum Nieselregen zieht schon Nebel auf und es ist ziemlich frisch. 

Gleich hinter uns fällt eine Horde französisch kreischender Teenager in die Burg ein. Da kommt Freude auf!

Caerphilly Castle
Caerphilly Castle

Der Drache erinnert uns ein bissl an Smaug - Caerphilly Castle

Caerphilly Castle

Das Navi leitet uns auf dem Weg zu unserer Unterkunft auf einen Waldweg. Das kann nicht stimmen! Abgelegen - schön und gut - aber das?

Dann erinnere ich mich, dass ich bereits zu Hause auf Google Maps bemerkt habe, dass der Post-Code nicht zu der wirklichen Adresse führt. Zum Glück kann ich im Wald wenden und auf den zweiten Anlauf finden wir auch das Coach House. 

 

Zum Abendessen kehren wir im Maenllwyd Inn ein, ein sehr gut besuchtes Pub mit ausgezeichnetem Essen. 

Wir bekommen nicht nur gleich eine Parkplatz vor dem Pub sondern auch eine sehr nette Ecke mit zwei Fauteuils.

Maenllwyd Inn, Caerphilly
Maenllwyd Inn, Caerphilly

das ist mal ein Ripperl - Maenllwyd Inn

ein gemütlicher Abend im Maenllwyd Inn

Tag 6 - Freitag, 20.5.16 - Usk - Raglan Castle - Tintern Abbey - Abreise

 

Ich habe unsere Gastgeberin Mrs. Davies gefragt, warum die B&Bs in Wales nicht mit Schildern erkennbar gemacht sind. Sie sagt, wegen der Einbrecher, die anhand des Hinweises in die oft abgelegenen Häuser auf fette Beute hoffen.

"Und das B&B wird trotzdem von den Gästen im Internet gefunden?" frage ich? 

"Well, you found me, isn't it?" 

 

Nach dem Frühstück checken wir ein und lassen uns die Boardingpässe als Email schicken. 

Sonja bekommt kein Email und findet den Boardingpass später im Spam Ordner. 

 

Wir fahren Richtung Osten und halten in Usk, dort ist eine malerische Steinbrücke. Das habe ich zumindest zu Hause auf Google so befunden. Vor Ort ist es halt eine Steinbrücke. Wenn wir schon da sind, spazieren wir halt ein bissl herum. Doch auch von der anderen Seite schaut sie nicht besser aus. Ich fotografiere einen Löwenzahn, der ist schöner.

die alte Steinbrücke in Usk

die alte Steinbrücke in Usk

Löwenzahn

der neue Löwenzahn in Usk

Raglan Castle ist ebenso wie Caerphilly Castle nur mehr eine Ruine, auf der u.a. die Serie "Merlin" gedreht wurde. Es gibt viele Stiegen hinauf und hinunter, jede Menge halb verfallender Räume mit Erklärungen und hie und da ein paar rekonstruierter Gerätschaften wie ein Biereinschenker und ein Drehteller, auf dem mittels Kerzen und Lupen das Essen gebraten wurde. 

 

Auf jeden Fall macht so eine Besichtigung bei Sonnenschein wesentlich mehr Spaß als bei Nieselregen. 

Mit uns sind mehrere Gruppen Kleinkinder unterwegs, die sind aber gut erzogen und hören noch auf ihre Betreuer. In zwei Jahren werden sie das Kretzenalter erreicht haben und im Rudel nur noch schwer zu ertragen sein.

Raglan Castle
Raglan Castle
Raglan Castle
Raglan Castle

Auf Raglan Castle wurde u.a. auch die TV Serie Merlin gedreht.

Von der Tintern Abbey habe ich zwei Wegpunkte eingetragen. Einmal die Abtei und einmal ein Punkt vom Hang gegenüber, der einen schönen Blick von oben zulässt.

Ich entscheide mich, die Blick zuerst anzufahren. Es ist eine wilde Fahrt über extrem enge Straßen, wo mir ja kein Auto entgegenkommen darf.

Die Reise endet auf einem Bauernhof. Da geht nichts mehr weiter, obwohl das Navi und Google Maps eine Straße eingezeichnet haben. 

Ich frage den Bauern, wie ich zu dem Ausblick komme. "There is no street, this is all private." sagt er und erklärt mir den Weg zum "Devil's Seat" - als ob ich mir bei den vielen verwinkelten Straßen merken könnte, wo ich wohin abbiegen muss.....

Wir einigen uns letztlich darauf, dass ich zur Abbey fahren muss. Das geht, das hab ich im Navi.

 

Majestätisch ragen die Ruinen der Tintern Abbey in den blauen Himmel. Seit im 16. Jahrhundert im Zuge der Auflösung des Klosters das Dach abgetragen wurde, ist die einst reichste Abtei Wales dem Verfall preisgegeben. 

Tintern Abbey
Tintern Abbey

Tintern Abbey

Das Kloster wurde 1536 aufgelöst. Seitdem verfiel die Abtei, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts, im Zeitalter der Romantik, als Ausflugsziel wiederentdeckt wurde.

Den sicherlich erschwerlichen Aufstieg zum "Devil's Seat" lassen wir ausfallen, jetzt drängt es uns schon Richtung Flughafen. Durch die vielen Staus in den letzten Tagen fürchten wir, dass wir sonst ins Strudeln kommen. 

 

Wider Erwarten gibt es aber überhaupt keine Verzögerung und so sind wir bereit vier Stunden vor Abflug bei der Mietauto-Station und geben den Wagen ab. 

Leider gibt es keinen früheren Flug von British Airways und deshalb können wir noch sehr entspannt bei Strada eine Pizza essen.

 

Nach einem ereignislosen Flug landen wir am Abend in Wien und werden von unseren Lieben abgeholt: auf Sonja wartet Harry und auf uns der Airport Driver.

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