Namibia 2019

 
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Kurz nach unserem Frankreichurlaub habe ich dieses faszinierende Bild im Internet entdeckt: tote schwarze Bäume auf einer zerrissenen weißen Ebene vor einer tiefroten Düne und darüber der blaue Himmel. Die Google Bildersuche ergab, dass es sich um den Sossusvlei in Namibia handelt und mit Google Streetview stand ich plötzlich inmitten dieser fotografischen Pracht!

 

Ich recherchierte ein bisschen, denn dieses südafrikanische Land hatten wir bislang noch nicht auf unserer Liste. Je mehr ich über das ehemalige Deutsch-Südwestafrika herausfand, in dem immer noch ein Drittel der weißen Bevölkerung Deutsch spricht und sehr viel alte deutsche Kultur 

 

vorzufinden ist, umso begeisterter war ich und bald stand fest – unser nächstes Reiseziel ist Namibia!

 

Mit tatkräftiger Hilfe meiner Kollegin Vera, die schon vier Mal Namibia bereist hat und dementsprechende Infos parat hat, wurde die Route festgelegt und die ersten Unterkünfte gebucht. Da man mir riet, hierbei so früh wie möglich zu buchen, schöpfte ich meine firmeninternen Ressourcen aus und hatte somit Anfang Dezember – also 10 Monate vor Reisebeginn – die gewünschten Quartiere und Dach und Fach.

 

Beim alljährlichen Vorweihnachtspunschen mit unseren Freunden erwähnte ich unsere Urlaubspläne und Christa bekam riesengroße Augen: „Ich schwöre dir, ich wollte letzte Woche fragen, ob ihr nicht einmal nach Afrika reist und mich mitnehmen würdet!“

 

Natürlich würden wir und ich stellte mich der Aufgabe, genau dieselben Unterkünfte noch einmal zu bekommen. Besonders für den Etosha Nationalpark sah es zu diesem Zeitpunkt schon mau aus und wir spielten mit dem Gedanken, für Christa einen Zeltplatz zu buchen und sie irgendwie in unserem Chalet unterzubringen. Wenn notwendig, auf einer Luftmatratze. Denn ohne gebuchte Unterkunft, muss man den Nationalpark am selben Tag wieder verlassen.

 

Bei anderen Quartieren konnte ich auf eine Dreierbelegung umbuchen und Ende Jänner kam dann endlich das erlösende OK von meinen Kolleginnen von Ruefa und Jumbo. Jetzt buchte ich noch das Mietauto von einem Ford Everest auf einen Toyota Hilux Double Cab Canopy um, der mit seiner großen Ladefläche kein Problem mit unserem Gepäck haben wird und mit € 1.552,00 sogar noch günstiger wurde.

Tag 1 - Samstag, 31.8.19 - Ankunft - Windhoek

 

Endlich ist es soweit. Ungewohnt ist, dass unser Flug erst am späten Abend geht und wir  somit den ganzen Tag Zeit zum Packen haben.

 

Damit ist auch der Vormittag gut ausgefüllt und ich entscheide mich, den kleinen neuen London-Trolley mitzunehmen, obwohl nur ein Handgepäck erlaubt ist. Hoffentlich macht man mir deswegen keine Probleme, sonst müsste ich ein paar Sachen in den Rucksack umpacken und den Minikoffer als 2. Gepäckstück aufgeben. Oder ich kann aufzahlen, wäre auch in Ordnung.  

 

Kurz vor 16 Uhr ruft Christa an: Phoebe, ihr jüngstes Hundekind, ist bei der Urlaubsbetreuung ausgebüxt und nicht zu finden! 

Christa ist in Sorge und überlegt, ob sie nach Gerasdorf fahren und die Kleine mit suchen soll. Sie würde dann gleich von dort zum Flughafen fahren. Dazu muss sie aber noch fertig packen - volle Aufregung und Streß!

 

Wir verteilen noch das Gewicht auf zwei Koffer und eine Stativtasche und sind eigentlich fertig.

Gegen 17 Uhr bin ich am Grübeln. Was, wenn Christa heute nicht mit uns fliegen kann?

Ich setze mich an den Computer und suche nach Alternativen.
Es ginge, dass sie am Sonntag mit der Qatar fliegt und am Montag um 10:40 in Windhoek ankommt. Da könnten wir sie vom Flughafen abholen und gleich zur Bagatelle Kalahari Game Ranch weiterfahren. 

 

Aber Halt: wenn der Hinflug nicht konsumiert wird, streicht die Airline ja auch den Rückflug. Also hänge ich mich ans Telefon und rufe einen Kollegin an, die unsere Notfallshotline betreut. Sie gibt mir wichtige Informationen, die im Notfall umgesetzt werden.

 

Zum Glück kommt es nicht zum Schlimmsten und ein wenig später gibt es Entwarnung. Phoebe ist wieder aufgetaucht und Christa wird zum Flughafen gebracht.

Dort treffen wir auch Andrea und Irene, die witzigerweise die selbe Maschine nach Addis Abeba nehmen und von dort eine geführte Südafrikatour machen. 

 

Meine etwas überdimensionale „Handtasche“ wird nicht beanstandet, dafür muss Karsten die Stativtasche beim Großgepäck abgeben. Am Schalter sind zwei Männer beschäftigt, bzw. einer ist beschäftigt und der Zweite ist offenbar als Dekoration eingestellt. Nun ja, wir haben es ja nicht eilig.

 

Mit etwas Verspätung hebt die 777 der Ethiopian Airlines kurz vor 23 Uhr ab. 

Der sechsstündige Flug verläuft ohne Ereignisse, ich finde für zwei Stunden Schlaf.

 

Tag 2 - Sonntag, 1.9.19 - Abreise

Zwischenlandung in Addis Abeba. Der Bone International Airport hat den Charme eines Viehgroßmarktes. Die beiden einzigen Wasserspender funktionieren nicht, aber zumindest gibt es genügend Sitzgelegenheiten. Die zwei Stunden Aufenthalt gehen plaudernd schnell vorbei. 

Dann verabschieden wir uns von Andrea und Irene, wünschen uns gegenseitig einen schönen Urlaub und steigen in die Maschine, die uns an unser Endziel bringt. 

 

Auch auf unserem zweiten Flug geht meine Strategie der Sitzplatzreservierung - den Mittelsitz freizulassen - nicht auf, doch diesmal ziehe ich den Jackpot: eine 150 kg Frau zwängt sich zwischen Karsten und mich. 

Teil 2 des Plans ist ja, dass, wenn der Mittelsitz belegt ist, Christa mit dem Eindringling Platz tauscht. Doch Christa hat diesmal eine fußfreie Reihe ausgefasst und da hat sie es natürlich wesentlich gemütlicher als zwischen uns. 

 

Beim ersten Flug habe ich mich noch in die Mitte gesetzt, doch diesmal bleibe ich am Fenster. Vielleicht gibt es ja etwas zu sehen.

Gibt es auch, der Captain sagt nach einer Zeit durch, dass auf der rechten Seite der Kilimandscharo zu sehen ist - toll, wenn man auf der linken Seite eingequetscht sitzt!

Ich schaue mir „The Greatest Showman“ an. 

 

Kurz nach 13 Uhr landen wir in Windhoek. Die Einreiseformalitäten ziehen sich in die Länge, die meiste Zeit davon warten die Beamten, das System dürfte sehr unstabil sein.

Dann sind wir endlich alle durch und suchen uns durch die Ankunftshalle, dabei werden wir permanent angequatscht, ob wir ein Taxi brauchen: „Madam, mit welcher Gesellschaft sind Sie unterwegs?“ Die Selbstfahrer sind in Namibia wohl in der Unterzahl.

 

Beim MTC stellen wir uns wegen einer Wertkarte an, derweilen gehe ich vor die Tür, um Geld abzuheben. Trotz tatkräftiger Hilfe einer Sicherheitsbeamtin gelingt es mir gerade mal, 1.000,00 Namibische Dollar (ca. 70.00 Euro) abzuheben, danach funktionieren beide Karten der DKB nicht mehr.

Ich habe mir vor einem Monat extra ein Konto bei der Deutschen Kreditbank angelegt, weil ich hier beim Abheben angeblich keine Manipulationskosten zahlen muss. 

 

Auch die Telefonkarte muss Karsten mit seiner Kreditkarte zahlen, weil meine beiden Karten abgelehnt werden. Noch mach ich mir keine Sorgen deswegen. 

 

Dann schieben wir unsere Siebensachen zum Bidvest-Schalter, um den Mietwagen zu übernehmen. Alles soweit gut, bis wir zu den Extras kommen, die ich dazu gebucht habe und die vor Ort bezahlt werden müssen. 

Ein zweiter Ersatzreifen? Uh, da muss er nachfragen.

Der Kompressor ist auch ein Problem, das Büro hat heute zu.

Ich werde ein klein bisschen lauter, schließlich habe ich die Sachen seit Jänner angegeben. 

Der Verkäufer telefoniert und sagt, dass wir die Sachen bekommen, aber Sunnycars hat hier nie etwas weitergegeben.  

 

Ich unterschreibe mindestens 20 Mal auf zig Formularen und erhalte einen Schlüssel und den Vertrag. Mit diesen Utensilien geht es weiter zu den Parkplätzen.

 

Unser Hilux entpuppt sich als Ford Ranger, laut Mike sind die beiden Geländewägen von der Bauart gleich. Dass letztendlich beide Reserveräder auf der Ladefläche landen, ist nicht besonders schön, es bleibt aber trotzdem genug Platz für unsere Koffer und Rucksäcke.

 

Immerhin sehen die 4 Räder ziemlich neu aus, da brauchen wir jetzt nicht mit Profilmessung und Flickensuche die Zeit verschwenden. 

Mike ist sehr geduldig und ich lasse mir alles sehr genau erklären, auch den Kompressor, mit dem wir im Tiefsand die Luft aus den Rädern lassen. 

Er verspricht uns außerdem, dass uns ein Miettag abgezogen wird, wenn wir keinen Reifenschaden haben. Wahrscheinlich sagt er das jedem Kunden.

Bei der Einschulung des Vierradantriebs gehe ich automatisch auf die linke Wagenseite und ernte ein herzhaftes „Welcome to Namibia!“

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unser Hilux entpuppt sich als Ford Ranger

Kurz vor 16 Uhr fahre ich nach einer Ehrenrunde vom Flughafengelände und wir fahren nach Windhoek. Ein Aufschrei, als wir unsere erste Tiersichtung - ein Warzenschwein - neben der Straße entdecken. Später sehen wir noch eine Horde Paviane. 

Ohne ein einziges Mal mit dem Scheibenwischer zu blinken schaffe ich es bis zu unserer Unterkunft, dem Windhoek Garden Guesthouse. 

 

Die Rezeptionistin sucht vergeblich nach Christas Namen, zum Glück kann ich die Buchungsbestätigung von hotel.com vorlegen und wir können unsere Zimmer beziehen. Diese hätte ich mir origineller vorgestellt. Dafür ist das WLAN Passwort top secret: 1234567890123.

 

Wir machen eine kleine Pause. Karsten überspielt Christas Bilder vom iPhone auf ihr Notebook, dabei bemerken wir, dass ihr Ladekabel defekt ist und munter vor sich hin brutzelt. Da muss schnellstens ein Neues her!

 

Am Sonntag bekommen wir aber maximal Lebensmittel, damit decken wir uns bei OK Foods ein. Wasser, Snacks und Biltong. Das bezahlen wir bar, damit ich zu kleinen Dollarnoten komme, die ich dem Parkboy gebe. 10 Dollar ist ok.

 

Zum Nachtmahl fahren wir in Joe‘s Beerhouse. Wir haben eine Reservierung in der Lapa und sitzen an einem halbrunden Dreiertisch. 

Das war auch gut, denn die Hütte ist voll. Erstaunlicherweise ist der Lärmpegel sehr gering, das mag am Strohdach liegen oder an den vielen Verwinkelungen, da verirrt sich der Schall mehr. 

 

Karsten und ich nehmen den beliebten Bush Soartie, ein Spieß mit Huhn, Springbock, Oryx, Zebra und Kudu. Ich nehme dazu einen Ceasar‘s Salat, oder so etwas in der Art..

Leider ist mein Fleisch well done und sehr trocken, wahrscheinlich haben sie unsere Spieße vertauscht, denn Karstens Fleisch ist eher medium rare.

Beim Bezahlen ist es fix, beide Karten der DKB werden abgelehnt. 

 

Freude kommt auf - Afrikafeeling noch nicht!

Wandgemälde im Windhoek Garden Guesthouse

Tag 3 - Montag, 2.9.19 - Windhoek

 

Der Ausflug zur Wernhil Park Shopping Mall war ein voller Erfolg für Christa, für unseren Bargeldhaushalt weniger. An zwei Geldautomaten wird mir die Auszahlung verweigert. 

Das ist noch nicht schlimm, ich habe noch tausend Dollar im Geldbörsel. Die DKB hat mir geantwortet und u.a. ein Formular verlinkt, das werde ich ihnen mit der Fehlermeldung des Automaten zurückschicken. Zumindest weiß ich jetzt wieder, dass ich in Namibia nur mit der VISA Card Geld abheben kann, mit der Debitcard nicht. 

 

Wir wollen unser Parkticket entwerten, der Automat schreibt „Unreadable Ticket“. Irgendwie ist der Wurm drin mit der Elektronik in Namibia. 

Eine nette Dame hilft uns und drückt die Help-Taste. Ich tausche mich mit der Angestellten am anderen Ende aus und zahle 6 Dollar ein. Dann bekommen wir das Ausfahrtsticket. 

 

In einem Geschäft habe ich einen Hunderter auf 10 Dollarscheine getauscht, einen bekommt der Parkboy. Karsten verweigert die Übergabe, dabei hat sich gestern der Parkwächter bei Joe‘s mit „Thank you, Boss“ bedankt. 

 

Jetzt aber auf Richtung Kalahari!

Ich bin froh, als wir endlich die Stadt hinter uns haben. Gesehen haben wir nichts in Windhoek, haben aber auch nicht den Eindruck, viel versäumt zu haben. Vielleicht machen wir am Ende des Urlaubes noch einmal Halt. 

 

Kurz nach der. Stadtgrenze ist plötzlich die B1 vor uns gesperrt. Ich bleibe also stehen und will schon in die Straße links abzweigen, als ein Truck geradeaus weiterfährt. Geht also eh!

Ich fädle mich in den Verkehr ein und fahre weiter.

Da winkt mich ein Polizist auf die Seite: ich habe ein Stoppschild nicht beachtet, noch dazu, wo es sich um einen Roadblock handelt.

 

Ich darf ihn in sein kleines Büro folgen und er „nimmt“ mein Daten auf, eigentlich schreibt er meinen Namen und mein Geburtsdatum auf einen Zettel. Dann erklärt er mir, dass er mich nicht straffrei davonkommen lassen kann, weil die Kamera draußen alles aufgenommen hat.

Normalerweise kostet das 5.000 Dollar, eine zweite Option mit 1.000 Dollar nennt er mir auch noch aber er ist so nett und verrechnet mir nur 500 Dollar. 

Ich rieche den Braten und sage, dass ich die Strafe bei der nächsten Polizeistation bezahlen will. Schließlich wurden wir bei der Autoübernahme noch gewarnt, keine Strafen auf der Straße zu bezahlen.

 

Das ist nicht die Straße, sagt er und wachelt mit der Hand durch den Raum.

Kann ich, aber dann macht das aber 1000 Dollar. Ok, dann möchte ich aber eine Quittung über die 500 Dollar. Gibt es natürlich nicht! 

Kreditkarte? Fehlanzeige!

Meinem Schicksal ergeben, zähle ich ihm fünf Hunderter auf denTisch. Dass mein Bargeldbestand damit halbiert wird, tut mehr weh als die Höhe - umgerechnet etwa 30 Euro.

Währenddessen schreibt er sehr umständlich einen Bericht in ein dickes Buch. Nur kommt da nirgends die Zahl 500 drin vor. 

Ich muss nicht warten, sagt er und schiebt das Geld zwischen die Seiten. 

Kurz überlege ich, ob ich ihm anbieten soll, dass ich, wenn er mir 2 Hunderter zurückgibt, gleich gehe. Aber das steht sich nicht dafür, aber so einfach will ich es ihm auch nicht machen und bestehe darauf, dass er die 500 Dollar in seinem Bericht erwähnt. Dann gehe ich zurück zum Auto.

„God bless you!“ ruft er mir nach. Das glaub ich!

 

Die nächsten Kilometer ärgere ich mich noch, auf so einen blöden Fehler hereingefallen zu sein, dass wir nicht weiter auf die Straße achten. Nach einer Zeit wundere ich mich aber, dass das Navi die nächsten 201 km geradeaus zeigt, eigentlich sollten wir ja irgendwann auf unsere erste Pad kommen. 

Nun ja, wir haben Windhoek auf der B1 statt auf der B6 verlassen und fahren auf dem  schnellsten Weg nach Süden. Eine Änderung auf unsere geplante Route würde uns eine Stunde Fahrzeit kosten, das wollen wir auch nicht riskieren, da wir heute ja bereits später als geplant weggekommen sind. 

Das gibt Christa auch gleich die Möglichkeit, sich hinter das Steuer zu setzen, solange wir noch auf Asphalt fahren. 

 

25 km vor der Bagatelle Kalahari Game Ranch wechseln wir dann auf die erste Pad. Dazu setze ich mich aber wieder ans Steuer, zuvor müssen wir zwei Mädls aber dringend vor‘s Auto...

Plötzlich wird der Sand rechts  und links der Straße immer röter. 

Nach dem Tor zur Ranch geht es dann auf Tiefsand weiter, da schalten wir den Vierradantrieb dazu. 

 

Auf der Ranch werden wir sehr herzlich begrüßt und nach dem Check in führt uns ein Angestellter zu unseren beiden Dune Lodges. Ich breche mir beim Schließen der Seitenfenster den linken Daumennagel (Gelnägel, es floss kein Blut).

 

Das kann unsere Freude über die wunderschönen Lodges auch nicht trüben, wir sind total begeistert! Christa hat Nr. 1 und wir sind in der Lodge Nr. 4.

Wir sehen direkt auf das Wasserloch, bei dem sich Springböcke und ein Gnu laben. Auch ein Strauß bedient sich aus einem Kübel. 

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unser Ausblick aus der Dune Lodge der Kalahari Game Ranch

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Dune Lodge, Kalahari Game Ranch

Die Zeit bis zum Game Drive nutzen wir für den ersten Drohnenflug. Dafür holen wir uns das OK bei der Rezeption. 

Karsten starten gleich von der Veranda und überfliegt die Dünen und die Lodges. Dann steuert er die Drohne wieder unter das giebelförmige Dach und landet sicher auf der Veranda. 

Kurze Zeit später kommt ein Angestellter mit dem Jeep vorbei und sagt, dass wir die Drohne weiter weg von den Lodges starten sollen. 

Das waren sicher unsere Nachbarn, die sich hier aufgeregt haben. Dabei stehen die Lodges eh weit auseinander. 

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Kalahari Game Ranch

Um 16 Uhr starten wir den Combination Drive. Unser Fahrer heißt Felix und wir haben eine exklusive Tour nur für uns drei, das ist fein!

Felix fährt uns durch die Kalahari und sieht mit Aderaugen Tiere, die ich nicht einmal erkenne, wenn er direkt hinzeigt. Zum Glück kommen wir den Tieren doch so nahe, dass unsere Kameras ordentlich zu tun bekommen: Kudus, Gnus, Springböcke, 2 Nashörner, Giraffen,  Geier, Riesentrappen, Oryxe und andere Antilopenarten, ich kann mir gar nicht alles merken. 

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Wir machen im Camp eine kurze Pinkelpause und Christa rennt hoch zu den Lodges, um mein Geldbörsel zu holen. Wir können Felix ja nicht einmal ein Trinkgeld geben!

„Sehr ambitioniert“ sagt sie, als sie nach Luft ringend zurückkommt.

Breitmaulnashorn

Im Anschluss fahren wir zur Cheetah-Fütterung. Auf der Bagatelle werden verwaiste Geparden, die allein in der  Wildnis nicht überleben würden, aufgenommen. Der aus Schweden stammende Goran kümmert sich als Trainer um die Tiere. 

Wir fahren in ein abgesperrtes Gehege und die ersten drei Geparden kommen auf den Ruf „Kommen“ herbei geschlendert und werden mit rohen Fleischstücken in einer großen Schale gefüttert. Da es sich noch um relativ junge Tiere handelt, dürfen wir nicht aus dem Jeep aussteigen.

je dünkler die Flecken, umso älter die Giraffe

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der Oryx ist das Wappentier Namibias

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Cheetah-Fütterung auf der Kalahari Game Ranch

Bei den zwei älteren Tieren können wir sogar auf Tuchfühlung gehen und sie beim Fressen  streicheln - wir verzichten freiwillig!

 

Der letzte Punkt des Combination Drives ist der Sundowner auf einer nahegelegenen Düne. Ich nehme mir ein Fanta, nachdem mir gestern das Savanna Light gar nicht geschmeckt hat. 

Goran hat es angekündigt: sein bester Freund hat neben ihm im Auto Platz genommen und genießt die Aufmerksamkeit der fotografierenden Leute. Schließlich sieht man nicht jeden Tag einen Geparden am Beifahrersitz!

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der Gepard am Beifahrersitz

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im Hintergrund ein Webervogelnest

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Strauß im Gegenlicht

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Karsten und Christa beim Sundowner

Es werden verschiedene Getränke angeboten und am Tisch steht eine Schale mit Chips, Nüssen und Biltong. Dieser Biltong schaut wesentlich trockener aus, als der, den wir in Windhoek gekauft haben. Er schmeckt auch viel besser und ist dem Beef Jerky sehr ähnlich. 

 

Christa‘s Einsatz war umsonst, denn zurück auf der Ranch steigt Felix aus, bedankt sich herzlich und zieht von dannen. Die Leute im Jeep neben uns klatschen ihrem Fahrer etwas - Deutsche halt!

 

Jetzt sind wir schon etwas geschlaucht und gehen gleich zum Nachtmahl, das unter einem gewaltigen Sternenhimmel eingenommen wird. Es gibt Springbock-Carpaccio und danach Buffet. 

Am Weg zu den Dune Lodges nehmen wir einen falschen Weg und müssen in der Dunkelheit - Karsten leuchtet uns mit dem Handy den Weg - durch den knöcheltiefen Sand querfeldein gehen. 

 

Es dauert ewig, bis heißes Wasser aus der Dusche kommt und dann setze ich das halbe Badezimmer inklusive meines halben Necessaire unter Wasser, weil der Duschkopf das Wasser in alle Richtungen verteilt und es keine Duschwand gibt. 

Tag 4 - Dienstag, 3.9.19 - Köcherbaumwald

 

Um 5 Uhr brüllt Karstens Handy los. Er will den Sonnenaufgang fotografieren - blöd, wenn der erst um 7 Uhr ist. Aber zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass wir auf der Bagatelle so gut wie kein Netz und WLAN haben.

 

Ich kann nicht mehr einschlafen, denn mir ist gerade eingefallen, dass wir heute in the middle of nowhere fahren und das Auto tanken müssen. Zum Glück habe ich eine Karten-App geladen, die auch offline funktioniert. Die nächste Tankstelle ist in Mariental, das ist zwar nicht in unserer Richtung, aber nur 22 km hin und zurück Umweg. Das beruhigt mich. 

 

Um halb sieben geht mein Wecker am iPad, Zeit zum Aufstehen. Es ist furchtbar kalt und der Wasserhahn gibt nur kaltes Wasser aus. Wenigstens bin ich jetzt munter!

 

Um sieben schleppen wir zum Sonnenaufgang unser Gepäck den steilen Zufahrtsweg hinunter. Auf halbem Weg kommt uns ein Wagen entgegen, die beiden Angestellten bringen die Koffer damit bis zum Auto. 

 

Beim Auschecken frage ich nach einer Tankstelle in Richtung C15 und erfahre, dass es in Stampried eine gibt. Das ist schön, da sparen wir etwas Zeit. 

 

Auf der C15 packen wir die Drohne aus und machen ein paar Aufnahmen mit dem fahrenden Auto. Das ist gar nicht so einfach, weil der Verfolgermodus nicht so will wie wir wollen. 

Das Navi sagt, dass wir bis zum Ziel an die 600 km fahren müssen und um 19:28 ankommen. 

Nun, das glaub ich nicht so ganz.

Es muss auch dauernd eine neue Route berechnen, weil ich es immer enttäusche und nicht umdrehe...

Richtig geil wird es nach der Abzweigung zur C17: eine strahlend weiße Sandpiste zwischen roten Dünen, die noch dazu bergauf und bergab geht wie auf einer Achterbahn!

Da hat sich der Umweg wirklich gelohnt. 

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auf der C17 vor Koës 

Es ist auch erst kurz nach 14 Uhr, als wir bei unserem heutigen Ziel ankommen. Die Zimmer des Quivertree Forest Rest Camps erinnern frappant an unsere diversen Appartamenti in Lignano, inklusive Kachelboden und alte miefige Möbel. Mir scheint sogar, dass der Geruch derselbe ist.

 

Es ist sehr heiß und wir haben keine Lust auf den Giant‘s Playground, eine Ansammlung von scheinbar willkürlich aneinander gestapelten Steinen, an denen wir beim Herfahren vorbei gefahren sind. Auch der Pool ist wenig einladend, das Wasser hat eine graugrüne Farbe, drumherum sind hölzerne Liegestühle und Felsplatten drapiert. Mit den scheußlichen Plastikiglus im Hintergrund erinnert das Szenario an die Feuersteins. 

 

Unsere beiden Zimmer sind im Haus B, das aus einem Aufenthaltsraum und vier Zimmern besteht. Wir knotzen im Vorraum herum und wechseln später zum Poolbereich. Es leben jede Menge Hunde im Camp und einer kommt vorbei und holt sich von Karsten und Christa Streicheleinheiten ab. Ich verzichte, da das Fell total verdreckt ist und sogar Fleischreste enthält. Armes Tier, dir würde ein Bad sicher guttun!

So grauslich diese Kaschemme auch ist, sie hat doch einen großen Vorteil: der Quiver Tree Forest ist nur ein paar hundert Meter entfernt. 

Wir fahren vor Sonnenuntergang zum 800 m entfernten Parkplatz und finden jede Menge herrlicher Fotomotive. Der Quivertree oder Köcherbaum ist aus ganz leichtem Holz und die Äste wurde von den Ureinwohnern als Köcher verwendet. 

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Quiver Tree Forest (Köcherbaumwald)

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die Webervöglnester werden auch von den Rosenköpfchen mitbewohnt

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Rosenköpfchen (Lovebirds)

mit der untergehenden Sonne eröffnen sich im Quiver Tree Forest unglaubliche Fotomotive 

Um sieben Uhr gibt es Dinner. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen eine Art Champignonschnitzel mit Bratkartoffeln, Gemüse und Salate. Als Nachspeise einen besoffenen Schokoladenkuchen. Die Besitzerin spricht deutsch mit uns und ist mäßig freundlich. Wir teilen ihr mit, dass wir in der Nacht zum Fotografieren noch einmal raus wollen, das kostet wieder 300 Dollar pro Person. 

Die Gelegenheit zur Sternenfotografie mit einem Köcherbaum wollen wir uns nicht entgehen lassen und so fahren wir um halb neun zurück zum Parkplatz. Zum Glück kennt sich Christa im Finstern aus, ich hätte dort wahrscheinlich nicht mehr hingefunden. 

 

Dann stapfen wir mit unseren Stirnlampen zu den Quiver Trees und schauen, wo wir unsere Stative am besten aufbauen. Obwohl wir eine Mondsichel am Himmel haben, was für die Sternenfotografie eher von Nachteil ist, gelingen uns mit Karstens Hilfe - ich merk mir ja keine Einstellungen - ganz tolle Fotos mit der Milchstraße. 

 

Ich fühle ein Rumpeln im Gedärm und will mit dem Auto schnell zurück ins Camp, um auf‘s Klo zu gehen. Leichter gesagt als getan, denn dort existieren keine Straßen, alles ist irgendwie eine große hügelige Fläche und im Scheinwerferlicht verfahre ich mich sofort. Plötzlich sehe ich eine Toilette, die wahrscheinlich zum Campingplatz gehört. 

Nach getaner Arbeit will ich nun zurück zum Eingang, wo Karsten und Christa am Fotografieren sind. Wenn ich denn nur wüsste, in welcher Richtung das war. 

Dann wird es ganz entrisch. Ich kurve mit dem Riesenkübel in der finsteren Gegend herum, das Fernlicht ist mir zu wenig, um mich zu orientieren. Oftmals muss ich wenden, weil es nicht mehr weiter geht. Längst habe ich alle Orientierungspunkte - so es denn welche gab - aus den Augen verloren.  

Als letzte Rettung nehme ich das Navi und möchte mich zurück zum Camp leiten lassen. Gerade als ich wende, sehe ich plötzlich des weiße Schild des Einganges. Gott sei Dank!

 

Doch zu früh gefreut, das ist zwar ein Eingang, aber nicht der, wo ich Karsten und Christa zurückgelassen habe. Ich rufe zweimal laut, doch keine Antwort. 

Ich gehe zum Auto zurück, da sehe ich zwei weiße Punkte auf mich zukommen. Ich hoffe, dass die beiden mir sagen können, wo der richtige Eingang ist. 

Doch zu meiner großen Erleichterung sind es Karsten und Christa, die sich fürchterlich abhauen, weil ich sie nicht mehr gefunden habe. 

Mir ist es egal, ich bin nur heilfroh, dass wir jetzt zurück ins Camp fahren können. 

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die Milchstraße im Quiver Tree Forest

Tag 5 - Mittwoch, 4.9.19 - Canyon Farm Yard - Fish River Canyon

 

Nach dem Frühstück taut unsere Gastgeberin auf und wir erfahren einige Infos, die uns bei unserer nächsten Begegnung mit einem Buschräuber, äh Polizisten hoffentlich dienlich sind. 

 

Wir fahren in Keetmanshoop in eine Mall. Mir blüht eine Fieberblase und Christa und Karsten brauchen ein Nasenspray, weil sie wegen der trockenen Luft beleidigte Schleimhäute haben. 

Hier gibt es auch Biltong, so wie wir ihn uns vorstellen. 

Dann heben ich noch mit der Mastercard 1000,00 Dollar ab.

 

Die DKB hat mir geantwortet, ich hätte mein VISA Konto mit den versuchten Abbuchungen überzogen. Da ich lediglich 80 Euro abgehoben habe, frage ich mich, wo hoch der Kreditkartenrahmen wohl ist.  

Außerdem habe ich genau das im Vorfeld zu eruieren versucht und da wurde mir mitgeteilt, dass es ok ist, wenn ich genug am Girokonto habe.

Jetzt muss ich das Guthaben des Girokontos auf mein VISA Konto überweisen, dann kann ich die VISA Karte wieder verwenden.

Momentan scheitert das noch an der nicht vorhandenen Internetverbindung. Spätestens in Lüderitz sollte das klappen.

 

Karsten gibt als Endziel das Canyon Roadhouse ein und unser Navi schickt uns 398 km auf die Reise. Eigentlich sind es 145 km und nachdem ich ein paar Mal die Anweisungen missachtet habe, sind es plötzlich an die 500 km. Mir fällt ein, dass wir möglicherweise in den Einstellungen „keine unbefestigten Straßen“ angegeben haben. Bingo, das war des Rätsels Lösung!

 

Die C12 fährt sich glatt wie eine asphaltierte Straße, ich muss aufpassen, dass ich die erlaubten 80 kmh nicht ständig überschreite.

Wir machen beim Canyon Farm Yard halt, trinken Kaffee und kosten den „besten Apfelstrudel Namibias“. 

Die beiden Besitzer sind sehr nett und wir plaudern lange. Der Apfelstrudel ist eher ein Apfelkuchen, schmeckt aber sehr gut. Der normale Apfelstrudel, wie wir ihn kennen, ist den Leuten zu trocken, sagt der Besitzer.

 

Eigentlich ist er Farmer, ihm gehört das ganze Land rundherum. Doch die seit 5 Jahren anhaltende Dürre hat ihn gezwungen, all sein Vieh zu verkaufen. Er hat Glück, dass die C12 durch sein Land geht und das Café ganz gut läuft.  

Das ganze Gelände ist mit vielen rostigen Autos und anderem Schnickschnack dekoriert, das gibt schöne Fotomotive.

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Canyon Farm Yard

Bei einer Eisenbahnbrücke machen wir noch einen Stopp. Es ist brütend heiß und wir klettern den Bahndamm hoch. Da die einzige Eisenbahn heute schon gefahren ist (eine Lok und ein Waggon), brauchen wir auf den Verkehr nicht zu achten.

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die Eisenbahnbrücke bei Hobog

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Eine halbe Stunde später treffen wir im Canyon Roadhouse ein, wo wir heute Station machen. 

Das ist ein sehr origineller Platz mit vielen rostigen Oldtimern und viel Deko zum Thema Auto.

Karsten ist not amused, dass wir im Zimmer gleich zwei deutsche Autokennzeichen an der Wand hängen haben.  Aber die Zimmer sind sehr schön mit viel Platz.

 

Als wir um die Koffer gehen, sehe ich den Poolbereich, den müssen wir gleich inspizieren. Ich gleich vorneweg und dann passiert es: ich rutsche auf den extrem glatten Stufenkanten aus und knalle mit dem linken Schienbein voll gegen die Kante. Blut fließt! 

Ich werde von Christa mit einem Taschentuch erstversorgt und sie sagt:  „Genau deshalb wollte ich mitfahren, um zu sehen, ob euch solche Sachen wirklich passieren!“  

Ich tupfe das Blut ab, schnaufe tief durch und dann gehen wir die Koffer holen. 

 

Da ich mir die Wunde schlecht im Waschbecken auswaschen kann, stelle ich mich gleich unter die Dusche. Blöd ist nur, dass wir nur zwei kleine Handtücher im Zimmer haben. Karsten geht zur Rezeption, um Badetücher zu holen. 

Er kommt aber gleich wieder zurück: „Da steht ein Oryx vor der Tür!“

Tatsächlich laufen auf dem Gelände Oryxe herum und grasen gleich neben den Zimmern. 

Das freut mich natürlich sehr - unter der Dusche ohne Handtuch.

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ein Orxy im Canyon Roadhouse

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das Canyon Roadhouse beim Fish River Canyon

Nachdem ich mit einem großen Pflaster verarztet bin schauen wir uns mit der Kamera ein wenig um. Der Oryx hat sich leider verzogen, aber er wird schon wieder einmal kommen. 

 

Am Pool bläst es uns fast von den Betten, offenbar kommt ein Sturm auf. Der Himmel ist auch schon ganz zugezogen. Wir setzten uns auf die Veranda zwischen unseren beiden Zimmern.  

 

Um halb fünf fahren wir schließlich zum View Point des Fish River Canyons. Auf einen Sonnenuntergang brauchen wir heute nicht zu hoffen. 

In Hobas werden wir registriert und zahlen zu dritt 250 Dollar Eintritt.

 

Ab hier geht es eine Waschbrettpiste bis zum Rand des Canyons. Bei den erlaubten 60 kmh rüttelt es uns ganz schön durch. 

Der Canyon ist schon beeindruckend, leider durch die Bewölkung nicht sehr farbenfroh.

Zurück fahre ich durch die Bank 80 kmh, das ist wesentlich angenehmer. 

Fish River Canyon

Zum Abendessen bedient uns Ferdinand, ein sehr sympathischer Schwarzer, wie man dem Namen nach nicht gleich vermuten würde. 

Nach dem Essen unterhalten uns die Kellner mit  ein paar Gesangseinlagen. In Wien würde das bei weitem nicht so gut klingen wie hier. 

Den Rest des Abends verbringen wir mit der Diskussion, wie man den Ferdinand politisch korrekt beschreibt. Wir einigen uns darauf, dass er kein Weißer ist. 

Glanzstar

Tag 6 - Donnerstag, 5.9.19 - Garub Desert Horses - Aus

 

6:30 Tagwache. Das ist. aber nicht schlimm, weil wir gestern schon um halb neun ins Bett sind. 

Meine Verletzung ist am Verheilen, ich brauche nur noch ein kleines Pflaster, die gestrigen Zwei waren ja noch blutdurchtränkt. 

 

Nach dem ausgezeichneten Frühstück fahren wir zwanzig nach acht los. Vor der heutigen Etappe hatte ich ein wenig Spundus vor den Pads, ich habe auch im Vorfeld relativ wenige Erfahrungsberichte über die südliche Verbindung nach Aus gefunden.

 

Zunächst fahren wir die gleiche Strecke wie gestern Abend und fahren bei Hobas auf der C37 weiter nach Ai-ais. Die heißen Quellen wollen wir fotografisch am Weg mitnehmen. 

Nach einer holprigen Anfahrt auf der C10 kommen wir zu einer Registrierstelle. Ein schmächtiges Bürscherl, den ein viel zu großer Anzug umschlottert, kommt auf die Fahrerseite. Der Schreibblock, in dem meine Daten aufgenommen werden, ist fast größer als er selbst. 

Offenbar kostet der Besuch von Ai-ais etwas, wir dürfen passieren und bei der Rezeption bezahlen. 

 

Wir schauen uns am Parkplatz um, da ist nichts, was besonders fotogen wäre. Christa muss auf die Toilette und ich gehe mit ihr zu Rezeption. Ohne die nette Dame oder ihre Arbeitsstelle beleidigen zu wollen, frage ich, ob es denn hier mehr gibt, als das, was wir sehen.

Gibt es nicht, und wenn wir nicht länger als 20 Minuten verweilen, brauchen wir auch nichts zu bezahlen.

 

Also fahren wir gleich wieder zurück, wo wir wieder auf den Strich in der Landschaft treffen. Wieder muss ich meine Daten in ein Buch eintragen und dann sagt er, dass er 25 Dollar pro Person bekommt! „For what?“ frage ich ihn und kläre ihn über die 20 Minuten Regel auf. Ok, dann kann ich weiterfahren. Früh übt sich, was ein Buschräuber werden will!

 

Auf der C37 fahren wir Richtung Oranje River, der die Grenze zu Südafrika bildet. Der Oranje führt erstaunlich viel Wasser, eine Wohltat nach dem dürren Land bisher. 

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der Oranje River bildet die Grenze zu Südafrika

All meine Sorgen waren völlig unbegründet, denn die C13 läßt sich wunderbar fahren und die Landschaft ist sehr wechselhaft. Christa leidet am Rücksitz etwas, denn zeitweise gleich die Pad einer Hoch- und Talbahn. Mir taugt*s natürlich sehr!

 

Um 12 Uhr kommen wir in Rosh Pinah an. Die Benzinuhr zeigt Halbzeit, bis Aus sind es noch gute 170 km, also tanken wir unser Auto voll. Sicher ist sicher.

Als es ans Zahlen kommt, funktioniert meine Mastercard nicht, auch Karsten‘s Mastercard nimmt das Gerät nicht an. Mit der Diners brauch ich gar nicht kommen. 

Das ist blöd, denn auch heute morgen beim Auschecken wurde die Mastercard abgelehnt und ich hab den größten Teil meiner Barschaft im Roadhouse gelassen.

 

Aber es gibt ja einen Geldautomaten an der Tankstelle. Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen, denke ich und will gleich 3.000 Dollar abheben. Leider darf ich nicht mehr als 2.000 Dollar abheben, aber das klappt problemlos. Als gleich noch einmal und mit 4.000 Dollar Bargeld gehe ich zurück zur Zapfsäule. Dort hat die Angestellte in der Zwischenzeit die Batterien aus dem Gerät genommen und wieder reingetan - jetzt funktioniert auch meine Mastercard wieder!

 

Ab Rosh Pinah ist die C13 asphaltiert und die Strecke zieht sich. Da hilft ein laut mitgesungenes „Bohemian Rhapsody“ inklusive Headbangen, da bin ich gleich wieder munter! 

 

Wir fahren an unserer heutigen Unterkunft vorbei und besuchen die Desert Horses in Garub. Mitten im Nichts gibt es eine große Tränke für die wildlebende Pferde. Für die Besucher wurde ein schattenspendender Unterstand gebaut. 

An die 30 Pferde stehen mehr oder weniger regungslos in der prallen Sonne, einige nutzen den Schatten des Unterstandes. Weit und breit ist sonst kein schattenspendender Baum zu sehen. Wahrscheinlich werden die erst am Abend aktiv.

Angesichts der wüsten Landschaft fragt man sich instinktiv, wovon diese Tiere leben. Sie schauen  aber recht gut genährt aus. 

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Garub Desert Horses

Dann geht es zurück ins Desert Inn. Dort checken wir für unser Chalet im Eagle’s Nest ein und erhalten unser Braai-Paket und den Frühstückskorb für morgen.

So ausgerüstet fahren wir die letzten 7 Kilometer zum Eagle’s Nest und unserem Chalet „The Rock“. 

Das Steinhaus ist direkt an einen Felsen gebaut, der aus einen Großteil des Innenraumes einnimmt. Karsten beäugt skeptisch die Einrichtung, er befürchtet krabbelnde Eindringlinge. 

Christa liest im Gästebuch, das es hier wohl auch eine Maus gibt und ist auch ganz froh, dass wir heute zu dritt hier nächtigen. 

 

Zum Haus gehört auch eine Terrasse mit Weitblick, hier relaxen wir bei Antipasti bis uns die tiefstehende Sonne vertreibt. 

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The Rock - Eagles Nest in Klein Aus Vista

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Jetzt ist es sowieso Zeit, sich um das Grillfeuer zu kümmern. Karsten liest sich die Anleitung genau durch, schlichtet dünnes Holz pyramidenförmig über die  Brandbeschleuniger und bald lodert ein lustiges Feuer. Es lodert ziemlich wild, weil der Wind so toll durch die Steinlandschaft um uns bläst. 

„Bind‘ dir bitte die Haare zusammen, ich hab Angst, dass sie zu brennen beginnen!“ sagt Christa und holt Karsten ein Haarband. 

 

Vielleicht wäre es besser, wenn der Griller in einer windstilleren Ecke stünde. Todesmutig werfe ich mich den züngelnden Flammen entgegen und ziehe den schweren gusseisernen Griller an den Beinen aus dem Windkanal. Dadurch zieht der Rauch auch nicht mehr direkt durch die Hintertür in unser Haus. Jetzt wissen wir auch, warum es drinnen so rustikal riecht. 

 

Nach einer Stunde haben wir eine schöne Glut und packen die vielen Grillgüter aus dem mitgebrachten Paket auf den Rost. Es gibt Boerwors, Oryx und Rind, Chickenroll, verschiedene Gemüse, Sweet Potato und noch vieles mehr. Das meiste lassen wir in der eingewickelten Folie, doch die Wurst und das Fleisch legen wir direkt auf das angekokelte Gitter. Die Erdäpfel schmeiße ich direkt mit der Folie in die Glut. 

 

Während alles vor sich hin grillt machen wir ein paar stimmige Abendaufnahmen in der Goldenen Stunde. Es gibt nicht viele Kontrastpunkte in der weiten Landschaft, da ist ein vorbeifahrender Zug eine gute Gelegenheit. Der Sonnenuntergang ist schön anzusehen, fotografisch sind wir nicht zufrieden, da wird die Postproduktion hoffentlich noch etwas rausholen. 

Christa kümmert sich um den Salat und bald setzten wir uns zum Essen. 

Am Teller herrscht ein rechtes Chaos, es ist viel zu viel und wir essen auch nicht alles zusammen. 

Es ist alles ganz gut, beim nächsten Mal lassen wir uns aber wieder lieber bekochen. 

"Ich habe Feuer gemacht!"

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unsere Aussicht aus The Rock

Tag 7 - Freitag, 6.9.19 - Kolmanskop - Lüderitz

 

Um 3 Uhr morgens werde ich von leisem Fußgetrappel und Geraschel geweckt. Wir sind nicht allein im Haus. Ich hoffe nur, dass uns die kleine Maus nicht die Kabeln anknabbert und versuche, das Rascheln zu ignorieren. Auch am Hausdach tapst hie und da etwas. Das werden die Paviane sein, vor denen wir gewarnt wurden. Die sind mitunter ziemlich neugierig. Wenig später ist es wieder still, doch ich bin munter. 

Da hilft nur eines: Candy Crush Soda spielen, da schlafe ich garantiert bald ein. Ich muss nur aufpassen, dass mir das iPad dabei nicht auf den Steinboden kracht, das könnt‘ schmerzen!

 

Etwa zwei Stunden später sind wir dann alle drei munter, weil es wieder ziemlich laut raschelt. Karsten leuchtet mit der Handy-Taschenlampe auf unser Essenssackerl und sieht noch das Hinterteil und den Schwanz von der Maus, bevor sie sich rasch verzieht. 

Wenn er schon mal auf ist, kann er auch gleich auf‘s Klo, nicht aber, ohne vorher alles genauestens auszuleuchten, um keine bösen Überraschungen zu erleben. 

 

Dann hängt er das Sackerl mit unseren Snacks auf’s Klo und legt einen Tuc Cracker in mehreren Teilen auf den Boden. Der Plan ist, dass die Maus sich den Keks nimmt und in ihr  Versteck verschwindet. 

In der Früh ist ein Teil des Crackers tatsächlich nicht mehr da, den Rest schmeißen wir in den Mist. 

 

Beim Frühstück bemerken wir, dass wir kein Brot mitbekommen haben. Verhungern werden wir trotzdem nicht, es gibt Speck, Eier, Müsli und Joghurt. Nur die Wurst, den Käse und die Marmelade lassen wir größtenteils über. 

Beim Auschecken mache ich auf diesen Umstand aufmerksam. Oje, das Brot wurde vergessen!

Ob wir stattdessen ein Sandwich wollen?

Wollen wir nicht, aber vielleicht einen kleinen Abzug von der Rechnung? Das war nur gedacht, nicht ausgesprochen.

Nun, sie nimmt hin, dass wir nichts wollen und verrechnet die volle Wäsch‘.

Nachdem ich bezahlt habe, bemerkt sie, dass die Grillanzünder nicht auf der Rechnung waren, sie würde noch 35 Dollar bekommen. 

Da schlage ich ihr freundlich vor, dass sie das gegen das nicht erhaltene Brot gegenrechnet. 

So machen wir einen Deal und jeder ist happy!

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vor dem Desert Inn

Die B4 nach Lüderitz ist sehr eintönig, man schreckt sich direkt, wenn einmal ein Kurve kommt.

119 km sind es bis Kolmanskop, morgen darf Christa die Strecke zurückfahren.

 

Kolmanskop ist eine Geisterstadt. Hier wurde bis 1930 Diamanten abgebaut. Danach ist die Stadt mehr und mehr verfallen und der Sand ist in die Häuser eingezogen. 

Es ist brütend heiß, als wir um halb elf aus dem Auto steigen. Mit Hut, Wasserflasche und Fotoapparat stapfen wir in das Haupthaus, wo die Führungen starten. 

Wir haben eine deutsche Führung, Gisela aus Lüderitz erzählt uns die Geschichte der Stadt und zeigt, welche Häuser sicher sind und welche man eher nicht betreten soll. 

 

Es ist jedesmal eine Wohltat, wenn wir in ein Haus gehen, denn die Hitze bringt mich um. Da nutzt  auch die streife Brise nicht, da fliegt mir höchstens der Hut weg. 

Nach der Führung haben wir noch eine gute Stunde Zeit zum Fotografieren, danach wird Kolmanskop dichtgemacht. 

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Kolmanskop

Schweißgebadet kommen wir nach Lüderitz, wo wir heute im Nest Hotel schlafen. Unsere beiden Zimmer sind nebeneinander und wir haben eine Zwischentür. Das ist nett und praktisch. 

Unser Blick geht in eine kleine Bucht, die Brandung wird uns heute in den Schlaf wiegen. 

 

Sofort stelle ich mich unter die Dusche, beim Ausziehen der Socken setze ich ein kleines Sandhäufchen auf den Teppich. 

Jetzt ist einmal relaxen angesagt, die Internetverbindung ist zwar nicht die beste, aber wir können unsere Accounts aktualisieren. In den letzten Tagen konnte ich meistens nur schnell den Reisebericht hochladen, dann war schon wieder Ende. 

 

Gegen halb vier fahren wir zum Díaz Point. Dort ist es extrem windig und eher unaufregend. Am Heimweg bleiben wir zweimal bei Flamingos stehen, aber die Schisser laufen vor uns davon. 

In Lüderitz gehen wir noch in den SPAR, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auch zur Felsenkirche fahren wir hoch, keine Ahnung, wo eine Aufnahme gemacht werden kann, wo die Kirche von oberhalb fotografiert wird. Wir befinden das aber auch nicht wichtig, überhaupt finden wir an Lüderitz nichts Fotogenes. 

 

Also fahren wir wieder zurück ins Hotel. Dort gelingt es uns endlich, mein VISA Konto aufzufüllen. Jetzt kann ich die Karte gleich beim Abendessen einsetzen.

 

Wir gehen ins Barrel‘s. Dort essen wir Kingklip, ein heimischer Fisch und Erdäpfelsalat. Wir müssen sehr lange auf’s Essen warten, aber alles schmeckt ganz ausgezeichnet. Das Publikum isst Eisbein mit Sauerkraut und johlt zu Wolfgang Petry. Wir verlassen das Lokal, bevor sie vielleicht mit einer Polonäse anfangen und fahren zurück ins Hotel. 

Es ist richtig frisch geworden, der arme Parkboy friert und freut sich über 10 Dollar. 

Restaurant Barrel's in Lüderitz - typisch Namibia eben!

Tag 8 - Samstag, 7.9.19 - Namib - Duwisib Castle

 

 Bei den Semmeln steht ein Schild: Brötchen zum Mitnehmen $ 35.00. Da steigen wohl viele Deutsche ab...

 

In Lüderitz tanken wir den Wagen voll, heute geht es über 350 km bis zum Duwisib Castle.

Plötzlich wuseln fünf Burschen um unser Auto herum, einer tankt, zwei putzen die Scheiben, einer füllt die Reifen auf 2 Bar auf und einer bedient das Kartenlesegerät. Letzteres verweigert aber die Verbindung und ich zahle bar. 

 

Dann besorge ich mir noch in der Pharmacy einen Nasenspray, die trockene Luft macht auch mir arg zu schaffen und Karsten mag seinen nicht mit mir teilen. Einen farblosen Nagellack bekomme hier auch nicht, ich hoffe, dass der Daumennagel auch so hält.

Zum Schluss hebe bei der Bank nebenan 4.000 Dollar ab. Alles mit der Visa, die endlich zu gebrauchen ist. 

Ich war wohl etwas lange weg, denn Karsten geht mich schon in der Pharmacy suchen.

 

Den ersten Teil heute fährt Christa. Es sind sehr viele Trucks von Lüderitz aus unterwegs. Zum Glück ist die Straße so gerade, dass man am Mittwoch schon sieht, wer am Sonntag zu Besuch kommt. 

 

Nach Aus wechselt sie auf die C13, ihre erste Gravelroad oder Pad, wie die unbefestigten Straßen in Namibia genannt werden. 

Sie schlägt sich tapfer und nach 50 Kilometern erlöse ich sie und übernehme wieder das Steuer. 

Ein paar Kilometer weiter geht es auf der D707 weiter. Diese Strecke durch das Namib Rand Nature Reserve soll ja eine der reizvollsten Strecken in Namibia sein. Gleich zu Beginn sehen wir ein Auto auf der Seite, ein Paar im mittleren Alter sind gerade dabei, einen Reifen zu wechseln. Ich halte und Karsten fragt, ob sie Hilfe brauchen. Sie schaffen es allein und wir fahren weiter. 

 

Die Landschaft ist tatsächlich recht ansprechend, rote dünenartige Berge sind rechts des Weges zu bewundern. Wir sind zu bequem, um auszusteigen und Fotos zu machen, deshalb existieren sie nur in unserer Erinnerung. 

 

Auf einmal wird die Straße sehr sandig, ich kann das Auto aber sanft abbremsen. Trotz verminderter Geschwindigkeit schwimmt der Wagen leicht hin und her. Zu langsam möchte ich aber auch nicht fahren, denn da beutelt‘s uns auf der Wellblechpiste ganz schön durch. 

Der mächtige Wagen fährt wie auf Schienen, doch nicht so, wie ich will! 

Er fährt geradeaus, obwohl ich das Lenkrad stark eingeschlagen halte. Zum Glück ist die Fahrbahn sehr breit, da habe ich Platz zum Korrigieren, wenn sich‘s anders überlegt. 

Whoa! Plötzlich schießt der Wagen auf die Böschung zu - ich muss gleich zweimal gegensteuern, das war knapp! 

Das ist mir dann doch ein bissl zu viel Abenteuer!

 

Zu unserer aller Erleichterung wird die Straße nach ein paar Minuten wieder geröllartiger, dafür scheppert der Wagen, dass man glauben kann, er bricht gleich auseinander.

Mein Mantra in diesen Situationen: Dafür wurde dieser Wagen gemacht, dafür wurde dieser Wagen gemacht, dafür wurde dieser Wagen gemacht....

 

Es folgen alle paar Kilometer tiefsandige Stellen, ich schalte den 4L dazu und wieder weg - dazu muss ich jedes Mal den Wagen anhalten - hoffentlich bleiben wir nicht stecken!

Bei der nächsten strandartigen Stelle schalten wir sogar die Differentialsperre dazu, da komm ich ganz schwer von der Stelle und fürchte schon, dass der mir der Motor absäuft. Erst im dritten Gang und bei 35 kmh hab ich das Gefühl, dass was weitergeht. 

 

Alles in allem kein Vergnügen, so zu fahren. Obwohl gegen Ende der D707 die roten Dünen schön anzusehen sind, ist die Gegend ist jetzt für uns nicht so toll, dass man deswegen einen  Umweg fährt. Aber die Zeit, die Google Maps vorgegeben hat, haben wir 1:1 eingehalten. 

 

Um 14:30 kommen wir beim Duwisib Castle an. Ich fahre zur Rezeption des Guesthouses, weil man sich dort anmelden muss. Wie sich herausstellt, habe ich gar nicht für das Castle selbst gebucht, sondern für das Guesthouse. Da aber noch nichts bezahlt ist, dürfen wir gerne auch im Castle wohnen, obwohl die beiden nicht zusammengehören.

Also fahren wir die paar Meter zum Castle und schauen uns dort die Zimmer an. Die sind sehr düster und burgartig eingerichtet. Karsten und ich täten sie schon gefallen aber Christa hat ein ernsthaftes Problem damit. Sie findet ihr Zimmer ganz furchtbar, würde aber trotzdem bleiben, wenn wir wollen.

Deshalb fahren wir wieder zurück zum Gästehaus und schauen uns auch diese Zimmer an. Dann bleiben wir dort.

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Duwisib Castle

Am Pool stecke ich kurz die Zehen ins Wasser - brr, viel zu kalt!

Karsten sieht das sportlich und springt kopfüber hinein. Ich halte diese Mutprobe auf einem Video fest.  

 

Dann setzen wir uns näher zur Rezeption, weil es nur dort eine Verbindung mit dem Internet gibt. Christa ist in Sorge, weil Phoebe bei ihrer Gastfamilie vor ein paar Tagen Durchfall hatte. Durch die schlechten Internetverbindungen der letzten Tage, wußte sie nicht, wie es der armen Maus geht.

Jetzt kommt die Entwarnung und wir verdrücken alle ein paar Tränen, weil das so sehr an ihr gezehrt hat.

 

Der Besitzer kommt vorbei und begrüßt uns auf deutsch. Wir erhalten die Erlaubnis, mit der Drohne zu fliegen, was wir zum Sonnenuntergang auch machen. 

Um 7 Uhr gibt es Abendessen, das der Hausherr selbst serviert und auch mit uns einnimmt. 

Es gibt namibische Hausmannskost: Oryxgulasch und Bobotie, ein Auflauf aus faschiertem Oryx. Dazu gibt es Reis, Erdäpfel, Karotten und Salat. 

Als Nachspeise gibt es Vanillepudding, da muss Karsten den Lars holen, der schon seit Tagen danach lechzt. 

 

Die Unterhaltung mit Jochen ist sehr interessant, wir erfahren vieles über die Lebensweise in Namibia. Seine Eltern sind 1930 hierher ausgewandert und haben eine Farm in Mariental gegründet. Durch die anhaltende Dürre lebt er inzwischen von den Einnahmen des Guesthouses. 

 

Er kommt ja nicht viel herum, ist allerdings durch seine Gäste gut informiert. 

Wir kommen auf Kolmanskop zu sprechen, da ruft er etwas missbilligend aus: „Die Gisela und ihre Schlangen!“ Diese hatte uns ja vehement vor den hochgiftigen Schlangen in der Geisterstadt gewarnt. 

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Glanzstar

Gesehen hat er sie noch nie, sie ist ihm aber von Erzählungen sehr bekannt. 

Auch die Besitzerin des Quivertree Rast Camps ist ihm nicht fremd. Dort war er noch nie, weiß aber, dass sie alles verkaufen möchte. Das ist nicht so einfach, in Namibia muss jedes Farmland zuerst der Regierung angeboten werden, die es zu einem festgelegten Marktwert kaufen kann. 

 

Zum Fahren mit Allrad meint er, dass der 4L auf jeder Gravelroad eingeschaltet werden soll.

Die Mietfirmen raten nur davon ab, damit der Vierradantrieb geschont wird. 

 

Ich habe im Vorfeld in vielen Reiseberichten gelesen, dass die Namibiabesucher - insbesondre die schon öfter hier waren - Kleidungsstücke mitnehmen und hier verteilen. Daraufhin haben wir eine Hose und drei Hemden, die Karsten nicht mehr anzieht, mitgenommen. Außerdem kam das T-Shirt mit, das er von mir zum Geburtstag bekommen hat. Die Chinesen haben halt andere Grössenangaben als wir...

Wir werden unser mitgebrachtes Gewand hier lassen, seine Angestellte Belinda verteilt die Sachen an Leute, die sie brauchen können. 

 

Um zehn Uhr verabschieden wir uns und gehen in unsere Zimmer.

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unter dem Äquator ist der Halbmond etwas von oben herab...

Tag 9 - Sonntag, 8.9.19 - Sesriem

 

In der Nacht tobt ein Sturm, dass man glauben könnte, das Dach wird gleich abgetragen.  

Trotzdem schlafen wir sehr gut und stehen frischfröhlich um 8 Uhr zum Frühstück bereit. 

Jochen bereitet alles vor und setzt sich wieder zu uns. Wir sind ja die einzigen Gäste. Wir plaudern über eine Stunde lang angeregt. Dann bringen wir das Gewand und machen uns auf die Weiterreise. 

 

Die C27 nach Sesriem ist eine Herausforderung. Durch den Sturm wird der Wüstensand wie Schneewehen über die Straße geweht. Zeitweise so arg, dass ich keine 5 Meter weit sehe. 

Gleich zu Beginn versuchen wir es wieder mit dem Vierradantrieb, doch es ist sinnlos: es erfolgt fast keine Kraftübertragung im ersten oder zweiten Gang. Im Dritten fährt der Wagen mit 4000 Umdrehungen 50 kmh. Also schalte ich ihn wieder weg.

Vielleicht kann mir jemand in Sesriem sagen, ob das normal ist. 

Andernfalls glaube ich nicht, dass ich mich so auf die 5 km lange Tiefsandpiste zum Sossusvlei traue. 

 

Ich kämpfe mich wahrlich die Straße entlang. Der Wagen ist wie ein bockiges Pferd unter mir, es geht über so schlimme Waschbrettpisten, dass wir glauben, es zerlegt das Auto. Ich traue mich aber auch nicht schneller als 65 kmh zu fahren, weil der Wagen dann zu schlingern beginnt. Diese Fahrerei benötigt ständige Konzentration, auf die Landschaft rundherum kann ich kaum achten. Auch für den Orxy am Straßenrand habe ich kaum ein Auge. Ich bin über jeden Kilometer froh, der halbwegs „normal“ zu fahren ist. 

 

Die letzten 4,7 Kilometer von Sesriem zum Desert Quiver Camp toppen dann noch alles. Das freut mich ganz besonders, denn diese knapp 5 km müssen wir jedesmal überwinden, wenn wir zum Essen fahren. 

 

Im Camp angekommen finde ich zunächst keine Rezeption, alle Tents schauen gleich aus. Zum Glück haben wir Christa mit, die sieht solche Dinge gleich. Beim Anmelden teilt man uns mit, dass weder Frühstück noch Abendessen im Preis inkludiert ist. Ich bin mir aber sicher, dass wir inkl. Frühstück gebucht haben, leider sind die Voucher schon einkassiert. 

 

Wir haben die beiden letzten Häuschen, die angenehm windstill und sandlos sind. Draußen weht ein starker heißer Wind den Sand vor sich her, wie ein Haarfön auf Stufe 2. 

 

Wir richten uns ein und fahren zurück zur Rezeption, um uns zum Pool zu legen. Ich habe in der Zwischenzeit meine Mails gecheckt und die Bestätigung, dass wir das Frühstück sehr wohl dabei haben. 

Wahrscheinlich hat man nur auf die eine Buchung von Christa geschaut, wo es nicht dabei ist. 

Wir regeln das in der Rezeption und begeben uns zum Pool.

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der Pool im Desert Quiver Camp

Karsten und ich schmeißen uns todesmutig in das 19 Grad kalte Wasser. Wenn man einmal drin ist, geht’s eigentlich.

Später kommen noch zwei Gäste, die sich neben uns legen und einen Schirmständer heranrollen. 

Plötzlich hebt es den geöffneten Schirm aus dem Ständer und eine Ecke des quadratischen Schirmes knallt ein paar Zentimeter neben Christa‘s Gesicht auf den Boden!

Das hätte wirklich schlimm ausgehen können!

In Folge trauen sich die beiden Franzosen nicht mehr den Schirm zu öffnen. 

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Am späten Nachmittag fahren wir zum Sesriem Canyon. 

Bei der Einfahrt werden wir von einem Kontrolleur aufgehalten, der uns in recht forschem Ton fragt, wo wir hinwollen. Der muss früher beim Militär gewesen sein. Dann schickt er uns zur Anmeldung, wo wir den Eintritt bezahlen dürfen. 

Ich nehme gleich die Einfahrtserlaubnis für morgen mit, damit wir uns in der Früh nicht damit aufhalten müssen. 

 

Zum  Canyon sind es 4,5 km. Vom Parkplatz geht es gleich bergab in den kleinen Canyon. Der ist nicht weiter aufregend, wir gehen ihn einmal auf und ab und fotografieren. Zum Schluss erwische ich noch einen Tok Tokkie Beetle.

Sesriem Canyon

Tok Tokkie Beetle

Zurück in Sesriem frischen wir unsere Wasservorräte auf und ich lasse einen Mann von der Tankstelle kurz hinters Steuer, der mit bestätigt, dass die schwache Kraftübertragung beim Vierradantrieb normal ist. 

 

Das Nachtmahl nehmen wir in der Sossusvlei Lodge ein. Sehr romantisch unter freiem Himmel, der Mond über uns.

Es gibt Buffet und zwar reichlich. So reichlich, dass ich eigentlich nach dem Vorspeisen satt bin. Auf einem großen Platz gibt es verschiedene Grillstationen, diesmal lasse ich das Fleisch aus und hole mir Gemüse mit Nudeln und Fleisch, das von zwei netten Damen auf der Grillplatte zubereitet wird. 

 

Zu meiner Schande muss ich die Hälfte davon übrig lassen, für die Nachspeisen muss auch noch Platz bleiben. Die Auswahl ist gewaltig, da kommen natürlich auch drei Stück mit und nehme noch ein paar Weintrauben von der Dekoration mit. 

Nach einem Bissen und den Weintrauben muss ich w.o. geben, sonst zerreißt‘s mich noch. Die Suppe und die Semmel zu Beginn waren definitiv zu viel des Guten!

 

Wir wollen gehen und ich schau mich nach unserem Kellner um. Es ist überhaupt niemand vom Personal zu sehen. Da ich sonst auch niemanden zahlen gesehen habe, nehme ich an, dass das auf die Zimmernummer geht. 

Wir sitzen schon im Auto und parken aus, als unser Kellner aus der Dunkelheit auftaucht und uns deutet. Ich lasse das Seitenfenster runter und frage, ob wir etwas unterschreiben müssen. Nein, aber die Rechnung bezahlen. 

Herrschafts, da werden wir noch als Zechpreller in Namibia enttarnt!

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wunderbares Ambiente in der Sossusvlei Lodge

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Tag 10 - Montag, 9.9.19 - Sossusvlei - Dead Vlei - Elim Dunes

 
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Morgenstimmung im Desert Quiver Camp

Um 6:30 vermeldet der Wecker, dass es Zeit zum Aufstehen ist. Es ist noch dunkel, im Osten sieht man schon einen hellen Streifen und die Scheinwerferschlange, die vom Desert Camp in Richtung Sossusvlei unterwegs ist.

Wir holen von der Sossusvlei Lodge unseren Frühstückskorb und reihen uns in die Schlange derer, die vor dem Tor auf die Einfahrt in den Sossusvlei warten. Ich schätze so 40 Autos, die hier bereits angestellt sind. Pünktlich um 7:15 setzt sich die Autoschlange in Bewegung und die Ralley zum Dead Vlei beginnt. Offiziell sind 60 kmh erlaubt, das fährt hier wohl keiner. Wir halten uns an ca. 80 kmh, werden aber ständig auf der asphaltierten Straße überholt. 

 

Die Dune 45 ist eine Enttäuschung. Der Parkplatz ist für ein Foto viel zu nahe an der Düne und es sind viel zu viele Leute da. Hier frühstückt eine Busladung Deutscher und dort steigen viele Andere im Gänsemarsch die Düne hoch. 

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Dune 45 (Foto von Christa)

Da es am Weg hierher viele nette Dünen in der Morgensonne gibt, fahren wir weiter und bleiben hie und da im Straßenrand stehen. Mit einer oder zwei EV Unter-belichtung schauen die Dünen im Morgenlicht super aus, klar setzt sich der Schatten vom roten Sand ab. 

Wir lassen auch den Nikki fliegen, der war eigentlich vor der Dune 45 geplant, aber...

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am Weg zum Dead Vlei gibt es viele schöne Dünen

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und das Making Of dazu

Flying Nikki im Sossusvlei

Wir erreichen den 2x4 Parkplatz. Hier entscheidet sich, wer die letzten 5 km im Tiefsand wagt oder lieber in den Shuttle umsteigt. Christa wäre für den Shuttle, mir ist aber heute nach Abenteuer. 

Karsten lässt bei allen vier Reifen mit dem Taschenmesser die Luft aus, mit dem Kompressor messen wir nach, bis alle nur noch 1 Bar Luftdruck haben. 

 

Eigentlich war der Plan, dass ich einem Shuttle nachfahre, aber jetzt ist grad keines da. Also hole ich geistig tief Luft, stelle den Regler auf 4L und fahre los.

Behäbig rollt der Wagen mit 10 kmh los, im zweiten Gang erreicht er immerhin 13 kmh.

So pflügen wir langsam durch den Sand. 

Gleich nach ein paar Metern hat sich schon das erste Auto eingegraben, vorsichtig - ja nicht stehenbleiben! - fahre ich an der Seite vorbei. 

 

Es gibt keine richtige Fahrbahn, man kann aber diversen Spuren folgen, die sich streckenweise bis zu 20 Meter ausbreiten. Ich suche mir solche aus, wo der Sand nicht ganz so tief wirkt. Aber das täuscht oftmals und ich bin wieder tief im Sand. Langsam, solange ich fahre, ist alles gut!

Jetzt betet Karsten schon mein Mantra herunter: „Dafür wurdest du gebaut!“

 

Etwas später kommt wieder eine griffigere Stelle, da schalte ich auf den den Gang, da geht der Wagen schon etwas leichtfüßiger und erreicht 22 kmh.

Der nächste Wagen, der sich eingegraben hat. Und da drüben schon wieder einer. Aber alle diese Autos haben keinen so hohen Radstand wie unser Ford Ranger.

„Wir haben schon 2,4 km geschafft!“ sagt Karsten. 

 

So geht es dahin, manchmal leichter, manchmal schwieriger. Aber immer in Bewegung. 

 

Und dann haben wir es tatsächlich geschafft! Wir sind am 4x4 Parkplatz, wo auch schon jede Menge Autos stehen. Ein hiesiger Chauffeur weicht spaßhalber ängstlich zurück, angesichts unseres enormen Tempos. Aber wir sind da!

 

Ich suche uns einen der letzten Schattenplätze, in der Hoffnung, dass der Schatten auch noch auf unser Auto fällt, wenn wir vom Dead Vlei zurück sind. 

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für die letzten 5 Kilometer wird der Reifendruck reduziert

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Karsten sucht noch schnell das örtliche WC auf und dann gehen wir los. Wir beginne den Aufstieg zu Big Daddy, der größten Düne der Welt. Anfangs geht es ganz gut, der Wind kühlt ein bißchen die feuchte Stirn. Doch je höher wir steigen, umso mühevoller wird es und mir bläst es fast den Hut vom Kopf. Ich binde ihn mir, in Ermangelung einer Schnur, mit meinem Fernauslöserkabel fest. Hauptsache, der Hut fliegt nicht davon.

Etwa auf der Hälfte befinden wir, das es uns reicht. 

Karsten macht den Anfang und schiebt sich die steile Düne hinab zum Dead Vlei. Ich mache noch ein paar Bilder von oben, damit der Weg nicht umsonst war und folge ihm nach, eine kleine Sandlawine vor mich herschiebend. 

Aufstieg zur Big Daddy Dune

Dieser kleine Kerl hatte es durch sein geringes Gewicht auf dem rutschigen Sand etwas einfacher als wir.

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Ausblick von halber Höhe der Big Daddy Dune auf das Dead Vlei

Dann stehen wir alle drei im Dead Vlei, der Ort, durch den diese Reise begonnen hat. Die schwarzen Bäume vor den roten Dünen und dem blauen Himmel im Hintergrund. 

Der Vlei ist recht weitläufig, die Leute verteilen sich darin und jeder bekommt seine Motive mehr oder weniger menschenleer. 

Ich versuche mich auch mit ein paar Kugelfotos und bin recht zufrieden damit. 

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Dead Vlei

Nach einer guten halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg. Von wegen, dass der weniger anstrengend ist. Das Stapfen im tiefen Sand geht schön an die Substanz!

 

Dafür werden wir beim Auto mit einem üppigen Frühstück belohnt, vorher leeren wir noch eine Tonne Sand aus unseren Schuhen.

Auf der Laderampe richtet Karsten Brot, Wurst und Käse, Butter und Marmelade, Kaffee und Tee an. Im Korb haben wir noch Cornflakes, Joghurt, Obst und einen Fruchtsaft. 

Bald haben wir Gesellschaft, viele Vögel umschwirren uns und hoffen auf einen Leckerbissen. 

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Nach der Wanderung genießen wir das Frühstück von der Sossusvlei Lodge.

Zurück geht es wieder sehr gemächlich, wieder umfahren wir ein paar Autos, die sich im Sand eingegraben haben. Zurück am Parkplatz bin ich sehr stolz, dass ich dieses Abenteuer so gut geschafft habe!

 

Mit dem Kompressor  werden die Reifen wieder auf die üblichen 2 Bar aufgepumpt und dann freuen wir uns schon alle auf eine Dusche im Camp.

Zwischen unseren beiden Hütten steht ein Oryx.

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Ein Oryx schlendert durch das Desert Quiver Camp.

Den Nachmittag verbringen wir wieder am Pool, das Wasser ist immer noch eiskalt, aber man gewöhnt sich dran. Hier bekommen wir eine Internetverbindung und können unsere Facebook-Accounts  wieder aktualisieren. 

 

Um 6 Uhr fahren wir noch einmal durch das Gate und statten der Elim Dune einen Besuch ab. Bis zum Sonnenuntergang können wir nicht bleiben, denn das Gate schließt um 18:45.

Trotzdem gelingen noch ein paar stimmungsvolle Bilder

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Elim Dune

Zum Nachtmahl gibt es noch einmal das herrliche Buffet in der Sossusvlei Lodge, allerdings sehr gemäßigt. 

Wieder läuft uns unsere Kellnerin nach, diesmal mit Christa’s Jacke. 

Tag 11 - Dienstag, 10.9.19 - Solitaire - Tropic of Capricorn - Swakopmund

 

6:28 In zwei Minuten geht der Wecker an, wir wollen heute früh los. 

Während ich checke, dass wir nichts vergessen, wuchtet Karsten die beiden Ersatzreifen wieder übereinander, die sich beim Fahren verschoben haben. 

 

Um sieben holen wir Christa ab und fahren zum Auschecken. Hinter der Rezeption stehen ein paar  Gnus. Wir greifen uns unsere Fotoapparate und  verfolgen sie zum Pool, wo sie sich am grünen Gras gütlich tun. 

Mit aller gegebenen Vorsicht pirschen wir uns bis zur Bar vor und können schöne Bilder machen. Es kommt sogar zu einem kleinen Kampf zwischen zwei Bullen. Der Barkeeper fragt, ob wir schon gute Fotos haben und dann verscheucht er die Gnus. 

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morgentlicher Besuch einiger Gnus am Pool im Desert Quiver Camp

Nach dem Frühstück lassen wir auf der Tankstelle den Reifendruck messen und tatsächlich müssen alle vier Reifen mit Luft gefüllt werden.  

 

Dann sind wir wieder on the road. Die C27 und die C19 bis Solitaire sind Hardcore, da ist die Fahrerei wahrlich kein Vergnügen. In Solitaire fotografieren wir die rostigen Autowracks am Gelände, die berühmten Apfelkuchen schenken wir uns. 

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Solitaire

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der Klassiker am Wendekreis des Steinbocks - ich bin schon etwas behäbiger

Danach wird die Gegend interessanter, wir fahren über den Kuiseb Pass. Wir bleiben aber nicht stehen, unser Ziel ist der Viewpoint des Kuiseb Canyons. 

Wir erreichen die Abzweigung und sehen, dass wir zur Weiterfahrt ein Permit benötigen. Keine Ahnung, wo wir das bekommen hätten, also fahren wir weiter. 

 

Ab dem Pass wird die Straße merklich besser, meistens ist die glatt wie geteert und die erlaubten 100 kmh lassen sich angenehm fahren. 

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Perlhühner in Swakopmund

Kurzer Stopp bei der Düne 7, kurz vor Walvis Bay. Die ist mäßig spannend, die frische Luft ist aber eine Wohltat nach der Hitze der letzten Tage. Auf Asphalt geht es jetzt nach Swakopmund und direkt zu den Sandcastle Apartments. Hier haben wir für die nächsten 3 Nächte gebucht.

 

Silke begrüßt uns auf deutsch und gibt uns viele Ratschläge für unseren Aufenthalt in Swakopmund und unsere weitere Reise. Das ist sicher lieb gemeint, aber wir werden trotzdem an unseren Plänen festhalten und keine zeitlichen Experimente wagen.

 

Das Apartment ist groß, drei Schlaf- und zwei Badezimmer. Außerdem zwei Aufenthaltsräume und eine voll eingerichtete Küche. Es hat eine Sicherheitsanlage, der Alarm muss immer ein- und ausgeschaltet werden. Hoffentlich vergessen wir das nie. 

 

Um 16 gehen wir zu Fuß die Promenade am Meer entlang in die Innenstadt. Der Himmel ist  bedeckt und es hat 17 Grad. Da brauche ich direkt mein Flanellhemd, warm ist mir trotzdem nicht. 

Im Mole Park hören wir lautes Gackern. Eine Horde graugesprenkelter Vögel überquert die Straße und macht dabei so ein Theater. Wir halten natürlich sofort mit der Kamera drauf.

Ein netter Schwarzer auf dem Fahrrad klärt uns auf, dass es sich um Perlhühner handelt. 

Er erzählt weiter, dass er aus Damaraland stammt und sagt seinen Namen in der seltsamen Klicksprache. Dann fragt er Christa nach ihrem Namen und jetzt sehen ich auch die geschnitzten Nüsschen in seiner Hand. Die hat er wohlweislich bisher verborgen. 

Dabei hab ich die beiden vorher noch über die „Nüsschenmafia“ aufgeklärt, doch er war wirklich gewieft. Zack, hatten er schon in ein Nüsschen CHRISTA geschnitzt. 

Christa nimmt‘s mit Humor: „Dann haben wir wenigstens eines zum Herzeigen für den nächsten Nussschnitzer.“

Er will 200 Dollar, dann 100 Dollar. Ich gebe ihm 80 Dollar und gut ist‘s. 

Ein paar Schritte weiter ist Karsten dran, der kann sich aber durch eine schnelle Flucht retten. 

Zum Nachtmahl gehen wir in den Western Saloon. Silke hat uns vor dem etwas ruppigen Besitzer gewarnt. Ein Bär von einem Mann, da traut man sich keine Widerworte geben. Zu uns ist er aber ganz freundlich. Er spricht uns gleich auf deutsch an und wir essen sehr gut. 

 

Der Wirt ruft uns noch ein Taxi, das uns zurück zu unserer Unterkunft bringt. Der Fahrer wartet, bis wir durch die Eingangstür sind. 

 

Es ist sehr kalt im Apartment, ich greife auf einen alten Trick aus Schulskikurszeiten zurück und lassen den Fön ein wenig im Wohnzimmer laufen.

Karsten streamt die Keynote von Apple, wir kommen zu dem Schluss, dass wir alle drei das neue iPhone 11 Pro brauchen!

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Swakopmund

Tag 12 - Mittwoch, 11.9.19 - Sandwich Harbour Bay Tour

 

Heute hab wir es eilig in der Früh. Für die Sandwich Harbour Bay Tour werden wir um 7:30 abgeholt und das Frühstück wird um 7 Uhr gebracht.

Silke kommt pünktlich und tischt ordentlich auf. Wurst- und Käseplatte, Toast, Müsli, Joghurt, Obstsalat und weiche Eier.

Gott sei Dank kann ich schnell essen, denn der Tourguide ist pünktlich. Ich winke ihm durch das Fenster zu, damit er weiß, dass wir gleich kommen.

 

Jacques führt mit seinem Bruder J.P. die Red  Dune Safaris Namibia und er ist auch heute unser Guide. Er erinnert mich an Jorge Garcia, der Jerry aus Hawaii 5.0. 

Wir fahren nach Walvis Bay zur Flamingokolonie. Karstens 600er Objektiv kommt sogleich zum Einsatz, weil die Schisser immer gleich Reissaus nehmen. 

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Flamingos in Walvis Bay

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für die Sandwich Harbour Tour habe ich mir lieber einen Guide genommen

Wir haben Glück, die Flut ist heute nicht so stark wie gestern und wir können zur Sandwich Harbour Bay fahren. Da die Dünen hier direkt am Meer enden, hat man nur ein 2 Stunden Fenster, um wieder zurück zu fahren. Wenn man diesen Slot verpaßt, muss man 6 Stunden warten, bis der Strand wieder befahrbar ist. 

Der Strand ist nur während der Ebbe befahrbar

In den Dünen liefert uns Jacques eine wilde Berg- und Talfahrt, es geht oft scheinbar senkrecht bergab. Christa konzentriert sich  darauf, dass ihr Mageninhalt dort bleibt, wo er hingehört. 

 

Auch wenn er ständig beteuert, dass wir heute ein tolles Wetter haben, fehlt mir doch ein wenig die Sonne, denn obwohl die Dünen sehr beeindruckend  sind, fehlt es doch an Kontrast. 

Da muss wieder in der Post Production nachgearbeitet werden. 

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Sandwich Harbour Tour

Um die Mittagszeit baut Jacques einen Lunch auf, während wir in den Dünen seltsame runde Früchte fotografieren. Es gibt verschiedene Finger Food, alles schmeckt ausgezeichnet. Christa sitzt dabei die meiste Zeit im Sand und fotografiert die Gestreiften Namib Mäuse, die neugierig aus dem grünen Geflecht hervorlugen.

Uns nerven derweil die Sandflies, die sich mit Vorliebe in den Haaren festsetzen. 

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Gestreiften Namib Mäuse

Bei der Wildtierbeobachtung sind wir nur mäßig erfolgreich und sehen nur ein Rudel Springböcke. 

 

Zum Abschluss fahren wir noch zum Pelican Point, dort gibt es viele Seehundkolonien. Die putzigen Tiere sind ja lieb - bis sich der Wind dreht! 

Dann werden wir wieder zum Apartment gebracht. 

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Pelican Point

Dort gleich unter die heiße Dusche und trotzdem frieren wir uns den Allerwertesten ab. Wir sitzen in unseren Jacken um den Tisch und schlottern. Unglaublich, dass wir vor zwei Tagen noch vor Hitze fast umgekommen sind. 

 

Das Tug erinnert mich per Mail, dass wir für heute eine Reservierung haben. Heute nehmen wir aber das Auto und ich überlege kurz, auf welche Seite ich zum Fahrersitz muss und gehe zielstrebig auf die Beifahrerseite! 

 

Im Tug bekommen wir den besten Tisch des Restaurants mit Blick auf die Jetty. Eine laute Gruppe Amerikaner sitzt am Nebentisch, die Leute kommen zu uns, um zu fotografieren. Tja, wir sitzen da! 

Christa hat unseren Wagen im Blick und wundert sich, dass hie und da die Lichter an- und ausgehen. Da ich nicht sicher bin, ob ich abgesperrt habe, mache ich das vom Lokal aus.

Den armen Parkwächter reißt‘s, als plötzlich alles aufblinkt. Dann schaut er zu uns rauf und wir strecken beide den Daumen in die Höhe. 

 

Es gibt keinen schönen Sonnenuntergang, deshalb mache ich ein HDR. Das wird sicher auch ganz  schön. 

Das Essen ist noch einen Zacken besser als alles, was wir bisher hatten. Karsten‘s Steak ist so hervorragend, dass „perfekt eine Untertreibung wäre“. 

 

Vor dem Tug steht eine kleine Gruppe Namibier in landestypischer Kleidung und singt uns zum Abschied ein Ständchen. Sie freuen sich ebenso über einen 10 Dollar Schein wie der Parkwächter. 

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die Jetty in Swakopmund

Tag 13 - Donnerstag, 12.9.19 - Tommy's Living Desert / Moon Landscape Tour

 

Um 7:50 werden wir von Tommy’s Little Desert Tour abgeholt. 

Es ist aber nicht Tommy, der vor unserer Tür steht, sondern Chantelle, die sich mit einem Faustschlag vorstellt. Die Enttäuschung, dass jetzt doch nicht Tommy mit uns die Tour macht,  ist zunächst groß, legt sich aber mit der Zeit, da Chantelle sehr lustig ist und recht gut deutsch spricht. 

Ich setze mich gleich auf den Beifahrersitz. Das Wetter ist heute prächtig, die Sonne lacht vom blauen Himmel. 

 

Wir holen noch vier Deutsche ab und treffen vor der Einfahrt in den Dorob Nationalpark zwei weitere Geländewägen, noch mehr deutsche Touristen. 

Um den Reifendruck zu reduzieren, steckt sie in jeden Reifen einen Pin. Es dauert seine Zeit, bis die Reifen auf 0,7 bzw. 1 Bar reduziert sind. 

 

Gleich zu Beginn erklärt Chantelle wie die Dünen entstehen, dass man auch auf die kleinsten Lebewesen achten soll und wie wir uns auf der Tour zu bewegen haben. Bestenfalls im  Gänsemarsch, damit wir so wenig wie möglich zerstören. 

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Sie hat Argusaugen und findet winzige Käfer und das Loch einer Tunnelspinne. Spinnen werden seit ein paar Jahren nicht mehr ausgegraben, weil es mehrere Wochen dauert, bis die Spinne wieder einen Tunnel gebaut hat. 

 

Dann entdeckt sie eine Sandviper, die bis zu den Augen eingegraben ist. Sie macht mit allen Fotoapparaten Bilder von den Augen der Schlange, dann holt sie sie aus dem Sand.

Sandviper

Wir fahren in die Dünen. Plötzlich stoppt Chantelle den Wagen und springt raus. Ein Fog Baskin Beetle - das sind die schwarzen Käfer, die wir en masse im Desert Quiver Camp gesehen haben - quert vor uns die Spur. Sie nimmt ihn auf und setzt in auf der sicheren Düne wieder ab. Gleich darauf sieht sie eine Schaufelnaseneidechse und fängt sie behende ein. 

 

Während sie zum dem Reptil etwas erklärt, machen wir Bilder. Sie ist total aufgeregt, als sie einen goldenem Palmato Gecko findet, weil die so selten sind. Später buddelt sie auch noch einen pinken Gecko aus und setzt beide nebeneinander. So können wir den Unterschied erkennen. 

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Schaufelnaseneidechse

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Palmato Gecko (Foto von Christa)

Goldie und Pinkie

Zwischen den Tierbeobachtungen fahren wir durch die herrliche Dünenlandschaft, die heute im Sonnenschein viel eindrucksvoller ist als  gestern. 

 

Die anderen Teilnehmer sind teilweise ein bissl nervig, wenn sie z.B. Christa vor die Linse hüpfen oder nicht hintereinander dem Tourguide folgen. 

 

An einer Stelle ruft Chantelle in die Landschaft und mit einem Mal fliegt ein kleiner weißer Vogel zu ihr. Es handelt sich um einen Wüstenschmätzer, der gerne die angebotenen Mehlwürmer annimmt. Er folgt uns auch zu einem kleinen Rastplatz, wo wir Schokolade, Nüsse und etwas zu trinken bekommen und lässt sich aus der Nähe fotografieren. 

 

Chantelle sucht aber nach Petra, die vor 5 Tagen ihre Eier ausgebrütet hat. Sie kommt auch bald geflogen und nimmt die Mehlwürmer mit in ihr Nest, wo sie sie an ihre Jungen verfüttert. Und wir sind live mit der Kamera dabei. 

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Chantelle und Petra

Zum Schluss suchen wir noch ein Chamäleon, finden aber nur eines seiner Babies. Hier müssen wir uns sehr vorsichtig und langsam bewegen, denn ein Chamäleon hat total scharfe Augen. Leider kann Chantelle den Kleinen nicht mit Mehlwürmern locken, da sich jedesmal einer der Deutschen zu heftig bewegt. 

 

Dann ist die Tour vorbei und wir verabschieden leichten Herzens den Rest der Truppe. 

Die Nachmittagstour machen wir mit Chantelle alleine.

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Durch den hohen Eisenanteil des Sandes gibt es auf den Dünen schöne Zeichnungen.

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einmal mit dem Magneten durch den Sand gewischt

Zunächst geht es an eine Tankstelle, wo die Reifen wieder auf 2 Bar gefüllt werden. Dort treffen wir auch auf Tommy, der zu uns rüberkommt, um sich eine Weile nett mit uns zu unterhalten. Er nimmt mein Geld ohne nachzuzählen. „Ich zähle nie das Geld“, sagt er. 

 

Die Tour führt uns zum Moon Landscape und den Welwitschia-Trail. Bevor wir die Mondlandschaft sehen, bekommen wir noch eine Einführung in die Welt der Flechten. Chantelle ist hier wie bei den Tieren voller Enthusiasmus, man merkt ihr an, dass ihr der Job viel Spaß macht. 

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Moon Landscape 

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Hier zeigt Chantelles wie sich die Flechten bei Feuchtigkeit zusammenrollen.
In Folge werden sie mit dem Wind über den Boden gerollt und können sich so weiterverbreiten.

Zum Mittagessen fahren wir in die Goanikontes Oase. Dort wimmelt es vor Hühnern und anderem Getier. Da ist zum Beispiel eine kleine Schlange, die sich in einer rostigen Teekanne gefangen hatte und hier aufgepäppelt wird. Chantelle ist begeistert, dass sie sich so gut erholt hat und sie sich den Weg zum Tierarzt spart.

Chantelles Findelkind

Wir fahren durch das ausgetrocknete Flussbett des Swakop, Chanetelle sichtet jede Menge Tierspuren und wir sehen von der Ferne Strauße und Klippspringer. 

 

Am Welwichita Trail bekommen wir jede Menge der Staatsblume Namibias zu sehen. Schön sind diese Bäume ja nicht, sie schauen eher wie ein kaputter Autoreifen aus.

 

Während der Tour erzählt uns Chantelle von ihren vielen Chamäleons, die sie gesund pflegt und anschließend wieder in die Freiheit entlässt.

 

Mit ein paar schönen Bildern des zerrissenen Lehmbodens, der von der letzten Überschwemmung vor einigen Jahren herstammt, beschließen wir diesen wunderbaren Tag. 

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die Welwitschie von unten

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die Welwitschie ist die Nationalblume Namibias

unser Tourbus vor dem ausgetrockneten Lehmboden

Ich bin seit fast zwei Wochen auf der Suche nach einem farblosen Nagellack - ein fast aussichtsloses Unterfangen in Namibia. Hier in Swakopmund gäbe es genug Geschäfte, doch wir sind zu den Öffnungszeiten selbst unterwegs.

Heute hat noch die Oceans View Shopping Mall bis 20 Uhr geöffnet, also fahren wir vor dem Nachtmahl noch schnell hin.

 

Karsten gibt die Adresse in den TomTom ein, der macht irgendein Update und mit einem Schlag haben nur noch die Europakarte drauf. Gar nicht gut! Auch ein Neustart ändert nichts an der Situation. 

Wir können aber jetzt im Auto nichts machen, das müssen wir uns im Wlan anschauen.

 

Karsten lotst mich mit Google Maps in das Einkaufszentrum, wo es erstaunlicherweise auch keinen Nagellack gibt. Dafür bekommen wir abgepackte Taschentücher, ebenso eine Rarität in diesem Lande. 

 

Zurück am Parkplatz - das erste Mal ohne Parkwächter - möchte der Lenker des Wagens schräg vor mir einsteigen und ich fahre langsam zurück, um Platz zu machen. 

Ein dumpfer Schlag - es steht ein Kleinwagen hinter meinem Kübel, den ich in keinem der drei Spiegel erkennen kann. 

Ich schaue nach, es ist nichts passiert, maximal eine kleine Delle im Nummernschild. 

Wir warten trotzdem noch ein Weile, aber es kommt niemand und so fahren wir schlussendlich weiter. 

Für das Nachtmahl haben wir das „Old Steamer“ ausgesucht. Das liegt ganz im Süden von Swakopmund und Karsten lotst mich wieder durch die dunkle Nacht. 

Bei der Einfahrt in den Hotelkomplex müssen wir uns registrieren und suchen vorerst vergeblich nach dem Lokal. 

Endlich finden wir es, doch wir bekommen keinen freien Platz. Das ist wirklich nicht unser Tag heute!

Letztlich landen wir in Kücki‘s Pub und essen eine Kleinigkeit, die Ereignisse des Abends haben uns auf den Magen geschlagen. 

 

Zurück im Apartment kann Karsten auf das Navi die Afrikakarte wieder auf das Gerät laden. Wie sich aber herausstellt, war lediglich die Speicherkarte aus dem Gerät gerutscht. 

Jetzt sind wir aber echt bettfertig!

Tag 14 - Freitag, 13.9.19 - Zeila Shipwreck - Spitzkoppe

 

Die Stimmung ist heute morgen etwas gedrückt. Das mag an dem Zwischenfall gestern und den eventuell daraus entstehenden Konsequenzen liegen, am diesigen Wetter oder an der Tatsache, dass Christa den dritten Tag kein heißes Wasser aus der Leitung bekommt und nicht duschen kann. 

 

Es gibt aber keinen Polizeibesuch und auch keinen Roadblock, als wir Swakopmund hinter uns  lassen. 

Auf der C34 fahren wir zum Zaila Schiffswrack, das am frühen Morgen des 25. August 2008 ca. 14 km südlich von Henties Bay gestrandet ist. 

Wir biegen zum Strand ein und sehen ein paar Einheimische auf der Seite sitzen. Kaum geparkt, kommen schon drei auf uns zu und erzählen mir sehr freundlich die Geschichte des Wracks. Jeder hat eine Schachtel mit Halbedelsteinen dabei und sie würden uns bitten, ihnen nach dem Fotografieren ein paar Steine abzukaufen, weil sie nur so weiter hier leben könnten. 

 

Uns ist nicht ganz wohl, weil wir das einzige Auto am Strand sind. Trotzdem gehen wir die paar Meter zum Meer und bauen unsere Stative auf. Nach ein paar Minuten kommen aber schon weitere Autos und später sogar ein Bus. 

 

Wir machen unsere Langzeitaufnahmen, Christa hat ein bissl Stress, weil sie schon so dringend auf’s Klo muss. Da ist aber nicht einmal ein Busch in Sichtweite, also heißt es zusammenzwicken!

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Zaila Shipwreck

Unsere Bilder sind im Kasten und wir gehen zurück zum Auto. Jetzt haben die drei Burschen ihren zweiten Auftritt und Karsten sucht sich bei jedem einen schönen Stein aus. Ich handle sie noch um mehr als die Hälfte runter und wir bezahlen 200 Dollar.

Wir sehen es ein bissl als Sozialhilfe. 

 

In Henties Bay tanken wir den Wagen voll und lassen alle vier Reifen auf 1,8 Bar reduzieren. 

Und, man glaubt es kaum, ich kaufe einen farblosen Nagellack!

 

Ab Henties Bay geht es auf der D1918 wieder ungeteert weiter, doch die Straße ist in einem sehr guten Zustand. Wir kommen gut weiter und erreichen gegen 12 Uhr die Spitzkoppe. 

Wir entrichten den Eintritt von 340 Dollar und ziehen erst einmal die warmen Kleidungsstücke  aus. Jetzt sind wir wieder im heißen Afrika angelangt. 

 

Unser Ziel ist die Brücke, dahin fahren wir 2 km über eine leichte Sandpiste. Kurz vor dem  Parkplatz müssen wir noch über eine steile Felsplatte, da kracht die Anhängerkupplung ungut gegen den Stein. 

 

Wir kraxeln auf den roten Felsen bei der Brücke herum, die ein tolles Fotomotiv gibt. Auch der Rundumblick von unserem erhöhten  Standort ist großartig! 

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Spitzkoppe

Dann entdecken wir noch unsere ersten Klippschliefer. Die süßen Tiere, die einem zu groß geratenen Meerschweinchen ähnelt, sind erstaunlicherweise ganz nahe Verwandte der Elefanten und Seekühe.

Unsere Exemplare lassen sich beim Chillen in einer Felsspalte nicht stören und wir können ziemlich nahe an sie heran. 

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Klippschliefer, ein naher Verwandter des Elefanten 

Wir entschließen uns, die großen Felskugeln der Bulls Party auszulassen, das erspart uns einen großen Umweg und wir fahren direkt zur Ai Aiba Lodge.

 

Diese Logde liegt sehr idyllisch zwischen runden Steinkugeln und ist durch zwei Tore von der öffentlichen Straße abgesperrt. 

Wir werden sehr herzlich mit Eistee empfangen und vor der offenen Rezeption tummeln sich Paviane und Warzenschweine.

Wir erhalten unsere Schlüsseln, leider sind unsere beiden Bungalows so weit auseinander, wie nur möglich. Christa hat die Nr. 3, gleich hinter dem Restaurant und wir die Nr. 19. 

Am Sundowner plus Drive zu den Paintings wollen wir nicht teilnehmen. 

Die Fahrt zu unseren Zimmern ist auch etwas abenteuerlich, weil der Weg so eng ist und ich Angst haben muss, dass ich an den Felsen schramme.

 

Die Unterkunft ist traumhaft und herrlich groß! Ich packen noch schnell aus und dann gehen wir zu Fuß zurück zum Restaurant, da gibt es Kaffee und Kuchen. 

Das Restaurant hat einen großen Kamin, davor stehen drei Fauteuils und entlang der Wand verläuft ein äußerst gemütlich aussehendes Sofa. Der ganze Komplex ist mit einem tiefgezogenen Reetdach gedeckt.  

 

Bei der Jause fotografieren wir die Warzenschweine, die ein paar Meter vor uns das grüne Gras genießen. Lustig, dass sie sich zum Fressen auf die Knie aufstützen und so nach vorne schieben. Wenn sie laufen, stellen sie die dünnen Schwänzchen und die Nackenhaare steil in die Luft. 

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Warzenschweine knien sich zum Fressen hin

 Karsten hüpft noch in den Pool, mir reicht’s bis zu den Oberschenkeln, so heiß ist es nun doch nicht und es weht ein feiner Wind. 

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Christa und ich jagen am Pool den roten Libellen nach (Bild von Christa)

Vor dem Nachtmahl gehen wir noch in unsere Zimmer duschen. Ich wasche meine staubigen Schuhe und möchte sie vor der Tür zum Trocknen hinstellen. Gerade rechtzeitig fallen mir die Paviane ein. Das wär was, wenn mir die Affen meine einzigen Schuhe klauen würden! 

 

So schön die Lodge ist, so durchschnittlich ist unser Nachtmahl geschmacklich. Vielleicht haben mit dem Huhn auch nur das Falsche erwischt, Karsten findet sein Oryxsteak ganz ausgezeichnet.

Nach dem zweiten Gang fragt uns die Kellnerin, wo sie denn die große Salatschüssel auf dem vollgestellten Tisch hinstellen soll. Als ob wir etwas dafür können, dass der Tisch zu klein ist! 

 

Ein Guide kommt zu uns und bietet uns für morgen früh einen Spaziergang ins Living Museum an. Alternativ können wir die San aber auch individuell besuchen. Wir sind an den Wandmalereien, die beim Walk gezeigt werden, nicht interessiert und lehnen das Angebot freundlich ab. 

 

Um 9 Uhr sind Christa und ich schon müde und wir schlendern zu unseren Hütten zurück. Es ist Vollmond, Christa hat ihre Kamera immer am Körper und lernt, dass sie für Vollmondbilder kein Stativ benötigt. Nach ein paar Korrekturen bei den Kameraeinstellungen gelingt auch ein ganz ordentliches Foto. 

 

Wir wünschen uns eine gute Nacht und gehen bis ans Ende der Reihe zu unserer Behausung. Der Himmel ist noch immer leicht hell und von weißen Streifen durchzogen. Also holen wir die Stative aus dem Auto und stellen sie auf unserer Terrasse auf. Ich hole mir die mitgebrachten Fensterreinigungstücher und wische den Staub von meinem Stativ. 

 

Zunächst schießen wir mit dem 600er Objektiv aus der Hand ein paar Mondbilder. Mal schauen, ob der Mond hier anders gesehen wird als zu Hause. Immerhin liegt die Mondsichel in der  südlichen Hemisphäre auch wie eine Schüssel. 

 

Die nächste Stunde verbringen wir mit Langzeitbelichtungen. Es ist unglaublich, wie hell und farbenreich die völlig dunkle Landschaft um uns bei einer Belichtung von einer Minute fotografiert wird! 

Ich spiele noch ein bisschen mit den verschiedenen Farben der Taschenlampe, indem ich das Dach unserer Hütte anleuchte. Das ergibt fast abstrakte Bilder. 

Jetzt wird es aber nebenan lebendig, denn unsere Nachbarn kommen nach Hause. Da es ihr Dach ist, das ich anleuchte, beenden wir unsere Session. Wir unterhalten uns noch ein Weilchen, er ist Deutscher, sie Spanierin. Geld dürfte keine Rolle spielen, denn sie haben u.a. zwei Nächte auf der Wolwedans Dune Lodge verbracht, wo die Nacht 800 Euro kostet. Pro Person. Gute Nacht! 

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Ai Aiba Lodge in der Nacht

Tag 15 - Samstag, 14.9.19 - San Living Museum - Vingerklip

 

Ein Morgen zum Chillen. Wir haben erst um 10 Uhr einen Termin im San Museum.

Das Personal paßt sich unserem Flow an und serviert die bestellten Eier nach 15 Minuten. 

Kindheitsgefühle werden wach, als ich den Smoothie trinke: wie die Bananenmilch meiner Mutter!

 

Es dauert ein bissl, bis wir auschecken, weil ich ewig die Schutzkappe für meinen Kamera-Akku suche. Sie liegt unter dem Bett. 

Es ist schon halb elf, als wir im San Living Museum eintreffen. 

 

Cosmo stellt sich als unser Guide vor. Die San oder Buschmänner sind kleine feingliedrige Menschen mit Haaren, die wie kleine schwarze Kugeln auf dem Kopf ausschauen. 

Er bittet uns in sein „“Büro“ - ein Gestell aus dünnen Baumstämmen - und zeigt uns die verschiedenen Touren, die angeboten werden. 

Die „Life in the Village“ Tour kostet 170 Dollar, wir können aber auch danach zahlen.

 

Unter einem Baum sitzen ein paar Frauen, die in kleine Scheiben Löcher bohren. Es handelt sich um Schmuckteile aus Straußeneiern, die später zu Halsketten und Armbändern verarbeitet werden. 

 

Danach zeigt man uns, wie Feuer gemacht wird. Das ist eine mühselige Arbeit, weil der Stab auch so kurz ist, um genug Reibung zu erzeugen. Schließlich brennt der Zunder doch und „we are happy with the fire“. 

im San Living Museum

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sogar die Kleinsten dürfen beim Tanzen mitmachen

unser Guide Cosmo

aus Pflanzenfasern wird ein stabiles Seil hergestellt

Aus einem Pflanzenstiel wird ein Seil gemacht und damit bauen die San kleine Fallen, um Vögel zu fangen. Cosmo  zeigt uns mit einem Holzvogel, wie die Falle funktioniert.  

 

Zum Schluss wird uns der Giraffentanz gezeigt. Dazu schnüren sich die Männer eine Art Schellen an die Unterschenkel, sie ahmen Giraffen nach. 

Die Frauen sitzen im Kreis, klatschen einen raschen Rhythmus und singen dazu. Einige Kleinkinder gesellen sich zu der Gruppe und laufen den Männern im Kreis nach. So lernen sie auch die Tanzbewegungen. Das schaut recht herzig aus.

 

Dann ist die Tour vorbei und wie suchen um im „Shop“ - viele Schmuckstücke hängen an einem Kameldornbaum - um und kaufen ein paar Halsketten und Armbänder. Die Preise sind von 200 bis 400 Dollar sehr günstig, wenn man die viele Arbeit bedenkt, die hinter jedem Schmuckstück steckt. 

Ich lasse mir von einer der Frauen den Verschlussknopf etwas kleiner machen, damit die Halskette leichter zugeht. 

 

Dann zahlen wir und Cosmo teilt das Geld genau auf die Frauen, die den Schmuck gemacht haben, auf. 

Gegen 12 Uhr fahren wir los Richtung Vingerklip Logde. Das Navi führt uns die schnellste Route, die ohne große Umschweife ziemlich direkt nach Nordosten führt. 

Wir queren die C36, die nach Omaruru und weiter in einem großen Bogen zur Vingerklip führt. Dort checken wir noch schnell, ob wir zum Tanken den Umweg fahren sollten und kommen überein, dass wir heute gar nicht mehr tanken müssen. Also fahren wir dem Navi nach geradeaus weiter. 

 

Wir kommen durch eine größere Siedlung mit einer Straßenkreuzung, wo sehr viele Menschen unterwegs sind. Offensichtlich wird hier etwas gefeiert. Das Navi schickt und geradeaus weiter. 

Dann wird die Straße immer enger und rumpeliger. Ist das überhaupt noch die Straße? Manchmal streifen schon die Dornen der Sträucher gegen unser Auto. Aber immer wieder begegnen uns Menschen, einmal mit einem Eselsgespann und andere mit Autos oder zu Fuß. 

Cosmo erklärt uns, wie die Vogelfalle funktioniert

Also weiter dem Navi nach. Mehr als 30 khm kann ich nicht mehr fahren, dazu ist der Weg zu uneben. Der Wagen wiegt hin und her wie ein Schlachtschiff, ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es sich vielleicht nur um eine Abkürzung handelt und es bald wieder besser weitergeht. 

 

Dann stehen wir vor einem Gatter. Christa springt raus, um es zu öffnen, aber es ist abgeschlossen. Karsten kann mit seinem Taschenmesser auch nichts machen, ganz abgesehen davon, was der Farmer davon halten würde.

Das ist sehr ärgerlich, denn laut dem Navi sind es nur noch 6 Kilometern bis wir wieder auf eine größere Straße treffen. 

Also alles wieder zurück.

 

Wir fahren bis nach Omatjette, der Ort der viele Menschen auf die Straße lockt. Dort wollen wir fragen, ob man die D3712 bis zum Vingerklip durchfahren kann. Das ist nach unseren elektronischen Karten nicht so klar. An die Karte, die in meiner Seitentür steckt, denken wir in dem Moment gar nicht. 

 

Wir sehen zwei Männer in Uniform, die können uns sicher helfen! Ich halte an und steige aus. Auf den ersten Blick sehe ich, dass das keine so gute Idee ist. Die beiden halten sich gegenseitig fest, offenbar haben sie schon sehr viel gefeiert. Der eine schaut in seiner Uniform aus wie Idi Amin und lallt mich freundlich besoffen an. Vingerklip Lodge? Wo ist das?

Immerhin wissen sie, dass es geradeaus nirgendwo hingeht. Danke für die Info.

Sie raten mir, über Khorixas zu fahren und sagen, dass ich das Fest, weswegen sie die Uniform anhaben, verpasse. Tja, das ist wirklich sehr bedauerlich!

 

Auf der D2344 kommen wir sehr gut voran. Überhaupt sind die Straßen seit dem Kuiseb Canyon wesentlich besser als im Süden zu befahren. 

Das ändert sich schlagartig, als wir auf die C35 abbiegen. Wellblechpiste vom Feinsten. Noch dazu habe ich auf dem ersten Drittel ständig einen Wagen vor mir, der mich permanent einstaubt, sodaß ich zeitweise keine 5 Meter weit sehe. So habe ich auch keine Change, ihn zu überholen.

Zum Glück biegt der Wagen irgendwann ab und ich schaffe es mit viel Gerumple bis zur C39. 

 

Zur Lodge geht es nach rechts, nach Khorixas nach links. Da die Straße asphaltiert ist - welche Wohltat! - fahre ich in die Stadt um zu tanken und Bargeld abzuheben. 

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Auf der Tankstelle werden wir von einem jungen Mann angesprochen, der ein lautes Quietschen beim Bremsen bemerkt hat und es sich auch gleich ansehen will.

 

Er lotst uns in eine Werkstatt auf der anderen Straßenseite und schmeißt sich gleich unter unser Auto. 

Wir steigen aus, denn es ist sehr heiß und eigentlich nur im Schatten auszuhalten. 

Der Mechaniker entschuldigt sich ständig bei mir und läuft hektisch hin und her, holt Werkzeug und läßt mich auf Befehl die Bremse betätigen. 

Er erklärt Karsten, dass er die Bremsleitungen entlüften möchte, weil die Luft das Quietschen verursacht. 

Immer wieder liegt er unter dem Auto und schraubt herum. Eine kurze Probefahrt stellt ihn noch nicht ganz zufrieden. Er will, dass ich das Auto etwas anders stelle und ich lasse einen der anderen Mechaniker hinters Steuer. Der weiß besser, wie der Wagen richtig stehen soll.

In dem Moment fällt mir ein, dass wir alle drei ohne irgendetwas vor dem Auto stehen. Wenn der jetzt einfach davonfährt, schauen wir ganz schön blöd aus der Wäsche.

Aber er führt nichts Böses im Schilde, im Gegenteil, er macht mich noch darauf aufmerksam, dass mein Handy und mein Geldbörsel auf der Mittelkonsole liegen. Ich nehme die Sachen an mich und fotografiere das Nummernschild. Sicher ist sicher!

 

Jetzt nehmen sie den rechten hinteren Reifen ab, die Bremsscheibe wird mit einem Hammer bearbeitet. Das kann ja noch heiter werden!

Nach gut einer Stunde sind die Mechaniker nach einer weiteren Probefahrt am Gelände soweit zufrieden. Karsten muss sich noch auf die Erde schmeißen und erklären lassen, was sie gemacht haben, damit er es der Mietwagenfirma sagen kann. 

Dann schreibt man uns eine Rechnung über 850 Dollar (etwas über 50 Euro) und ich gebe noch 20 Dollar Tip - mir gehen langsam die kleinen Scheine aus. 

unser Wagen wird zerlegt

Dann brettern wir die asphaltierte C39 bis zur D2743, die zur Lodge führt. Dazu hören wir Queen. Um 17:25 treffen wir in der Vingerklip Lodge ein. Jetzt brauchen wir eine Dusche!

 

Unsere beiden Zimmer sind nebeneinander in der letzten Hütte untergebracht. Fein, dass es einen Menschen gibt, der unsere Koffer den langen Weg vom Auto zu den Hütten karrt. Wir haben ein Familienzimmer mit 2. Stock, Christa’s Zimmer nicht. Unsere Terrassen bieten einen Blick auf die weite Ebene unter uns, aus der einzelne Tafelberge aufragen. Monument Valley in  klein.

Karsten bemerkt eine Felsenratte, der putzige Nager mit dem buschigen Schweif läuft einen halben Meter neben uns vorbei,  bleibt stehen und huscht dann weiter. 

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Familienzimmer und Pool in der Vingerklip Lodge

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die putzigen Felsenratte sind allgegenwärtig

Leider bekomme ich keinen Platz im Eagles Nest und wir werden ans untere Restaurant verwiesen. 

Das freut Karsten, er will keine 350 Stufen mehr steigen. 

 

Nach einer erfrischenden Dusche - Christa hat schon wieder kein warmes Wasser - treffen wir uns und erkunden mit unseren Fotoapparaten die Lodge. 

Der Sonnenuntergang ist wenig spektakulär, danach färbt sich der Himmel aber toll in rosa und blau. 

 

Das Nachtmahl ist ok,  wir sitzen an einem zugigen Tisch, weil ich es in der Mitte des Restaurants vor Hitze nicht aushalte. 

Der Ober macht uns auf den tieforangen Mond aufmerksam, der riesig am Himmel hängt.

Da wird das Essen leider kalt werden. 

 

In der lauen Luft des Abends schreibe ich noch meinen heutigen Reisebericht auf der Terrasse. Vor dem Schlafengehen stellen wir noch das kleine Stativ auf den Tisch und machen Nachtaufnahmen mit dem Tafelberg vor unserer Haustür.

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Vingerklip

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Nachtaufnahme von der Terrasse

Tag 16 - Sonntag, 15.9.19 - Etosha NP - Okaukuejo

 

Zum Sonnenaufgang gehen wir auf unsere Terrasse und begrüßen den Tag. 

Christa und Karsten freuen sich beim Frühstück über Pancakes. Ich bestelle in meiner Gier ein Omelett mit drei Eiern und doppelt Käse und gebe den Karsten einen guten Teil ab. 

bei so einem Blick schaffen wir sogar einen Sonnenaufgang

Beim Wassernachfüllen bemerken wir, dass schon unheimlich viele Schwebstoffe im 5l Kanister sind. Die Flasche ist leck und es ist Dreck hinein gekommen. Da freut sich die nächste Aloe über eine Extraportion Wasser.

 

Wir fahren zur Vingerklip, ein säulenförmiger Felsen, der wie ein Finger in den blauen Himmel ragt. 

Dort packen wir die Drohne aus. Gerade ist sie aufgestiegen, da kommt ein junges Pärchen vorbei und wir hören: „Das ist ganz schön laut, das Scheißding.“

Offensichtlich nicht laut genug, um ihr blödes Gequacke zu übertönen!

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Vingerklip von oben

Heute fahren wir fast nur auf Asphalt, das ist zur Abwechslung ganz angenehm. 

In Outjo füllen wir unsere Wasservorräte auf und kaufen auch einen Staubwedel, in der Hoffnung, dass ich damit die beiden Fenster von Fahrerkabine und die Canopy etwas reinigen kann. Der Aufbau ist vom Rest des Wagens durch einen schmalen Schlitz getrennt und die Fenster sind so staubig, dass ich durch den Rückwärtsspiegel fast nichts mehr sehe. 

Wobei das eh ziemlich egal ist, weil es hinter mir sowieso immer nur staubt. 

 

Ich schenke dem Parkboy meine halbvolle Flasche kalter Limonade, worüber er sich sehr freut. 

Auf dem Parkplatz tummeln sich auch Himbafrauen, doch wir machen keine Fotos. 

 

Um die Mittagszeit kommen wir beim Anderson Gate an, dort muss ich mich registrieren aber noch nichts zahlen. 

In Etosha gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h. Das ist auch gut so, denn sofort nach  Passieren des Tores laufen uns schon die ersten Springböcke über den Weg. 

Gleich danach schreit Christa auf: „eine Giraffe!“ und hat damit unsere interne Wette gewonnen. 

Gestern habe ich gefragt, welches der drei Tiere wir wohl als erstes sehen werden: Elefant, Zebra oder Giraffe. 

 

In Okaukujeo checken wir ein und ich muss mich noch einmal registrieren. Unsere Zimmerschlüssel bekommen wir erst in einer halben Stunde. 

Für das Bezahlen der Eintrittsgebühr für de Park müssen wir uns an einem anderen Schalter anstellen. Dort muss ich mich zu dritten Mal registrieren. Willkommen im Zeitalter der Digitalisierung! 

 

Um Punkt 13:30 händigt man uns die Schlüssel aus und wir fahren zu den Waterhole Chalets. 

Der Parkplatz ist ganz am Anfang, unsere Doppelhütte ziemlich weit hinten. Aber wenigstens sind die Weg gepflastert und wir können die Koffer hinrollen. 

 

Wir sind in der hinteren Reihe und sehen nicht direkt auf das Wasserloch. Allerdings sehen wir große Tiere, wenn sie dorthin unterwegs sind. 

Die Zimmer sind zweckmäßig, das Bett schaut wegen der Moskitonetze nett aus. Die erste Aktion ist wie immer duschen! Kaum sitze ich mit dem iPad vor dem Chalet und möchte den Reisebericht beginnen, da ruft Christa: „Da kommt eine Giraffe, da muss ich hin!“

Also alles wieder hinein, Kamera und Objektiv geschnappt und zum Wasserloch!

 

Dort tummeln sich jede Menge Springböcke und langsam stakst die Giraffe auf das erfrischende Nass zu. Ich finde noch einen schattigen Platz von wo ich das Wasserloch gut einsehen kann  schieße eine Reihe Bilder. Mit dem 600er Objektiv gelingen tolle Nahaufnahmen. 

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Springbock und Giraffe am Okaukujeo Waterhole

Giraffe etwas körperlos

Nachdem Christa und Karsten well done sind, kommen sie zu mir. Wir entscheiden uns, dass wir nicht mehr aus dem Camp fahren und richten uns häuslich ein. Ich gehe zum Zimmer, um das iPad und unser Wasser zu holen und nehme eine Abkürzung durch die Steine, die anstelle eines Rasens von den Wegen umrandet werden.  

Plötzlich spüre ich einen kurzen Stich auf meiner großen Zehe. Ein 10 cm langer dünner Dorn hat sich durch meinen Flip-Flop gebohrt und steht zur Hälfte neben meinem großen Zeh heraus. Der wär auch glatt durch meinen Fuß gegangen, da hab ich noch einmal Glück gehabt, denn der Dorn ist hart wie Metall!

 

Zurück am Wasserloch komme ich mit meinem Bericht auch nicht weiter - ich bin immer noch beim ersten Satz - denn nun nähern sich unsere ersten Zebras. Es folgt ein Schakal und nun ist es Karsten, der ein freudiges „Wow,  wow, wow, wow wow“ von sich gibt: von links nähert sich ein Elefantenbulle! 

 

Da klicken die Kameras, auch wenn es sich um ein junges Tier handelt, das uns die meiste Zeit den Rücken zukehrt. Er bleibt über eine Stunde beim Wasser und trinkt aus einem Betonring das frische Wasser aus der Quelle. Das gibt uns die Gelegenheit, ein Bild mit Paul und Eugen mit dem Bullen im Hintergrund zu machen. 

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unser erster Elefant!

Dann es es ein Gelbschnabeltoko, der unsere  Aufmerksamkeit erregt. Er sitzt keine zwei Meter von uns entfernt auf dem Baum über uns. Besonders lustig schaut er aus, wenn man ihn frontal erwischt. Das ist eine Challenge, denn die Objektive werden in unseren Armen immer schwerer. 

Aber er ist vielleicht ebenso neugierig, denn er bleibt brav auf seinem Ast  sitzen, bis wir alle Bilder im Kasten haben. 

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der Gelbschnabeltoko schaut frontal gesehen sehr lustig aus

Jetzt geht es gleich rund - eine ganze Elefantenherde kommt von links und nimmt ausgelassen ein Schlammbad. Mit dem Rüssel spritzen sie sich den Schlamm auf den Rücken. Zwischendrin ein paar Junge, immer gut beschützt von den Alten. Nachdem alle gut  eingeschlammt sind, ziehen sie wieder weiter.

Es wird ruhig am Wasserloch und uns wird immer heißer. Also fahren wir mit dem Auto zu den drei Swimmingpools des Camps und kühlen uns etwas ab. 

 

Zum Sonnenuntergang reihen wir uns die Menschenmenge, die am Wasserloch steht und schaut. Elefanten, Giraffen, Springböcke und ein Schakal versammeln sich für ein abendliches Bad. 

Idyllisch geht im Hintergrund die rote Sonne unter und nach und nach verschwinden die Tiere in der Ferne. 

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das Okaukujeo Waterhole am Abend - ein Panoptikum an Wildtieren

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tolle Sonnenuntergänge in Afrika

Wir gehen zu Fuß ins Restaurant. Uns ist ein Tisch zugeteilt und wir warten mit hängender Zunge auf die Bedienung. Wir sind schon halb verdurstet, als sie endlich daherkommt und unsere Bestellung - vier Bitter Lemon, zwei Tonic und drei Flaschen Wasser - amüsiert aufnimmt. 

 

Es gibt Buffet und man kann mit ruhiger Gewissheit sagen, dass wir hier in Afrika noch nie so schlecht gegessen haben. Das Fleisch war heute Mittag schon well done, die Hühnerkeulen wurden im Sand paniert, der Salat schmeckt widerlich süß und selbst die Nachspeisen sind trocken und geschmacklos. Das Vanilleeis war ok. 

 

Neben uns sitzt der Lesezirkel Bibeltreuer Christen. Eine hat eine Stirnlampe auf und liest, andere blättern ständig etwas um. Wir vermuten, sie spielen Bibel Bingo oder erzählen sich lustige Bibelzitate. Sehr strange!

 

Wir verlassen den traurigen Ort und begeben uns zu dem nun beleuchteten Wasserloch. Dort  herrscht dichtes Gedränge. Eine Elefantenherde und ein paar Nashörner haben sich eingefunden. Es ist mucksmäuschenstill, hie und da klickt eine Kamera. Die Bilder werden durch die Beleuchtung alles gelb oder orange, wir verlegen uns schnell auf‘s Beobachten. 

Erst als die Elefanten und die Rhinos weg sind, kommen die Giraffen, die schon seit einer Ewigkeit im Hintergrund warten, an Wasser. Hier herrscht eine strikte Hierarchie. 

 

Nach einer Weile werden wir müde und ziehen uns in unsere Chalets zurück. 

Karsten operiert noch schmerzhaft an meinem Fußballen, offenbar ist von dem Dorn ein winziger Schiefer steckengeblieben. Wir werden morgen sehen, ob die Operation erfolgreich war. 

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Nashorn beim abendlichen Bad

 

Tag 17 - Montag, 16.9.19 - Etosha NP - Halali

Kurz vor sieben werde ich wach. Karsten ist schon in voller Montur und macht sich auf zum Wasserloch. Ich habe Kopfschmerzen, trotzdem stehe ich auch auf, nehme ein Nurofen und ziehe  mich an. 

 

Es ist kühl draußen, Christa kommt auch grad ganz verschlafen aus ihrem Zimmer. Wir sehen Karsten sitzen, es scheint nicht viel los zu sein. 

Doch weit gefehlt, links eine Herde Zebras und rechts eine Herde Gnus spiegeln sich dekorativ im Wasser! Die Gnus verlassen die Szene, ehe ich mein Equipment zusammengebaut habe und ich bekomme sie nur noch beim Abgang auf‘s Bild. 

Die Zebras saufen noch etwas länger, tolle Motive in der aufgehenden Sonne!

 

Abgang Gnus nach rechts, Abgang Zebras nach links. Beide Herden lassen sich unheimlich viel Zeit. Auftritt Kudus von hinten. Von links nähern sich sehr zögerlich ein paar Springböcke. Das Wasser ist ein perfekter Spiegel.

Später kommt noch eine Herde Impalas und ein Schabrakenschakal zum Wasserloch. Um acht gehen wir frühstücken. 

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die Zebras brauchen keine Farbe

Kann man bei einem Frühstück auch etwas falsch machen? 

Man kann! Der Toast ist staubtrocken und an den Ecken hart, das Müsli scheint auch mit Sand versetzt zu sein, die Milch schmeckt seltsam und mit den Muffins kann man gleich den Koch erschlagen. 

Wir treffen auf die Schweizer, die wir beim Sundowner auf der Bagatelle kennengelernt haben. 

 

Paul kennt einen Witz mit Zebras: Sogt da Abraham zum Bebraham, „Geh, fia ma schnö mei Zebra ham“. 

 

Beim Einladen der Koffer schaut sich ein Erdhörnchen ganz genau an, was wir hier machen. 

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das Erdmännchen war sehr interessiert

Kurz vor 10 Uhr verlassen wir Okaukuejo. Unser Tagesplan ist, ein Wasserloch nach dem anderen abzufahren, bis wir in Halali sind, wo wir heute übernachten. 

 

Gleich nach ein paar Kilometern stehen einige Autos am Wegrand. Das ist immer ein gutes Zeichen, dass es etwas zu sehen gibt. Und tatsächlich, in etwa hundert Meter Entfernung liegt ein Löwenpaar im Dickicht. Die Löwin hat sich auf den Rücken gerollt und die Beine hochgestreckt. Das schaut lustig aus! Es werden zwar keine tollen Fotos, aber hey, wir haben unseren ersten Löwen gesehen!

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die perfekte Spiegelung

Das erste Wasserloch ist Nebrownii. Es parken so viele Auto hier, dass wir gar keinen Platz bekommen. Ich fahre etwas auf dem Parkplatz herum und hoffe, dass jemand wegfährt. Da endlich, ein großer Safariwagen schiebt sich aus seinem Standplatz. Von rechts nähert sich ein 4X4 eines Namibia-Anbieters. Der Bus fährt zwischen uns und dem 4X4 weg - und die Fahrerin stellt sich frech auf den freigewordenen Platz! So ein Trampel!

 

Etwas später bekommen wir einen schönen Platz, wo ich längsseits parken kann. Es sind sehr viele Tiere am Wasserloch: Zebras, Springböcke und Strauße. Es wurlt ganz schön und einige Zebras liefern sich kleine Kämpfe, indem sie mit den Hinterläufen treten.

 

Dann fährt der Safariwagen vor uns weg und wir stehen Aug‘ in Aug‘ mit unserer Freundin im 4X4.

Ich winke freundlich, sie schaut her und ich zeige ihr langsam meinen schönsten Mittelfinger!

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am Nebrownii Waterhole

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Oryx

Gnu

Nach ein paar Minuten geht es weiter zur Gemsbokvlake. Dort finden wir Oryxe, Springböcke, Gnus, Strauße und Giraffen. 

Man darf in Etosha das Auto nicht verlassen, dh man stellt sich längs zum Wasserloch und fotografiert durch die geöffneten Scheiben. Karsten kann direkt, ich an Karsten vorbei und Christa schmeißt sich über den Fotorucksack an den Kumpels vorbei ans hintere Fenster. 

 

Es ist jetzt schon sehr heiß und der warme Wind, der durch die beidseitig geöffneten Fenster strömt, trocknet auch nur den Schweiß und bringt keine Kühlung.

Deshalb bleiben wir nicht lange und fahren weiter nach Olifantsbad. 

 

Die Wasserlöcher sind nur durch ein paar Kilometer getrennt, auf der Fahrt dorthin läuft die Klimaanlage auf Hochtouren. Am Wegrand sieht man immer wieder Tiere, hie und da bleiben wir stehen, wenn es sich um etwas Interessantes handelt. Bei Springböcken (Originalzitat Paul: „Springböcke, die Chinesen Etoshas“) und Gnus bleiben wir nicht mehr stehen. 

Bei Olifantsbad tummeln sich Impalas und Oryxe, in Aus kommen noch Zebras dazu. 

 

Jetzt wird es bald Mittag, da ist an den Wasserlöchern nicht so viel los, weil die Tiere irgendwo im Schatten liegen. Links von uns zeigt sich auch die Etosha Salzpfanne. Sie ist riesig, wir bleiben nicht stehen. 

 

Wieder stehen ein paar Autos am Wegrand. Dann sehen wir schon den Grund, denn eine graue Masse wogt im lichten Gehölz dicht neben uns: eine Elefantenherde auf dem Weg zum nächsten Wasserloch. 

 

Bei Homob sehen wir Gnus, zwei Giraffen, Kudus und die allgegenwärtigen Springböcke.

Charitsaub bietet Zebras, Gnus, Strauße und - man mag es kaum glauben - Springböcke.

Salvatore ist auch nicht mehr abwechslungsreich mit Gnus, Zebras und Springböcken.

 

Erst in Rietfontein ist wieder etwas mehr Leben, denn eine ganze Elefantenherde genießt hier das Wasser. Es sind auch ein paar ganz Kleine dabei, eines wird noch gesäugt, das schaut zu lieb aus!

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der einsame Baum vor der Etosha Salzpfanne

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Elefanten in Rietfontein

Ich versuche mich mit ein paar Videos und verwende auch das 600er Objektiv. Hui, das wackelt ganz schön!

 

Hier sind aber noch viel mehr Tiere, Gnus, Zebras, Giraffen, Oryxe und Springböcke.

 

Jetzt aber nach Halali. Mir ist schon sehr heiß und eine Dusche oder ein Pool sind mehr als verlockend!

Die Freundlichkeit in Person checkt uns ein, nachdem uns ihre Kollegin ganz ignoriert hat. 

Die drei Camps in Etosha sind staatlich und da merkt man schon einen gewaltigen Unterschied zu den privaten Logdes.

 

Bevor wir unsere Suiten besichtigen, schauen wir uns einmal die Poollandschaft an. Der Pool ist rechteckig und sehr groß, an der Wand entlang stehen ein paar Liegestühle ohne Auflagen, mehr oder weniger von einem Sonnendach beschattet. 

So stell ich mir die Freizeiteinrichtung in einem staatlichen Frauengefängnis vor. 

Auch das Restaurant hat den Charme einer Militärkantine. Solange nur das Essen besser ist als gestern....

 

Umso besser gefallen uns unsere beiden Honeymoon Suiten. Christa wohnt in Rhino und wir in Buffalo. Das große Bett ist wieder mit einem Moskitonetz ausgestattet, das schaut dadurch aber  immer aus wie ein Himmelbett. Ein Fenster über dem Bett taucht die Schlafstätte in ein helles Licht. Sehr entzückend!

Hinter dem Bett kann man rundherum gehen, da sind zwei Waschbecken, die Toilette und eine Doppeldusche.

Das Beste ist aber der Whirlpool im Garten! Natürlich probieren wir den nach dem Auspacken gleich aus. Das Wasser ist fast zu warm, deshalb lässt Karsten etwas aus und ich fülle mit dem Gartenschlauch nach. Die Bubbles sind sehr angenehm und im Nu schaue ich aus, als wäre ich im 9. Monat schwanger. Und Karsten könnte in jedem Porno auftreten, so gut wie seine Hose gefüllt ist....

 

Die nächste Stunde schreibe ich am Reisebericht, für das hiesige Wasserloch ist es uns definitiv noch zu heiß.

 

Christa kommt nach vier Uhr rüber, unsere beiden Suiten liegen nicht nebeneinander. Erst um fünf fahren wir zum Moringa Wasserloch. Es sind schon recht viele Leute da - nur keine Tiere. Nicht einmal ein Springbock verirrt sich hierher. 

Laut meinen Unterlagen ist es aber ein „guter Ort, um ein schwarzes Nashorn, Elefanten und Leoparden zu sehen“. 

Bloß heute nicht, wie es scheint. 

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wir warten auf den heißen Felsen am Moringa Waterhole

Jetzt ist das Sitzen und Warten auch nicht so angenehm, denn „auf einem Stein sitzend mit einem Amphitheater-Blick auf das Wasserloch“ klingt zwar nett, ist es aber nicht, wenn der Stein wie ein Backofen aufgeheizt  ist. Langsam geht die rote Sonne unter. Außer jeder Menge Vögel und einer Million Perlhühner hält sich nichts am Wasserloch auf.

 

Die goldene Stunde mit tollem Licht vergeht völlig sinnlos. Es kommen immer mehr Menschen, die können sich doch nicht alle so irren!

 

Endlich, eine Elefantenherde trabt heran. Der Bulle trompetet, was Christa in helle Begeisterung versetzt. Jetzt klicken die Kameras, die Elefanten kommen im Gänsemarsch zum Wasser, der Leitbulle sichert die Ostfront und dann geht das Geplantsche und Besäufnis an!

Die gewaltigen Tiere bewerfen sich selbst mit Schlamm, später werden sie sich mit Sand einstauben. Diese Schlammschicht schützt sie vor Hitze und Sonnenbrand.

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Aufmarsch der Elefanten am Moringa Waterhole

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die Goldene Stunde

Nach einer halben Stunde mahnt der Leitbulle mit einem tiefen Brüller zum Aufbruch. Jetzt halte ich auch keine Sekunde länger auf meinem heißen Stein aus, ich hab das Gefühl, ich sitze auf einer Herdplatte. Die Elefanten ziehen in  Zeitlupe ab und ich lasse meinen Allerwertesten abkühlen. 

 

Die Sonne ist weg, die Tiere auch, die Leute bleiben noch. Jetzt kommt sicher der Leopard, denke ich mir und warte weiter. Aber außer der Million Perlhühner, die völlig außer Kontrolle sind, passiert nichts mehr und wir ziehen ab Richtung Nachtmahl. 

Wir hoffen, dass das heutige Abendessen besser ist, als gestern abend. Unsere Kellnerin Cinderella ist eine Nette, wir bestellen unser Trinken. Es gibt wieder Buffet und während ich am Tisch warte und schreibe, stürzen sich die anderen beiden ins Getümmel. Sie brauchen lange, denn es gibt keine Teller mehr. Cinderella braucht mit unseren Getränken noch länger. 

Aber sie können eh noch nicht essen, denn es fehlen einige Besteckteile. Besteck und Trinken langen ein. Dann gehe ich hinein und versuche mein Glück. Christa begleitet mich, sie möchte noch ein wenig von den Vorspeisen, sie hat‘s nicht so mit Oryx und Antilope.

 

Wir stehen vorm Vorspeisenbuffet - kein Teller. Ein Mitarbeiter fragt, wie es uns geht. „Bad“, sag ich, „a plate would help!“

Er zeigt zur Fleischausgabe, dort soll es Gerüchten nach noch Teller geben. 

Tatsächlich ist dort noch ein Tellerstapel, der aber in Lichtgeschwindigkeit an Höhe verliert. 

Ich stürze mich mit Todesverachtung zwischen die Wartenden und ergattere die beiden letzten Teller für Christa und mich!

Nebenbei höre ich, wie ein Gast sagt, dass sie dieses Problem jeden Tag haben. 

Tolle Organisation!

 

Das Essen steht dem Gestrigen in nichts nach, vieles bleibt am Teller liegen. Irgend jemand feiert Geburtstag, die Kellner bringen singend eine Torte raus. Diese landet später am Nachspeisenbuffet - war wohl nicht so gut. 

 

Der Restaurantmanager geht von Tisch zu Tisch und fragt, wie es den Leuten gefallen hat. Ich höre nicht, was die anderen Gäste sagen, aber wir sagen schon klar, was uns nicht gefällt. Man kann dem Mann einen gewissen Hang zur Selbstzerfleischung nicht absprechen!

 

Für unsere Rechnung braucht Cinderella fast eine Viertelstunde und Karsten ärgert, dass ich trotzdem 100 Dollar Trinkgeld gebe. Wenn es morgen wieder so schlimm ist, gibt es kein Trinkgeld, sagt er. 

 

Im Zimmer ist es gut warm, die Klimaanlage bläst aber so eiskalt direkt auf das Bett, dass Karsten sie nach ein paar Minuten wieder abdrehen muss. So lässt es sich aber auch nicht lange aushalten, weil es dann schnell wieder heiß ist. Wir machen die Gartentür auf und spielen Klimaanlage an und aus, bis wir einschlafen. 

Tag 18 - Dienstag, 17.9.19 - Etosha NP - Namutoni

 

Ich werde durch das Geräusch kleiner trappelnder Füße wach. Mist, jetzt ist irgendein Tier durch die offene Tür ins Zimmer gekommen!

Die Uhr zeigt 3:28. 

Ich liege ganz still und warte, dass ich das Geräusch wieder höre. Es bleibt still. Ich müsste dringend aufs Klo, trau mich aber nicht, wenn da etwas im Zimmer herumläuft. 

Außerdem ist es furchtbar heiß!

 

Karsten ist wohl auch wach, denn plötzlich geht die Klimaanlage an. Nach einer Minute muss ich mich völlig in die dicke Decke einwickeln, so unangenehm ist der kalte Luftzug. 

Nach einer gefühlten Viertelstunde dreht er sie wieder ab. 

Es ist immer noch völlig still im Zimmer. 

Der Kühlschrank geht aus und gibt dabei ein Geräusch von sich, das wie das Trappeln kleiner Füße klingt. Es ist 4:23 in der Honeymoon Suite. 

 

Das Frühstück fügt sich nahtlos an das Nachtmahl ein. Besteck müssen wir uns selbst besorgen, beim Eiermann staut es sich, er macht ein Omelett nach dem andern, weil er sich nicht so viel merken kann. Teller sind rar und bald ist die Butter und die Marmelade aus. 

Die Kellnerinnen sind im Flow, in Zeitlupe räumen sie die Tische ab, zum neu aufdecken bleibt da freilich keine Zeit.

Christa versucht ihr Glück bei der Butter, eine Angestellte bringt Nachschub beim Geschirr: ein Teller und zwei Schüsseln!

 

Währenddessen kratzen wir mit den spitzen Steakmessern die Butter aus dem Doserl und die allgegenwärtigen Vögel kacken auf der Suche nach Futter munter die Sessellehnen an.

 

In die Mistkübeln vor unseren Zimmern schmeißen wir die dreigeteilte Poolnudel, die wir als Auflage für unsere Objektive im Auto mitgenommen haben. Sie hat ihren Zweck nicht erfüllt bzw. war eher unpraktisch. 

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durch den weißen Staub werden die Akazien am Wegrand zu Geisterbäumen

Heute haben wir mit den Wasserlöchern weniger Glück: Helio Lake und Noniams sind ausgetrocknet und daher ohne Tiere. Bei Batia Fountain sind zwar viele Zebras, Gnus und Springböcke in der Nähe, die Wasserstelle selbst ist aber ebenfalls trocken. 

Auf der Fahrt zum Kalkheuwel Bore Hole kommt uns ein Auto entgegen und sagt, dass die Stelle trocken und ohne Tiere ist. 

 

Die Straßen sind heute viel schlechter als gestern. Viele Querrippen und Löcher, oft kann ich nur mit 30 kmh oder noch langsamer fahren. 

Der Etosha Pan Lookout ist keine Sensation, wir machen nicht einmal Bilder. 

 

In Goas tummeln sich die üblichen Verdächtigen, doch am Weg dorthin fällt uns ein Bus auf, der am Wegrand hält. Beim Wegfahren schauen wir genau nach und tatsächlich: unter einem umgefallenen Baum liegt eine Löwin. Leider auch wieder kaum zu fotografieren.

 

Auf der Weiterfahrt sage ich noch, jetzt fehlt uns nur noch ein Elefant auf der Straße, so einen Meter neben dem Auto. Da sehen wir zwei Autos auf der Straße stehen. Ich stelle mich dahinter, wir sehen nicht, warum die Autos gehalten haben. Im Busch ist nichts zu entdecken. 

Dann fährt das Auto vor uns nach rechts und ich sage lachend: „Jetzt weiß ich, warum die angehalten haben!“ Vor dem zweiten Auto steht ein großer Elefantenbulle quer auf der Straße. 

Leider verschwindet er gemächlich im Busch, als ich zum Fotografieren ansetze.

Beim Chaudop Waterhole ist ein bissl Action. Das Wasserloch ist wenig befühlt, eine Herde Zebras streitet sich mit Springböcken und Kudus um das wenige Wasser. Das geht auch schon mal mit Auskeilen von den Zebras über die Bühne. 

Immer wieder schrecken die Tiere wie es scheint vor ihrem eigenen Spiegelbild zurück und flüchten Hals über Kopf. Ich hoffe auf ein Raubtier, doch es will sich nichts zeigen. 

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Kudu

Also ab nach Namutoni, unsere heutige Station zum Übernachten. 

Beim Einchecken liegt das Buch auf, in dem Tiersichtungen eingetragen werden. Heute um 7:30 wurden in Tsumcor 10 Löwinnen und 1 Löwe gesichtet. Spontan entscheiden wir uns, dass wir dort auch noch hinfahren, es ist nicht weit entfernt. 

Wir buchen auch noch einen Nightdrive für heute Abend. 

 

Doch zunächst beziehen wir unsere Zimmer Nr. 2 und 3. Fein, dass die wieder nebeneinander liegen. Wir sind positiv überrascht, denn die Zimmer sind sehr groß, das Badezimmer riesig und es gibt auch noch zwei Außenbereiche. Einen sogar mit Dusche im Freien. 

 

Aber die Dusche muss noch warten, wir schieben uns wieder in den heißen Wagen und fahren 14 km zum Tsumcor Wasserloch. Gleich nach dem Passieren des Tores steht ein Elefantenbulle inmitten grüner angepflanzter Stauden und läßt es sich gut gehen. 

 

Beim Wasserloch gibt es leider keine Löwen mehr, dafür aber drei Elefanten und zwei Giraffen. Ein Kudu steht auch im Weg herum. Beim Wegfahren schauen wir sehr genau in alle Büsche und unter alle Bäume, doch keine Spur von den Löwen. 

Wir hoffen auf den Night Drive.

 

Zurück im Camp kommt endlich die Außendusche zur Anwendung. Im Badeanzug, denn der Verschlag ist nicht ganz blickdicht. 

 

Um 5 Uhr treffen wir uns zu einem Rundgang, um die Sehenswürdigkeiten des Namutoni Camps anzuschauen. Um 5:25 sind wir damit fertig. 

 

Wir dürfen schon ins Restaurant und diesmal gibt es á la carde - eigentlich dürfen wir zwischen zwei Vorspeisen, vier Hauptspeisen und zwei Nachspeisen wählen. 

Das Essen ist besser als die letzten beiden Tage, mit Salz wird auch hier sehr sparsam umgegangen. 

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Kuhantilope am Batia Fountain

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ein schöner Rücken kann auch entzücken

Um sieben beginnt der Night Drive. Ich überlege noch, das Hemd mitzunehmen, doch es ist immer noch recht warm und in der Nacht soll es nicht unter 22 Grad werden. 

Wir sitzen in einem Safariwagen in der letzten Reihe, weil ich für die erste Reihe zu zögerlich war. 

Zu Beginn ist es noch etwas hell, doch bald wird es stockdunkel und der weibliche Guide leuchtet mit dem roten Scheinwerfer die Gegend ab. 

 

Wir fahren den Dikdik-Drive Richtung Klein Namutoni und sehen auch gleich die winzigen Dikdiks. Die Zwergantilopen, die nicht viel größer als ein Hase sind, werden nur 30-40 cm groß und sehen sehr herzig aus. 

 

Nicht weit davon sehen wir eine Hyäne mit ihren Jungen. Die sind total neugierig und kommen an unseren Wagen. Wir dürfen mit Blitz Fotografieren, doch wenn das Tier dabei rot angeleuchtet wird, ist es auch mit Blitz leicht rosa. Wieder ein Fall für die post production. 

Bei den Hyänen sehen wir auch ein mächtiges Stachelschwein.

 

Es ist eine ganz andere Welt, Etosha in der Nacht. Die Geräusche sind viel intensiver, man hört die  Hyänen laut jaulen. Und wenn die Mutter hinter dem Auto kommt, hört man es in der Dunkelheit knirschen. 

 

Wir sehen jede Menge Giraffen und Zebras und ein paar Schakale.

 

Am Klein Okevi Waterhole sind schwarze und weiße Nashörner und drei Löwinnen. Da wollen wir morgen früh noch einmal vorbeischauen. 

 

Dann fahren wir noch die 9 km zum Tsumcor Wasserloch, wo wir heute nachmittag schon waren. 

Hui, da wird es aber ganz schön frisch beim Fahren! Christa und ich frieren in unseren kurzen T-Shirts. Auch sie hatte die Weste noch in der Hand...

 

Dort ist nur ein einzelner Löwe beim Wasserloch, noch dazu sehr weit weg. 

Wir stehen fast eine halbe Stunde da und es gibt nichts zu sehen. Vielleicht wartet der Guide auf eine Leoparden. 

 

Karsten macht Langzeitbelichtungen von der Milchstraße aus dem Auto heraus. Ich durchsuche meine Fototasche nach allem, was mich für die Rückfahrt warm hält und komme auf den Regenschutz der Kameratasche. Da ist fast wie eine Windjacke, wenn auch etwas klein für meinen Oberkörper.

 

Endlich fahren wir zurück. Ich ziehe mir den Windschutz über den Kopf, die Arme werden wie bei einer Schildkröte durch die Ärmel nach innen gezogen und vor der Brust gekreuzt. Mein Kapperl und sogar der Fächer werden unter dem T-Shirt gegen den Zugwind eingesetzt und dann rolle ich mich wie ein Igel ein. Christa und ich zerkugeln uns und Karsten macht ein Foto zur ewigen Erinnerung. Aber immerhin komme ich so einigermaßen warm die 14 km nach Namutoni zurück. 

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beim Nightdrive sehen wir unter anderem eine Fleckenhyäne mit ihren Jungen

Tag 19 - Mittwoch, 18.9.19 - Otjikotosee - Okonjima

 

Heute heißt es wieder früh raus. Um 6:50 geht das Tor des Camps auf und wir machen uns auf die Suche nach Löwen.

 

Über den Dikdik Drive fahren wir nach Klein Namutoni, es gibt keine Dikdiks und auch das Wasserloch ist verwaist. Weil die Sonne aber so dekorativ über dem Wasser steht, machen wir zumindest ein Foto davon.

 

Auf dem Weg nach Klein Okevi laufen uns ein paar Hyänen und ein Schabrakenschakal über den Weg. Auch dieses Wasserloch wie auch Groot Okevi sind verlassen.

Soll das alles gewesen sein?

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Hyänen

Zum Schluss fahren wir noch nach Tsumcor, wo gestern morgen 10 Löwen gesichtet wurden. 

Schon bei der Anfahrt sehen wir ein paar Autos am Wegrand und dann sehen wir Löwen ohne Ende!

Direkt neben unserem Auto, keine 10 Meter entfernt gehen drei Löwinnen über die Straße. Karsten wirkt gestreßt, weil er auf der verkehrten Seite sitzt. 

Plötzlich nähert sich von links ein männlicher Löwe mit mächtiger Mähne! Auch er geht sehr knapp an unserem Auto vorbei und legt sich im Busch nieder.

 

Ein ganzes Rudel mit ein paar spielwütigen Jungtieren, die sich vor uns im Sand balgen. Tolle Fotomotive! Sogar ein männliches Exemplar zeigt sich gelangweilt und beobachtet das Gerangel aus seinem Versteck im Busch. Wir sind im Fotorausch! 

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ein Löwenrudel in Tsumcor

Bye-bye Etosha!

Es dürfte sich schon herumgesprochen haben, denn es herrscht reger Gegenverkehr, als wir zurück zum Camp fahren. 

 

Das Frühstück ist wesentlich besser als in den beiden anderen staatlichen Camps, auch die Angestellten sind viel freundlicher. 

 

Bevor wir Namutoni verlassen, tanken wir noch voll und erhöhen den Reifendruck aus 2 Bar.

Vor uns versucht ein Japaner die Reifen seines Toyota Sedan zu erhöhen. Wir hören aber bis zu uns, dass er ständig nur die Luft rauslässt. Halleluja, da kann ja ewig dauern!

Der Tankwart übernimmt und in einer Minute ist er damit fertig!

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Otjikotosee

 

Otjikoto bedeutet in der Hererosprache tiefes Loch; tatsächlich ist der See eine rund 76 Meter tiefe mit Wasser gefüllte Doline, wobei er an ein zu großen Teilen noch unerforschtes unterirdisches Kanalsystem Anschluss haben soll, welches bis zu verschiedenen Wasserstellen im Etosha-Nationalpark reichen soll.

 

Während des Ersten Weltkrieges versenkte die deutsche Schutztruppe Waffen und Munition in diesem See, um sie dem Gegner nicht zu überlassen. 

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266 km bis Okonjima. Wenigstens alles auf Asphalt mit 120 km/h. Wir erreichen die Lodge um 14:30. 

Die Anfahrt auf der tadellos gepflegten Pad ist schon ein wenig abenteuerlich. 25 km durch eine sehr schöne Landschaf bergauf, zwischen Oryxen, Gnus, Zebras, Kudus und Giraffen vorbei. 

Dann kommen wir zu einem Tor, das von einem großen Raubtier geziehrt wird. Ich öffne es auf Knopfdruck und es gleitet elegant zur Seite: Welcome to Jurassic World!

das Eingangstor zum Okonjima Nature Reserve

Wir werden sehr herzlich begrüßt, der Check in Bereich schaut schon fulminant aus!

Dann fahren wir zu unseren View-Rooms, die praktischerweise nebeneinander liegen. 

Wir haben in den letzten Wochen immer sehr schön gewohnt - mit Ausnahme vom Quivertree Rest Camp vielleicht - aber das hier schlägt alles um Längen!

Die Zimmer sind riesig, im Badezimmer kann man Verstecken spielen und es gibt sogar einen Schminktisch. Das beste ist jedoch die Glasfront, die gegenüber der Betten die komplette Wand einnimmt. Der Blick geht über die weite Savanne, inklusive aller Tiere, die gerade vorbeikommen. 

Ich gehe zu Christa rüber und hebe ihre Kinnlade vom Boden auf. Es gefällt ihr also auch sehr! 

 

Nach einer kurzen Dusche bleibt nicht viel Zeit, denn um 15:30 treffen wir uns zu Kaffee und Kuchen. Es gibt einen ganz vorzüglichen Karottenkuchen und einen sehr gut aussehenden Cheesecake. Ich habe aber das Nachsehen, denn es drängen sich zwei Engländerinnen vor und nehmen die letzten beiden Stücke. So sorry, sagt die eine Funsen noch zu mir. 

Ach, die Andere will gar kein Stück - ob vielleicht ihr Mann?

So sorry, sage ich und nehme mir das letzte Stück. 

 

Wir werden einem Tisch zugeteilt auf dem schon die Teilnehmer der Leopard Tracking Tour sitzen. 

Unser Guide heißt Alfeus und erinnert mich an Kanye West. 

Die zwei anderen Paare sind aus Deutschland, zwei Namibia Spezialisten, die einen Rock Shandy für den Sundowner bestellen und ein Paar, wo sie ausschaut, als wäre sie soeben aus einem Modemagazin für Afrika Outfit entsprungen. Von den Schuhen bis zum Hut alles Ton in Ton